PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
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UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0012
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GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.Nachwuchswissenschaftler erforschen Projektmanagement im KI-Zeitalter: Warum Fortschritt ohne den Menschen nicht gelingt
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Sebastian Wieschowski
In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz Projekte analysiert, Algorithmen Prioritäten setzen und digitale Tools den Arbeitsalltag prägen, kommen drei ausgezeichnete Forschungsarbeiten beim diesjährigen „Deutschen Studienpreis Projektmanagement“ zu einem verblüffend klaren und einhelligen Ergebnis: Ohne den Menschen bleibt all das wirkungslos. Ob es um die Reife von Projektmanagement-Strukturen, die Qualität strategischer Entscheidungen oder die Kompetenzen digitaler Teams geht – überall zeigt sich, dass Technologie nur dort echten Fortschritt erzeugt, wo Kultur, Vertrauen und gutes Urteilsvermögen mitwirken.
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58 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0012 Nachwuchswissenschaftler erforschen Projektmanagement im KI-Zeitalter: Warum Fortschritt ohne den Menschen nicht gelingt Sebastian Wieschowski In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz Projekte analysiert, Algorithmen Prioritäten setzen und digitale Tools den Arbeitsalltag prägen, kommen drei ausgezeichnete Forschungsarbeiten beim diesjährigen „Deutschen Studienpreis Projektmanagement“ zu einem verblüffend klaren und einhelligen Ergebnis: Ohne den Menschen bleibt all das wirkungslos. Ob es um die Reife von Projektmanagement-Strukturen, die Qualität strategischer Entscheidungen oder die Kompetenzen digitaler Teams geht-- überall zeigt sich, dass Technologie nur dort echten Fortschritt erzeugt, wo Kultur, Vertrauen und gutes Urteilsvermögen mitwirken. Die drei prämierten Arbeiten, die den „Deutschen Studienpreis Projektmanagement“ der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. erhalten, werfen einen Blick hinter die Oberfläche moderner Projektlandschaften. Sie zeigen, wie kulturelle Faktoren über Erfolg oder Scheitern entscheiden, weshalb KI im Portfoliomanagement nur im Zusammenspiel mit menschlicher Expertise funktioniert und warum digitale Transformation die sozialen Fähigkeiten von Projektmanagerinnen und Projektmanagern wichtiger macht denn je. Gemeinsam geben sie Einblick in die Zukunft eines Berufsfeldes, das zwar einerseits technischer wird-- gleichzeitig der Mensch aber immer wichtiger wird. 1. Strategischer Erfolg durch Kultur: Wie eine preisgekrönte Bachelorarbeit die Faktoren Mensch und Organisationskultur im Projektmanagement verankert Angesichts der zunehmenden Volatilität, Unsicherheit und Komplexität der modernen Geschäftswelt hat sich Projektmanagement längst von einem bloßen Werkzeug zu einer strategischen Schlüsselkompetenz entwickelt, die Transformation, Innovation und Digitalisierung in Unternehmen vorantreibt. Dennoch verfehlen zahlreiche Projekte ihre Ziele, oft nicht aus Mangel an Methoden, sondern aufgrund fehlender kultureller Verankerung und inkonsistenter Prozesse. Bestehende Reifegradmodelle zur Analyse der Projektmanagement-Praxis operieren häufig auf einem zu hohen Abstraktionsniveau und reduzieren die organisationale Komplexität unzulänglich. Die Notwendigkeit eines praxisnäheren Instruments, das kulturelle Faktoren realistisch abbildet, ist damit wichtiger denn je. Auszeichnung in der Kategorie „Bachelorarbeit“ Für seine wissenschaftliche Leistung auf diesem zentralen Feld wurde Leonard Latief, der sein duales Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg am Standort Heilbronn absolvierte, nun ausgezeichnet. Die prämierte Bachelorarbeit trägt den Titel "Projektmanagement in komplexen Organisationen-- Adaption eines Reifegradmodells zur Analyse der Projektmanagementreife am Beispiel der Markant Unternehmensgruppe". Latief entwickelte in seiner Arbeit das Adapted Project Management Maturity Model (APM3), das ein bestehendes Reifegradmodell praxisorientierter darstellt. Fokus auf kulturelle Faktoren wie Führung, Zusammenarbeit und Veränderungsbereitschaft Das APM3 trägt dieser Tatsache Rechnung, indem es als eines der zentralen Themenfelder nun explizit den Menschen berücksichtigt und neben den klassischen Dimensionen eine neue Dimension zur Organisationskultur in das Modell integ- Berichte aus der GPM | Nachwuchswissenschaftler erforschen 59 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 01/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0012 riert. Diese berücksichtigt systematisch kulturelle Faktoren wie Führung, Zusammenarbeit und Veränderungsbereitschaft, da Standards ohne eine projektförderliche Kultur wirkungslos bleiben. Darüber hinaus bricht das APM3 mit der starren, linearen Stufenlogik traditioneller Modelle und transformiert diese in eine Netzdarstellung. Diese Struktur ermöglicht es, unterschiedliche Entwicklungsstände einzelner Teilbereiche des Projektmanagements parallel abzubilden und damit ein realistischeres Bild der organisationalen Wirklichkeit zu zeichnen. Durch die Operationalisierung der Bewertungsdimensionen lassen sich zudem konkrete Handlungsempfehlungen ableiten und operative Entwicklungspfade sichtbar machen. 