PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
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GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.Mit spm.unterwegs am 26.05.2025 zum Zürcher Hochwasserentlastungsstollen Thalwil
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78 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 36. Jahrgang · 03/ 2025 DOI 10.24053/ PM-2025-0057 Aus den DACH-Verbänden | spm intern Mit spm.unterwegs am 26. 05. 2025 zum Zürcher Hochwasserentlastungsstollen Thalwil FG IAbau mit spm.unterwegs Die von Beat Dietziker jeweils umsichtig organisierten Exkursionen sind ein fester Bestandteil des spm-Jahresprogramms und ziehen jeweils 15-30 Mitglieder und Gäste mit ganz unterschiedlichem beruflichem Hintergrund an. Für die kleine Gruppe der Baufachleute ist dies eine gute Gelegenheit, für das klassische Projektmanagement im Werkvertragsverhältnis zu werben. Am 26. Mai konnten wir das Wasserfallmodell wortwörtlich erleben: Mit kurzem Bustransfer ging es vom S-Bahnhof Langnau-Gattikon die Sihl aufwärts zur Baustelle des Einlaufbauwerks für den neuen Sihlentlastungsstollen. Er soll ab 2026 das dicht besiedelte Sihltal und die Stadt Zürich vor Überschwemmungen durch Hochwasser mit einer statistischen Wiederkehrperiode von 500 Jahren schützen. Sonst stünde der wichtigste Knotenpunkt des Schweizer Bahnnetzes unter Wasser wie im Jahr 2002 der Hauptbahnhof Dresden. Wie Dr. Matthias Oplatka, Sektionschef des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) zu Beginn ausführte, wird aber nicht zuletzt wegen Klimaerwärmung damit gerechnet, dass der gewaltige Stollen mit 6,60 m Radius ca. alle 8 Jahren wird „anspringen“ müssen, um bis zu 2 / 3 der erwarteten 600 m 3 / s in den Zürichsee umzuleiten und dadurch die Hochwasserwelle in der Limmat zu puffern. Dieser Trick wurde in der Schweizer Wasserbaugeschichte bereits mehrmals mit Erfolg angewendet, so bei der Umleitung der Kander in den Thunersee 1711-1714 und der Aare in den Bielersee in der 1. Juragewässerkorrektion 1868-1891. In einer umfangreichen Variantenstudie mit Risikoabschätzung nach der „Delphi-Methode“ diskutierte ein hochkarätiges Expertengremium in vielen Sitzungen das Für und Wider sensorgestützter Hochwasserschutzmaßnahmen, bevor man sich für die teure, aber robuste Stollenlösung entschied. Zusätzlich müssen in der Stadt Zürich die Lichtraumprofile unter einigen Brücken vergrößert werden, um den Abfluss sicherzustellen. In einem zweiten Vortrag berichtete Dr. J.-Martin Hohberg als Sachbearbeiter der projektierenden IUB Engineering AG von den Annahmen und Sensitivitätsstudien der hydraulischen und geotechnischen Berechnungen zum Einlaufbauwerk, zum tübbingverkleideten Stollen und zum Tosbauwerk in Thalwil. In physischen Modellen wurden an der Versuchsanstalt für Wasserbau (VAW) der ETH Zürich der Einlauf und die Energievernichtung beim Abbremsen der Wassergeschwindigkeit von 50 km / h auf 15 km / h in der unter Wasser liegenden Einlauftrompete in den Zürichsee validiert, da ein Probelauf bei Abnahme wegen des seltenen Ereignisses nicht möglich ist. Deswegen wurden vom Baudepartement des Kt. Zürich auch mehrere gute Animationsfilme produziert, um der Bevölkerung das Großprojekt zu erklären, vgl. https: / / www.zh.ch / de / planen-bauen / wasserbau / wasserbauprojekte / entlastungsstollen-sihl-zuerichsee.html. Nach den Vorträgen führte Herr Adrian Stucki als Gesamtprojektleiter des AWEL die Teilnehmenden mit festem Schuhwerk, Helm und Warnweste über die feierabendliche Baustelle des Einlaufbauwerks, wo im Schutz einer hohen Spundwand 12 m unter dem Grundwasserspiegel die Betonierarbeiten im Übergang zum bereits fertigen Stollen zu sehen waren. Am Wochenende des 23. -24. 08. 2025 werden dann an einem Festanlass auch das Tosbauwerk und der Stollen für die Bevölkerung zu besichtigen sein. Ingrid Giel (Präsidentin) und Martin Hohberg (FG-Leiter Infrastruktur- & Anlagenbau)
