PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2025-0047
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GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.Ein Blick in die Zukunft des Projektmanagements
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Sebastian Wieschowski
Dieser Überblick der wichtigsten Themen des 34. IPMA World Congress beleuchtet zentrale Trends, die das Projektmanagement der Zukunft prägen: Methodenintegration, technologische Transformation, nachhaltige Innovation und krisenfeste Steuerung. Ein Ausblick, der zugleich Orientierung und Einladung zum Weiterdenken ist – nicht nur für Projektmanager, sondern für alle, die Veränderung aktiv gestalten wollen.
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59 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 36. Jahrgang · 03/ 2025 DOI 10.24053/ PM-2025-0047 Fokusthemen des 34. IPMA World Congress Ein Blick in die Zukunft des Projektmanagements Sebastian Wieschowski Dieser Überblick der wichtigsten Themen des 34. IPMA World Congress beleuchtet zentrale Trends, die das Projektmanagement der Zukunft prägen: Methodenintegration, technologische Transformation, nachhaltige Innovation und krisenfeste Steuerung. Ein Ausblick, der zugleich Orientierung und Einladung zum Weiterdenken ist-- nicht nur für Projektmanager, sondern für alle, die Veränderung aktiv gestalten wollen. Projektmanagement steht an einem Wendepunkt: Globale Krisen, technologische Umbrüche und gesellschaftliche Erwartungen fordern nicht nur neue Kompetenzen, sondern auch ein grundsätzliches Umdenken. Die Zeiten starrer Methoden und einseitiger Ansätze sind vorbei-- gefragt sind flexible, integrative und zukunftsorientierte Konzepte. Ob agile Sprints, klassische Planung oder hybride Modelle: Die Methodenlandschaft im Projektmanagement wird zunehmend vielfältiger. Gleichzeitig eröffnen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und der Ruf nach nachhaltiger Entwicklung neue Spielräume-- und neue Verantwortungen. Die folgenden vier Trends werden das Projektmanagement künftig prägen-- und damit auch eine zentrale Rolle beim 34. IPMA World Congress einnehmen. 1. Agiles, hybrides und klassisches Projektmanagement-- Best of beider Welten? Agil oder klassisch? Lange galten diese Projektmanagement- Philosophien als unvereinbar. Heute zeigt sich: Beide Ansätze haben ihre Stärken-- und in hybriden Modellen werden sie zunehmend kombiniert. Doch was zeichnet die jeweiligen Methoden aus? Und warum setzt sich der Hybrid-Ansatz immer stärker durch? Traditionell versus agil: Zwei Welten Klassisches Projektmanagement-- oft als Wasserfall-Modell bezeichnet- - setzt auf ausführliche Planung, klare Phasen und feste Termine. Es hat sich besonders im Bauwesen oder bei stabilen Großprojekten bewährt. Agiles Projektmanagement hingegen unterteilt Vorhaben in kurze Zyklen und liefert Ergebnisse iterativ. Methoden wie Scrum ermöglichen kontinuierliche Anpassungen und starkes Kundenfeedback-- ideal für dynamische Branchen wie die Softwareentwicklung. Kurz gesagt: Klassisches Projektmanagement bietet Kontrolle und Planbarkeit, während agiles Projektmanagement durch Flexibilität und schnelle Reaktion besticht. Hybride Modelle auf dem Vormarsch Hybrides Projektmanagement verbindet das Beste aus beiden Welten. Häufig werden Planungsphasen traditionell gestaltet, während die Umsetzung agil erfolgt-- so entsteht ein Rahmen, der sowohl Struktur als auch Anpassungsfähigkeit ermöglicht. Bereits die Studie „Status Quo Agile“ aus dem Jahr 2017 zeigte, dass 73 % der Befragten durch agile Methoden Verbesserungen bei Ergebnissen und Effizienz