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PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2021-0068
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324 Gesellschaft für Projektmanagement

Hasso Reschke zum 80. Geburtstag

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Daniel Stumpf
In den zurückliegenden vierzig Jahren haben sich Projektmanagement und die GPM gut entwickelt und entfaltet. Professor Hasso Reschke hat den Aufstieg der Disziplin Projektmanagement und unseres Verbandes miterlebt – und vor allem entscheidend mitgeprägt. Im September feiert der Gründungsvorstand und GPM Ehrenvorsitzende seinen achtzigsten Geburtstag. Zeit für eine Würdigung der Verdienste von Professor Hasso Reschke – und ein Blick auf sein bedeutendes Engagement.
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30 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0068 Zum Geburtstag Hasso Reschke zum 80. Geburtstag Daniel Stumpf, Vize-Präsident der GPM In den zurückliegenden vierzig Jahren haben sich Projektmanagement und die GPM gut entwickelt und entfaltet. Professor Hasso Reschke hat den Aufstieg der Disziplin Projektmanagement und unseres Verbandes miterlebt-- und vor allem entscheidend mitgeprägt. Im September feiert der Gründungsvorstand und GPM Ehrenvorsitzende seinen achtzigsten Geburtstag. Zeit für eine Würdigung der Verdienste von Professor Hasso Reschke-- und ein Blick auf sein bedeutendes Engagement. Um ein Haar wäre er kein Projektmanager geworden, so bemerkte einmal Professor Hasso Reschke, Ehrenvorsitzender der GPM. Der Zufall gepaart mit Neugier und dem Reiz des Unbekannten brachte ihn Anfang der 1970er Jahre ans Projektmanagement. Der Zufall: Hasso Reschke war ins Controlling bei Dornier geraten, dem deutschlandweit renommierten Konzern für Luft- und Raumfahrt. Er bearbeitete umfangreiche Kostenlisten- - eine Aufgabe, die er sich kaum als reizvolle Zukunftsperspektive vorstellen konnte. Der Reiz des Unbekannten: Er hörte bei Dornier von Netzplantechnik, einer Art „Geheimwissenschaft“. Dies brachte ihn bei Dornier in den Kreis um Roland Gutsch, den deutschen Pionier des Projektmanagements. Ehe er sich versah, hatte er sein erstes Projekt- - und seine Lebensaufgabe: nämlich das Projektmanagement. So wie ihn Zufall und Neugier zu seiner Lebensaufgabe Projektmanagement führten-- so verdanken ihm das Projektmanagement und die GPM vieles. Hasso Reschke trug maßgeblich dazu bei, das Projektmanagement zu entwickeln, zu entfalten und zu verbreiten. Er gehörte mit zu der Handvoll Gründerinnen und Gründer, die 1979 die GPM ins Leben riefen. Und er führte den Verband als Vorstand und Vorsitzender erfolgreich auch durch manches Tal der Tränen. Im Jahr 2000 erhielt er dafür das Bundesverdienstkreuz, ausdrücklich für die langjährigen Verdienste im Projektmanagement zur Förderung der deutschen Wirtschaft. „Projekte sind schlichtweg nie langweilig“, sagte Hasso Reschke vor einigen Jahren, „die Herausforderungen liegen jedes Mal neu.“ Er entdeckte für sich nicht nur den Reiz von Projekten, sondern auch der dahinter liegenden Methodik. Doch hinter dieser Methode lag noch mehr: Nämlich der Mensch, der in Projekten arbeitet. Heute sind Projektmanagerinnen und Projektmanager vielfach gut qualifiziert, zertifiziert und breit akzeptiert. Die GPM als Verein-- getragen vom ehrenamtlichen Engagement hunderter Fachleute-- hat maßgeblich dazu beigetragen. Doch dies alles fehlte in den 1970er Jahren. Projektmanagende standen in keinem guten Ruf: Ihre Position im Unternehmen war schwach. Vielfach galten sie als machtlose Koordinatoren und einsame „Projektkümmerer“. Solche frühen Erfahrungen prägten auch Hasso Reschke. Sein Augenmerk, sagte er einmal, galt fortan der Position und Akzeptanz der Projektmanagerinnen und Projektmanager. Für die, die in Projekten arbeiten, schlägt bis heute sein Herz. Sie zu fördern und mit allem zu unterstützen, was sie brauchen-- das machte Hasso Reschke ebenfalls zu seiner Lebensaufgabe. Also: Haben die, die Projekte leiten, einen guten Platz in der Organisation? Haben sie Befugnisse, werden sie ordentlich qualifiziert? Und: Erfahren sie kollegiale Wertschätzung? Sind sie auf „Augenhöhe“ mit der Linie? Nicht nur um praktische Fragen wie die Qualifikation ging es Hasso Reschke, sondern auch um Ansehen und Wohlergehen seiner Kolleginnen und Kollegen. Projektmanagerinnen und Projektmanager brauchten, so wurde ihm deutlich, eine Plattform und ein Sprachrohr. Eine Community, wie man dies heute nennen würde. So beteiligte er sich an einem heißen Sommertag 1979 daran, die GPM aus der Taufe zu heben. Der neue Verein sollte den über Deutschland verstreuten Projektmanagenden eine Heimat geben, ein Netzwerk für Austausch, Qualifikation, Kollegialität und gegenseitige Hilfe. Projektmanagement war in der Wirtschaft nach wie vor kaum bekannt. Der Begriff wurde häufig noch in Anführungszeichen geschrieben; mit dem vorangestellten Wort „sogenannt“ wurde Projektmanagement ins Reich der Neuerungen und Neumoden verwiesen, die sich erst noch zu beweisen hatten. Eine solche Gelegenheit zum „Sich-Beweisen“ des Projektmanagements fasste die GPM direkt im Gründungsjahr beim Schopfe. Sie holte im September 1979 internationale Projektmanagement-Fachleute nach Deutschland. Der soeben erst gegründete Verein veranstaltete den sechsten INTER- NET-Kongress, eine Art Vorläufer des IPM-Weltkongresses. Bei diesem Kongress in Garmisch-Partenkirchen kam es zum ersten Mal zu der bemerkenswerten Zusammenarbeit zwischen Professor Hasso Reschke und Professor Heinz Schelle. Heinz Schelle nahm das Fachliche des INTERNET-Kongresses unter seine Fittiche. Hasso Reschke stellte derweil den Kongress organisatorisch auf die Beine-- eine Arbeitsteilung zwischen den beiden Experten, von der die GPM über Jahre profitieren sollte. Von diesem Kongress ging ein erstes Signal an die deutsche Wirtschaft: Projektmanagement war in Deutschland angekommen. Und die GPM auch. Geburtstag | Hasso Reschke zum 80. Geburtstag Nach der Gründung des Vereins war Hasso Reschke fast zwanzig Jahre, bis 1998, GPM Vorstand, zuletzt ihr Vorstandsvorsitzender. Er krempelte mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern die Ärmel hoch. Gemeinsam durchforsteten sie Anfang der 1980er Jahre die Stellenanzeigen der Tageszeitungen und bauten einen Adressbestand für den Verein auf. Eine Zeitzeugin: „Das Startkapital waren eine Kugelkopfschreibmaschine und viele gute Ideen.