eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 36/3

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2025-0037
0714
2025
363 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Projektmanagement aus unternehmerischer Perspektive

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2025
Steffen Scheurer
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2 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 36. Jahrgang · 03/ 2025 DOI 10.24053/ PM-2025-0037 EDITORIAL Projektmanagement aus unternehmerischer Perspektive Liebe Leserinnen und Leser, dieses Heft ist für Sie und für Ihr Top-Management gemacht. Eine Ausnahme. In der Regel versorgen wir exklusiv Sie als Projektmanagerin oder Projektmanager mit Nachrichten, aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und nützlichen Case Studies. Doch dieses Mal betrachten wir Projektmanagement aus der unternehmerischen Perspektive, also aus der Perspektive Ihres Top-Managements. Weshalb? Beginnen wir mit den harten Zahlen. „Projektarbeit“ hat in Deutschland eine unverändert hohe Bedeutung. Der Anteil der Arbeit an der Bruttowertschöpfung in Deutschland, der über Projekte geleistet wird, liegt bei über 30 %. Die Studie „Projektifizierung 2.0“ aus dem Jahr 2023 weist einen Anteil von 34 % aus. [1] Zudem gehen die Befragten davon aus, dass in Zukunft noch mehr Wertschöpfung aus Projekten generiert wird. Projektmanagement ist also längst zur Routine in vielen Unternehmen geworden. Solange Projektmanagement jedoch nur als Lösungsmethodik für einzelne neuartige und komplexe Vorhaben begriffen wird, kann längst nicht das gesamte Potential des Projektmanagements ausgeschöpft werden. Vielmehr muss Projektmanagement als Führungskonzeption verstanden werden. Aus unternehmerischer Perspektive wird nicht mehr nur das einzelne Projekt, sondern das gesamte Projektportfolio und sein Beitrag zur strategischen Entwicklung sowie zur Wertsteigerung des Unternehmens betrachtet. Über die konsequente Steuerung von Projektportfolios kann die Flexibilität und Kundenorientierung des gesamten Unternehmens erhöht werden. Zudem kann die Innovationsfähigkeit forciert werden, der unternehmerische Ressourceneinsatz transparenter gestaltet werden und nicht zuletzt das Management der Unternehmensrisiken verbessert werden. Wir stellen in diesem Heft systematisch die unternehmerische Perspektive auf das Projektmanagement in den Mittelpunkt. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Reinhard Wagner , der sowohl die Kontakte zu unseren Interviewpartnern herstellte als auch zahlreiche Fachleute als Autoren gewinnen konnte. Zudem trägt er auch als Mitautor maßgeblich zu den Inhalten dieses Heftes bei. Unabhängig davon, ob Konzernumfeld oder mittelständisches Unternehmen- - unsere Interviewpartner betonen die strategische Bedeutung des Projektmanagements in ihren Unternehmen. Wir starten mit Sascha Meyer (CEO von MOIA, einem Unternehmen des VW-Konzerns) und mit Joachim Hümmler und Maximilian Wuest (Geschäftsführer und Leiter Multi-Projektmanagement von „Magnetbau Schramme“, einem mittelständischen Familienunternehmen). Sie machen an Beispielen deutlich, wie sie Projektmanagement strategisch für ihr Unternehmen einsetzen. Reinhard Wagner und Ingo Cammans , beschreiben die Rolle des Top Managements für eine strategische Gestaltung einer projektorientierten Unternehmensentwicklung. Andreas Vogel , Reinhard Wagner und Clemens Wiegel zeigen, wie die Wechselwirkung von Unternehmens- und Multiprojektsteuerung in der Praxis umgesetzt werden kann. Zu Recht wird von Seiten des Top-Managements immer wieder der Nachweis verlangt, ob sich Investitionen in die Professionalisierung des Projektmanagements überhaupt lohnen. Reinhard Wagner und Adam Galgenmüller geben Antworten auf diese Frage. Sie zeigen, wie eine Betrachtung qualitativer und quantitativer Aspekte im Rahmen eines Business Cases dabei helfen kann, Investitionen in die Professionalisierung des Projekt-, Programm- und Portfoliomanagements zu begründen. In einem weiteren Beitrag gehen die beiden Autoren darauf ein, wie der strategische Mehrwert des KI-Einsatzes im Projektmanagement ermittelt werden kann. Clemens Wiegel und Brian Ponstein erklären in ihrem Beitrag, mit welcher Methodik der Projektmanagementreifegrad bei Rolls-Royce Power Systems gesteigert wird. Bewusst gestaltete und gelebte Projektsteuerung durch die Führungskräfte einer Organisation- - die „Projekt-Governance“- - ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für Projektarbeit. Wie die Projekt-Governance bei zunehmend agilen oder hybriden Vorgehensweisen in Projekten an die jeweilige Arbeitsweise angemessen angepasst werden kann, machen Dorothee Feldmüller und Gerhard Ortner zum Thema. Julia Hartenstein und Sibylle Schmidtke erläutern anhand des Projektprogramms „Stellinger Moor“ wie klare Governance-Strukturen, der gezielte Einsatz digitaler Tools und ein effektives Stakeholder- und Teammanagement dazu beitragen, Projekte auch in Krisenzeiten erfolgreich zu steuern. Zusätzlich gibt Sebastian Wieschowski einen Ausblick auf die Fokusthemen des anstehenden 34. IPMA World Congress in Berlin. Zudem berichtet er über einen Vortrag des stellvertretenden Bürgermeisters von Paris, Florentin Letissier , sowie über den 6. Berliner PM Salon der GPM, bei dem es um den Zusammenhang zwischen Projektmanagement und Spitzensport ging. Olympiasiegerin Britta Steffen und Harry Bähr , Leiter des Olympiastützpunkts Berlin diskutierten mit Lukas Jochum . Dieses Heft zeigt eindrucksvoll, dass der volle Mehrwert des Projektmanagements nur dann realisiert werden kann, wenn Projektmanagement aus einer unternehmerischen Perspektive gesehen wird-- also als Führungskonzeption. Welche Rolle dabei das Mindset und die konkrete Unterstützung des Top-Managements spielt, wird in mehreren Beiträgen sehr deutlich. Mein Vorschlag: Reichen Sie dieses Heft an ihr Top- Management weiter und helfen Sie damit die vielleicht noch nicht realisierten Potentiale in ihrem Unternehmen zu heben. Ihr Steffen Scheurer [1] Wald, A.; Schneider, C.; Schoper, Y.; Thuy, P.; Hartmann, C. (2023): Projektifizierung 2.0., UVK-Verlag Tübingen