eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 33/4

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
0942-1017
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2022-0081
2022
334 Gesellschaft für Projektmanagement

Storytelling für Projekte - eine Geschichte

2022
Alexandra Kampmeier
70 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 33. Jahrgang · 04/ 2022 DOI 10.24053/ PM-2022-0081 eine Geschichte Alexandra Kampmeier Das Dilemma einer Projektidee Es war einmal eine Projektidee, die war wirklich beeindruckend: Bis obenhin gespickt mit Fachwissen, die Diagramme leuchteten in sämtlichen Farben und eine Tabelle jagte die nächste. Wieso um alles in der Welt war ihre Vision noch keine Wirklichkeit geworden? Warum nahm sie niemand wahr? Die Leute müssten ihrem geistigen Vater doch die Bude einrennen, so genial war die Idee! Doch egal, wohin er ging und seine Vorträge hielt, egal, wie detailliert er die Zahlen, Daten und Minuten hörte niemand mehr zu, stattdessen starrten alle auf ihre Handys. Was nutzten alle Informationen, wenn sich keiner dafür interessierte? Die Projektidee verdrückte ein paar Tränen, schnäuzte einmal lautstark und zog sich in eine Schublade zurück. Wer weiß, wie lange sie dort lag? Eines Tages wehte ihr net worden und die Idee hörte eine Stimme: »Huhu, ist hier jemand? « Es war die Begeisterung auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Dabei stieß sie auf die niedergeschlagene Projektidee. Diese begann sofort ihr Leid zu klagen. Am Ende seufzte sie. »Ich bin so gut aufgestellt, aber niemand hört mir zu! « »Kein Wunder«, sagte die Begeisterung. »Du bist ein Ausbund an Informationen, hoch komplex, total verschachtelt. Das versteht kein Mensch! Ohren sind für so etwas nicht gemit deinen Informationen verknüpfen können. Nimm sie mit ins Kopfkino.« Die Projektidee schaute skeptisch. »Schön und gut, aber wie mache ich das? « Die Begeisterung grinste. »Storytelling ist das Zauberwort. Geschichten erzählen. Starte deine Präsentation mit einer Story, mit einem Bild. Erzeuge bei deinem Publikum ein Gefühl und es wird dir aufmerksam zuhören. Denk dran: ›Die Katze saß auf einer Decke’ ist keine Geschichte. ›Die Katze saß auf einer Hundedecke’ sehr wohl.* Hör zu, ich verrate dir Das Geheimnis einer guten Geschichte Die Begeisterung erzählte davon, dass eine Story immer es gibt nichts Schlimmeres, als sein Publikum zu langweilen! Versuche Begeisterung auszulösen, überrasche die Men- Erkläre ihnen nicht nur, dass du eine einfache Lösung für ein Projekt zustande kam. Erzähle von einem glücklichen Kunden oder einer zufriedenen Kundin. Verrate mit welchen Schwierigkeiten du zu kämpfen hattest und wie du sie überwunden Die Begeisterung beugte sich zur Projektidee hinüber und die beiden steckten die Köpfe zusammen. Bald schon ging ein Strahlen über ihre Gesichter. »So machen wir’s! « Nun mussten sie ihren genialen Einfall nur noch dem Entdecker Leider ist nicht überliefert, auf welche Weise es ihnen gelang. Doch als der Urheber das nächste Mal seine Idee präsentierte, begann er mit folgenden Worten: »Wie Sie wissen, entstand manch’ ein bedeutendes Projekt in einer Garage. Meins hingegen kam in einer Schublade zur Welt. Und das Wie die Geschichte zu Ende ging? Nun, es heißt, dass die Idee begeisterte und erfolgreich umgesetzt wurde. Und alle - Bei mir funktioniert das nicht Vielleicht schmunzeln Sie jetzt. Möglicherweise haben Sie während des Lesens Ihre Stirn gerunzelt. Oder Sie denken: »Ist ja ganz nett, aber in meinem Bereich klappt das nicht.