“ Einige bezeichnen Hasso Reschke als „Spiritus Rector“ des Projektmanagements, andere als „Motor“ der GPM. Wieder andere sagen, als Vorstand habe er die GPM mit pfiffigen Ideen auf Erfolgskurs gebracht. Das seit 1983 bestehende PM Forum war eine seiner Ideen. Die Geschichte ist die: Vier Jahre nach der Gründung war es nicht zum Besten um die GPM bestellt. Es fehlte an Geld (Hasso Reschke: „Wir sahen nur noch den blanken Boden unserer Vereinskasse“). Es mangelte an Mitgliedern sowie Plattformen für die Verbreitung von Projektmanagement. So brachte er einen deutschen Projektmanagement-Kongress ins Gespräch. Mit einem Forum konnte die GPM gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Projektmanagement in die Breite tragen („Missionszwecke“) und zudem Einnahmen generieren („Aufbesserung der Kasse“). Das erste PM Forum in Würzburg war-- zur Überraschung der noch kleinen Community-- mit 150 Teilnehmern ein guter Erfolg. Es bot 18 Vorträge, zwei Workshops, zwei Kurzseminare und eine noch kleine Industrieausstellung. Damit war das Forum aus dem Stand heraus einträglich-- nicht nur fachlich, sondern auch finanziell für die GPM. Der Verband kam auf Erfolgskurs. Beim zweiten Kongress 1984 in Heidelberg kamen bereits 250 Fachleute zusammen. 1985 waren es in Bremen 280, 1986 in Bad Honnef 330 und 1987 in Friedrichshafen mehr als 450. Viele, die mit Hassos Reschke für das Projektmanagement arbeiteten, loben seinen gesunden Pragmatismus, seinen Ideenreichtum und seine Gabe, trotz geringer Mitgliederzahl und leerer Kasse Repräsentatives auf den Weg zu bringen. Auch in schwierigen Situationen gelingt es Hasso Reschke mit sicherer Hand, unterschiedliche Menschen und Interessen zu integrieren. Das Wesentliche behält er dabei immer im Auge. Er wird beschrieben als schlagfertiger Redner und geschickter Diskussionspartner, der auch überhitzte Gemüter sanft auf den Teppich zurückzuholen vermag. „Immer war Hasso der ruhende Pol, der sich mit seiner Erfahrung und Reputation Respekt verschaffte, Wege aus Krisen fand und diese durchsetzte“, schrieb jemand, der ihn gut kennt. Vor allem: Hasso Reschkes Wort gilt. Persönliche Integrität und absolute Verlässlichkeit sind der Kern seines Wesens. Hinzu kommen sein starkes Engagement und eine gute Portion Hemdsärmeligkeit: Als die GPM anfangs in den Kinderschuhen steckte und von einem eigenen Büro keine Rede sein konnte-- da bezog sie Quartier in Hasso Reschkes Privathaus. Die Familienküche wurde flugs zum Versandzentrum für Briefe und Newsletter; er gewann seine Frau Angelika für das Sekretariat und seine Kinder für den Versandservice der Newsletter. Hasso Reschke war nach seiner Zeit bei Dornier 1973 zur European Space Agency ESA gewechselt. Dort blieb er nicht lange. Er ging in die Lehre- - mit den Erfahrungen aus der Wirtschaft als Rückenwind. 1975 wechselte Hasso Reschke zur Fachhochschule Landshut, später lehrte er an der Fachhochschule München. Er verschrieb sich immer mehr der Aufgabe, Projektmanagerinnen und Projektmanager zu qualifizieren. So machte er als einer der ersten junge Studierende mit Projektmanagement bekannt. In dieser Zeit begann sich Projektmanagement in Deutschland schrittweise zu verbreiten. Die Missionsarbeit der GPM, an der er sich unermüdlich beteiligte, zahlte sich aus. Die aufstrebende Computertechnologie leistete Vorschub für diesen Trend: Zum einen gab es in der IT-Branche großangelegte Projekte. Diese Projekte berührten vielfach den Lebensnerv von Unternehmen, und man erkannte dort, dass die Vorhaben professionell zu managen waren. Zum anderen unterstütze Software die Planung und nahm beim Projektmanagement viel Arbeit ab. Je leistungsfähiger Computer wurden, desto mehr erleichterten sie Planung und Steuerung von Projekten. Hasso Reschke, dem es immer an Entwicklung und Weitergabe von PM-Know-how gelegen war, beteiligte sich als Herausgeber an Lehrwerken, die schnell Standards setzten, darunter das grundlegende, zweibändige „Handbuch Projektmanagement“ sowie im Jahr Project Office ist Enterprise-Software für beeindruckende Projekte wie den Gotthard- Basistunnel. Agiles Teamwork und hohe Prozesssicherheit verbinden sich dabei zu konsequent hybridem Projektmanagement. Mit agilen Elementen wie Task Boards, Issues und Activities machen Sie Ihre Teams schneller und produktiver. Bewährte Elemente wie die Planung der Ecktermine liefern zuverlässige Leitplanken. Erfolgreiche Projekte durch verlässliche Prozesse und bessere Teamarbeit Engineering success - the agile way WEBCAST | Agil, klassisch, hybrid Die maßgeschneiderte Lösung für Ihr Projekt 26. Oktober, 10: 00 Uhr https: / / bit.ly/ 2V3vLhS energizing great minds contact-sofware.com Anzeige Geburtstag | Hasso Reschke zum 80. Geburtstag 32 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0068 1990-- gemeinsam mit Heinz Schelle-- das bis heute erhältliche Fachbuch „Dimensions of Project Management: Fundamentals, Techniques, Organization, Applications“, eine englischsprachige Festschrift für Roland Gutsch, die später auch ins Russische übersetzt wurde. Zudem entwickelte Hasso Reschke gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen umfangreiche Projektmanagement- Lehrgänge- - lange vor dem Lehrgang „Projektmanagement Fachmann / -frau“ oder den IPMA 4 Level Ausbildungen. 