eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 34/5

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2023-0095
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2023
345 Gesellschaft für Projektmanagement

Digital souveränes Projektmanagement - Wie geht das?

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2023
Harald Wehnes
Guido Bacharach
Warum ist digitale Souveränität eine grundlegende Voraussetzung für die „Enkelfähigkeit“ unserer Gesellschaft und Wirtschaft, und welchen Beitrag können Projektportfolio- und Projektmanager sowie Unternehmensverantwortliche hierzu leisten? In diesem Beitrag werden zunächst die Risiken und Konsequenzen digitaler Abhängigkeit beleuchtet; besonders kritisch sind Dauerabhängigkeiten von Monopolisten. Danach werden ein Souveränitätsscore zum Praxis-Check von eingesetzter Software, Vorgehens- und Handlungsempfehlungen mit Risikocheckliste und Produktalternativen vorgestellt. Kernaussage: Berücksichtigen Sie digitale Souveränität als Kriterium bei der Auswahl, Beschaffung und Einsatz von Software und IT-Services!
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50 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 34. Jahrgang · 05/ 2023 DOI 10.24053/ PM-2023-0095 Durch verantwortungsvollen Einsatz von Software und IT-Services die Zukunftsfähigkeit in der digitalen Welt sichern Digital souveränes Projektmanagement-- Wie geht das? Harald Wehnes, Guido Bacharach Für eilige Leser | Warum ist digitale Souveränität eine grundlegende Voraussetzung für die „ Enkelfähigkeit “ unserer Gesellschaft und Wirtschaft, und welchen Beitrag können Projektportfolio- und Projektmanager sowie Unternehmensverantwortliche hierzu leisten? In diesem Beitrag werden zunächst die Risiken und Konsequenzen digitaler Abhängigkeit beleuchtet; besonders kritisch sind Dauerabhängigkeiten von Monopolisten. Danach werden ein Souveränitätsscore zum Praxis-Check von eingesetzter Software, Vorgehens- und Handlungsempfehlungen mit Risikocheckliste und Produktalternativen vorgestellt. Kernaussage: Berücksichtigen Sie digitale Souveränität als Kriterium bei der Auswahl, Beschaffung und Einsatz von Software und IT-Services! Schlagwörter | Digitale Souveränität, digitale Abhängigkeit, digitale Kolonie, Open Source Software, Tool-Einsatz, Projektportfoliomanager, Projektmanager, Geschäftsführer, IT-Verantwortliche, IT-Beschaffungen, Zukunftsfähigkeit Ist Deutschland auf dem Weg in eine digitale Kolonie? Der Wirtschaftsverband BITMi Bundesverband IT-Mittelstand e. V. warnt vor den wachsenden digitalen Abhängigkeiten, die inzwischen ein „ besorgniserregendes Ausmaß “ erreicht haben, und weist auf „ konkrete Gefahren für unsere politische Selbstbestimmung “ hin [1]. Mayer und Lu von der Konrad-Adenauer Stiftung e. V. kommen in einer Studie zum Ergebnis, dass Europa die Konsequenzen seiner digitalen Abhängigkeit noch kaum erkannt hat [2]. Und hochkarätige IT-Experten, wie Prof. Broy, TU München, bringen es auf den Punkt: „Deutschland ist auf dem Weg, ein digitales Entwicklungsland, eine digitale Kolonie zu werden… Letztendlich ist das nicht allein ein wirtschaftliches Problem. Auf dem Spiel steht nichts weniger als die deutsche und europäische Identität. Wenn wir unsere digitale Souveränität verlieren, verlieren wir einen wesentlichen Teil unserer kulturellen Werte und unserer Freiheit“ [3]. Was bedeutet digitale Souveränität? Bevor wir uns mit digitalen Abhängigkeiten und deren Konsequenzen näher befassen, wollen wir den Begriff „Digitale Souveränität“ näher erläutern, der, basierend auf dem aktuellen Koalitionsvertrag und der Digitalstrategie 2022, zu einem