eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 33/1

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
0942-1017
Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Tübingen
10.24053/PM-2022-0011
Unsere Gesellschaft steht vor ungeahnten Herausforderungen. Dabei gibt es weltweit schon heute eine Vielzahl von Graswurzelinitiativen und stille Helden, die nachhaltige Lösungen in ihrem Umfeld entwickelt haben. WAFA (Water Air Food Awards), eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Kopenhagen, sucht diese stillen Helden, macht ihre Erfolgsgeschichten mit einem Preis für die ganze Welt sichtbar und fördert so die Verbreitung nachhaltig erfolgreicher Projektideen. Angesicht der Anzahl und Komplexität gesellschaftlicher Herausforderungen gestaltet sich die Suche nach passenden Lösungen heute relativ schwierig. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, Regierungen wie auch Nicht-Regierungsorganisationen scheitern allzu häufig bei dem Versuch, die drängenden Sorgen der Bevölkerung durch passende Projekte zu lösen. Dabei existieren schon heute eine Vielzahl von Projekten, die lokal angepasst Lösungen für die Probleme der Bevölkerung gefunden haben. Allzu oft bekommen diese Graswurzelbewegungen oder stille Helden jedoch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies hat sich WAFA zur Aufgabe gestellt und lobt jährlich je einen Preis in den Kategorien Wasser, Luft, Lebensmittel und Klima aus. Dabei ist WAFA selbst eine Graswurzelbewegung, die mit Unterstützung vieler ehrenamtlich engagierter Helfer die Projekte identifiziert, auswählt, mit einem Preis auszeichnet und so nicht nur auf die Projekte aufmerksam macht, sondern allen Teilnehmern durch die öffentliche Wirkung auch weitergehende Unterstützung zukommen lässt. WAFA unterstützt also mit eigenen Projekten und viel Engagement nachhaltige Projekte mit großem gesellschaftlichem Mehrwert. Dies ist angesichts der vielen Herausforderungen der Menschheit sicher ein erfolgversprechendes Zukunftsmodell.
2022
331 Gesellschaft für Projektmanagement

Anerkennung für stille Helden – WAFA und der Oskar für erfolgreiche Projekte

2022
Tina Lindgren
Reinhard Wagner
34 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 33. Jahrgang · 01/ 2022 DOI 10.24053/ PM-2022-0011 Anerkennung für stille Helden-- WAFA und der Oskar für erfolgreiche Projekte Tina Lindgren, Reinhard Wagner Für eilige Leser | Unsere Gesellschaft steht vor ungeahnten Herausforderungen. Dabei gibt es weltweit schon heute eine Vielzahl von Graswurzelinitiativen und stille Helden, die nachhaltige Lösungen in ihrem Umfeld entwickelt haben. WAFA (Water Air Food Awards), eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Kopenhagen, sucht diese stillen Helden, macht ihre Erfolgsgeschichten mit einem Preis für die ganze Welt sichtbar und fördert so die Verbreitung nachhaltig erfolgreicher Projektideen. Angesichts der Anzahl und Komplexität gesellschaftlicher Herausforderungen gestaltet sich die Suche nach passenden Lösungen heute relativ schwierig. