eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL37/2

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0030
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2026
372 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Zum Tod von Klaus Pannenbäcker

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60 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0030 Zum Tod von Klaus Pannenbäcker Als langjähriges Vorstandsmitglied der GPM, ehemaliger Präsident der International Project Management Association (IPMA) und Ehrenvorsitzender der GPM steht er wie kaum ein anderer für die Professionalisierung des Projektmanagements. „Mit Klaus Pannenbäcker verliert die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement eine Persönlichkeit, die das Projektmanagement in Deutschland und weit darüber hinaus über Jahrzehnte hinweg maßgeblich mit aufgebaut und geprägt hat. Sein Wirken bleibt- - fachlich, institutionell und menschlich“, betont GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy. Klaus Pannenbäcker, Jahrgang 1935, studierte Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Dortmund. Nach Stationen bei der Siemens-Schuckert AG ab 1959 und der Kraftwerkunion AG beschäftigte er sich früh mit der Frage, wie komplexe technische Projekte systematisch geplant, dokumentiert und gesteuert werden können. Diese praktische Erfahrung aus Industrie und Anlagenbau prägte sein Verständnis von Projektmanagement nachhaltig: weniger als theoretisches Modell, sondern als professionelles Handwerk mit klaren Rollen, nachvollziehbaren Prozessen und verbindlichen Standards. 1981 gründete er mit der GABO mbH ein eigenes Unternehmen für angewandtes Projektmanagement und technische Dokumentation, das er 2001 seinen Mitarbeitenden überschrieb-- auch dies ein Ausdruck seines Vertrauens in Menschen, Verantwortung und gemeinsame Entwicklung. Parallel engagierte sich Klaus Pannenbäcker mit großer Ausdauer für den Aufbau des Projektmanagements als eigenständige Profession. Besonders prägend wurde dabei seine Arbeit innerhalb der GPM: Von 1983 bis 1994 wirkte er im Vorstand der GPM und gehörte zu jener Generation, die Projektmanagement in Deutschland organisatorisch, methodisch und personell aufgebaut und professionalisiert hat. Während vielerorts noch vor allem über Methoden diskutiert wurde, arbeitete er bereits an der Frage, wie Projektmanagement systematisch vermittelt, bewertet und qualitätsgesichert werden kann. Er dachte Projektmanagement weiter- - als Kompetenz, als Haltung und als Verantwortung gegenüber Menschen, Organisationen und Gesellschaft. Klaus Pannenbäcker war maßgeblich an der Entwicklung der Grundlagen der kompetenzbasierten Qualifizierung und Zertifizierung im Projektmanagement beteiligt. Aus dieser Arbeit entstand das spätere IPMA-4-Level-Certification-System auf Basis der IPMA Competence Baseline (ICB), das bis heute die internationale Projektmanagement-Zertifizierung prägt. Pannenbäcker war überzeugt, dass professionelles Projektmanagement vor allem auf praktischer Erfahrung, persönlicher Entwicklung und dem Lernen voneinander basiert. Im Interview zur Einführung der ICB 4 sagte er über viele Teilnehmer Im Bild: Klaus Pannenbäcker (links) beim 34. IPMA World Congress in Berlin im September 2025 mit GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy (Mitte) sowie den Ehrenmitgliedern Prof. Dr. Hasso Reschke (2.v.l.), Prof. Dr. Reinhard Wagner (4.v.l.) und Prof. Dr. Nino Grau (rechts). Klaus Pannenbäcker, ein Urgestein der GPM, ist tot. Im stolzen Alter von 91 Jahren starb er nach längerer schwerer Krankheit am 5. Mai 2026 in Kirchdorf, Nähe Memmingen. 1935 in Brandscheid im Westerwald geboren und aufgewachsen, studierte er Elektrotechnik und absolvierte als Dipl. Ing. Damals war für die aufstrebende Bundesrepublik die Energieversorgung der Industrie wichtig für Aufschwung und „Wirtschaftswunder“. Da war es nur naheliegend, als Elektroingenieur in die Kraftwerksparte von Siemens KWU in Erlangen einzutreten. Er war insgesamt 22 Jahre bei der KWU und hatte schon früh mit den Abläufen beim Bau von Kraftwerken zu tun- - eben Projektmanagement. Anregungen holte er sich in der Zentrale von Siemens, wo man bereits in den 70er-Jahren an Projektmanagement-Systemen arbeitete. 