1982 gründete er eine GPM Projektmanagement Akademie. Das war damals noch zu früh; ein umfangreicher Lehrgang war der Industrie noch nicht vermittelbar. Er war seiner Zeit voraus. Doch in den 1990er Jahren war das Seminar „Projektmanagement effizient organisieren und wirkungsvoll einführen“, an dem er maßgeblich beteiligt war, zugleich Klassiker und Kassenschlager bei der GPM. Zudem rührte er auch außerhalb der Fachkreise die Werbetrommel für Projektmanagement. So veröffentlichte er mit anderen eine achtseitige Artikelserie über Projektmanagement in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, eine Artikelreihe, die für viele eine Initialzündung für „ihr“ Projektmanagement wurde. Im Jahr 1998 zog er sich aus dem GPM Vorstand zurück. Es war nach fast 19 Jahren Zeit für einen Generationswechsel und dafür, jungen Kolleginnen und Kollegen Platz zum Wachstum zu geben. Doch weiterhin wirft Hasso Reschke als Gründungsvorstand seine Seniorität in die Waagschale-- und packt tatkräftig mit an, die GPM voranzubringen und Projektmanagement in Deutschland weiter zu verbreiten. So begleitete er im Kuratorium die GPM auf ihrem Wachstumsweg. Er wirkte am 1997 gegründeten Studienpreis Projektmanagement mit und las geduldig dutzende akademischer Arbeiten, die in den Wettbewerben eingereicht wurden. Zudem rief er mit anderen den „Roland Gutsch Project Management Award“ ins Leben, ein Preis für vorbildliche Projektschaffende in Wirtschaft und Gesellschaft. Der erste Award ging an Heinz Palme, dem Chef-Projektmanager der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006. Darüber hinaus wandte Hasso Reschke sich weiter der Vermittlung von Know-how zu. In Kooperation mit der GPM veranstaltete er seine vielbeachteten Expertentagungen, mit denen er früh aufkommende Trendthemen im Projektmanagement aufgriff und neuen Zielgruppen vermittelte. Beispielsweise führte er im Jahr 2000 eine Tagung zu einem damals brandneuen Thema durch, das heute selbstverständlich ist- - Project Management Offices. Diese Expertentagungen erschlossen für Projektmanagement und auch für die GPM neue Kreise und Zielgruppen, und sie bauten zusätzliche Netzwerke auf. In den vergangenen Jahren ist Hasso Reschke zu einem Thema zurückgekehrt, das ihn seit Jahren begleitet: Die kaufmännische Seite im Projektmanagement, vor allem im internationalen Projektgeschäft. So wenig er sich in seinen ersten Berufsjahren bei Dornier mit dem Controlling anfreunden konnte, mit dem Durchrechnen von Kostenlisten- - so sehr liegt ihm das Kaufmännische des Projektmanagements am Herzen. Bis heute. Mitte der 1990er Jahre führte Hasso Reschke in umfangreichen Lehrgängen Wirtschaftsingenieurinnen und Wirtschaftsingenieure ein in die kaufmännischen Aspekte des internationalen Projektgeschäfts. Sich auf das Kaufmännische zu konzentrieren- - damit war er im damals vielfach noch technisch orientiertem Projektmanagement seiner Zeit voraus. Er blieb der kaufmännischen Seite des Projektmanagements treu. 2019 rief er die GPM Fachgruppe „Commercial Project Management“ mit ins Leben. Die Liste der an der Gründung beteiligten Unternehmen liest sich wie das Who-is-who des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus. Innerhalb der Fachgruppe brachte er sein umfangreiches Wissen in die Entwicklung ein. Er wirkte an Fachbüchern mit, darunter einem Standardwerk, in dem er gemeinsam mit Industrie-Fachleuten den Rahmen von Commercial Project Management absteckt. „Mehr und mehr Unternehmen erkennen, wie wichtig die kaufmännischen Aspekte für erfolgreiches Projektmanagement sind“, erklärte er in einem Interview. Bei allen Fortschritten-- Commercial Project Management ist nach wie vor im Aufbau, und das erinnert ihn an das Missionieren in Sachen Projektmanagement vor über 40 Jahren. Professor Hasso Reschke kam zum Projektmanagement wie viele später nach ihm. Nämlich durch Zufall und Neugier. Er aber machte den Aufbau und die Verbreitung von Projektmanagement zu seiner Lebensaufgabe-- und hat sich damit bedeutend verdient gemacht, sowohl um diese Disziplin als auch um die GPM. Alle in der GPM und im Projektmanagement Tätigen sind ihm zu Dank verpflichtet. Die GPM wünscht ihm zu seinem achtzigsten Geburtstag Gesundheit und weiterhin Tatkraft. Dass er Anfang der 1970er Jahre so neugierig auf Projektmanagement war-- das war für die GPM ein Glücksfall! Redaktionelle Mitwirkung: Oliver Steeger Heinz Schelle, Gründungsmitglied, Vorstand 1979-1998, Ehrenvorsitzender; Traudl Schelle Es war im Herbst 1976 in Birmingham auf dem 5. (! )Internet-- später IPMA-- Weltkongress. Deutschland hatte bislang noch keinen organisiert. Ich traf Herrn Gutsch von der Firma Dornier, der versprochen hatte, das 1979 nachzuholen. Er fragte mich, ob ich Lust hätte, die Programmverantwortung für den 6. Weltkongress 1979 in Deutschland zu übernehmen. Als ich ein wenig zögerte, fügte er hinzu, dass er bereits einen Organisationschef habe, der sein Handwerk hervorragend verstehe. Der bereits angeworbene Vorsitzende des Organisationskomitee war Prof. Dr. Hasso Reschke, damals Professor an der Fachhochschule Landshut, vorher Mitarbeiter von Gutsch bei Dornier in Friedrichshafen. Ich lernte Reschke bald darauf persönlich kennen und es zeigte sich, dass Gutsch nicht übertrieben hatte. Reschke war ein Meister der Organisation und das musste er bei den Bedingungen, unter denen wir den Kongress durchzuführen hatten, auch sein. Wir hatten nämlich keinen Pfenning Geld, keine Organisation und auch noch keinen Tagungsort. Wir fanden aber beide bald unter unserem gemeinsamen Ziel zueinander, auch wenn wir zunächst keine Ahnung von der Organisation eines großen Kongresses hatten. Bald zeigten sich noch zwei andere hervorstechende Eigenschaften meines Partners. Reschke war absolut zuverlässig und sehr kreativ. Nicht nur der Weltkongress war ein großer Erfolg und makellos organisiert. Später lieferte eine seiner zahlreichen Ideen auch den Initialfunken für das Wachstum der GPM: das erste erfolgreiche Forum 1983 in