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, Regierungen wie auch Nicht-Regierungsorganisationen scheitern allzu häufig bei dem Versuch, die drängenden Sorgen der Bevölkerung durch passende Projekte zu lösen. Dabei existieren schon heute eine Vielzahl von Projekten, die lokal angepasst Lösungen für die Probleme der Bevölkerung gefunden haben. Allzu oft bekommen diese Graswurzelbewegungen oder stille Helden jedoch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies hat sich WAFA zur Aufgabe gestellt und lobt jährlich je einen Preis in den Kategorien Wasser, Luft, Lebensmittel und Klima aus. Dabei ist WAFA selbst eine Graswurzelbewegung, die mit Unterstützung vieler ehrenamtlich engagierter Helfer die Projekte identifiziert, auswählt, mit einem Preis auszeichnet und so nicht nur auf die Projekte aufmerksam macht, sondern allen Teilnehmern durch die öffentliche Wirkung auch weitergehende Unterstützung zukommen lässt. WAFA unterstützt also mit eigenen Projekten und viele Engagement nachhaltige Projekte mit großem gesellschaftlichem Mehrwert. Dies ist angesichts der vielen Herausforderungen der Menschheit sicher ein erfolgversprechendes Zukunftsmodell. Schlagwörter | Stille Helden, ehrenamtliches Engagement, Klima, Graswurzelinitiativen, nachhaltige Projekte Einführung Die gemeinnützige Organisation WAFA (Water Air Food Awards) wurde 2008 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Kopenhagen. Sie ist eine zukunftsorientierte Nichtregierungsorganisation, die sich für gesundes Wasser, gesunde Luft, gesunde Lebensmittel und ein gesundes Klima auf der Erde einsetzt. Und sie tut dies auf die einfachste Art und Weise, nämlich indem sie herausfindet, welche praktikablen Lösungen es in den Bereichen Wasser, Lebensmittel und Klima bereits gibt und diese dann ins rechte Licht rückt. Einfach ausgedrückt: WAFA vergibt jährlich einen Oskar für nachhaltig erfolgreiche Graswurzelinitiativen. Die Organisation identifiziert und würdigt Menschen, die durch ihren heldenhaften Einsatz dafür sorgen, dass das Leben auf unserem Planeten lebenswert bleibt und ein spürbarer gesellschaftlicher Beitrag im lokalen Umfeld geleistet wird. Der Name für diese Menschen? „Stille Helden“, oder auf Englisch „Silent Heroes“. Dies sind eher unbekannte Pioniere auf dieser Erde, die bisher keine Anerkennung bekommen haben, mit ihren Low-Tech-Lösungen jedoch eine große Wirkung bzw. einen bedeutenden Unterschied machen- - in ihrem Dorf, ihrer Gemeinde, Stadt oder Region. Der gute Zweck Genauso wie die Oscars an außergewöhnliche Menschen in einer Reihe von Kategorien verliehen werden, gibt es auch vier WAFA-Preise: Wasser, Luft, Lebensmittel und Klimaaktionen. Warum vier und warum diese? Weil sie die Umwelt- DNA unseres Planeten sind. Ohne Zugang zu gesunder Luft, gesundem Wasser sowie gesunden Lebensmitteln und ohne ein Klima, das gesunde Luft, gesundes Wasser und gesunde Lebensmittel unterstützt, werden unser Planet und Millionen von Menschen weiterhin leiden und vorzeitig sterben. Es gibt zwei Arten von Helden in der Welt: fiktive und reale. Die meisten fiktiven Helden-- wie Superman, Wonder Woman und Batman-- sind bekannt. Die meisten echten Helden sind es nicht. Im Gegensatz zu ihren klassischen griechischen Vorbildern sind sie nicht halb Gott, halb Mensch. Sie sind zu 100 % menschlich- - gewöhnliche Menschen, die trotz aller Widrigkeiten außergewöhnliche Leistungen vollbringen. Da sie für die meisten Menschen unsichtbar sind, setzt WAFA alles daran, sie und ihre Projekte ins rechte Licht zu rücken. Während die stillen Helden damit beschäftigt sind, den Planeten zu retten, nimmt sich WAFA ihrer Sache und ihrem Einfallsreichtum, ihrem Mut und ihrem Engagement an und macht auf sie aufmerksam. Wozu dient das alles? Es dient vor allem dazu, dass das, was diese erstaunlichen Menschen tun und wie sie es tun, in jedem Dorf, jeder Stadt und jedem Ort auf der ganzen Welt das tägliche Heldentum entfesseln hilft. „Global denken, lokal handeln“ ist das