1982 gründete er in Nürnberg die Fa. GABO, spezialisiert auf Projekt- und Prozessmanagement. Schon früh gewannen seine Aktivitäten nationale und internationale Aufmerksamkeit, er wurde zu Beratungen und Projekten in verschiedenste Länder eingeladen. 1982, drei Jahre nach Gründung, stieß er zur GPM. Wie es immer und überall seine Art war, engagierte er sich sogleich mit voller Kraft und wurde schon 1983 beim ersten Forum (damals Jahrestagung) der GPM in den Vorstand gewählt, dem er bis 1994 angehörte. Neben anderen Aufgaben im Vorstand wurde für ihn bald klar sichtbar: Die weitere Verbreitung und Implementierung von Projektmanagement in Wirtschaft und Gesellschaft verlangt auch die Qualifizierung des tragenden Personals, also der Projektleiter. An Universitäten und Hochschulen war Projektmanagement aber damals noch weitgehend unbekannt. Er setzte sich mit dem RKW (Rationalisierungskuratorium der Wirtschaft) in Verbindung, wo er nach langem Bemühen offene Ohren fand. 1991 entstand so das erste umfassende Lehrbuch zu Projektmanagement (Schelle et al.1991: Projektmanagement-Fachmann, herausgegeben von RKW und GPM) als Wissensbasis für „Prüfungen zum Projektleiter“. In den Folgejahren entwickelte er mit großem Engagement (das kennen wir überall: Etwas Neues durchzusetzen braucht immer eine starke Motivation und die entsprechende Kraft, alle Hemmnisse und Widerstände zu überwinden) zusammen mit Erhard Motzel in der GPM die Grundlagen der heutigen Zertifizierung. Die erste Zertifizierungsstelle in der GPM wurde 1996 gegründet. Heute ist aus der Zertifizierung in der GPM eine Erfolgsgeschichte geworden. Derzeit sind rund 132.000 Zertifizierungen erfolgt und das System ist bundesweit in Industrie und Verwaltung anerkannt und geschätzt. Als langjähriger „Ur“-Assessor hat er sehr viele Personen durch die Prüfungen begleitet, viele werden sich an ihn als fachkundigen und gründlichen Prüfer erinnern. Auch international war Klaus sehr aktiv und erfolgreich. Er knüpfte schon früh, zusammen mit Roland Gutsch, dem Aus den DACH-Verbänden | Nachruf | Gelebte Erfahrung, Austausch, Lernen-- und Vertrauen 61 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0030 der Zertifizierungen: „Sie haben für ihr Projektmanagement viel von anderen gelernt und in der Praxis Erfahrungen gesammelt.“ Dieser Satz beschreibt zugleich seine eigene Haltung: Projektmanagement war für ihn nie reine Methodik, sondern gelebte Erfahrung, Austausch, Vertrauen und kontinuierliches Lernen. Viele heute selbstverständliche Elemente der Projektmanagement-Qualifizierung gehen auf Strukturen zurück, die Klaus Pannenbäcker mitentwickelt hat. Gleichzeitig steht Klaus Pannenbäcker wie kaum ein anderer für die internationale Vernetzung der Disziplin. In den 1990er-Jahren gründete er als „First Assessor“ IPMA-Organisationen in 18 Ländern und führte dort Training und Zertifizierung ein. Überall verfolgte er dasselbe Ziel: ein gemeinsames, kompetenzbasiertes Verständnis professionellen Projektmanagements zu etablieren. Wer mit ihm zusammenarbeitete, erlebte einen Menschen, der fachliche Klarheit mit internationalem Geist verband-- verbindlich im Anspruch, offen im Gespräch und getragen von der Überzeugung, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gelingen kann. Das Wirken von Klaus Pannenbäcker hat entscheidend dazu beigetragen, Projektmanagement auch weltweit als eigenständige Profession mit verbindlichen Kompetenzstandards zu etablieren. Auch als Senior Trainer der GPM und Dozent an Fachhochschulen engagierte er sich intensiv für die internationale Verbreitung professioneller Projektmanagement-Standards. Als Präsident der IPMA von 1994 bis 1996 und später als Chairman of the Council trug er wesentlich dazu bei, die internationale Zusammenarbeit der Projektmanagement-Verbände auszubauen. Er gab der Profession Struktur- - und vielen Menschen Mut, ihre eigene Kompetenz weiterzuentwickeln. Dabei blieb Klaus Pannenbäcker stets stark