eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 34/3

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2023-0044
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2023
343 Gesellschaft für Projektmanagement

Projektmanagement und Nachhaltigkeit

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2023
Steffen Scheurer
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2 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 34. Jahrgang · 03/ 2023 DOI 10.24053/ PM-2023-0044 Editorial Editorial Liebe Leserinnen und Leser, Nachhaltigkeit ist das Schlagwort unserer Zeit. Doch-- was bedeutet Nachhaltigkeit genau? Eine mögliche Definition: „Als nachhaltig wird eine Entwicklung bezeichnet, bei der heutige Bedürfnisse befriedigt werden (intergenerationale Gerechtigkeit), ohne zukünftigen Generationen die Lebensgrundlage zu entziehen (intragenerationale Gerechtigkeit).“-[1] Es geht um einen möglichst schonenden und verantwortlichen Umgang mit unseren Ressourcen. Gemeint sind dabei nicht nur knappe Ressourcen im Sinne der Wirtschaft, sondern auch ökologische und soziale Ressourcen. Aus diesem Grund spricht man vom 3-Säulenmodell der Nachhaltigkeit. Nachhaltiges Handeln ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabenstellung; dies ist weitgehend unumstritten. Damit ist jeder Einzelne von uns unmittelbar betroffen. Die Fragen an uns: Wie können wir im privaten und im beruflichen Umfeld konkret nachhaltiger handeln? Und was kann Projektmanagement zu nachhaltigem Handeln beitragen? Hier gibt es unterschiedliche Facetten. Wir können die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen im Rahmen der eigenen Projektabwicklung so gut wie möglich berücksichtigen. Denkbar wäre besipielsweise eine Reduzierung der Reisetätigkeiten im Projekt oder eine möglichst papierlose Abwicklung des Projekts. Weniger offensichtlich, aber ebenso wichtig ist die menschenzentrierte Weise der Projektführung. Sie schafft einzelnen Projektteammitgliedern Entwicklungspotenziale und Entscheidungsteilhabe. Nicht zuletzt: Wir können uns in Projekten engagieren, die selbst direkt Ziele der Nachhaltigkeit verfolgen. In diesem Heftschwerpunkt wollen wir zeigen, was Projektmanagement in Sachen Nachhaltigkeit beitragen kann. Als Einleitung in das Thema stellt Wolfgang Glitscher den Ansatz des Next7G Project Managements vor. Die Grundidee besteht darin, die Auswirkungen der Handlungen im Projekt mindestens für die nächsten sieben Generationen zu berücksichtigen. Norman Heydenreich zeigt in seinem Beitrag, wie die Aspekte der Nachhaltigkeit auch in den Anstrengungen der internationalen Normierung ihren Niederschlag finden. Der Autor macht zudem ein Angebot zur Mitarbeit! Dirk Fernholz begreift in seinem Beitrag den Projektmanager als „Ökoprojektmanager“ und knüpft damit unmittelbar an den forstwirtschaftlichen Wurzeln der Nachhaltigkeitsdiskussion an. Sarah-Janina Khayati zeigt im Interview mit Tobias Feitkenhauer, wie Kinder in der Schule im Rahmen eines FREI DAY an aktuelle gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen herangeführt werden, die sich an den 17 SDG der Vereinten Nationen orientieren. Projektorientierter Unterricht bildet dabei ein zentrales pädagogisches Instrument. Loraine Brandis beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit der sozialen Nachhaltigkeitsdimension. Sie untersucht, wie mittels Konzepten des „New Work“ sowohl die Anforderungen der Generation X als auch der Generation Z an das Arbeitsleben der Zukunft erfüllt werden können. Agnetha Flore und Frank Edelkraut beleuchten in ihrem Beitrag, welche Rolle der Personalentwicklung bei einer nachhaltigen Transformation in Unternehmen zukommt. Es wird erörtert, wie eine ideale Transformation aussehen könnte und wie das Projektmanagement davon betroffen ist. Neben diesen Beiträgen zur Nachhaltigkeit haben wir in diesem Heft eine Reihe von Beiträgen, die sich mit der methodischen Weiterentwicklung des Projektmanagements befassen. Ein Beispiel hierfür ist der Beitrag von Rainer Erne , Claus Hüsselmann und Stefanie Langhardt , in dem sie den von ihnen bereits vorgestellten „Project Management Waste Index“ konkretisieren. Jürgen Habenstein stellt die Methode der Collaboration- Map vor. Mit diesem Instrument können Überblick, Transparenz und Kontrolle in Produktentwicklungsprojekten entscheidend verbessert werden. Christian Bernert stellt in seinem Beitrag dar, welchen Herausforderungen Entscheidungsträger gegenüberstehen, wenn sie vor Entscheidungs-Dilemmata stehen und wie sie trotzdem zu Entscheidungen kommen können. Martin Barth , Jonas Reidick , und Margit Sarstedt stellen einen situativen Ansatz für das Projektmanagement vor, den die Autoren mit ihrem Modell des situativen Projektmanagementkontinuums konkretisieren. Kai Rahnenführer und Goran Radin beschäftigen sich mit Projekten in der Krise. Die Autoren beschreiben die einzelnen Schritte und Voraussetzungen, die es dem Leser möglich machen, einen Fahrplan aus der Schieflage oder Krise in den Normalzustand des Projektes zu erstellen und diesen auch anzuwenden. Am 15. und 16. Juni fand in Köln das PM Forum der GPM und am 17. Juni die GPM Aktiv, ebenfalls in Köln statt. Lesen Sie den Bericht von Antonia Zöls zu diesen Veranstaltungen. Am Ende dieses Editorials gibt es noch eine sehr traurige Nachricht zu berichten: In den letzten Jahren waren Sie gewohnt die Nachrichten aus der IPMA von Yvonne Schoper zu lesen. Leider verstarb Yvonne Schoper während der IPMA Research Conference im April 2023 in Nanjing. Wir erinnern mit einem Nachruf in diesem Heft an sie und danken ihr für ihren unermüdlichen Einsatz für das Projektmanagement im Rahmen der GPM und der IPMA. Wir wünschen Ihnen bei der Lektüre dieses Heftes viele Anregungen, wie Sie Nachhaltigkeit in Ihrem zukünftigen Handeln noch besser umsetzen können. Wir alle wissen: Der Beitrag jedes Einzelnen zählt für die Zukunft unseres Planeten und zukünftiger Generationen. Ihr Steffen Scheurer [1] https: / / wirtschaftslexikon.gabler.de / definition / nachhaltigkeit-41 203, abgerufen am 17. 06. 2023 Projektmanagement und Nachhaltigkeit