Motto von WAFA. Darauf zu warten, dass Regierungen und Unternehmen die Probleme der Welt lösen, hat bislang nicht funktioniert. Und wenn die jüngste Pandemie ein Anzeichen dafür ist, wird es wohl auch in nächster Zeit nicht funktionieren. Was die Gesellschaft braucht, sind Lösungen von unten nach oben, von der Basis aus- - ökologische, gemeinschaftsbasierte Durchbrüche, die sich skalieren und imitieren lassen. Und genau darum geht es bei der Arbeit von WAFA. Schwerpunkt | Anerkennung für stille Helden-- WAFA und der Oskar für erfolgreiche Projekte 35 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 33. Jahrgang · 01/ 2022 DOI 10.24053/ PM-2022-0011 Die Vision von WAFA lautet: „Gesundes Wasser, gesunde Luft und gesunde Lebensmittel für alle auf einem gesunden Planeten“ und wird um die folgende Mission ergänzt: „Aufbau einer globalen Preisverleihungsplattform, um die nachhaltigen Innovationen stiller Helden überall zu würdigen.“ Gemeinwohlorientierte Projekte Alles begann im Jahr 2006, als Prem Rawat, der Gründer des ‚Food for People‘-Programms der Prem Rawat Foundation, ein kleines Dorf in Nordindien besuchte. Dort wurde er Zeuge, wie Kinder ihre Tage damit verbrachten, Lebensmittel aus Rattennestern zu stehlen, um sich und ihre hungernden Familien zu ernähren. Dies ist sicherlich ein bewegender Moment- - Kinder, die aus Rattennestern stehlen, um zu überleben. Dieser einzigartige Moment brachte Prem auf die Idee, WAFA zu gründen. Er wandte sich mit der Idee an Tina Lindgreen, die heutige Vorstandsvorsitzende von WAFA, um gemeinsam mit ihr die Idee in die Tat umzusetzen. Die ursprüngliche Idee brachte Prem wie folgt auf den Punkt: „Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die viel Innovatives leisten, um ihren lokalen Gemeinschaften zu helfen. Aber oft erhalten diese Menschen keine Anerkennung. Sie sind die stillen Helden. Meine Idee ist es, sie anzuerkennen und zu unterstützen, damit sie die Ermutigung erhalten, die sie brauchen, um ihre Bemühungen zum Schutz von Mensch und Umwelt fortzusetzen. Unser Ziel ist es, einfach gesagt, das Gute im Menschen zu wecken.“ Seit 2010 hat WAFA 14 Preise an stille Helden aus zehn verschiedenen Ländern verliehen: Jordanien, Simbabwe, Nigeria, Südafrika, Nicaragua, China, Nepal, Haiti, Indien und Kanada. Die Preisträger wurden aus 33 Finalisten ausgewählt. Diese waren wieder Teil einer Gruppe aus 74 vorausgewählten Kandidaten aus einem Pool von 401 Bewerbern aus mehr als 80 Ländern. Doch nicht nur die Gewinner stehen bei WAFA im Rampenlicht. Alle Geschichten von WAFAs stillem Helden genießen eine große mediale Aufmerksamkeit mit globaler Reichweite. 84 Millionen Menschen hatten bereits die Gelegenheit, Einblicke in die Geschichten der Projekte zu gewinnen. Besonders die Medien in den Heimatländern der stillen Helden nehmen die Geschichten begeistert auf und helfen so, die Erfolgsmuster dieser Projekte weiterzutragen. Wie wählt WAFA die Gewinner aus? Alle Kampagnen basieren auf Graswurzelinitiativen und sind gemeinwohlorientiert. Monate vor einer Preisverleihung beginnt WAFA mit einer weltweiten Suche nach Projekten über soziale Medien, also die eigene Website, Newsletter, Mailinglisten, Twitter, Facebook, Instagram, Google Anzeigen, Blogs und die Netzwerke der Sponsoren, Unterstützer, Spender und anderer gemeinnützigen Initiativen. Das Ziel ist einfach: Es sollen so viele geeignete Projekte auf der ganzen Welt gefunden werden, auch an den entlegensten Orten. Die Nominierten erhalten dann die Möglichkeit, zu