Würzburg. Von da an ging es mit unserer Gesellschaft bergauf. Was immer er in den folgenden, oft sehr schweren Zeiten, anpackte, macht deutlich, wie sehr er und seine Frau Angelika sich-- ehrenamtlich-- mit den Zielen der GPM identifizier- Geburtstag | Hasso Reschke zum 80. Geburtstag 33 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0068 ten. Es stimmt, dass seine Kinder schon beim Frühstück fragten, ob das Forum kostendeckend sein werde. Dass das erste Wort, das sie sprechen konnten, aber break even war, ist eine Legende. Möglicherweise gäbe es die GPM gar nicht, wenn Angelika Reschke nicht bedingungslos hinter ihrem Mann gestanden wäre und ihn so, wie sie es getan hat, unterstützt hätte. Herzlichen Dank Angelika. Nur einmal hat Reschke mich im Stich gelassen. Die Situation: Weltkongress 1979, Bayerischer Abend in der Bayernhalle Garmisch-Partenkirchen, Tagungsteilnehmer aus aller Herren Länder, die Stimmung auf dem Höhepunkt. Der Wermutstropfen: Das Freibierkontingent war erschöpft. Der Wirt bat uns, von der Bühne aus zu verkünden, dass ab sofort bezahlt werden muss. Reschke weigerte sich, dies den Feiernden mitzuteilen. Gutsch und ich auch. So zahlten wir eben aus der Kongresskasse. Die unzähligen Aktivitäten Reschkes für die GPM aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Laudatio bei weitem sprengen. Die anderen Gratulanten werden andere Verdienste hervorheben, vor allem auch die Leistungen in der IPMA. Deshalb seien nur noch drei m. E. besonders wichtige erwähnt: Die Veranstaltung von großen Tagungen für die Pharmaindustrie, die vielen Foren, die wir zusammen realisierten (in jedem Fall mehr als 10) und die Entwicklung des Konzepts Commercial Project Management in neuerer Zeit. Mit Recht erhielt er für alle seine Leistungen im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Lieber Hasso: Zum Schluss möchte ich Dir und Deiner Frau, auch im Namen meiner Frau, für die 45-jährige Freundschaft herzlich danken und Dir und Angelika noch viele Jahre des Schaffens und der Gesundheit wünschen. Prof. Dr. Yvonne Schoper, Vorstandmitglied 2012-2015, Vorsitzende des Präsidialrats der GPM e. V. Es muss im Frühjahr 1988 gewesen sein, als ein charismatischer Professor mit leicht bayrischem Zungenschlag in den Vorlesungssaal und vor die gut achtzig Wirtschaftsingenieurstudierenden an der Hochschule München im sechsten Semester trat und seine Vorlesung mit dem exotischen Titel „Projektmanagement“ begann. Von der ersten Minute an war ich in den Bann gezogen, denn endlich hatte ich in meinem bisher sehr trockenen Studium gefunden, wonach ich zwischen Technischer Mechanik, Fabrikplanung und Bilanzierung gesucht hatte: ein Thema, unter dem ich mir etwas Konkretes vorstellen konnte. Daran war nicht nur der interessante Inhalt der Vorlesung schuld, sondern auch die sehr eindrucksvolle, mit vielen praktischen Beispielen aus Unternehmen und vielen Übungen untermauerte Art des Dozenten, uns Studierenden die Inhalte auf eine für diese Zeit sehr innovative, anschauliche Art und Weise zu vermitteln und uns so für das Thema zu begeistern. Ich ahnte damals noch nicht, dass diese Vorlesung mein Leben entscheidend prägen würde. Denn als Jahre später bei meinem Arbeitgeber, einem bayerischen Automobilhersteller in einem innovativen Pilotmodell das Projektmanagement für die Produktentwicklung von neuen Fahrzeugen aufgebaut und Mitarbeiter für diesen neuen Bereich gesucht wurden, war ich eine der ersten, die sich für „die Baureihe“, einem Job im zentralen Projektmanagement beworben hatte, mit den richtigen Antworten zu überzeugen vermochte und den Job bekam, der wiederum mein weiteres Leben veränderte. Dieser Professor damals war Hasso Reschke. Über drei Jahrzehnte sind wir eng miteinander im Kontakt geblieben. Des Öfteren batst Du mich in den darauffolgenden Jahren, einen Vortrag bei der GPM über meine Erfahrungen im Projektmanagement in der Automobilindustrie und über internationale Entwicklungsprojekte zu halten. Rückblickend denke ich, dass diese Reflexionen über meine Projektarbeit der Auslöser war, der mich dazu brachte, ein Buch über internationales Projektmanagement zu schreiben und danach selbst in die Forschung und Lehre an die Hochschule zu wechseln. Dabei waren die Vorlesungen von Hasso Reschke bis heute ein Vorbild für mich. Heute nennt man diese didaktische Unterrichtsform „Projektbasiertes Lernen“ und wir wissen aus mehreren Studien, dass diese Art des Lernens das Leben der Studierenden verändern kann, akademisch, sozial und emotional. Ich kann dies nur bestätigen. Lieber Hasso, ich bin Dir sehr dankbar dafür, dass ich das Glück hatte, eine der ersten Studierenden in Deutschland zu sein, die Projektmanagement durch Dich bereits in ihrem Studium kennenlernen durfte. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Projektmanagement eine exzellente Vorbereitung auf wissenschaftlichen, beruflichen und persönlichen Erfolg ist und junge Menschen gut darauf vorbereitet, sich ihren späteren Herausforderungen zu stellen. Du hast Generationen von Studierenden die Methoden des Projektmanagements gelehrt und damit die Grundlagen für methodisch-strukturiertes Vorgehen, systematische Problemlösung, Kooperations-, Kommunikations- und Selbstmanagementfähigkeiten bei Tausenden von Menschen gelegt und aufgebaut. Ohne Dich wäre die Durchdringung mit dem magischen Werkzeugkoffer des Projektmanagements nicht nur der Wirtschaft, sondern in der Gesellschaft in Deutschland bei weitem nicht soweit fortgeschritten. Darauf kannst Du sehr, sehr stolz sein! Lieber Hasso, ich wünsche Dir von Herzen alles Gute zu Deinem 80. Geburtstag! Bleibe weiterhin so agil, fit, gesund, interessiert und neugierig! Herzliche Grüße aus Berlin Yvonne Reinhard Wagner, Vorstandsmitglied 2006-2008, stellvertretender Vorstandsvorsitzender 2008-2012, Vorstandsvorsitzender 2012-2015, Ehrenvorsitzender Es ist gar nicht so einfach über eine