Kernelement von Digitalisierung und Digitalpolitik geworden ist. Der IT-Planungsrat der Bundesregierung hat den Begriff beschrieben als „ die Fähigkeiten und Möglichkeiten von Individuen und Institutionen, ihre Rolle(n) in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher ausüben zu können “ [4]. Digitale Souveränität bedeutet nach unserem Verständnis, dass Bürgerinnen und Bürger, Staat, Organisationen und Unternehmen ohne Bevormundung im digitalen Raum frei handeln können. Sie bildet die Grundlage für wirtschaftliche Prosperität, Sicherheit und den Erhalt unserer Sozialsysteme (Abb. 1). Verkürzt kann man sagen: Ohne digitale Souveränität ist die Zukunft unseres Wirtschaftsraums und unserer Gesellschaft massiv gefährdet. Wissen | Digital souveränes Projektmanagement-- Wie geht das? 51 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 34. Jahrgang · 05/ 2023 DOI 10.24053/ PM-2023-0095 Die Konsequenzen digitaler Abhängigkeit dürfen nicht unterschätzt werden Sehr eindrucksvoll stellen J. Mahn und C. Wölbert [5] die möglichen Konsequenzen digitaler Abhängigkeit anhand eines fiktiven Beispiels dar: „Washington, Herbst 2020: In der heißen Phase des US- Wahlkampfs verschärft Trum die Saktionen gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 und verbietet amerikanischen Digitalkonzernen die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen in Deutschland. Kurz drauf verlieren Hunderte Behörden, Krankenkassen und Schulen den Zugriff auf Cloud-Dienste wie Microsoft Office 365, Google Docs und Cisco Webex." [5] Die digitalen US-Embargos gegen Venezuela, Iran und China sowie die Erpressungsversuche von Big-Tech-Unternehmen-- wie jüngst gegen Gesetze der kanadischen Regierung [6]-- zeigen, dass dieses Szenario nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl in den USA 2024 kann auch eine Renaissance der „America First“-Politik nicht ausgeschlossen werden. Digitale Abhängigkeit ist kritischer als die Abhängigkeit von russischem Gas Das generelle Bewusstsein für Abhängigkeiten ist in letzter Zeit durch verschiedene Ereignisse (Ukraine-Krieg, Trump- Regierungszeit, Musk-Twitter, Microsofts Cloud-Schlüssel- Verlust) sprunghaft gestiegen. Die Konsequenzen aus dem Wegfall von russischem Gas sind uns noch allen bewusst. Im Rahmen mehrerer Workshops wurden diese von den Teilnehmern (Projektportfolio- und Projektmanager, Geschäftsführer, IT-Verantwortliche) zusammen mit den Sofortlösungen reflektiert (Abb. 2). Bei digitalen Abhängigkeiten können die Konsequenzen wesentlich dramatischer sein, z. B. wenn der sprichwörtliche „Digitale Hahn“ für lebensnotwendige Dienste von ausländischen Unternehmen oder Politikern abgedreht wird (siehe [5]). Im Rahmen der o. g. Workshops wurde festgestellt, dass es hierfür aktuell keine Sofortlösungen gibt. Mittel- und langfristige Lösungen benötigen Vorlauf. Aus den negativen Erfahrungen der Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen müssen wir, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, lernen und mit professionellem Risikomanagement Steuerungs- und Vorsorgemaßnahmen proaktiv einleiten und wirkungsvoll umsetzen. Wie dringlich und notwendig dies ist, zeigt u. a. der Abschlussbericht der PwC-Marktanalyse “zur Reduzierung von Abhängigkeiten von einzelnen Software-Anbietern” [7] aus dem Jahr 2019, der im Auftrag des BMI erstellt wurde. Er dokumentiert eine extrem hohe Abhängigkeit der Bundesverwaltung, insbesondere von der Firma Microsoft, und weist auch auf die Folgen dieser Abhängigkeit hin: „ …- Anbieter scheinen ihre Angebotsmacht zu ihrem Vorteil zu nutzen und Anforderungen ihrer Kunden, z. B. das erhöhte