« Wirklich nicht? Egal wie wissenschaftlich oder technisch, wie vermeintlich Zahlen. Ohne Statistiken. Damit bereiten Sie den Boden für die theoretischen Informationen, die Sie dann im Anschluss an die Story ergänzen können. Begeistern Sie statt lediglich zu informieren. Mit einer guten Geschichte erlangen Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer. Denn die beste Botschaft nutzt nichts, wenn sie nicht verstanden wird. Storytelling ist Kommunikation. Gerade mit der Flut an Informationen, die ständig auf uns einprasselt, ist es schwierig, Botschaften aufzunehmen und zu behalten. Viele Zahlen und Daten sind zu abstrakt, um sie sich zu merken, unser Gehirn hat Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Menschen lieben Geschichten Geschichten erzeugen Bilder. Bilder erzeugen Emotionen. Emotionen und Bilder werden in unserem Gehirn im limbischen System wahrgenommen. Dieser Teil ist älter und stärker als unsere Vernunft. Auch wenn wir oft den Eindruck haben, rational und faktenbasiert zu entscheiden, haben Ge- 71 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 33. Jahrgang · 04/ 2022 DOI 10.24053/ PM-2022-0081 hirnforscher entdeckt, dass eine Entscheidung ohne Gefühle nicht möglich ist. Wollen wir Menschen erreichen, inspirieren und bewegen, so müssen wir ihre Gefühle ansprechen. Stimmung erzeugen Mit welchem Gefühl sollen die Zuhörenden in Ihre Präsentation gehen? Zeigen Sie bereits vor der eigentlichen Präsentation ein Bild auf der Leinwand, das genau diese Atmosphäre begünstigt. Wählen Sie als Hintergrund ein Foto von einem Sandstrand, auf dem zwischen Palmen eine Hängematte baumelt, wenn Sie davon sprechen, dass die Urlaubsanträge durch das neue Tool zukünftig wesentlich vereinfachter ausgefüllt und genehmigt werden können. Was spricht dagegen, einen rauchenden Kopf, einen verzweifelten Menschen zu zeigen, wenn der neue Prozess einen enormen Mehraufwand aller Beteiligten erfordert? Damit signalisieren Sie, dass Sie wissen, was in den Köpfen der Zuhörenden vorgeht. Das setzt allerdings auch voraus, dass Sie bedrückten Stimmung zu belassen. Eine Vorausschau mit Happyend kann hier Wunder bewirken. Storys verbinden Fakten und Gefühle. Sie sprechen Herz und Hirn an. Und deshalb prägen sich Fakten, die mit Hilfe einer Story erzählt werden, besser ein als Fakten ohne Erzählung. Storytelling ist wie Joggen Es gibt geborene Geschichtenerzähler: innen. Doch die sind eher selten. Erzählen will geübt sein. So wie das Joggen. Allzu gerne ziehen wir uns Laufschuhe an und rennen einfach los. Am Ende wundern wir uns, dass die Knie schmerzen, der Rücken mault, die Füße Blasen werfen. Niemand käme hingegen auf die Idee, eine Ski-Piste hinunterzusausen, ohne wenigstens die Grundkenntnisse gelernt zu haben. Um eine Geschichte so zu erzählen, dass sie Wirkung zeigt, braucht es mindestens drei Dinge: 1. eine Botschaft: Was will ich erreichen, wer ist meine Zielgruppe? 2. einen dramaturgischen Aufbau: Wie ist die Situation, was 3. und Übung, Übung, Übung. Finden Sie Bilder Schauen Sie einfach bei sich selbst: Wann tauchen in Ihrem Inneren Bilder auf? Wenn Sie erklären, dass etwas ungefähr ballfeld? Läuft Ihnen das Wasser im Mund zusammen, wenn Sie an Gebäck denken? Oder ist es eher das Croissant, das Franzbrötchen, der Krapfen? Womit können Sie Ihre Zahlen vergleichen? Welche Redewendung könnte zu Ihrer Aussage passen? Notieren Sie sich kleine Begebenheiten aus dem All- Viel Vergnügen! *Soll John le Carré gesagt haben. Alexandra Kampmeier Storytelling im Business bietet: eigene Bühnenprogramme - Workshops rund ums Thema Storytelling, - Vorträge über Tabus & Trauer in Unternehmen, - Unterstützung in Change Prozessen durch maßgeschneiderte Storys, - Beratung, wie Botschaften angenehm verpackt wer- - Vortragscoaching.