Persönlichkeit wie Prof. Dr. Hasso Reschke und sein Lebenswerk zu schreiben. Ich mache dies aber mit großer Freude, weil er mir persönlich immer ein Mentor und Vorbild war, und auch der Grund, warum ich mich bei der GPM über so viele Jahre engagiert habe. Hasso Reschke zählte zu den Gründervätern der GPM im Jahre 1979 und ist seit dieser Zeit eng mit dem Verein verbunden. Gleich zu Beginn wurde er in den Vorstand gewählt und hat das Amt über viele Jahre aktiv begleitet. Als Vorstandsvorsitzender, Kurator und Ehrenvorsitzender, auch in den für die GPM manchmal stürmischen Zeiten. Als enger Weggefährte von Roland Gutsch war er auch über mehrere Jahre in der IPMA aktiv, zuletzt als Vizepräsident. Er hat das Andenken an Roland Gutsch im Inwie auch im Ausland hochgehalten und übernahm später den Vorsitz der Jury für den „Roland- Gutsch“-Award der GPM für herausragende Leistungen im Projektmanagement. In diesem Kontext hat er die Vernetzung Geburtstag | Hasso Reschke zum 80. Geburtstag 34 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0068 der GPM mit der Politik, der Öffentlichen Hand und mit den Führungsetagen der Wirtschaft spürbar vorangetrieben. Wenn man der Person von Hasso Reschke gerecht werden will, dann muss man sicherlich auch sein ausgezeichnetes Fachwissen würdigen. Als Professor für Projektmanagement an der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule München hat er vielen, heute in Führungspositionen tätigen Studenten das Einmaleins des Projektmanagements vermittelt und bei vielen die Passion für unsere Disziplin geweckt. 1989 hat er zusammen mit Heinz Schelle und Reinhardt Schnopp das zweiteilige Handbuch Projektmanagement herausgebracht, damals ein Standardwerk und Vorgänger für spätere Grundlagenwerke. Er hat viel für die jährlichen PM Foren der GPM getan und über mehrere Jahre eine ergänzende Veranstaltungsreihe über spezifische Projektmanagement-Themen, wie z. B. „Automotive Projektmanagement“, „Karriere im Projektmanagement“ oder „Risikomanagement“ organisiert. Zuletzt hat Hasso Reschke auch eine Initiative zu „Commercial Project Management“ vorangetrieben, einen entsprechenden Standard dazu bei der GPM herausgebracht und in einer Fachgruppe die Weichen für die weitere Beschäftigung mit dem Thema gestellt. Auch wenn Hasso Reschke es sicherlich nicht gerne hört, so ist er ein Idealist, jemand der sich voll und ganz dem Projektmanagement und der GPM verschrieben hat. Für seine Verdienste wurde er im Jahr 2000 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Was aber viel wichtiger ist, er hat immer ein offenes Ohr, weiß mit Rat und Tat zu helfen, bringt sich ein, auch wenn es einmal schwierig ist und sich keiner mehr an die Sache traut. Er bringt die nötige Ruhe und Geduld mit und kann unterschiedliche Interessen ausgleichen. Alles Fähigkeiten, die man nicht nur in Projekten und im Projektmanagement gut brauchen kann, sondern auch in einem Verein wie der GPM von großer Bedeutung sind. Lieber Hasso, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, alles Gute, Gesundheit und Glück in der Familie und bleib auch weiterhin der GPM mit Rat und Tat erhalten. Dein Reinhard Hasso Reschke und die „Kaufmännische Projektsteuerung“ Lorenz Schneider, Mitglied des Finanzausschuss der GPM e. V. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit Hasso Reschke. Das war Mitte 1998. Ich war Teilnehmer am sogenannten Qualifizierungsprogramm „Projektkaufmann“. Vorher war ich als Wirtschaftsingenieur von der GPM zum „Projektmanagement-Fachmann“ ausgebildet worden. Zum damaligen Zeitpunkt war ich leitender Mitarbeiter eines Firmenverbundes, welcher große abfallwirtschaftliche Anlagen plante, baute und betrieb- - ein nicht ganz einfaches Geschäft. Damals beschlich mich die Erkenntnis, dass ein nicht unerheblicher Teil dieser Probleme in unrealistischen Annahmen für kaufmännische Prognoseberechnungen lag. Eine härtere kaufmännische Steuerung von Projekten schien mir notwendig. Und dies hatte ich bei meiner Ausbildung zum „Projektmanagement-Fachmann“ vermisst. Unter diesem Leidensdruck stieß ich auf Hasso Reschkes Qualifizierungsprogramm. Er gab in seiner ruhigen, seriösen und fachlich äußerst kompetenten Art „Newcomern“ Überblick über die kaufmännische Welt der Projekte. Und er brachte uns Kursteilnehmer mit versierten kaufmännischen Experten aus der Industrie zusammen. Es wurde mir schnell klar: Für eine erfolgreiche kaufmännische Steuerung von Projekten waren „deutlich dickere Bretter zu bohren” als bislang. Hasso Reschke hatte basierend auf seinen langjährigen Erfahrungen mit namhaften deutschen und internationalen Industrieunternehmen ein Team von Fachleuten zusammengestellt, welches eine fundierte Ausbildung im Spezialgebiet Kaufmännische Projektsteuerung ermöglichte. Man sah und fühlte den Praxisbezug. Vieles von dem, was ich in dem Qualifizierungsprogramm hörte, erinnerte mich an meine eigenen Projekterfahrungen, die ich bis dahin in Deutschland gesammelt hatte. Allerdings war auch vieles dabei mit internationalem Bezug. Dies war zum damaligen Zeitpunkt so weit weg von meiner eigenen Erfahrungswelt, dass ich mir nicht sicher war, ob ich das jemals gebrauchen könnte. Ich erinnere mich an eine Prüfungsaufgabe, bei dem ich einen chinesischen Mustervertrag auf mögliche Gefährdungspotenziale für deutsche Auftragnehmer analysieren musste. Die Analyse war schwierig. Ich kannte noch nicht die Gefahren möglicher Vertragsklauseln. Trotzdem bestand ich diese Teilprüfung; ich dachte mir, dass das ganze wohl sehr exotisch gewesen war und mich nicht weiter kümmern sollte. Welch eine Fehleinschätzung! Kaum vier Jahre später war ich Mitglied eines Verhandlungsteams, welches in Shanghai einen Dienstleistungsvertrag für ein großes Investitionsvorhaben bestehend aus Planung, Bauoberleitung und Projektmanagement verhandelte. Dieses kombinierte Dienstleistungsprofil gab es in Deutschland nicht. Auch der