Bedürfnis nach Informationssicherheit im öffentlichen Sektor, nicht bzw. nur unzureichend zu adressieren. Dies kann die digitale Souveränität der Verwaltung gefährden-…“. Abbildung 3 enthält einige Risiken, die aus digitaler Abhängigkeit resultieren. Risiken bei der Nutzung „kostenfreier“ Tools Es gibt viele „kostenfreie“ Tools, die Projektarbeit wirkungsvoll unterstützen. Allerdings haben die meisten einen Haken. Die Nutzer bezahlen- - in der Regel meist unfreiwillig- - mit ihren Daten sowie den Daten der Beteiligten [8]. Welche Risiken man mit der Nutzung „kostenfreier“ Tools eingeht, zeigt beispielhaft die Datenschutzerklärung von Discord (https: / / discord.com / privacy). Produktnutzung bedeutet automatisch die Einverständniserklärung zu diesen Bestimmungen: Abbildung 1: Digitale Souveränität, die Basis für selbstbestimmtes Handeln in der digitalen Welt (Quelle: Eigene Darstellung) Abbildung 2: Konsequenzen aus dem Wegfall fossiler Brennstoffe und Lösungsmöglichkeiten (Quelle: Workshops der Autoren) Wissen | Digital souveränes Projektmanagement-- Wie geht das? 52 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 34. Jahrgang · 05/ 2023 DOI 10.24053/ PM-2023-0095 • Sämtliche Daten dürfen von Discord gespeichert werden: „ Benutzername, E-Mail-Adresse und alle Nachrichten, Bilder, temporäre Vo IP -Daten (um die Kommunikation zu ermöglichen) und andere Inhalte, die Sie über die Chat- Funktion verschicken“ • Discord darf diese Daten verkaufen: Die Daten „können auch in Datenbanken aufgenommen werden, die im Besitz von Tochtergesellschaften, Agenturen und Dienstleistern sind.“ • Aus den Daten dürfen Profile erstellt und an Dritte weitergegeben werden: „ Um-…, untersuchen wir auf der Grundlage der gesammelten Informationen demografische Daten, Interessen und Verhaltensweisen unserer Nutzer.“ • Daten, Wissen und IP können ungesteuert an Dritte abfließen: „ Unabhängig von Ihrem Standort stimmen Sie der Verarbeitung und Weitergabe Ihrer Daten in den USA und anderen Ländern zu.“ „Kostenfreiheit“ von Software-Tools und IT-Services sollte also stets hinterfragt werden. Der Abfluss von Daten und Wissen an Dritte ist besonders kritisch zu bewerten. Neben persönlichen Daten kann dies auch Projekt- und Unternehmensdaten sowie Daten von Geschäftspartnern betreffen. Auch Eigentums- und Urheberrechte sind damit gefährdet. Erschwerend kommt für Nutzer hinzu, dass diese selbst laut Datenschutzerklärung für jegliche Konsequenzen von Datenschutzverletzungen verantwortlich sind, die durch die Nutzung relativ leicht entstehen können- - und nicht das Unternehmen Discord. Darüber hinaus räumt der Cloud Act US-Behörden Zugriffsrechte auf alle Daten ein, die bei amerikanischen Providern gespeichert sind, selbst wenn die Server in Europa stehen. Risiken bei KI-gestütztem Arbeiten Die KI-Systeme bieten großartige, bisher kaum für möglich gehaltene technische Mittel, um (Projekt-)Arbeit effizienter und effektiver zu gestalten. In der Euphorie werden den Risiken und potenziellen Stolperfallen derzeit noch zu wenig Aufmerksamkeit gezollt. Die auf Basis von unvalidierten und vorgefilterten Daten generierten Ergebnisse müssen sehr kritisch überprüft werden. Es werden häufig Falschaussagen und Unwahrheiten (sog. Halluzinationen) erzeugt. Problematisch ist dies insbesondere bei Themen aus den Bereichen Recht und Medizin. Durch einen gedankenlosen Einsatz können leicht Geschäftsgeheimnisse oder vertrauliche Daten unbewusst preis gegeben werden, wie das Beispiel Samsung zeigt [9]. Daten sind bekanntlich das Öl des 21. Jahrhunderts. Mit dem Handel von „gespendeten“ Daten machen Big-Tech-Unternehmen wie