eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL36/5

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-2025-0082
pm365/pm365.pdf1215
2025
365 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Zukunftsfragen des Projektmanagements

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2025
Steffen Scheurer
pm3650002
2 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 36. Jahrgang · 05/ 2025 DOI 10.24053/ PM-2025-0082 EDIToRIAL Zukunftsfragen des Projektmanagements Liebe Leserinnen und Leser, Projektmanagement unterstützt bekanntlich die Wirtschaft und den öffentlichen Bereich durch moderne Methoden und Denkweisen. Es hilft, beispielsweise Innovationen schneller an den Markt zu bringen, Ressourcen effizienter einzusetzen, moderne Führungsansätze und flexible Arbeitsmodelle einzuführen, Risiken besser zu managen und Unternehmensstrategien zielgerichtet umzusetzen. Doch unsere Welt wird immer dynamischer und unsicherer. Die Frage: Wie kann Projektmanagement heute dazu beitragen, auf dieser Dynamik aufbauend zu agieren und flexibel Wettbewerbsvorteile zu sichern? Antworten auf diese Frage gab der 34. IPMA World Congress, der im September in Berlin stattfand. Im Mittelpunkt des Kongresses standen aktuelle Entwicklungen und Zukunftsfragen im Projektmanagement. Dazu gehörten Trends wie agile und hybride Vorgehensmodelle und Methoden, die Arbeit mit neuen Arbeitsformen in verteilten Teams sowie Führung, Kommunikation und Motivation in Projektteams. Lebhaft diskutiert wurden Aspekte der Digitalisierung, des KI-Einsatzes in Projekten sowie der Beitrag von Projekten zur nachhaltigen Entwicklung. Weitere Themen waren die wachsende strategische Rolle von PMOs und die Bedeutung des Projektportfoliomanagements zur Strategieumsetzung von Unternehmen. Zum Kongress finden Sie zwei Berichte von Sebastian Wieschowski in diesem Heft. Zudem berichtet er über eine Diskussionsrunde unter dem Titel „Insights Session“, die zwischen dem aktuellen und ehemaligen IPMA-Präsidenten zu diesen Themen stattgefunden hat. Auch im Global Young Crew Workshop 2025, der im Anschluss an den World Congress stattfand und über den Katja Bäumel berichtet, wurden diese Themen aufgenommen. Wir wollen in diesem Heft einige dieser Zukunftsfragen aufgreifen und vertiefen. Beginnen wir mit der Digitalisierung und der KI. Kai Wilhelm, Philipp Larseille, Sebastian Colditz und Benjamin Hettrich zeigen in ihrem Beitrag, wie sich durch Automatisierung und KI-Einsatz optimaler Nutzen für Projekte erzielen lässt. Sie verfolgen dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen aus der Beratung basiert. Ergänzend erläutert Jens Nachtwei, wie sich durch KI-Einsatz in Projekten die Aufgaben und Rollen verschieben-- und welche Kompetenzen HR heute stärken muss, um Projekte menschlich und zukunftsfähig zu gestalten. In weiteren Beiträgen geht es um Fragen des Multiprojektmanagements und seiner zunehmenden Bedeutung. Benjamin Hettrich, Doreen Gehl, Patrick Lehner, Hans Georg Gemünden und Alexander Kock berichten von der 11. MPM-Benchmarking-Studie. Sie erläutern anhand der Studienergebnisse, wie sich Projektportfoliomanagement in einer zunehmend dynamischen Welt verändert und welche Faktoren den Erfolg bestimmen. Dabei verweisen sie auf eine dreifache Transformation: Agilität ist bei Top-Performern etabliert und zentral für Anpassungsfähigkeit. Nachhaltigkeit ist organisatorisch angekommen, doch noch nicht durchgängig in Prozessen verankert. Künstliche Intelligenz wird zwar zunehmend strategisch adressiert, steckt operativ aber noch in den Kinderschuhen. Die Agilität im Multiprojektmanagement greifen auch Rüdiger Kloss, Norbert Schaffitzel und Annemone Scholl auf und vertiefen dieses Thema in ihrem Beitrag. Auch Thorsten Hanker befasst sich mit Agilität, und zwar mit agilen Teams. Ihm geht es um drei kognitive Verzerrungen, die den Alltag in agilen Teams stark prägen. Er zeigt in seinem Beitrag, wie sich Teams gegen den Einfluss dieser Verzerrungen wappnen können. Zu einem weiteren wichtigen Zukunftsthema, der Nachhaltigkeit, haben wir ein Interview mit Wolfgang Glitscher, Konstantin Theile und Peter Renner geführt. Die IPMA hat sich intensiv mit dem Thema befasst. Mit einem neuen Referenzguide, Textbook und Trainingsprogramm wurde 2025 ein internationaler Standard für Nachhaltigkeit im Projektmanagement etabliert. Doch es herrscht weiterhin Verbesserungsbedarf in der Unternehmenspraxis, wie in dem Interview deutlich wird. Die Zukunftsfragen im Projektmanagement brauchen neue Antworten. Dabei hilft manchmal auch der Blick zurück, um für die Zukunft zu lernen. Henning Roet de Rouet nimmt die Perspektive des Historikers ein. Er zeigt, wie Bismarcks historische Lehren moderne Projektleiter weiterbringen können-- auch heute noch. Schließlich möchte ich noch auf ein praktisches Projekt hinweisen, das für die Zukunft des Rhein-Main-Gebiets Bedeutung hat: Den Bau des Terminal 3 am Frankfurter Flughafen. Wir haben mit dem Projektverantwortlichen und Geschäftsführer der Fraport Ausbau Süd GmbH, Harald Rohr, gesprochen. Seine Antwort auf die Frage, wie man solch ein Großprojekt in den Griff bekommen kann: „In verdaulichen Happen. Mit einem hocherfahrenen Spezialistenteam-- und stringentem Projektmanagement.“ Lesen Sie dazu unseren Report und das Interview. Unser Heft zeigt, wie Projektmanagement die Herausforderungen unserer dynamischen Zeit aufnimmt. Es entwickelt sich laufend weiter-- und bleibt damit ein Garant für die Aufrechterhaltung unserer Wettbewerbsfähigkeit auch in einer unsicheren Welt. Abzusehen ist: Digitalisierung, Remote-Teams, agiles Arbeiten, der Einsatz von KI in der Projektplanung und im Reporting werden künftig administrativen Aufwand reduzieren. Dies macht Zeit frei für strategische Aufgaben und Stakeholdermanagement. Auch wird deutlich, wie sich traditionelle Rollen im Projektmanagement Stück für Stück verschieben. Projektverantwortliche müssen ihre Teams aktivieren und unterstützen- - und brauchen dafür neue Soft Skills und moderne Führungstechniken. Zudem übernehmen sie strategische Themen in den Projekten. So können sie sich immer mehr als Partner der Unternehmensführung positionieren. Wir wollen auch im Jahr 2026 am „Puls der Zeit“ bleiben und uns mit spannenden Entwicklungen rund um das Projektmanagement beschäftigen. Lesen Sie hierzu unsere Themenübersicht. Zu diesen Themen können wir uns Schwerpunkthefte im Jahr 2026 vorstellen. Wir freuen uns auch im kommenden Jahr über ihre Beiträge und Ideen. Ich wünsche Ihnen schöne und besinnliche Feiertage und ein erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2026. Ihr Steffen Scheurer