wahrgenommen haben. Interessant: Fast drei Viertel der Teilnehmenden gaben an, agile Methoden erst seit weniger als vier Jahren zu nutzen-- ein Hinweis auf die rasante Verbreitung agiler Ansätze. Warum hybride Modelle überzeugen Die zunehmende Komplexität von Projekten und unsichere Rahmenbedingungen machen flexible Lösungen notwendig. Hybride Modelle erlauben schnelle Reaktionen auf Veränderungen, ohne die organisatorische Stabilität zu gefährden. Auch große Unternehmen wie IBM und Microsoft berichten von positiven Erfahrungen: Effizientere Projektabläufe und zufriedenere Teams nach Einführung hybrider Ansätze. Berichte aus der GPM | Ein Blick in die Zukunft des Projektmanagements 60 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 36. Jahrgang · 03/ 2025 DOI 10.24053/ PM-2025-0047 Hybrides Projektmanagement entwickelt sich damit vom Trend zum neuen Standard. Es kombiniert Planungsdisziplin mit Agilität-- und macht Projekte robuster gegenüber externen Einflüssen. Ein klarer Wettbewerbsvorteil. Diese Fragen stehen auf dem 34 . IPMA World Congress u. a. im Fokus: • Wie können Unternehmen erfolgreich hybride Projektmanagement-Modelle implementieren, ohne dass sie in Widersprüche zwischen agilen und klassischen Methoden geraten? • Welche Kriterien bestimmen, wann ein rein klassischer, ein rein agiler oder ein hybrider Ansatz am besten geeignet ist? • Welche neuen Kompetenzen brauchen Projektmanager, um in hybriden Umgebungen effizient zu arbeiten? 2. Digitalisierung und KI im Projektmanagement-- Der digitale Projektassistent Vom digitalen Gantt-Chart bis zum KI-Chatbot: Moderne Technologien revolutionieren das Projektmanagement. Cloud-Plattformen, Echtzeit-Dashboards und Künstliche Intelligenz (KI) machen die Projektarbeit effizienter. Digitale Tools als Basis Ob Team-Chat, Online-Kanban oder Video-Meeting- - digitale Werkzeuge sind im Projektalltag unverzichtbar. Sie ermöglichen verteilten Teams reibungslose Zusammenarbeit. Heute arbeiten rund 61 % der Projektmanager remote. Projektmanagement-Software liefert zudem jederzeit aktuelle Daten zu Zeitplan, Budget oder Risiken und unterstützt Entscheidungen auf Faktenbasis. KI als Gamechanger KI hebt die Digitalisierung im Projektmanagement auf ein neues Niveau. Sie automatisiert Routineaufgaben, durchforstet große Datenmengen und hilft mit Prognosen bei Planung und Steuerung. So können KI-Systeme versteckte Projektrisiken früh erkennen oder Pläne dynamisch anpassen. Intelligente Assistenten wie Chat GPT verfassen bereits Protokolle und Statusberichte. Trotzdem bleibt menschliche Kontrolle unverzichtbar. Die Vorteile liegen auf der Hand: KI-Tools sparen Zeit, reduzieren Fehler und liefern Einblicke, die manuell kaum zu gewinnen wären. Doch es gibt Hürden. Ohne hochwertige Daten stößt jede KI an Grenzen. Außerdem zögern viele Unternehmen, sensible Projektdaten an Algorithmen zu übergeben- - Datenschutz und Vertrauen sind entscheidend. Auch müssen Projektteams neue Fähigkeiten im Umgang mit KI entwickeln, um das Potenzial voll auszuschöpfen. Ausblick Die Entwicklung steckt noch in den Anfängen. Laut Gartner werden bis 2030 etwa 80 % der heutigen Projektmanagement- Aufgaben von KI übernommen. Projektmanager können sich dann stärker auf Führungsaufgaben, kreative Lösungen und Stakeholder-Management fokussieren. Klar ist: Wer diese Technologien clever nutzt, verschafft sich einen Vorsprung. Diese Fragen stehen auf dem 34 . IPMA World Congress u. a. im Fokus: • Welche konkreten Aufgaben kann KI heute im Projektmanagement übernehmen, und wo sind noch klare Grenzen menschlicher Entscheidungsfähigkeit nötig? • Wie können Unternehmen die digitale Transformation im Projektmanagement beschleunigen, ohne bestehende Prozesse und Teams zu überfordern? • Welche ethischen und sicherheitsrelevanten Herausforderungen entstehen durch den Einsatz von KI in sensiblen Projektbereichen? 