Google und Meta jährliche Umsätze von mehreren Hundert Milliarden Dollar (https: / / de.statista.com / themen / 2907 / internetunternehmen/ #topicOverview). Das ist mehr als das BIP vieler Staaten. Es ist daher kaum verwunderlich, dass Google im Juli 2023 seine Nutzungsbedingungen so geändert hat, um „ alles Greifbare für das Training seiner KI -Modelle zu nutzen “ [10]. Generelle Handlungsempfehlungen Jede Bürgerin und jeder Bürger sollte sich über die Konsequenzen digitaler Abhängigkeit für unsere Zukunft bewusst werden, sofern er dieses Bewusstsein nicht bereits besitzt, und auch entsprechend handeln. Um Datensouveränität, Datenschutz und Informationsfreiheit zu gewährleisten sowie aus volkswirtschaftlicher Sicht ist zu empfehlen, vorrangig Softwareangebote und IT-Dienstleistungen zu nutzen, die europäischem Recht unterliegen. Auf der von J. Jäger, Universität Würzburg, entwickelten Plattform digital-sovereignty. net (MVP) [11] kann jeder einen Souveränitätsgrad der von ihm bzw. seiner Institution eingesetzten Software messen. Folgendes Vorgehen wird insgesamt empfohlen (Abb. 4). Abbildung 3: Risiken digitaler Abhängigkeit (Quellen: u. a. Workshop-Ergebnisse und [7]) Abbildung 4: Vorgehensempfehlung zum Management digitaler Abhängigkeit [11] Wissen | Digital souveränes Projektmanagement-- Wie geht das? 53 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 34. Jahrgang · 05/ 2023 DOI 10.24053/ PM-2023-0095 Für Unternehmen und Organisationen wird empfohlen: Starten Sie mit der Ermittlung des Grads der digitalen Souveränität Ihrer Institution. Konzentrieren Sie sich dabei auf die Produkte, von denen ihr Unternehmenserfolg abhängig ist bzw. die den Hauptteil Ihrer Softwareausgaben ausmachen. Führen Sie anschließend eine Risiko-Analyse durch. Erstellen Sie im 3. Schritt für die besonders kritischen Risiken einen Maßnahmenplan und controllen Sie den Erfolg der Umsetzung. Verstärken Sie ergänzend das Bewusstsein für die Risiken von digitalen Abhängigkeiten in Ihrer Organisation und in Ihrem Umfeld. Für den Schritt 2 „Risikoanalyse digitaler Abhängigkeiten“ finden Sie eine Risiko-Checkliste auf digital-sovereignty.net. Hier ein Auszug mit den Top-5-Risiken: • Existieren (potenziell) irreversible Abhängigkeiten? • Bei welchen Produkten / Services haben Sie einen Vendor- Lock in? • Bei welchen Produkten / Services besteht die Gefahr eines Cloud-Lock ins? • Bei welchen Produkten sind Sie de facto verhandlungsunfähig und müssen nahezu jedes Preisangebot und jede Vertragsklausel akzeptieren? • Wo werden Ihre „Kronjuwelen“ gespeichert? Befinden sich diese auf Cloudsystemen, für die kein EU-Recht gilt? Bei der Maßnahmenplanung sollte man sich auf wenige, extrem kritische Abhängigkeiten fokussieren. Als Sofortmaßnahme wird empfohlen: Vermeiden Sie, dass besonders kritische Abhängigkeit verstärkt werden. Als generelle Maßnahmen bieten sich an: • Zwei- oder mehrgleisige Einkaufsstrategie, um Wahlmöglichkeiten zu haben • Alternative Anbieter durch den Kauf von deren Produkte und Serviceleistungen sowie konstruktive Kritik im Reifeprozess fördern • Vermeidung von Vendor- und Cloud Lock-ins • Datensouveränität- - auch für die Kundendaten- - sicherstellen • Verschlüsselungsverfahren bei hohem Schutzbedarf nutzen • Umstieg auf alternative Produkte, bevorzugt solche, die Ihre Datensouveränität und die Ihrer Kunden wahrt und bei denen Wertschöpfung in Europa stattfindet und für die die üblichen Steuern gezahlt werden. Es gibt viele alternative Produkte, die durchaus konkurrieren können bzw. punktuell sogar besser sind als die mit hohen Marketingbudgets beworbenen Big-Tech-Produkte. Diese sind