begründen, warum sie einen WAFA-Preis verdienen-- und sie tun dies durch die Einreichung von Videos, Diashows, Fotos, Erfolgsgeschichten, Berichten und Zeugnissen, die alle auf der WAFA-Website veröffentlicht werden. Sobald dies geschehen ist, unterzieht das international besetzte WAFA-Prüfungsgremium jedes Projekt einem strengen Prüfverfahren nach sieben Kriterien: Innovation, Nachhaltigkeit, Empowerment, Skalierbarkeit, Wiederholbarkeit, Wirkung und quantifizierbare Ergebnisse (über mindestens zwei Jahre). Schließlich werden zwölf Finalisten ausgewählt und auf der WAFA-Website vorgestellt. Das WAFA Social-Media-Team verbreitet die Nachricht und es beginnt ein weltweites Abstimmungsverfahren. Der Finalist, der in jeder Kategorie die meisten Stimmen erhält, wird zum Gewinner erklärt. Anschließend organisiert die WAFA auch eine Preisverleihung, entweder virtuell, in einer Großstadt oder am Standort des Gewinnerprojekts-- eine Veranstaltung, die manchmal live in die ganze Welt gestreamt wird. Mit der Award-Verleihung ist es aber nicht getan. WAFA hat es sich zur Aufgabe gesetzt, den stillen Helden dieser Welt die Anerkennung zu verschaffen, die notwendig ist, um Unterstützung für ihre Nachhaltigkeitsinitiativen zu gewinnen. Die Anerkennung durch WAFA erhöht die Chancen der Preisträger, Unterstützung von Regierungen, Unternehmen, Forschungszentren, Philanthropen und Organisationen zu bekommen, die Zuschüsse gewähren. WAFA bietet dabei keine Beratung und wird dies auch in Zukunft nicht tun. Die Idee ist, wie bei den Oscars, ganz einfach: Durch die Aktivitäten von WAFA wird Großartiges entdeckt und gewürdigt. Nicht mehr und nicht weniger. Genauso wenig wie die Oscars Filme Beispiel: Das Chiapas-Wasserprojekt (Finalist 2016) Das Problem Wasser ist ein chronisches Problem im Bundesstaat Chiapas, insbesondere für die indigenen Maya-Gemeinden. Regelmäßige Dürreperioden behindern die Landwirtschaft und bedrohen die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. Die daraus resultierende Notwendigkeit, Wasser aus großen Entfernungen zu holen, hindert Frauen daran, sich um andere Prioritäten zu kümmern- - und viele Kinder daran, die Schule zu besuchen. Durch Wasser übertragene Krankheiten schaden auch der Gesundheit der Gemeinschaften, insbesondere derjenigen, die weit von Gesundheitszentren entfernt sind. Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft Die 1972 gegründete Organisation Concern America (CA) konzentriert sich auf die langfristige Entwicklung von Gemeinden in Mexiko und anderen Entwicklungsländern auf der ganzen Welt. Anfang der 1990er Jahre rief CA das Chiapas-Wasserprojekt ins Leben, um die indigenen Maya-Gemeinden in Chiapas, Mexiko, mit sauberem Wasser zu versorgen. Ziel war es, den Zugang zu Nahrungsmitteln zu sichern, Einkommen zu schaffen, die Hygiene zu fördern, Krankheiten vorzubeugen und die Zeit unter den Haushaltsmitgliedern gerecht zu verteilen. Schwerpunkt | Anerkennung für stille Helden-- WAFA und der Oskar für erfolgreiche Projekte 36 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 33. Jahrgang · 01/ 2022 DOI 10.24053/ PM-2022-0011 produzieren, Drehbücher schreiben, Filme finanzieren oder die Filmemacher beraten, mischt sich WAFA auch nicht in das Innenleben der Projekte ein, die ausgezeichnet werden. Obwohl WAFA schon mehrmals gebeten wurde mit Denkfabriken, Universitäten und verschiedenen Regierungsbehörden zusammenzuarbeiten, hat der Vorstand dies immer wieder abgelehnt. WAFA schafft die Plattform, auf der stille