2. KI als Co-Pilot im Projektportfoliomanagement: Wie Mensch und Maschine gemeinsam bessere Entscheidungen treffen In einer Zeit, in der die Komplexität unternehmerischer Entscheidungsumgebungen stetig zunimmt, ist die gezielte Auswahl und Priorisierung von Projekten (PPM) ein zentraler Erfolgsfaktor. Die Nutzung Generativer Künstlicher Intelligenz (KI), die momentan in aller Munde ist, eröffnet neue Perspektiven für datenbasierte Entscheidungsunterstützung in diesem komplexen Aufgabenfeld. Eine aktuelle Masterarbeit hat untersucht, wie diese Technologie Manager konkret bei der Entscheidungsfindung unterstützen kann und welche entscheidenden Faktoren für einen wirksamen und verantwortungsvollen Einsatz notwendig sind. Auszeichnung in der Kategorie „Masterarbeit“ Für seine Forschung in diesem zukunftsweisenden Bereich wurde Sebastian Colditz mit dem Deutschen Studienpreis Projektmanagement ausgezeichnet. Colditz, der ursprünglich aus Kassel stammt und in Darmstadt Wirtschaftsingenieurwesen im Fachbereich Maschinenbau studierte, erhielt die Prämierung für seine Masterthesis „Optimierung der Projektpriorisierung im Projektportfoliomanagement durch Generative Künstliche Intelligenz“. Die Arbeit schließt eine Forschungslücke, indem sie die Akzeptanz und die funktionale Unterstützung von Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT im PPM empirisch untersucht. Generative KI ist kein Ersatz, aber eine Ergänzung zur menschlichen Expertise Die zentralen Erkenntnisse der empirischen Studie belegen das immense Potenzial, aber auch die notwendigen Grenzen des KI-Einsatzes. Zwar waren die Teilnehmenden der Fallstudie sehr positiv von den Einsatzmöglichkeiten und der Qualität des Outputs der generativen KI überrascht. Es zeigte sich jedoch klar, dass jene Gruppen, die sich im Experiment ausschließlich auf die Ergebnisse und die Entscheidungen der KI verließen, die schlechtesten Resultate erzielten. Für die Praxis bedeutet dies, dass ein Zusammenspiel aus Mensch und KI-- unter Nutzung der jeweiligen Stärken-- sehr entscheidend werden wird. Generative KI kann demnach nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur menschlichen Expertise verstanden werden. Sie punktet insbesondere bei der Informationsaufbereitung, der Strukturierung komplexer Daten und der Entwicklung einer fundierten Entscheidungsbasis, sowie als Ideengenerator. Die menschliche Entscheidungsführung bleibt dabei die notwendige Bedingung für eine hohe Qualität der Ergebnisse. 3. Je digitaler das Projektmanagement, desto wichtiger ist der Mensch Die fortschreitende digitale Transformation, angetrieben durch künstliche Intelligenz (KI), stellt das Projektmanagement vor tiefgreifende Herausforderungen. Während viele bei „digitalen Kompetenzen“ primär an Tools und Algorithmen denken, liefert eine aktuelle Forschungsarbeit ein überraschendes und klares Ergebnis: „Je digitaler alles wird, desto wichtiger ist das „Nichtdigitale“, also der Mensch in dem Fall“. Der Erfolg dieser Transformation hängt maßgeblich von den Menschen ab, die sie gestalten. Auszeichnung in der Kategorie „Dissertation“ Für ihre herausragende Dissertation mit dem Titel „Digital Literacy im Projektmanagement- - Entwicklung eines Kompetenzstrukturmodells für das digital strukturierte Projektmanagement“ wurde Dr. Jessica Nagel mit dem Deutschen Studienpreis Projektmanagement (DSPM) 2025 ausgezeichnet. Die Arbeit, die aus Nagels eigener Erfahrung im Projektmanagement entstand und die Veränderungen durch die digitale Transformation und KI beleuchtet, liefert ein empirisch fundiertes Kompetenzstrukturmodell. Der Gewinn der Auszeichnung ist für die Autorin, die eine sehr praxisbezogene Arbeit an der Universität verfasste, eine „wahnsinnige Ehre“ und bestätigt den praktischen Mehrwert ihrer Forschung. Vertrauen, Kommunikation, Motivation: Die neuen Schlüsselfaktoren Die zentralen Erkenntnisse der Forschung zeigen, dass Projektmanager durch die digitale Transformation nicht ersetzt, sondern umso wichtiger werden. Im Fokus stehen demnach die sozialen und kognitiven Fähigkeiten. Dr. Nagel identifiziert Vertrauen, Kommunikation und Motivation als die drei wichtigsten Aufgaben eines Projektmanagers. Insbesondere die Herstellung von Vertrauen in digitalen Teams ist „super schwierig“, da die zwischenmenschliche Ebene schnell verloren geht, wenn informelle Treffen wie das gemeinsame Kaffeetrinken fehlen. Es ist die wichtigste Aufgabe des Projektmanagers, dieses Vertrauen im Team herzustellen und in Zeiten von KI auch das Vertrauen in die KI zu fördern. Das entwickelte Modell verknüpft sieben Dimensionen der Digital Literacy mit zehn beruflichen Handlungsfeldern und belegt, dass die digitale Transformation eine Verschiebung der Gewichtung bestehender Kompetenzen zur Folge hat. Fähigkeiten wie die situationsgerechte Entscheidung zwischen digitalen und analogen Methoden sowie der souveräne Umgang mit der Informationsflut gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Ergebnisse finden bereits praktische Anwendung, da die Verfasserin auf Basis des Modells Seminare für die GPM entwickelt, welche digitale Kompetenzen gezielt fördern. Zudem profitieren Unternehmen von „konkreten Ableitungen für Rollenprofile sowie strategisches Kompetenzmanagement“.