Vertragsentwurf des chinesischen Auftraggebers wich deutlich von bisher bekannten Vertragsmustern ab. Aber durch das bei Hasso Reschke Gelernte wurde ein sehr wesentlicher Beitrag zum kaufmännischen Erfolg dieses Projektes geleistet. Auch nachträglich, viele Jahre später gebührt Hasso Reschke ein herzlicher Dank dafür. Erfreulicherweise blieb mein Kontakt mit Hasso Reschke auch nach dem Qualifizierungsprogramm bestehen und über die lange Zeit hat sich eine Freundschaft entwickelt, die auf einem gemeinsamen Verständnis von Projektmanagement fußt. Über viele Jahre hatte ich das Vergnügen, mit ihm zusammen an der Entwicklung des in Deutschland immer noch wenig bekannten Fachgebietes „Commercial Project Management“ zu arbeiten. Und wie in 1998 brachte und bringt Hasso Reschke auch heute noch ausgewiesene Experten aus der Industrie, dem Anlagenbau, dem Bau und der Logistik (nur um einige Branchen zu nennen) zusammen. Gemeinsam mit ihm haben wir im April 2019 die Fachgruppe Commercial Project Management innerhalb der GPM gegründet. In ihr haben sich kaufmännische Vertreter namhafter deutscher und internationaler Industrieunternehmen zusammengefunden. Vorausgegangen war eine erste Veröffentlichung zum Fachthema, die systematisch alle Facetten des Commercial Project Managements darstellt. Hasso Reschke war es, der darauf drängte, dass zu diesem Fachgebiet ein Standard bei der GPM definiert wurde. Auch ist er einer der maßgeblichen Autoren dieses CPM Standards. Heute entwickeln wir gemeinsam mit den Vertretern der Fachgruppe und deren Firmenmitgliedern einen Fortbildungslehrgang zum Commercial Project Management. Das ist so- Geburtstag | Hasso Reschke zum 80. Geburtstag 35 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0068 www.junfermann.de - Wir liefern versandkostenfrei! Neu bei Junfermann Unser (beruflicher) Alltag ist eine tägliche „Vorstellung“. Jeden Morgen geht für uns der Vorhang auf und wir präsentieren - uns selbst. Der Schritt auf die „Bühne“ fällt uns aber oft schwer und verursacht Stress. Es kommt unsere ängstliche, bedürftige und selbstkritische Persönlichkeit zum Vorschein. Wie schaffen wir es, glaubwürdig und selbstbewusst aufzutreten? Dieses Buch lenkt unsere Gefühle, unsere Denkweise und unsere Handlungen durch gezielte Übungen in konstruktive Bahnen: •- Die innere Haltung wird ebenso gestärkt wie die Körperhaltung. •- Mit einem optimalen Stimmtraining erreicht man die gewünschte verbale Wirkung. •- Die richtige Atmung sorgt für Klarheit und Ruhe. •- Tipps gegen Lampenfieber helfen, die Nervosität zu kontrollieren. •- Unsichtbare Energien werden aufgedeckt und nutzbar gemacht. Mit dem Buch gewinnen die Leser*innen Vertrauen in Situationen zurück, in denen sie sich zuvor unsicher gefühlt haben: Meetings, Präsentationen oder Reden werden selbstbewusst gemeistert und die Teamfähigkeit wird geschult. 128 S., kart., E-Book inside • € (D) 24,00 • ISBN 978-3-7495-0192-2 • Auch als E-Book erhältlich Annette Marquard Starker Auftritt Das Trainingsprogramm für mehr Selbstbewusstsein im Berufsleben Geburtstag | Hasso Reschke zum 80. Geburtstag 36 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0068 zusagen die Wiederauflage des damaligen Qualifizierungsprogramms aus dem Jahr 1998. Hasso Reschke begleitet die Entwicklung wohlwollend, aber auch kritisch. Seine Genauigkeit im Detail verlangt von den Autoren eine gute Vorbereitung. Wir alle schätzen seine kritischen Hinweise und sein Hinterfragen von vermeintlich abgesicherten Positionen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir Hasso Reschke zum ersten Lehrgang als Gastredner bei der Eröffnungsveranstaltung begrüßen dürfen. Brigitte Schaden, Präsidentin von Projekt Management Austria (pma) Hasso Reschke hat sich schon zu einem Zeitpunkt für Projektmanagement interessiert, da wusste ich noch gar nicht, dass es das überhaupt gibt! 1979 war er Gründungsmitglied der GPM und ich studierte an der Technischen Universität in Wien. Das Thema Projektmanagement wurde nicht gelehrt. 1983 hat er gemeinsam mit Heinz Schelle die erste GPM Jahrestagung organisiert und ich habe zumindest schon Projekte geleitet, ohne allerdings zu wissen, dass es welche waren! Ich habe halt „Dinge“ umgesetzt, die „jemand“ wollte. 1999 gründete er das Institut für Prozess- und Projektmanagement. Da war ich schon sehr nahe, ich war im Vorstand von Projekt Management Austria, war IPMA Level B zertifiziert und war gerade dabei in einem großen Handelsunternehmen „Performance Management“ zu etablieren. Das war eine Mischung aus Projektmanagement, Organisationsentwicklung und Personalmanagement, sehr spannend! Von da an haben sich unsere Wege nicht sehr oft, aber doch immer wieder gekreuzt. Ich möchte heute einmal DANKE sagen! Nur durch das Engagement und die Leidenschaft von Menschen wie Hasso Reschke steht Projektmanagement in Deutschland, in Europa, auf der ganzen Welt heute so prominent da. Sie sind Wegbereiter und auch heute noch Wegbegleiter. In zweiter Linie will ich natürlich alles, alles Gute zum Geburtstag wünschen. Lassen Sie sich ordentlich feiern! ! Erfolgreiche kaufmännische Führung von Projekten Dr. Hans Knöpfel, Vorstand und Ehrenpräsident der spm Nach dem Betriebswirtschaftsstudium und der Promotion über die internationale Standortwahl kaufmännischer Unternehmungen denkt Hasso Reschke, dass Projekte eine spannende Idee sind, auch weil er sein Leben nicht mit dem Aufstellen von Kostentabellen in Betrieben verbringen will. Allerdings stellt er fest, dass Projektleitende in der Praxis Könige ohne Land sind-- immerhin Könige. Er wird dann mit der Vertragsabwicklung bei der ESA betraut; ein erster Schritt im Aufstieg ist geschafft. Nicht lange Zeit nachher wird er Professor für betriebliches Rechnungswesen und Projektmanagement im Fachbereich Wirtschaftsingenieure. Die Richtung stimmt, aber es wartet einige Arbeit auf ihn, weil Projektmanagement zu oft mit