Helden ihre Anerkennung finden und sie selbst und ihre Projekte damit eine Zeitlang im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Engagement zum Wohl der Gesellschaft-- zur Nachahmung empfohlen! Die Arbeit von WAFA erfolgt ausschließlich ehrenamtlich und beruht auf der Zeit, die mehr als 30 freiwillige Helfer aus Ländern wie z. B. Chile, Dänemark, Deutschland, Indien, Italien, Kanada, Malaysia, Nigeria, Portugal, Saudi-Arabien, Südafrika, Thailand, Türkei und den USA einbringen. Neben dem ehrenamtlich tätigen Vorstand unter Leitung der Gründerin und langjährigen Vorstandsvorsitzenden, Tina Lindgren, sind viele Freiwillige aktiv und unterstützen u. a. bei der Auswahl der Finalisten, der Kommunikation, der Gewinnung von Spenden und Partnern im Rahmen von Corporate Social Responsibility (CSR)-Aktionen, der Betreuung von Projekten in den weltweiten Regionen oder bei der Vorbereitung von Veranstaltungen. In regelmäßigen Abständen berät der Vorstand zusammen mit den Führungskräften der WAFA, wie die Vision und Mission in die Tat umgesetzt werden können. Hieraus entstehen dann ein strategischer Plan und eine Reihe von Projekten, die eine gemeinwohlorientierte Organisation wie WAFA erst voranbringen. Eine Einweisung in die Grundlagen des Projektmanagements hat den Helfern die wichtigsten Aspekte der Abwicklung kleiner Projekte vermittelt. Denn häufig bringen die Freiwilligen zwar eine sehr große Motivation mit, jedoch wenig praktische Erfahrungen für die Umsetzung von herausfordernden Projekten. Hier bestehen in der Tat mögliche Synergien für Projektmanagement-Verbände und den Der Aktionsplan von CA basiert auf der „Arbeit mit der reichhaltigsten Ressource in den Gemeinden: den Menschen selbst“. Es werden Versammlungen mit den Gemeindemitgliedern abgehalten, um den Umfang der Arbeit zu erläutern und die Beteiligung der Gemeinde zu fördern. Es wird ein gemeinschaftlicher Wasserausschuss gegründet, der technische Unterstützung erhält und sich für die Instandhaltung des Systems einsetzt. Dem Ausschuss gehören ein aktiver Dorfvorsteher mit Verbindungen zu den Regierungsstrukturen und jüngere Mitglieder an, die zweisprachig (Spanisch und Maya) und reisefähig sind. Einige wenige Gemeindemitglieder werden sorgfältig geschult, um das Wassersystem zu beurteilen und das Wasserprojekt ohne fremde Hilfe instand zu halten. Schulungen und technische Unterstützung sind für die Nachhaltigkeit von entscheidender Bedeutung. Sie konzentrieren sich auf das Anschließen, Reparieren, Ersetzen und Erweitern von Kapazitäten. Alle Materialien und Werkzeuge sind vertraut, lokal zugänglich und stehen dem Wasserkomitee zur Verfügung. Obwohl Chiapas unter Konflikten, materieller Armut und extremen Wetterbedingungen leidet, haben diese Hindernisse ein Wassersystemprojekt nie daran gehindert, voranzukommen, sobald eine Gemeinde sich engagiert und bereit ist. Durch Geduld und gute Kommunikation mit der Gemeinde konnten gelegentliche Verzögerungen immer innerhalb von ein oder zwei Monaten überwunden werden. Bis heute hat Concern America 40 Wassersysteme in der Region gebaut, von denen mehr als 12.000 Menschen profitieren. Sichtbare Vorteile Die Zeit, die für das Wasserholen verloren geht, kann nun für andere nützliche Aufgaben verwendet werden. Durch Wasser übertragene Krankheiten sind weitgehend eliminiert und Hautkrankheiten stark reduziert. Hinter all dem steht die Stärkung der Gemeinschaft durch einen gemeinsamen Erfolg. Und die Gemeinden zeigen ihren Stolz! Religiöse und kulturelle