eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 32/4

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2021-0066
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2021
324 Gesellschaft für Projektmanagement

Nachhaltigkeit im Maschinen- und Anlagenbau

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2021
Jasmin Rosenberg
Thomas Naß
In der Vergangenheit ist Nachhaltigkeit zunehmend zu einem wichtigen Baustein zahlreicher Unternehmensstrategien geworden. Auch die EDUR-Pumpenfabrik aus Kiel hat längst erkannt, wie wichtig es ist, nachhaltig zu handeln und zeigt, wie Produkte, Prozesse oder das Unternehmensumfeld nachhaltiger gestaltet werden können.
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23 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0066 Im Fokus: Die EDUR-Pumpenfabrik Nachhaltigkeit im Maschinen- und Anlagenbau Jasmin Rosenberg, Thomas Naß Für eilige Leser | In der Vergangenheit ist Nachhaltigkeit zunehmend zu einem wichtigen Baustein zahlreicher Unternehmensstrategien geworden. Auch die EDUR-Pumpenfabrik aus Kiel hat längst erkannt, wie wichtig es ist, nachhaltig zu handeln und zeigt, wie Produkte, Prozesse oder das Unternehmensumfeld nachhaltiger gestaltet werden können. Schlagwörter | Pumpenfabrik, grün, nachhaltiges Handeln, regionale Entwicklung Nachhaltigkeit ist schon lange kein Trendthema in der Unternehmenslandschaft mehr. In der Gesellschaft, insbesondere in den jüngeren Generationen, wird dem Thema nach wie vor eine hohe Relevanz beigemessen und neben diversen politisch gesteuerten Rahmenbedingungen übernehmen auch die Unternehmen selbst mehr Verantwortung für nachhaltiges Handeln. Doch während es beispielsweise für Start-ups ein Leichteres ist, Produkte, Prozesse und Unternehmensumfeld von Beginn an nachhaltig zu denken und umzusetzen, ist eine Umstellung für so manch älteres Unternehmen eine deutlich größere Herausforderung. Die EDUR-Pumpenfabrik ist seit 1927 am Markt aktiv und hat das Thema Nachhaltigkeit schon vor einigen Jahren in der Unternehmensstrategie verankert. Mit der Unterstützung der Initiative Blue Competence des Verbands Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) hat sich der Pumpenhersteller aus Norddeutschland ganz offiziell zur Einhaltung von zwölf Nachhaltigkeitsleitsätzen verpflichtet. Diese beziehen sich im Wesentlichen auf das strategische, operative, kulturelle und kommunikative Handeln. Dazu zählen etwa das Bestreben, die Entwicklung und die Bereitstellung von Lösungen für relevante Zukunftstechnologien, etwa im Energiesektor, voranzutreiben oder mit Ressourcen schonend umzugehen. Auch ein gesteigertes Bewusstsein zum nachhaltigen Handeln bei Mitarbeiter*innen gehört zu den Aufgaben der Initiativpartner. Als Vorbilder sollen sie auf diese Weise andere Unternehmen davon überzeugen, dass man auch bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten wirtschaftlich wachsen und für Folgegenerationen Gutes tun kann. Von der Strategie in die Praxis-- wie sehen die Nachhaltigkeitsbemühungen bei EDUR konkret aus? Betrachtet man das Produktangebot des Pumpenherstellers, fällt direkt auf: Bei EDUR wird nicht eine Pumpe in Serie gefertigt. Kern der Produktstrategie ist die optimale Auslegung jeder einzelnen Kreiselpumpe auf die jeweilige Anwendung. Die Kunden legen zusammen mit den EDUR-Vertriebsingenieuren bei der Wahl ihrer Pumpe den Grundstein in Hinblick Foto: © EDUR Reportage | Nachhaltigkeit im Maschinen- und Anlagenbau 24 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0066 auf einen energieeffizienten, langlebigen und