eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 31/2

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
10.2357/PM-2020-0029
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2020
312 Gesellschaft für Projektmanagement

Komplexität in Sicht? Dann nutze sie!

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2020
Jens Köhler
Die Kolumne „Ehrlich und Priesberg“ möchte mit unterhaltsamen Dialogen rund um das Thema „Mensch – Kommunikation, Verhalten, Entscheidungen“ Denkanstöße für den PM-Alltag geben.
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Komplexität in Sicht? Dann nutze sie! Jens Köhler Die Kolumne „Ehrlich und Priesberg“ möchte mit unterhaltsamen Dialogen rund um das Thema „Mensch - Kommunikation, Verhalten, Entscheidungen“ Denkanstöße für den PM-Alltag geben. Priesberg trifft Ehrlich nach einer Besprechung. „Es freut mich, wie einfach doch Lösungen in unserer komplexen Zeit sind. Dieselfahrverbote jetzt! Und das ist nur ein Beispiel.“ „So tragen wir nicht zur Lösung aktueller Probleme bei - da wir die Komplexität ignorieren“, entgegnet Ehrlich spöttisch. Priesberg gibt nicht auf. „Nehmen wir doch die Digitalisierung als Beispiel. Ganz wichtig ist es, die Bedeutung und Verwendung von Fachbegriffen zu standardisieren. Und wir haben hier eine ganz einfache Lösung.“ Er holt tief Luft: „Vor einiger Zeit wurde ein simples workflowbasiertes IT-Tool angeschafft, mit dem nun alle Fachbegriffe freizugeben sind. Für jeden neuen Term werden alle Mitglieder der Community per Workflow aufgefordert, diesen zu genehmigen, abzulehnen oder zu ergänzen. Und schon haben wir konsistente Terme. Völlig selbstorganisiert! “ Ehrlich beeindruckt das nicht besonders: „Von solchen Workflows gibt es viele. ‚A fool with a tool is still a fool’. Das gilt auch für Communities.“ Priesberg unterbricht: „Was willst du mir denn damit sagen? Etwa, dass wir uns nicht genügend Gedanken gemacht haben? Das Tool wurde sorgfältig ausgewählt und alle Benutzer geschult. Das war kostenintensiv. Natürlich sind die Erwartungen hoch.“ „Immer schön dran glauben … dann klappt’s schon“, stichelt Ehrlich und fährt fort: „Ich kann dir von einer Datenbank erzählen, bei der wir es auch so gemacht haben. Das Ergebnis war eine Katastrophe, denn die Komplexität war unser Gegner: Nach kurzer Zeit existierte eine Sammlung inkonsistenter und redundanter Begriffe. Es bedurfte viel Zeit, dies zu korrigieren. Den Workflow hatten wir dann gestoppt und ein zentrales Gremium definiert, das bis heute über die Begriffe wacht.“ „Also zurück auf Los“, entgegnet Priesberg ernüchtert, „wir müssen zuerst die Komplexität beseitigen.“ „Sei neugierig auf Komplexität und nutze sie! “ grinst Ehrlich. Er fährt fort: „Sie steckt hier in der Kommunikation: Wer ist diese Community und warum hat sie die Fachbegriffe zu entscheiden? “ Priesberg erwidert: „Wenn wir unsere Computer mit Daten füttern, dann muss festgelegt sein, was diese Daten inhaltlich bedeuten. Und das muss unabhängig von den Personen sein, welche die Daten erzeugen und eingeben. Also müssen Fachexperten - die Community - die Begriffe gemeinsam festlegen. Um den Daten eine Bedeutung zu geben.“ „Wie wirkt sich ein Workflow auf die Community aus? Wird damit die Zusammenarbeit gefördert oder eher individuelle Sichtweisen gefestigt? “, fragt Ehrlich. Priesberg ist ernüchtert: „Wenn du so fragst: Die Community existiert virtuell und hat sich einmal persönlich getroffen, das war’s aber auch schon. Die individuelle Sichtweise wird wahrscheinlich gefestigt, daher erwarte ich uneinheitliche Fachbegriffe.“ Jetzt hat ihn Ehrlich so weit: „Was könnte die Community stärken? “ Priesberg überlegt: „Mit jedem einheitlichen Fachbegriffwird die Firma ein Stück weit digitaler und die Community erreicht Schritt für Schritt ihr Digitalisierungsziel. Aber wo hilft uns jetzt die Komplexität? “ Ehrlich fragt: „Nicht so ungeduldig, das kommt schon noch. Denk’ immer daran: Komplexität ist ein Hebel, den wir verwenden sollten. Welche Hebel gibt es denn? “ Priesberg grübelt laut: „Das Unternehmen will digital werden …“, Ehrlich fällt ihm ins Wort, „also haben wir schon einen Rahmenparameter - ‚Digital werden‘ ist damit positiv besetzt und zudem priorisiert.“ Priesberg überlegt weiter: „Die nächsten Hürden sind die zähen Diskussionen über die Fachbegriffe. Davor graut es mir.“ Er stockt kurz: „Wenn wir aber ein paar Begriffe gefunden haben, die zeigen, wie Digitalisierung wirkt, dann wird dies in der Community für Schwung sorgen, oder? “ Ehrlich nickt: „Ja, so ist es, ein selbstverstärkender Mechanismus setzt ein: Die nächsten Begriffe werden schneller gefunden und irgendwann spricht die Community mit einer Kolumne Komplexität in Sicht? Dann nutze sie! DOI 10.2357/ PM-2020-0029 31. Jahrgang · 02/ 2020 74 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 31. Jahrgang · 02/ 2020 DOI 10.2357/ PM-2020-0029 Zielgerichtet. Effizient. Klar. Die 2. Auflage ist da! Zielgerichtet. Effizient. Klar. Die 2. Auflage ist da! 14_Koehler.indd 74 28.04.2020 14: 44: 27 Stimme. Man spürt dann: ‚Wir tragen als Ganzes zur Digitalisierung bei‘.“ Priesberg übernimmt: „Wir nutzen also den Rahmenparameter ‚digitales Unternehmen‘ und den Kontrollparameter ‚gemeinsam einheitliche Fachbegriffe finden‘ konsequent aus? “ Ehrlich fasst zusammen: „Genau so ist es. Und durch das gemeinsame Erfolgserlebnis sichern wir das Ergebnis ab und erhalten somit saubere Terme - unseren Ordnungsparameter. Es wird einfach, wenn mit der Komplexität und nicht gegen sie gearbeitet wird - wie das bei vermeintlich simplen Lösungen der Fall ist. Dann muss man auch nicht wieder zurück auf Los.“ Dr. Jens Köhler Dr. Jens Köhler, BASF SE, fokussiert sich auf die Digitalisierung in Forschung und Entwicklung. Sein Spezialgebiet ist die Regulation sozialer Komplexität zur Effizienz- und Effektivitätssteigerung von Projektteams. Anschrift: BASF SE, RB / IC, 67 056 Ludwigshafen, E-Mail: Jens.Koehler@basf.com Eingangsabbildung: © iStock.com/ ComebackImages Anzeige Kolumne | Komplexität in Sicht? Dann nutze sie! 75 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 31. Jahrgang · 02/ 2020 DOI 10.2357/ PM-2020-0029 Zielgerichtet. Effizient. Klar. Die 2. Auflage ist da! Marcus Schulz Projektmanagement Projektmanagement Zielgerichtet. Effizient. Klar. Die 2. Auflage ist da! uvk.de 14_Koehler_NEU.indd 75 18.05.2020 15: 29: 37