Feiern begleiten stets die Einweihung des Systems in einem Dorf. Viele legen großen Wert auf die Bemalung ihrer Wassertanks, oft unter Einbeziehung der Schulkinder, die die Geschichte ihres Dorfes darstellen. Kommende Unternehmungen Die nächsten Schritte des Chiapas-Wasserprojekts umfassen die Installation von fünf weiteren Wassersystemen und den Bau von zusätzlichen Wasserfiltern in drei Gemeinden. Dies geht einher mit einer zusätzlichen Schulung der Gemeindemitglieder und einer Verbesserung der Überwachungs- und Bewertungspraktiken. Davon werden 300 Mitglieder in etwa 60 Familien der Maya-Kaffeeanbaugemeinde in Chiapas, Mexiko, direkt profitieren. Eine reproduzierbare Lösung Der gemeinschaftsorientierte Ansatz von CA lässt sich in jeder beliebigen Situation wiederholen, sei es bei Wassersystemen oder anderen Gemeinschaftsprojekten. Die Arbeit der Organisation in ganz Lateinamerika und in Afrika in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Einkommensschaffung (zusätzlich zur Wasserversorgung und Abwasserentsorgung) folgt demselben Modell der Stärkung der Eigenverantwortung der Gemeinden. CA ist offen für den Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. Schwerpunkt | Anerkennung für stille Helden-- WAFA und der Oskar für erfolgreiche Projekte 37 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 33. Jahrgang · 01/ 2022 DOI 10.24053/ PM-2022-0011 Tina Lindgren Tina Lindgreen ist Gründerin und Vorstandsvorsitzende von Water Air Food Awards (WAFA). Sie arbeitet seit mehr als 15 Jahren als Coach und Trainerin für Führungskräfte, um Personalressourcen und eine unterstützende Unternehmenskultur zu entwickeln. Zu ihren Erfahrungen gehört die Arbeit mit internationalen Unternehmen, dem Europäischen Parlament und TV2, wo sie dazu beitrug, das Engagement der Mitarbeiter zu fördern, die Teamarbeit zu verbessern und die Kundenbeziehungen zu stärken. Sie hat sich auch als Trainerin und Projektmanagerin bei internationalen humanitären Veranstaltungen in Europa, Asien, dem Südpazifik und den USA engagiert. eMail: tili@wafaward.org Reinhard Wagner Reinhard Wagner ist Geschäftsführer der Tiba Managementberatung GmbH und seit mehr als 35 Jahren in verschiedenen Führungs- und Projektfunktionen der Wirtschaft sowie ehrenamtlich in einer Vielzahl von Fachverbänden (u. a. GPM und IPMA) bzw. gemeinwohlorientierten Initiativen (u. a. Outreach Europe, Coaching for Development, Responsible PM) aktiv. Seit 7 Jahren unterstützt er WAFA als Botschafter, Vorstandsmitglied und -berater. eMail: reinhard.wagner@tiba.de darin organisierten Projektmanagement-Experten. Diese können sich bei WAFA ehrenamtlich mit ihren besonderen Kompetenzen engagieren und so nicht nur einer gemeinnützigen Organisation wie WAFA helfen, sondern auch die Gesellschaft dabei unterstützen, noch mehr über die Arbeit der stillen Helden und ihrer Projekte zu erfahren. Eingangsabbildung: © matusciac-- stock.adobe.com Janine Tychsen Frauen, geht in Führung! 90 Tage Führungsmuskeltraining 1., Auflage 2022, ca. 180 Seiten €[D] 24,90 ISBN 978-3-7398-3116-9 eISBN 978-3-7398-8116-4 Wie kommen Frauen in Führungspositionen? Dieses Buch sprengt Klischees und regt zum Perspektivwechsel an. Um das “Warum-ist-das-alles-so? ” dürfen sich andere kümmern. Führungsmuskeltraining richtet seine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt und wie jede mit ihrer Persönlichkeit Führung gestalten kann. Die Autorin legt die Verantwortung für die eigene Karriere in die Hände jeder einzelnen Frau. Anzeige