zuverlässigen Betrieb. Es geht immer um ein Gesamtsystem, in das die EDUR-Pumpe optimal eingebunden wird. Durch den Einsatz von Motoren mit den stets höchsten Energieeffizienzklassen wird die Gesamtlösung abgerundet. Erst ab Bestellung beginnt der Bau einer Pumpe. Um den Kunden eine Vielfalt an Optionen bieten zu können, müssen natürlich viele unterschiedliche Teile vorhanden sein. Über 20.000 Varianten innerhalb kürzester Lieferzeit bei gleichzeitig eher geringen Lagerbeständen- - dieses Zieldreieck löst EDUR mit einem ausgeklügelten Baukastensystem. Die EDUR-Kreiselpumpen finden in diversen nachhaltigkeitsrelevanten Anwendungen Einsatz, wie etwa in der Abwassertechnik, die für einen verantwortungsvollen Umgang mit der knappen Ressource Wasser essenziell ist. Dort werden sie beispielsweise in Flotationsanlagen zur Aufbereitung von Industrie- oder Trinkwasser benötigt. In der Energietechnik werden die Pumpen zur Gewinnung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff eingesetzt. Die Erzeugung von grünem Wasserstoff als erneuerbare Energie, z. B. durch Elektrolyse, trägt zu einer sauberen Energieversorgung bei und zahlt somit positiv in die im letzten Jahr von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Wasserstoffstrategie zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen ein. In der EDUR-Konstruktionsabteilung wird darüber hinaus kontinuierlich an der Optimierung bestehender Baureihen bzw. Entwicklung neuer Pumpentypen gearbeitet, um weitere zukunftsrelevante Anwendungen erschließen zu können. Die Nachhaltigkeitsbemühungen gehen sogar über die Inbetriebnahme der Pumpen hinaus. So werden sie im Schadensfall nicht direkt gegen neue ausgetauscht. Der Service bietet für alle gefertigten Pumpen Ersatzteile für mindestens 10 Jahre an. Bei Einsendungen zur Instandsetzung werden die Pumpen in der Regel in einen Zustand entsprechend einer Neupumpe versetzt. In einigen Anlagen sind die Kreiselpumpen aufgrund ihrer Langlebigkeit teils mehrere Jahrzehnte aktiv gewesen. Bei sehr alten Pumpen wird daher gemeinsam mit dem Kunden entschieden, ob beispielsweise aufgrund von besseren Energieeffizienzwerten die Investition in eine neue Pumpe sinnvoller ist als die Instandsetzung der bestehenden. Bei einer Entscheidung für die neue Pumpenlösung werden die ausgemusterten Pumpen dann fachgerecht dem Werkstoffkreislauf zurückgeführt und recycelt. Neben den produktbezogenen Aspekten lohnt sich auch ein Blick auf die ständige Optimierung der internen Prozesse bei EDUR. Hier nimmt die fortschreitende Digitalisierung in dem mittelständischen Unternehmen einen hohen Stellenwert ein, welche sich im Ergebnis ebenfalls positiv auf die Nachhaltigkeit auswirkt. Waren die Informationsprozesse in der Produktion der Pumpenfabrik bis vor einigen Jahren noch traditionell organisiert, d. h. die Mitarbeiter*innen erhielten die Arbeitsaufträge noch in Papierform, so sind heute sämtliche Arbeitsplätze in der Fertigung an das ERP-System angeschlossen. Dadurch können sämtliche Aufträge und dazugehörige Informationen wie Zeichnungen direkt an den Arbeitsplätzen aufgerufen werden. Materielle und personelle Foto: © EDUR Foto: © EDUR Reportage | Nachhaltigkeit im Maschinen- und Anlagenbau 25 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0066 Ressourcen werden geschont, u. a. durch die deutliche Reduzierung von Fehlerquellen und Abstimmungsbedürfnissen. Heute ist ein Ausdruck auf Papier die absolute Ausnahme. Gefördert wird das Projekt vom Schleswig-Holsteinischen Landesprogramm mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Aufgrund