aber häufig nur in Expertenkreisen bekannt. Um insbesondere Unternehmen und Institutionen eine Orientierung für den Einsatz und die Beschaffung von Software zu bieten wurde eine Liste von Alternativen erarbeitet und auf digital-sovereignty.net zur Verfügung gestellt. Durch den vorzugsweisen Einsatz solcher Produkte wird der Wettbewerb belebt. Manager und Beschaffungsverantwortliche sollten daher stets prüfen, ob bestimmte Funktionalitäten von Softwareprodukten bzw. -services nicht auch von einem europäischen Anbieter angemessen erfüllt werden. Solange der Staat nicht selbst als Nachfrager für solche Alternativprodukte aktiv wird, konterkariert er das Leitmotiv seiner Digitalstrategie 2022, die digitale Souveränität [12]. Zukunft gestalten mit Open-Source-Software Open Source Softwareprodukte (OSS) stellen eine Alternative zur Nutzung von Software und IT-Services von Monopolisten dar. Dies vermeidet digitale Abhängigkeit, stärkt die digitale Souveränität und fördert digitale Kompetenz [13]. Die Zahlen des Bitkom Open Source Monitors von 2023 belegen, das Open Source in der deutschen Wirtschaft angekommen ist: Der Einsatz und die Nutzung von Open Source gehört für die große Mehrheit der Unternehmen und Organisationen zum täglichen Geschäft [14]. Sogar über die Hälfte der befragten Unternehmen beteiligen Sie sich an der Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von OSS. Auch im Public Sector ist Open-Source-Software nicht mehr wegzudenken: 59 Prozent der befragten Behörden nutzen solche Lösungen. In Abbildung 5, die der Studie [14] entnommen wurde, werden die wichtigsten Gründe für den Einsatz von OSS aufgeführt. Eine pauschale Empfehlung für OSS kann allerdings nicht gegeben werden. Neben der Qualität der Software sind weitere Kriterien zu berücksichtigen, die für eine nachhaltige Nutzung stehen. Abbildung 5: Vorteile von Open Source Software [14] Wissen | Digital souveränes Projektmanagement-- Wie geht das? 54 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 34. Jahrgang · 05/ 2023 DOI 10.24053/ PM-2023-0095 Fazit und Ausblick Unser Beitrag hat zum Ziel, die Leser anzuregen, sich mit dem Thema digitale Abhängigkeit und deren Konsequenzen näher zu befassen. Wie mehrere Workshops ergeben haben, sind die digitalen Abhängigkeiten kritischer als die Abhängigkeiten von russischem Gas, da es hierfür derzeit keinen Plan B, keine Notfalllösung gibt. Kernaussage: Berücksichtigen Sie digitale Souveränität als Kriterium bei der Auswahl, Beschaffung und Einsatz von Software und IT-Services! Aus den schmerzvollen Erfahrungen mit den Abhängigkeitskonsequenzen von fossilen Ressourcen sollten- - bevor es zu spät ist-- die erforderlichen Lessons Learned gezogen: 1. Awareness für die Konsequenzen digitaler Abhängigkeiten 2. Risikoanalyse digitaler Abhängigkeiten 3. Maßnahmenplanung 4. Umsetzung und Controlling der Maßnahmen auf Wirksamkeit. Die Autoren sehen diesen Artikel als wichtigen Diskussionsbeitrag für die Zukunftsfähigkeit. Sie freuen sich über Feedback. Die im Rahmen der Workshops verteilten Unterlagen werden auf Anfrage gerne kostenfrei zur Verfügung gestellt. Literatur [1] BITMi (2022): Offener Brief an die Bundesregierung: BIT- Mi warnt vor voranschreitender digitaler Abhängigkeit. https: / / www.bitmi.de/ offener-brief-digitale-abhaengigkeiten/ [2] Mayer M., Lu Y. (2022): Europa hat die Konsequenzen seiner digitalen Abhängigkeit noch kaum erkannt. https: / / www.kas.de/ documents/ 252 038/ 16 166 715/ E uropa+hat+die+Konsequenzen+seiner+digitalen+Abh%C3%A4ngigkeit+noch+kaum+ erkannt. pdf/ 664c8d2d-48e4-e864-fafa-a16bfa5bdc37? version=1.3&t=1 651 564 960 080 [3] Broy, M. (2020): Deutschland ist auf dem Weg, ein digitales Entwicklungsland, eine digitale Kolonie zu werden. in TUM Forum Sustainability- - Wissenschaft, Vernunft, Nachhaltigkeit, S. 112 ff. https: / / mediatum.ub.tum.de/ doc/ 1 548 492/ 1 548 492.pdf [4] Bundesministerium des Inneren, Digitale Souveränität (2020). https: / / www.cio.bund.de/ Webs/ CIO/ DE/ digitaleloesungen/ digitale-souveraenitaet/ digitale-souveraenitaet-node.html [5] Mahn, J.; Wölbert, C. (2020): Die riskante Abhängigkeit der Bundesrepublik von amerikanischen IT-Riesen. https: / / www.heise.de/ hintergrund/ Die-riskante-Abhaengigkeit-der-Bundesrepublik-von-amerikanischen-IT-Riesen-4 881 155.html [6] Kuhn, T. (2023): Wie der Meta-Konzern Kanadas Regierung in die Knie zwingen will. https: / / nachrichten. wiwo.de/ 77c6ee0a819276c86badf1280092ac790964a- 8 2 8 9 a e 5 4 2 3 7 3 9 0 9 9 5 4 1 0 a 7 4 f a 3 1 5 1 e e 7 e 8 9 9 c - 9995207274b449f83a4061129345134? utm_source=web-frontend&xing_share=news [7] PwC (2019): Strategische Marktanalyse zur Reduzierung von Abhängigkeiten von einzelnen Software-Anbietern. https: / / wibe.de/ wp-content/ uploads/ 20 190 919_strategische_marktanalyse-compressed.pdf [8] Wehnes, H.; Beger, A. (2020): Die Wette ist eröffnet: Wird „Datenspende“ Wort des Jahres 2020? https: / / www.gpmblog.de/ die-wette-ist-eroeffnet-wird-datenspende-wortdes-jahres-2020/ [9] Donath, A. (2023): Samsung-Ingenieure geben ChatGPT vertrauliche Daten preis. https: / / www.golem.de/ news/ kuenstliche-intelligenz-samsung-ingenieure-leaken-interne-daten-an-chatgpt-2304-173 220.html [10] Weiß, E. M. (2023): Google ändert Nutzungsbedingungen: Alles darf für KI-Training genutzt werden. https: / / www. heise.de/ news/ Google-aendert-Nutzungsbedingungen- Alles-darf-fuer-KI-Training-genutzt-werden-9 207 556. html [11] Jäger, J. (2023): Digitale Nachhaltigkeit: Souveränitätsscore. Informatik-Masterarbeit, Universität Würzburg [12] Bundesministerium für Digitales und Verkehr: Digitalstrategie 2022. https: / / bmdv.bund.de/ SharedDocs/ DE/ Anlage/ K/ presse/ 063-digitalstrategie.pdf? __blob=publicationFile [13] Bacharach, G. et.al. (2023) : Governance von Open Source Software, Empfehlungen für die Öffentliche Verwaltung- - Diskussionsbeitrag. https: / / www.ossbig.at/ wp-content/ uploads/ 2023/ 05/ 2023-05-08-OpenSource- Governance-Diskussionsberitrag-V3-1.pdf [14] bitkom (2023): Open Source Monitor 2023. https: / / www. bitkom.org/ opensourcemonitor2023 Eingangsabbildung: © iStock.com/ Wenjie Dong Guido Bacharach Guido Bacharach, ehemaliger Leiter der Stabsstelle Strategie und Digitalisierung in der Stiftung für Hochschulzulassung, hat langjährige Erfahrungen in internationalen Projektlandschaften, ist in der GPM Leiter der GPM Fachgruppe Critical Chain Projektmanagement, Inhaber von Lehraufträgen im Projektmanagement, Leiter der VOICE Gruppe Alternativen, Berater im EMREX Executive Committee, Co-Gründer des Netzwerks Digitale Nachweise und ist in mehreren nationalen und internationalen Projekten zur Digitalisierung der Verwaltung tätig. https: / / orcid.org / 0000-0002-7945 - 9118 Prof. Dr. Harald Wehnes Prof. Dr. Harald Wehnes hat jahrzehntelange Erfahrungen als Führungskraft und Projektmanager in der Wirtschaft und Großforschung. Seit 2000 hält er Vorlesungen zu Projektmanagement und Start-ups an der JMU Würzburg. Bei der GPM leitet er die Fachgruppe „PM an Hochschulen“, die mit 400 Professoren und Dozenten des PM das größte Hochschulnetzwerk im deutschsprachigen Raum ist. Julius-Maximilians-Universität Würzburg Institut für Informatik Am Hubland 97 074 Würzburg E-Mail: wehnes@informatik.uni-wuerzburg.de