3. Nachhaltigkeit, Innovation und Trends im Projektmanagement-- Projekte grün und kreativ gestalten Nachhaltigkeitsdruck und technologischer Wandel fordern das Projektmanagement heraus. Unternehmen setzen auf nachhaltige Praktiken und innovative Ansätze, um Projekte zukunftsfähig zu machen. Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Erfolgsfaktor geworden-- und Innovation treibt den Wandel. Nachhaltigkeit als neuer Standard „Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend-- sie wird zu einer festen Anforderung in der Projektlandschaft“. Projekte müssen heute neben wirtschaftlichen Zielen auch ökologischen und sozialen Mehrwert liefern. Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung: Vorhaben, die Recycling fördern und Abfall minimieren, haben Priorität. Getrieben wird dieser Wandel durch den Druck von Stakeholdern und Regulatoren. Innovation als Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit und Innovation gehen Hand in Hand. Nachhaltige Projekte erfordern oft neue Lösungen-- und genau dadurch entsteht Innovation. Studien zeigen, dass nachhaltige Projekte häufig besonders innovative Ergebnisse hervorbringen. Der Einsatz moderner, umweltfreundlicher Technologien macht Projekte nicht nur grüner, sondern auch effizienter und robuster. Zudem hat sich agiles Arbeiten längst branchenübergreifend etabliert, und kreative Methoden wie Design Thinking gewinnen an Bedeutung. Auch eine offene Fehlerkultur fördert die Innovationskraft im Team. Nachhaltigkeit und Innovation sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich. Wer Projekte konsequent nachhaltig und kreativ umsetzt, steigert Verantwortungsbewusstsein und Wettbewerbsfähigkeit. Dieses Zusammenspiel wird zum Erfolgsfaktor der Zukunft. Diese Fragen stehen auf dem 34 . IPMA World Congress u. a. im Fokus: • Wie lässt sich der Erfolg nachhaltiger Projektmanagement- Praktiken messen, und welche KPI s sind dabei entscheidend? • Welche Rolle spielt die Kreislaufwirtschaft im Projektmanagement, und wie können Unternehmen diese Prinzipien effizient umsetzen? • Wie lassen sich Innovationskultur und nachhaltige Entwicklung innerhalb eines Unternehmens verbinden, um langfristige Wettbewerbsvorteile zu schaffen? Berichte aus der GPM | Ein Blick in die Zukunft des Projektmanagements 61 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 36. Jahrgang · 03/ 2025 DOI 10.24053/ PM-2025-0047 4. Transformation und Krisenmanagement im Projektmanagement-- Navigieren in unsicheren Zeiten Ob digitale Disruption, neue Marktanforderungen oder globale Krisen: Unternehmen stehen unter ständigem Veränderungsdruck. Projektmanagement rückt ins Zentrum, denn Projekte sind die Vehikel für Veränderungen. Wandel als Daueraufgabe Viele Firmen müssen sich laufend transformieren- - durch Digitalisierung oder strategische Neuausrichtung. Doch solche Vorhaben sind komplex: Rund 70 % großer Transformationen scheitern laut Studien. Umso wichtiger sind klare Ziele, die Einbindung der Mitarbeiter und eine flexible Steuerung des Wandels. Krisenmanagement: Vorbereitung zahlt sich aus Krisen treten oft plötzlich auf-- von Pandemien über Lieferengpässe bis zu Cyberangriffen. Resilienz gilt als unverzichtbar-- proaktives Risikomanagement und Szenarioplanung helfen, Herausforderungen früh zu erkennen und flexibel zu reagieren. Wer Notfallpläne parat hat, kann im Ernstfall