der Corona-Pandemie wurde zudem ein großer Teil der Belegschaft innerhalb kürzester Zeit mit der Möglichkeit zum mobilen Arbeiten im Home-Office ausgestattet. Das tägliche Pendeln vieler Mitarbeiter ist dadurch weggefallen-- Klima und Umwelt profitieren davon. Schon jetzt steht bei EDUR fest: Auch Post-Corona soll Arbeiten im Home-Office an einigen Tagen der Woche möglich bleiben. Abseits des operativen Handelns hat sich der Pumpenhersteller aus Kiel auch schon vor einigen Jahren mit dem Neubau am neuen Kieler Standort in Sachen Nachhaltigkeit für die Zukunft gerüstet. So wurde das neue Gebäude, welches 2014 fertiggestellt wurde, mit der zum damaligen Zeitpunkt höchsten Energieeffizienzstufe errichtet. Neben heutigen baulichen Standards wie einer guten Isolierung oder der Dreifach-Verglasung der Fenster wurde auch eine Abluftanlage zur Wärme-Rückgewinnung installiert. Während im alten Werk noch 100.000 Liter Heizöl im Jahr benötigt wurden, so sind es heute etwa 27.000 m² Erdgas. Das entspricht einer Einsparung von 240 Tonnen CO2 pro Jahr. Darüber hinaus tragen regelmäßige Investition in einen modernen Maschinenpark zur Reduzierung des Energieverbrauchs bei. Und auch wenn das Gebäude erst wenige Jahre alt ist, so ist EDUR laufend weiter bemüht, die eigene Ökobilanz zu verbessern: Aktuell werden die Leuchtmittel in der Produktion durch energiesparende LEDs ausgetauscht. Das Projekt zur ressourcenschonenden Energieversorgung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Auch die Grundstücksgröße wurde beim damaligen Kauf bereits berücksichtigt und bewusst etwas großzügiger gewählt. Im Falle einer Expansion bietet das Werksgelände noch Raum für den Bau einer weiteren Produktionshalle. Ein großer Teil der Grünflächen wird derweil als Blumenwiese für ausgeliehene Bienenvölker genutzt. Die insektenfreundlichen Blühflächen wurden vor einigen Jahren im Rahmen der Teilnahme an der Landesinitiative „Schleswig-Holstein blüht auf“ angelegt. Die Leihgabe der Bienen entstammt einer Kooperation mit dem befreundeten Walterwerk Kiel. Die Insekten fühlen sich in ihrem Lebensraum sehr wohl und so konnte im letzten Jahr erstmals eigener Honig bei EDUR geerntet werden. Die streng limitierte Abfüllung wurde somit zum ganz besonderen Kundengeschenk: ein Stück nachhaltiger Maschinenbau im Glas-- das kam wirklich bei jedem gut an! Das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln ist längst in allen Unternehmensbereichen bei EDUR angekommen. Selbstverständlich gibt es in der Wertschöpfungskette noch weitere Anknüpfungspunkte zur Optimierung. Über bereits realisierte Projekte ist man bei EDUR aber auch ein wenig stolz und gleichzeitig motiviert, weiter an dem Thema Nachhaltigkeit zu arbeiten, um mit gutem Beispiel voran zu gehen. Eingangsabbildung: © EDUR Foto: © EDUR Die EDUR-Pumpenfabrik ist ein mittelständischer Hersteller von Kreiselpumpen mit Sitz in Kiel. Gegründet wurde das Familienunternehmen 1927. Die Pumpen werden weltweit insbesondere in den Bereichen Flüssiggas, Kältetechnik, industrielle Reinigungstechnik, Energietechnik sowie Wasser- und Abwassertechnik eingesetzt. Jasmin Rosenberg Jasmin Rosenberg verantwortet das Marketing der EDUR-Pumpenfabrik und ist dort seit 2019 als Leiterin Marketing und Kommunikation tätig. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in der Entwicklung und Umsetzung einer ganzheitlichen Marketingstrategie bei EDUR. Thomas Naß Thomas Naß ist Geschäftsführer der EDUR-Pumpenfabrik. Seit 2000 im Unternehmen, heute verantwortlich für die Bereiche IT, Produktion, Finanzen und Personal.