Netzplantechnik gleichgesetzt wird. Im Jahr 1979 ist er bei der Gründung der GPM und dem Weltkongress der IPMA (Proceedings mit 1792 Seiten) als Mitglied der Leitung gefordert. Später weist er in der Festschrift für Roland Gutsch auf die große Aufgabe des Topmanagements und der Steuerungsausschüsse für die strategische Voraussicht und Steuerung der Projekte hin. Er ist auf dem C-Level des Projektmanagements angekommen. Charakteristisch für die Tätigkeiten von Hasso Reschke im Projektmanagement sind insbesondere • klare Aufgaben und Zuständigkeiten, • unverzichtbare wirtschaftliche Analyse, Steuerung und Zielerreichung, • konkrete finanzielle Planung und Kontrolle, • verlässliche und effiziente Administration, • alles mit zuverlässigen und zukunftstauglichen technischen Lösungen. Er wird geschätzt als präzis wie ein Kaufmann, verlässlich als Teammitglied, ausgezeichneter Organisator, nie abgehoben, sondern auf dem Praxisboden der Fachhochschule, nie stillstehend, sondern an neuen Entwicklungen interessiert. Kürzlich ist als eine Synthese der Standard für das Commercial Project Management- - die administrativen und kaufmännischen Tätigkeiten im Projektmanagement-- dazugekommen. Hasso Reschke bleibt bei Schusters Leisten, bei Projekten und ihrer erfolgreichen kaufmännischen Führung. Er leistet die vollständige, rechtzeitige, sachgerechte und projektbezogene Aufgabenerfüllung, die er auch von andern erwartet. Dem Jubilar wünsche ich eine weitere abwechslungsreiche, projektbezogene und erfreuliche Zukunft, zusammen mit seinen Fachkollegen und Fachkolleginnen, seinen Freunden und seiner Familie! Quellen • Proceedings 6 th INTERNET Congress (1979) • Dimensions of Project Management (1990, S. 85-89) • Portrait von Oliver Steeger in PROJEKTMANAGEMENT AK- TUELL (1 / 2002, S. 57-58) • Commercial Project Management, PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL (4 / 2020, S. 24-26) Memories of a Long Friendship Ivars Avots, einer der frühen Pioniere des Projektmanagements Competent, reliable and fun to be with- - that characterizes Hasso with whom I have worked and traveled since 50 years ago. Those were the times when project management was still new and exciting. It gave rise to the PMI, GPM and, most importantly, IPMA. Serving in these organizations involved traveling, meeting people from across the world and forming relationships with many of them. The Reschkes and the Avots found many common interests, and we have maintained close contact as our children grew up and pursued their careers. We can look back on many successful seminars and meetings, but sometimes on the side were events that had not been planned. For example, when Hasso and Roland Gutsch attended a PMI symposium in California, one of their side objectives was to dip their toes in the Pacific ocean. They had their bathing suits and towels, but found only a cold empty beach and fog over the water. We have also experienced some events that could have ended badly. Driving from Boston to Montreal with the Resch- Geburtstag | Hasso Reschke zum 80. Geburtstag 37 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0068 kes to a PMI symposium, we had to cross some mountains in Vermont. Going up a hill, Hasso noted a bumping noise beneath the car. I stopped promptly and found that one of the wheels had gotten lose. Another scary moment happened on a side trip on Capri. I was with the Reschkes on a boat entering the Blue grotto when Angelica lost a contact lens. Miraculously, Hasso found the lens on the bottom of the boat once we emerged into daylight. As we get older, we tend to fall behind the changing technology and methodology that has affected project management. Hasso is one of those practitioners who has continued to keep up with these developments. Let us wish him to keep going for many more years. Die GPM-- ein Familienbetrieb Anja Reschke, Tochter, Journalistin und familiäre Gründungshilfe der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. Die GPM, dem geneigten Leser dieses Mediums ja vermutlich bestens bekannt, trat in mein Leben in Form eines Telefons. Genauer gesagt, eines roten Telefons. Wie jeder weiß, entstehen Dinge nicht von allein, und von der Idee bis zu einem veritablen Verein braucht es Menschen, die das in die Hand nehmen, daran glauben und sich dafür einsetzen. Als es darum ging, die Gesellschaft für Projektmanagement zu gründen und aufzubauen, war mein Vater mit Feuereifer dabei. Und wir als seine Familie ebenso. Da die GPM zur Gründungszeit weder über Geld noch Personalkapazitäten für ein eigenes Büro verfügte, wurde das Sekretariat dieses neuen Vereins, kurzerhand bei uns zu Hause eingerichtet. Auf dem Stehpult in unserer Diele, auf dem sich bereits unser waldgrünes Familientelefon befand, wurde ein weiterer Apparat installiert. Das rote Telefon. Zunächst mit Wählscheibe, später dann mit Tasten. Das rote Telefon- - für uns Kinder tabu. Es war das GPM Telefon! Wir durften nicht rangehen. Auf keinen Fall. Auch nicht, wenn meine Mutter, die im Prinzip das Sekretariat dieses neuen Vereins war, teilweise mit Baby, meinen kleinen Bruder auf dem Arm, nicht da war und es klingelte. Und es klingelte oft. Wir gingen trotzdem manchmal ran. Diese Klingelei musste ja aufhören. Im besten Fall war Heinz Schelle dran. Das war gut, denn ihn kannten wir. Im schlechteren Fall jemand, der nur Englisch sprach. Meiner Erinnerung nach wurden sämtliche GPM Tagungen, Kongresse und Vorstandsbesprechungen der ersten Jahre über dieses rote Telefon abgewickelt. Mein Vater war viel beschäftigt in dieser Zeit. Er muss was für die GPM machen, hieß es dann. Und später, als es schon ein richtiges GPM Sekretariat in der Stadt gab, fuhren wir eigentlich vor jedem Urlaub mit vollgepacktem Wagen nochmal kurz in der GPM vorbei, weil mein Vater dort noch schnell etwas abgeben, holen oder besprechen musste. Auch mein Bruder und ich bekamen eine ausgesprochen