praxisorientiert. Ihm ging es nicht um abstrakte Modelle, sondern um die Frage, wie Projekte in Unternehmen und Organisationen erfolgreicher umgesetzt werden können. Viele Weggefährten erlebten ihn als präzisen, strukturierten und zugleich offenen Gesprächspartner, der internationale Perspektiven mit praktischer Erfahrung verband. Seine Klarheit war nie Selbstzweck; sie diente dem gemeinsamen Ziel, Projekte besser zu machen und Menschen in ihrer professionellen Entwicklung zu stärken. Für seine Verdienste wurde er 1998 als einer von vier „Ur- Assessoren“ der PM-ZERT gewürdigt, zudem war er Ehrenvorsitzender der GPM. Noch im vergangenen Jahr ehrten GPM und IPMA ihn beim IPMA World Congress in Berlin als einen der prägenden Pioniere des modernen Projektmanagements. Diese Würdigung war Ausdruck großer Dankbarkeit-- für ein Lebenswerk, das weit über Funktionen und Titel hinausreicht. Mit Klaus Pannenbäcker verliert die Projektmanagement- Community einen ihrer wichtigsten Wegbereiter. Sein Wirken bleibt sichtbar-- in internationalen Standards, in Ausbildungs- und Zertifizierungssystemen sowie in den Strukturen, auf denen professionelles Projektmanagement heute aufbaut. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der seine Erfahrung geteilt, andere gefördert und dem Projektmanagement eine klare, professionelle und zugleich zutiefst menschliche Prägung gegeben hat. „Mit großer Anteilnahme gilt unser Mitgefühl seiner Frau, seinen Kindern und allen Angehörigen sowie seinen Weggefährtinnen und Weggefährten. Wir werden Klaus Pannenbäcker in Dankbarkeit und mit großem Respekt in Erinnerung behalten“, sagt GPM Präsident Prof. Dr. Peter Thuy. Auch die verbliebenen Ehrenvorsitzenden der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V., Prof. Dr. Hasso Reschke, Prof. Dr. Heinz Schelle und Prof. Dr. Reinhard Wagner, haben einen gemeinsamen Nachruf verfasst, in dem sie persönliche Erinnerungen an ihren Weggefährten Klaus Pannenbäcker teilen. Gründer der GPM, Kontakte zu Fachleuten und vergleichbaren Organisationen im damaligen Ostblock, insbesondere in der Tschechoslowakei, in der damaligen DDR und in Ungarn. Dies half der GPM, nach der Wende 1989 rasch mit Fachleuten aus der DDR zusammen zu kommen. Und international waren die Wendejahre für Klaus auch „Ernte“-Jahre, weil seine langjährigen Bemühungen und Kontakte nun in dauerhafte Zusammenarbeit und Partnerschaften im Rahmen der IPMA umgewandelt werden konnten. Gekrönt wurde sein Engagement durch seine Präsidentschaft in der IPMA von 1994 bis 1996. Dort etablierte er das kompetenzbasierte Qualifizierungs- und Zertifizierungssystem. Es wurde die allseits bekannte 4-Level Zertifizierung, die auf der IPMA- Competence Baseline beruht, erstmals 1998 angewandt. Als erster Assessor führte er dieses System weltweit ein, von Südafrika bis Island, von China bis in die USA. 2025 wurde er von der IPMA anlässlich ihres 60. Geburtstags für seine vielfältigen und umfangreichen Initiativen und Aktivitäten auf dem IPMA-Weltkongress in Berlin besonders geehrt. Seine Familie hat die Todesanzeige überschrieben mit: „Weltoffen im Herzen-- rastlos im Schaffen-- getragen von der Liebe zur Familie“. Besser kann man es nicht ausdrücken. Für Projektmanagement und damit für die GPM und für die IPMA hat er alles gegeben, sich „rastlos“ eingebracht und immer „weltoffen“ verhalten. Die GPM hat ihm sehr viel zu verdanken, insbesondere die Entwicklung und Etablierung der PM-Zertifizierung, heute ein Eckpfeiler der GPM. Die GPM hat ihn zum Ehrenvorsitzenden berufen. Seine fröhliche, zuversichtliche und stets positive Art ließ ihn viele Hindernisse, die andere für unüberwindlich hielten, meistern. Wir haben einen Großen verloren, aber wir können sagen: Klaus Pannenbäcker hat sich um GPM und IPMA verdient gemacht. Die verbliebenen Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Hasso Reschke-- Prof. Dr. Heinz Schelle-- Prof. Dr. Reinhard Wagner Eingangsabbildung: © iStock.com/ 3quarks Aus den DACH-Verbänden | Nachruf | Gelebte Erfahrung, Austausch, Lernen-- und Vertrauen 62 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0030