schneller handeln. Ebenso wichtig ist offene Kommunikation: Stakeholder sollten transparent informiert werden, um Vertrauen zu bewahren. Die COVID-19-Pandemie zeigte, dass agile Unternehmen besser durch Unsicherheit navigieren. Bewährte Ansätze für Transformation und Krisenmanagement Was kann man tun, um Projektmanagement in Krisenfällen optimal zu nutzen? Zuallererst: Ein Risikomanagement und eine Szenarioplanung, um Störfälle zu antizipieren und Reaktionsoptionen vorzubereiten. Dazu kommt eine transparente Kommunikation-- das heißt: Alle Stakeholder offen informieren, um Vertrauen zu erhalten. Essenziell ist auch ein flexibles Vorgehen- - so kann man mit agilen Methoden den Kurs bei Bedarf rasch anpassen. Projektmanagement passt sich unsicheren Zeiten an, indem Wandlungsfähigkeit zur Routine wird. Transformation ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess. In Krisen entscheidet Vorbereitung und Anpassungsfähigkeit, ob ein Unternehmen gestärkt oder geschwächt daraus hervorgeht. Diese Fragen stehen auf dem 34 . IPMA World Congress u. a. im Fokus: • Welche konkreten Strategien helfen Projektmanagern, Transformationen erfolgreich zu steuern, wenn sich Rahmenbedingungen kurzfristig ändern? • Wie kann ein effektives Risikomanagement die Resilienz von Projekten gegenüber unvorhergesehenen Krisen erhöhen? • Welche langfristigen Lehren hat die COVID - 19 -Pandemie für das Krisenmanagement in Projekten hinterlassen, und welche Best Practices haben sich bewährt? • Welche Kompetenzen braucht es, um Projekte in einer sich verändernden Welt erfolgreich zu steuern? • Wie können digitale Technologien, agile Methoden und nachhaltige Strategien sinnvoll kombiniert werden? • Welche Rolle spielt Projektmanagement in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozessen? Eingangsabbildung: © iStock.com/ EvgeniyShkolenko Kommentar von Prof. Dr. Peter Thuy zum World Congress Die Welt befindet sich in einem stetigen Wandel-- technologische Innovationen, gesellschaftliche Transformationen und wirtschaftliche Herausforderungen prägen unseren Alltag. Mehr denn je sind Unternehmen, Institutionen und ganze Gesellschaften darauf angewiesen, Veränderungen gezielt zu steuern und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Projektmanagement ist dabei der Schlüssel, um Komplexität zu bewältigen und Fortschritt aktiv zu gestalten. Der IPMA World Congress 2025 in Berlin bietet eine einzigartige Plattform, um aktuelle Trends, bewährte Methoden und visionäre Ansätze des Projektmanagements zu diskutieren. Als das weltweit führende Forum seiner Art bringt der Kongress Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um Wissen zu teilen und innovative Lösungen zu entwickeln. Unter dem Leitmotiv „Shaping the Future in Project Management“ stehen in diesem Jahr zentrale Fragen im Fokus: • Welche Kompetenzen braucht es, um Projekte in einer sich verändernden Welt erfolgreich zu steuern? • Wie können digitale Technologien, agile Methoden und nachhaltige Strategien sinnvoll kombiniert werden? • Welche Rolle spielt Projektmanagement in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozessen? Die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) lädt Sie herzlich ein, den IPMA World Congress 2025 als Impulsgeber zu nutzen-- sei es durch eine Teilnahme, durch den Austausch mit führenden Köpfen der Branche oder durch eine aktive Mitgestaltung der Zukunft des Projektmanagements. Lassen Sie uns gemeinsam den nächsten Schritt gehen. Denn eines steht fest: Die Zukunft wird in Projekten gestaltet. Prof. Dr. Peter Thuy Präsident der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.
