PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0033
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GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.500 Milliarden Euro lösen noch kein Problem – ohne Projektmanagement droht das Sondervermögen Stückwerk zu bleiben
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Peter Thuy
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66 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0033 Projekte. Einfach. Machen. 500 Milliarden Euro lösen noch kein Problem-- ohne Projektmanagement droht das Sondervermögen Stückwerk zu bleiben Prof. Dr. Peter Thuy, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement e. V. 1 Bundesregierung: Investitonsoffensive für das ganze Land. 2 ifo Institut, Pressemitteilung vom 17. 03. 2026 3 Institut der deutschen Wirtschaft, Nachricht vom 17. 03. 2026. Mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität in Höhe von 500 Milliarden Euro hat der Bund 2025 die finanzielle Grundlage für eine der größten öffentlichen Investitionsoffensiven der vergangenen Jahrzehnte geschaffen. Bundestag und Bundesrat haben 2025 den Rahmen für ein auf zwölf Jahre angelegtes Investitionsprogramm geschaffen, um einen über Jahre gewachsenen Investitionsstau aufzulösen: bei Straßen und Schienen, in Schulen und Kitas, in der digitalen Infrastruktur und bei der Transformation zur Klimaneutralität bis 2045. „Ziel ist es, das Land zu modernisieren, den Wohlstand zu sichern und mit mehr Wachstum die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken.“ 1 Vorgesehen sind 300 Milliarden Euro für Bundesinvestitionen, 100 Milliarden Euro für den Klima- und Transformationsfonds und 100 Milliarden Euro für Länder und Kommunen. Damit ist jedoch nur die Finanzierungsseite geklärt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die bereitgestellten Mittel auch zielgenau einzusetzen-- und genau hier zeigt sich das eigentliche Problem: Wer glaubt, dass mit der Bereitstellung großer Summen automatisch bessere Infrastruktur entsteht, unterschätzt die Realität öffentlicher Umsetzung. Infrastruktur entsteht nicht durch Haushaltsansätze, sondern durch priorisierte Vorhaben, belastbare Planung, klare Verantwortung, ausreichende Umsetzungskapazitäten und konsequente Steuerung. Die Bundesregierung verweist zwar zurecht auf einen vorläufigen Mittelabfluss von 24 Milliarden Euro im Jahr 2025 und betont die investive Wirkung des Programms. Gleichzeitig kommen wirtschaftswissenschaftliche Analysen zu einem deutlich kritischeren Befund: Das ifo Institut spricht davon, dass 2025 rund 95 Prozent der neuen Schulden nicht für zusätzliche Infrastrukturinvestitionen genutzt worden seien 2 und das Institut der deutschen Wirtschaft kommt für 2025 auf 86 Prozent nicht zusätzlich verwendeter Mittel 3 . Im Kern lautet der Vorwurf: Mit den Mitteln aus dem Sondervermögen würden in hohem Maße Haushaltslücken kaschiert, die intendierte Investitionswirkung werde nicht im erforderlichen-- und intendierten-- Ausmaß erreicht. Unabhängig davon, wie diese Aussagen politisch bewertet werden zeigt sich, dass das Sondervermögen mehr als haushaltspolitische Absicherung erfordert. Es braucht professionelles Projektmanagement. Nicht als methodisches Beiwerk, sondern als zentrales Steuerungsinstrument. Denn Projektmanagement zwingt dazu, Vorhaben sauber zu priorisieren, Ziele messbar zu formulieren, Verantwortlichkeiten zu klären, Risiken früh sichtbar zu machen und Fortschritt transparent zu berichten. Es trennt politische Symbolik von realer Umsetzung. Gerade bei einem Programm dieser Größenordnung reicht es nicht, Mittel bereitzustellen und anschließend auf eine gute Verwendung zu hoffen. Ohne verbindliche Projekt- und Programmstrukturen droht das Sondervermögen in viele Einzelmaßnahmen zu zerfallen, die zwar jeweils gut begründbar sind, in der Summe aber keine erkennbare strategische Wirkung entfalten. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage, wofür Geld ausgegeben wird, sondern ob die finanzierten Maßnahmen nachweisbar zur Modernisierung des Landes beitragen. Wer 500 Milliarden Euro zielgerichtet einsetzen will, muss in Portfolios statt in Einzelmaßnahmen denken. Er muss Projekte nach Wirkung, Dringlichkeit und Umsetzbarkeit priorisieren- - nicht nach Ressortlogik oder regionalem Verteilungsdruck. Er muss klare Kriterien definieren, woran Erfolg gemessen wird: an beschleunigten Planungsverfahren, an verbesserter Nutzbarkeit, an belastbaren CO₂-Effekten, an höherer Qualität öf- Kolumne | 500 Milliarden Euro lösen noch kein Problem 67 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0033 fentlicher Leistungen. Und er muss Bund, Länder und Kommunen in eine Governance bringen, die nicht nur Mittel verteilt, sondern Ergebnisse verantwortet. Und er muss Projektkompetenz in Verwaltung und Durchführungsorganisationen stärken, um Planungs- und Umsetzungsengpässe abzubauen. Der eigentliche Mehrwert liegt damit nicht nur in besserer Abwicklung, sondern in besserer Steuerung. Professionelles Projektmanagement schafft Transparenz darüber, welche Vorhaben realisierbar sind, welche Abhängigkeiten bestehen, wo Engpässe auftreten und welche Projekte gegebenenfalls neu priorisiert werden müssen. Gerade in föderalen Strukturen ist das entscheidend: Ohne gemeinsame Standards, klare Rollen und verlässliches Reporting wird aus einem nationalen Investitionsprogramm schnell ein Nebeneinander vieler guter Absichten. Wenn das Sondervermögen mehr sein soll als ein finanzpolitisches Signal, braucht es ein professionelles Umsetzungssystem. Projektmanagement ist dafür kein Zusatznutzen, sondern eine zentrale Voraussetzung. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Deutschland 500 Milliarden Euro mobilisieren kann. Die entscheidende Frage lautet, ob es gelingt, daraus wirksame Projekte zu machen. Genau daran wird sich der Erfolg des Sondervermögens messen lassen müssen. Eingangsabbildung: © Laura Hoffmann Peter Thuy Prof. Dr. Peter Thuy ist seit Mai 2022 hauptamtlicher Präsident der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. Der Wirtschaftswissenschaftler war zuvor als Rektor der IU Internationale Hochschule tätig. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in Regensburg und Bayreuth, promovierte und habilitierte sich anschließend im Fach Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Vor seiner Hochschulkarriere sammelte er Berufserfahrung im Verlagswesen sowie in der Wirtschaftsprüfung. Als Gründungsrektor und Geschäftsführer prägte er über zwei Jahrzehnte die Entwicklung der heutigen IU Internationale Hochschule und begleitete ihren Aufstieg von einer spezialisierten Fachhochschule zur größten Hochschule Deutschlands. Darüber hinaus engagierte er sich viele Jahre im Vorstand des Verbandes Privater Hochschulen (VPH), dessen Vorsitz er 2019 übernahm, und ist als Gutachter sowie Kommissionsmitglied im Bereich der Hochschulakkreditierung tätig.
