eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 32/5

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2021-0083
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2021
325 Gesellschaft für Projektmanagement

Transformation und Projektmanagement

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2021
Steffen Scheurer
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Editorial | XX 2 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 32. Jahrgang · 05/ 2021 DOI 10.24053/ PM-2021-0083 Transformation und Projektmanagement Liebe Leserinnen und Leser, während ich dieses Editorial schreibe, stellen die Parteispitzen der möglicherweise kommenden Ampelkoalition ihr erstes Sondierungspapier vor. Nach der Bundestagswahl reden die Parteivorsitzenden von „Aufbruch in eine neue Zeit“ und „Erneuerung des Standorts Deutschland“. Das hört sich so an, als wollten die drei Parteien eine echte Transformation von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland einleiten. Aber was versteht man eigentlich unter einer Transformation genau? Unter einer gesellschaftlichen Transformation versteht das FFU „…einen langfristigen Prozess, der weitreichende Veränderungen in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft (Teilsystemen) umfasst - von Produktions- und Konsummustern, über rechtliche Konzepte, Organisationsformen bis hin zu kulturellen Vorstellungen.“ Das FFU verdeutlicht: Die verschiedenen Teilsysteme sind wechselseitig vernetzt und wirken aufeinander. Eine echte Transformation wird nur dann möglich, wenn sich die Veränderungen in den verschiedenen Teilbereichen gegenseitig verstärken [1]. Ein Bedarf an Transformationen besteht in Deutschland wahrlich. Beispielsweise die ökologische Transformation der Wirtschaft. Die Notwendigkeit der Transformation von Unternehmen hin zu mehr Flexibilität und Agilität. Die erforderliche Transformation der Arbeitswelt in Richtung neuer Arbeitsformen. Der faktische Zwang zur digitalen Transformation vieler Unternehmen, um dadurch im weltweiten Wettbewerb weiter bestehen zu können. Diese Beispiele sind willkürlich gegriffen. Jedem fallen mühelos weitere wirtschaftliche, gesellschaftliche oder soziale Bereiche ein, die dringenden Transformationsbedarf haben. Allerdings sind Transformationen keine „Selbstläufer“. Eine Transformation muss orchestriert werden. Es bedarf Fachleute aus verschiedenen Disziplinen. Die gemeinsamen Anstrengungen müssen an gemeinsamen Zielen ausgerichtet werden. Von den Veränderungen Betroffene müssen abgeholt und in die Veränderungsprozesse einbezogen werden. So gesehen wird schnell deutlich: Projektmanagement ist unverzichtbar, wenn echte Veränderungen angestrebt werden. Aus diesem Grunde beschäftigen wir uns in diesem Heft mit der Frage, was Projekte zu echten Transformationen beitragen können. Möglicherweise werden wir in Deutschland ein professionelles Projektmanagement dringender denn je brauchen, um all die ausgerufenen Transformationen erfolgreich anzupacken. Wir starten in dieses Heft mit der Betrachtung der Transformation von KMUs hin zu agilen Unternehmen. Judith Armbruster , Agile Coachin und Projektmanagerin, hat die agile Transformation in KMUs wissenschaftlich untersucht. Lesen Sie das Interview von Oliver Steeger mit ihr sowie ihren Fachbeitrag, in dem sie ihr Modell der „Agilen Blüte“ vorstellt, das die agile Transformation von KMUs unterstützt. Von Januar bis einschließlich Juli 2021 wurden in Deutschland erstmals mehr Elektrofahrzeuge als Dieselfahrzeuge zugelassen. Die Transformation hin zur Elektromobilität nimmt Fahrt auf. Schon bald werden Millionen Hochvoltbatterien, die in E-Autos verbaut sind, als sogenannte Second-Life-Batterien Strom aus Windkraftwerken oder Solaranlagen zwischenspeichern. Alexander Kupfer spricht im Interview mit Oliver Steeger über erste Pilotprojekte für eine Kreislaufwirtschaft von Batterien zwischen Automobilindustrie und Energiewirtschaft. Welche Anforderungen sich aus Transformationen an das Projektmanagement ergeben - dies zeigen Sebastian Schurig und Reinhard Wagner auf. An diese Anforderungen, an den kulturellen Wandel von Arbeit sowie an die Entstehung neuer Arbeitsformen wie „New Work“ knüpft der folgende Beitrag an. Eckhard Heidling macht in seinem Artikel deutlich, welche Transformationen der Arbeit sich hinter dem Begriff „New Work“ verbergen. Cornelia Zimmer-Reps und Roscoe Araujo zeigen in ihrem Beitrag, wie auch große und traditionsreiche Unternehmen mit einem entsprechenden Rahmenmodell eine tiefgreifende Transformation durchlaufen können. Darüber hinaus berichten wir über die Ergebnisse der neunten Multiprojektmanagement (MPM) Benchmarking- Studie. Lesen Sie hierzu den Beitrag von Carsten Kaufmann , Jadena Bechtel , Patrick Lehner , H ans Georg Gemünden und Alexander Kock . Matthias Eberspächer , Bernd Hahn und Rene Warweitzky liefern in ihrem Artikel einen Denkanstoß zur kritischen Würdigung der in Literatur und Diskurs inflationär verwendeten Begriffe „agiles Projektmanagement“ und „hybrides Projektmanagement“. Wie Studierende im Rahmen von Praxisprojekten schon innerhalb des Studiums Input für digitale und hybride Beratungsprodukte geben können, beschreiben Michael Höschl , Patrick Huiber und Robert Korn in ihrem Beitrag. Thomas Sauerland berichtet über das neue Schwerpunktmodul zum Projektmanagement im Masterstudiengang der Hochschule des Bundes. Dass die Verbreitung des Projektmanagements an Hochschulen auch in der Forschung stattfindet, zeigen wir mit einer kleinen Serie, die wir in diesem Heft starten. Wir stellen in diesem und den folgenden Heften die Preisträgerinnen des „Deutschen Studienpreis Projektmamagement 2021“ vor. Den Auftakt macht der Beitrag von Julia Kroh zur Einbindung skeptischer Stakeholder als Erfolgsfaktor. Unstrittig ist, dass Projektmanagement in vielen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft immer wichtiger wird. Aber welchen Wert und Nutzen haben Zertifizierungen im Projektmanagement? Georg Disterer und Andreas Daum haben 3.600 nach IPMA zertifizierte Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter in Deutschland befragt. Wir wollen in diesem Heft zeigen, welche Rolle das Projektmanagement zur Bewältigung von tiefgreifenden Veränderungen spielen kann. Der politische Wille scheint vorhanden zu sein. Das Handwerkszeug kennen wir im Projektmanagement schon lange. Lassen wir uns also nicht aufhalten. Tragen wir unseren Teil zu den notwendigen Transformationen bei! Ihr Steffen Scheurer [1] Quelle: Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) der FU Berlin: https: / / www.polsoz.fu-berlin.de/ polwiss/ forschung/ systeme/ ffu/ forschung/ steuerung/ gesellschaftliche_transf/ index.html, abgerufen am 15.10.2021 EDITORIAL