eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL37/1

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0001
pm371/pm371.pdf0413
2026
371 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Der Mensch im Projekt

0413
2026
Steffen Scheurer
pm3710002
2 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0001 EDIToRIAl Liebe Leserinnen und Leser, Projekte laufen in dynamischen und volatilen Umfeldern ab, die Komplexität der Projektabwicklung nimmt zu. Damit steigen auch die Anforderungen an eine erfolgreiche Projektabwicklung stetig. Zum Glück gibt es seit Ende 2022 eine öffentlich verfügbare KI. Damit sollten die neuen Herausforderungen doch bewältigbar sein? Genau dieser Frage sind wir für das Projektmanagement in zahlreichen Beiträgen auch hier in der PM AKTUELL sowie in zwei Herausgeberbänden der GPM „KI in der Projektwirtschaft“ nachgegangen. Dabei ist deutlich geworden, dass KI in zahlreichen Projektmanagement-Phasen hilfreich sein kann. Besonders dort, wo es darum geht, große Datenmengen schnell zu verarbeiten und Lösungsvorschläge zu unterbreiten, weist KI echte Stärken auf. So kann KI in den Bereichen der Projektplanung, des Risikomanagements, aber auch in den Bereichen der Projektsteuerung eine echte Unterstützung sein. Auch wenn KI die Datenanalyse und Automatisierung auf ein neues Level hebt und somit die operative Effizienz von Projekten deutlich steigern kann, bleibt der Mensch die erfolgskritische Größe im Projektmanagement. Nur er besitzt die Fähigkeit, über rein technische und datenbasierte Ansätze hinauszudenken. Deshalb stellen wir die Rolle des Menschen im Projekt in diesem Heft in den Mittelpunkt. Menschen sichern die Ausrichtung von Projekten an Unternehmenswerten und achten auf gesellschaftliche Verantwortung. KI kann zwar Daten analysieren, aber keine moralischethischen Entscheidungen treffen oder kulturelle Dimensionen verstehen. Der Mensch bleibt der Träger von Sinn, Ethik und Werten in Projekten. Zudem sind Projekte neben technischen Systemen vor allem auch soziale Systeme. Menschen erkennen und verstehen Emotionen und können darauf reagieren. Gerade in komplexen Situationen brauchen Projektteams Orientierung und Leadership: Der Mensch sorgt für Empathie, Vertrauen und überzeugende Kommunikation, die für Akzeptanz und Engagement unverzichtbar sind. Eine authentische und inspirierende Führung ist wichtig für die Dynamik von Projektteams, für Konfliktlösungen und das Management von Stakeholder- und Kunden-Beziehungen. Dies gilt auch für unvorhersehbare und komplexe Situationen in Projekten, die menschliche Intuition aus und Erfahrung erfordern, um so auch auf unerwartete Herausforderungen flexibel zu reagieren. Zudem erwachsen innovative und kreative Projektlösungen nicht aus algorithmisch abgeleiteten Entscheidungen, sondern aus menschlicher Intuition, Neugier und aus der Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Welch zentrale Rolle der Mensch in Projekten spielt, zeigen wir in diesem Heft an konkreten Beispielen und in ganz unterschiedlichen Projekten. Im Beitrag von Suzana Čufer erfahren Sie, wie die zunehmende Digitalisierung die Projektabwicklung und die Managementkultur in Bauprojekten verändert. Sebastian Wieschowski beschreibt anhand des SAP-Prozessharmonisierungsprojekts, das Martin Backhaus über alle elf ARD-Rundfunkanstalten hinweg durchgeführt hat, wie wichtig Menschen auf allen Ebenen der Projektabwicklung für das Gelingen eines solchen Großprojektes sind. Zudem porträtieren wir mit Suzana Čufer eine Projektleiterin und mit Martin Backhaus einen Projektleiter, die durch ihre umfassende Erfahrung und ihren jeweiligen Führungsstil Projekte zusammen mit ihren Projektteams zum Erfolg geführt haben. Der Mensch im Projekt Kim Lucie Laupichler und Martin Barth analysieren strukturelle und personelle Herausforderungen des Änderungsmanagements. Nachdem Rüdiger Kloss, Norbert Schaffitzel und Annemone Scholl im ersten Teil ihres Beitrags (Heft 5 / 2025) die Ausgangssituation im heutigen Multiprojektmanagement dargestellt haben, zeigen sie in Teil 2 des Beitrags Lösungsansätze für das zukünftige Multiprojektmanagement. Auf dem 34. IPMA World Congress in Berlin wurde eine interessante Analogie zwischen Projektmanagement und Musik live auf der Bühne erfahrbar gemacht. Thilo Wolf zeigte, wie im Zusammenspiel zwischen einer Jazz-Band und einem Orchester Improvisation auf Plan und Struktur trifft. Dass die Kombination dieser beiden Welten auch im hybriden Projektmanagement fruchtbar sein kann, liegt nahe. Susanne Marx und Thilo Wolf zeigen, wie Erkenntnisse aus der Kollaboration von Jazzband und Orchester eine frische Perspektive auch für Fragen des hybriden Projektmanagements bieten. Versäumen Sie nicht, das im Text angegebene YouTube-Video ergänzend zum Artikel anzusehen. Zusätzlich zu diesen Artikeln finden Sie einige Beiträge und Nachrichten aus der GPM. Michael Ribeiro und Sibylle Sowa zeigen, wie man GPM Projektmanagement-Trainer*in wird und welche Fähigkeiten in der GPM-Trainerausbildung vermittelt werden. Sebastian Wieschowski gibt einen Überblick über die drei prämierten Arbeiten des „Deutschen Studienpreis Projektmanagement“ der GPM. Jessica Nagel, die für die beste Dissertation ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich mit dem veränderten Kompetenzprofil von Projektmanagern in zunehmend digitalisierten Projekten. In diesem Heft beginnen wir eine neue Serie, in der Sebastian Wieschowski die Fachgruppen der GPM vorstellt. Wir beginnen mit der Fachgruppe „Projektmanagement für bürgerschaftliches Engagement“. Wie die Beiträge in diesem Heft zeigen, spielt der Mensch im Projekt trotz oder gerade wegen der zunehmenden Automatisierung und KI-Unterstützung weiterhin eine zentrale Rolle. Allerdings verändert sich seine Rolle weg von der „Planung und Ausführung“ hin zur „Zukunftsgestaltung“. Der Schwerpunkt verschiebt sich weg von Analyse- und Routineaufgaben hin zu Visions- und Sinngebung sowie zu strategischen Entscheidungen. Zudem wird der Mensch zunehmend zum Koordinator zwischen Menschen und Maschine: Er entscheidet, wo KI sinnvoll unterstützt, wo menschliche Expertise unverzichtbar bleibt und wie beides komplementär zusammenarbeitet. Dabei hinterfragt der Mensch kritisch die KI-Ergebnisse sowie die Datenqualität und trägt die Verantwortung für die im Projekt getroffenen Entscheidungen. Die Berücksichtigung ethischer, sozialer und emotionaler Aspekte bleibt eine menschliche Kernkompetenz. Dies gilt ebenso für die Schaffung und Pflege von sozialen Beziehungen, sowohl innerhalb des Teams als auch mit externen Stakeholdern und Kunden. Mit anderen Worten: Menschen wird die Arbeit in Projekten nicht ausgehen! Aber die Arbeit wird in Zukunft anspruchsvoller und damit noch spannender werden. Mit einer besseren Erkenntnis könnten wir kaum ins Jahr 2026 starten! Ihr Steffen Scheurer