wichtige Aufgabe übertragen, die uns sogar half unser Taschengeld aufzubessern. Wir waren für das Sortieren und Verschicken der GPM Unterlagen zuständig. Das spielte sich jedes Mal nach einem ähnlichen Prozedere ab. Mein Vater kam mit dutzenden Kisten und Kartons vollgepackt mit Papieren, Prospekten und Briefumschlägen nach Hause, die auf unserer Terrasse gestapelt wurden. Das war unser Arbeitsbereich. Praktisch, da überdacht. Regen war also kein Problem für uns. Wir bekamen eine genaue Einweisung, in welcher Reihenfolge Blätter gefaltet, in Kataloge eingelegt und dann in Briefumschläge gesteckt werden sollten. Die Briefe mussten dann von uns mit den vorgedruckten Adressaufklebern versehen und frankiert werden. Dafür hatte mein Vater große Bögen mit Briefmarken besorgt, die wir auf die Umschläge kleben mussten. Da einem spätestens nach dem 10. Brief die Spucke ausgeht, erdachten mein Bruder und ich uns das System, die Briefmarken über einen nassen Lappen zu ziehen. Über die Jahre bekamen wir ordentlich Routine und wenn nicht irgendwann eMails erfunden worden wären, hätten wir das sicher zu einer veritablen Profession ausbauen können. Das Beste aber kam zum Schluss. Wenn alle Briefe eingetütet, adressiert und frankiert waren, mussten sie zur Post. Die hatte aber zu damaligen Zeiten nicht immer offen. Eigentlich war sie überhaupt mehr geschlossen als offen. Bis heute wundere ich mich, wie die Wirtschaft bei diesen Ladenöffnungszeiten funktionieren konnte. Da sich die GPM Tagungen aber wirklich nicht nach den Schalterzeiten der Post richten konnten, beluden wir das Auto mit den fertigen Sendungen, das waren mehrere hunderte Briefe, und fuhren die Briefkästen in der Umgebung ab. War ein Briefkasten vollgestopft bis obenhin, wechselten wir zum nächsten. Bis heute wüsste ich gerne, was sich der Postbeamte, der für die Leerung der Briefkästen in unserer Umgebung zuständig war, an solchen Tagen wohl gedacht hat. Was genau die GPM machte, blieb uns lange unklar. Aber wir bekamen mit, dass es irgendwie eine große Gemeinschaft war. Der Vorstand traf sich in regelmäßigen Abständen auch privat und oft durften auch die Kinder mit. Einmal waren wir gemeinsam rudern in einem professionellen Ruderboot. In Geburtstag | Hasso Reschke zum 80. Geburtstag 38 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 04/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0068 mehreren Reihen hintereinander legten wir uns motiviert in die Riemen, bis wir nach kurzer Fahrt feststellen mussten, dass das Boot leck lief. Aber zum Glück waren ja genug Projektmanager an Bord, die das sofort professionell in die Hand nahmen und zwei Personen zum Abschöpfen des einlaufenden Wassers abkommandierten, sodass wir unsere Fahrt mühelos fortsetzen konnten. In meiner Vorstellung damals war die GPM eine große spaßige Sause. Dieser Spaß übertrug sich auch auf die vielen Tagungen und Kongresse, die in den ersten Jahren oft wie in einem Familienbetrieb durchgezogen wurden. Nicht nur wir Reschkes, auch die Familien der anderen Vorstände halfen bei Organisation, bei der Registrierung und auch bei der Gestaltung des Rahmenprogramms mit. Überhaupt, das Rahmenprogramm! Das war das Ding meines Vaters. Den von überall angereisten Speakern, Referenten und Gästen am Abend etwas Einmaliges bieten zu können, das war ihm wichtig. Als im Jahr 1993 der internationale Pharma-Kongress in Garmisch-Partenkirchen stattfand, ließ mein Vater in der Bayernhalle Blasmusik, Goaslschnoalzer und Alphornbläser auftreten. Mein Bruder und ich, die uns inzwischen von Brieffaltern zu Regististrierungsdesk-Managern hochgearbeitet hatten, moderierten den Abend in Lederhosn und Dirndl, am Eingang gab es Enzianschnaps. Die Veranstaltung begann um 19 Uhr, um 19: 45 Uhr stand die schwedische Delegation bereits singend auf den Tischen. Ein voller Erfolg! Garmisch war ohnehin häufiger Ort von GPM Veranstaltungen. Ein paar Jahre zuvor hatten sich Heinz Schelle und mein Vater eine „AlpenglühenParty“ mit Fackelwanderung durch die Partnachklamm überlegt. Dafür mussten allerdings über hundert Gäste mit der damals noch sehr antiken Seilbahn, die immer nur vier Personen fasste, auf den Eckbauer transportiert werden. Leider war dem Wetter nicht nach Alpenglühen, die rosa erwarteten Berge hüllten sich an diesem Abend in tristes grau. Mein Vater deklarierte kurzerhand den Cocktail, der dank Campari eine leicht rosa Färbung hatte, zum Alpglow-Cocktail und die Sache war geritzt. Da sich am Himmel aber bereits einige bedrohliche Wolken zusammenbrauten und die ganze Gesellschaft ja noch durch die Partnachklamm zu Tal bugsiert werden musste, die ganze Sache zu kippen drohte, wurde der Abend etwas schneller als geplant durchgezogen, damit das wanderwütige internationale Publikum noch heil vom Berg kommen konnte. Die Wirkung des Alpglow-Cocktails war an dieser Stelle sicher hilfreich. Ich glaube ich habe an diesen Rahmenprogramm-Abenden mehr über Management gelernt, als man je in den vielen sicher hervorragenden Fachvorträgen hätte erfahren können. Nun wird mein Vater 80 Jahre alt und längst haben Enkel Einzug in das Haus meiner Eltern gehalten. Und ich weiß nicht, ob man das damals mit der Vorratsbestellung von Büromaterial übertrieben ernst nahm oder ob die Digitalisierung für das GPM Büro so überraschend kam, dass man es nicht geschafft hatte, vorher alle karierten Blöcke voll und alle Kugelschreiber leer zu schreiben. Aber bis heute prangt auf allen Bildern, die die Enkel im Hause Reschke für den Opa malen, oben in der Ecke das GPM Logo. Das Wort GPM ist allen geläufig, ohne dass auch nur eines der Enkelkinder genau erklären könnte, was sich dahinter verbirgt. Aber dass es etwas ist, das dem Opa wichtig ist, etwas, mit dem er immer noch gerne Zeit verbringt, und dass es ihm Spaß macht, sich dafür einzusetzen, das wissen sie. Und das ist doch das Beste, was man der nächsten Generation mitgeben kann.