PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0036
pm372/pm372.pdf0727
2026
372
GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.Auf ein Wort mit … Sten Kalleske
0727
2026
Martina Peuser
pm3720071
Auf ein Wort mit-… Sten Kalleske Zur Person | Sten Kalleske ist Dipl-Ing. (FH) für Kommunikationstechnik und angestellt als Senior Project Manager bei Controlware GmbH, ein IT-Dienstleister mit mehreren Standorten in Deutschland und über 1.000 Mitarbeitenden. 71 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0036 Martina Peuser Wie sind Sie zum Projektmanagement gekommen? Vor rund 17 Jahren habe ich erstmals diese Rolle übernommen, die in einer Ausschreibung meines damaligen Arbeitgebers explizit gefordert war. Unsere IT-Firma war noch klein und hatte diese Position nicht. Mein Chef traute sie mir zu-- so entdeckte ich, dass Verantwortung Spaß machen kann. Welches Projekt hat Sie besonders geprägt? Vor einigen Jahren hätte ich auf diese Frage vermutlich ein großes, sichtbares Projekt genannt. Vor Kurzem durfte ich jedoch eine neue Erfahrung machen. Ich habe eine Schulung für unsere Auszubildenden gegeben. Ich bin mit der Erwartung hineingegangen, dass Projektmanagement als abstrakt und trocken wahrgenommen wird und dass man damit junge Menschen nun wirklich nicht hinter dem Ofen hervorlocken kann. Umso überraschter war ich über das große Interesse, die vielen Fragen und die echte Neugier, mit der sich die jungen Teilnehmenden auf das Thema eingelassen haben. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass Projektmanagement nicht nur aus Methoden und Prozessen besteht, sondern auch davon lebt, Wissen weiterzugeben, andere zu befähigen und Begeisterung zu wecken. An welchem Projekt arbeiten Sie gerade? Ein konkretes IT-Projekt darf ich aus Vertraulichkeitsgründen nicht nennen. Oft werde ich für komplexe Vorhaben eingesetzt, die aufgrund fehlender Struktur oder schwieriger Kommunikation in Schieflage zu geraten drohen. Gerade diese Projekte mag ich besonders, weil ich mit meiner Erfahrung helfen, gestalten und sie in die richtige Richtung steuern kann. Was zeichnet Sie als Projektmanager besonders aus? Ich habe schon immer sehr strukturiert gedacht und neige dazu, jeden Aspekt zu analysieren und in ein Raster einzuordnen. Als junger Mensch musste ich erst lernen, die Welt nicht zu stark in Schubladen einzuteilen. Angesichts der Vielfalt unserer Gesellschaft und der Komplexität aktueller Herausforderungen bin ich überzeugt, dass eine offene, weniger kategorisierende Sichtweise der richtige Weg ist. Daraus leite ich heute ab: So viel Struktur wie nötig, so viel Flexibilität und Offenheit wie möglich. Was motiviert Sie, in Projekten zu arbeiten und Projekte zu leiten? Ich freue mich, wenn ich im Projektteam dabei unterstützen kann, die Aufgaben zu strukturieren und in Diskussionen durch Moderation und Nachfragen gemeinsam Lösungen zu finden. Natürlich bin ich auch froh und stolz darauf, wenn am Ende das Ergebnis geliefert wird und der Kunde zufrieden ist. Welche Tipps haben Sie für den Projektmanagement-Nachwuchs? Denkt mehr in Chancen, weniger in Risiken. Was ist für Sie als Projektmanager das größte Glück? Klarheit und geordnete Gedanken. Was ist für Sie als Projektmanager das größte Unglück? Chaos und ziellose Kommunikation. Welche Trends sehen Sie im Projektmanagement? Die Komplexität im IT-Umfeld ist stark gestiegen, so dass Auftraggeber immer weniger fähig sind, die Anforderungen und Ziele klar zu benennen. Die Fähigkeit von Personen im Projektmanagement, hier eine vermittelnde Rolle einzunehmen, wird immer bedeutender. Was geben Sie den Lesern mit auf den Weg? Vertraut auf Eure Stärken und auf das, wovon ihr überzeugt seid. Methoden sind flexibel und anpassbar, und sie können auch mal bewusst außer Acht gelassen werden. Prof. Dr. Martina Peuser ist Professorin für Projektmanagement und Organisation. In ihrer Kolumne interviewt sie Praktiker aus dem Projektumfeld zu ihren Erfahrungen und Perspektiven.
