eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL37/3

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
10.24053/PM-37-0049
pm373/pm373.pdf0907
2026
373 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Vollgas für die Transformation

0907
2026
Sebastian Wieschowski
Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität, Verwaltungsmodernisierung und gesellschaftliche Transformation: Die re:publica 2026 zeigte einmal mehr, wie eng die Zukunft digitaler Technologien mit Fragen der Umsetzung verbunden ist. Mit einer interaktiven Carrera-Bahn, zwei stark besuchten Fachbeiträgen und zahlreichen Gesprächen am Stand machte die GPM deutlich, dass erfolgreiche Veränderung nicht allein von Innovationen abhängt, sondern von professionellem Projektmanagement. Ein Streifzug durch drei Tage Festival für die digitale Gesellschaft.
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60 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 03/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0049 Die GPM auf der re: publica 2026 Vollgas für die Transformation Sebastian Wieschowski Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität, Verwaltungsmodernisierung und gesellschaftliche Transformation: Die re: publica 2026 zeigte einmal mehr, wie eng die Zukunft digitaler Technologien mit Fragen der Umsetzung verbunden ist. Mit einer interaktiven Carrera-Bahn, zwei stark besuchten Fachbeiträgen und zahlreichen Gesprächen am Stand machte die GPM deutlich, dass erfolgreiche Veränderung nicht allein von Innovationen abhängt, sondern von professionellem Projektmanagement. Ein Streifzug durch drei Tage Festival für die digitale Gesellschaft. Die beiden kleinen Rennwagen schießen über die Geraden, bremsen vor der Kurve und beschleunigen wieder heraus. Rund um die Carrera-Bahn drängen sich Besucherinnen und Besucher, feuern an, diskutieren Rundenzeiten und warten auf ihren nächsten Versuch. Am Ende werden mehr als 380 Menschen selbst zum Fahrer. Gemeinsam legen sie auf der Strecke über 178 Kilometer zurück. Was auf den ersten Blick wie ein Spiel wirkt, ist auf der re: publica 2026 zugleich die vielleicht anschaulichste Metapher für Projektmanagement: Wer gewinnen will, braucht nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Orientierung, Konzentration und die Fähigkeit, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Mit dieser Idee präsentierte sich die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) vom 18. bis 20. Mai auf der re: publica in Berlin. Das Festival gilt heute als eines der wichtigsten europäischen Foren für Digitalisierung, gesellschaftlichen Wandel und Zukunftsfragen. Mehr als 1.000 Sprecherinnen und Sprecher diskutierten auf über 20 Bühnen über Künstliche Intelligenz, Demokratie, Medienwandel, Nachhaltigkeit, digitale Souveränität und die Modernisierung von Staat und Verwaltung. Das diesjährige Motto „Never Gonna Give You Up“ war dabei weit mehr als eine Anspielung auf den bekannten Popsong. Es stand für die Frage, wie demokratische Werte, gesellschaftlicher Zusammenhalt und eine offene digitale Zukunft in einer Zeit technologischer Umbrüche gesichert werden können. Auffällig war, dass viele Diskussionen längst nicht mehr um Technologien selbst kreisten. Stattdessen rückte zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie digitale Innovationen tatsächlich umgesetzt werden können. Ob Künstliche Intelligenz, digitale Verwaltung oder nachhaltige Transformation-- immer wieder ging es um Führung, Governance, Zusammenarbeit und Veränderungsprozesse. Themen also, die Projektmanagerinnen und Projektmanager seit Jahren beschäftigen. Genau hier setzte die GPM mit ihrem Messeauftritt an. Der Stand entwickelte sich über alle drei Veranstaltungstage hinweg zu einem lebhaften Treffpunkt für Gespräche über Projektarbeit, Transformation und Künstliche Intelligenz. Viele Besucherinnen und Besucher interessierten sich für die bereitgestellten Projektmanagement-Vorlagen, suchten den fachlichen Austausch oder wollten mehr über Weiterbildungsmöglichkeiten und das Netzwerk der GPM erfahren. Herzstück des Standes war die Carrera-Bahn. Insgesamt wurden an den drei Tagen 143 Rennen gefahren. Die Zahlen zeigen dabei, wie groß das Interesse war: 380 Fahrerinnen und Fahrer nahmen teil, viele davon mehrfach. Die schnellsten Rundenzeiten lagen an allen drei Tagen erstaunlich dicht beieinander. Mit 3,458 Sekunden am ersten Tag, 3,469 Sekunden am zweiten und 3,496 Sekunden am dritten Tag trennten die jeweiligen Tagessieger nur wenige Hundertstelsekunden. Die Rennstrecke erwies sich als idealer Gesprächsanlass, um über Planung, Steuerung, Risikomanagement und den Umgang mit Dynamik ins Gespräch zu kommen. Von der Idee zur Umsetzung Mit seinem Lightning Talk „Projekte für eine bessere Welt-- stark starten, um viel zu bewegen“ griff Hannes Leiteritz eine Beobachtung auf, die weit über die Projektmanagement-Community hinausreicht. Viele gesellschaftliche Initiativen, Vereine und Administrative Seiten GPM | Vollgas für die Transformation 61 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 03/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0049 ehrenamtliche Projekte verfügen über engagierte Menschen, überzeugende Ideen und eine hohe Motivation. Dennoch erreichen längst nicht alle ihre Ziele. Die Ursachen liegen häufig nicht in fehlendem Einsatz, sondern in mangelnder Struktur. Leiteritz beschrieb die typische Ausgangssituation vieler Projekte mit wenigen Schlagworten: große Ziele, hohe Begeisterung und begrenzte Ressourcen. Gerade dort, wo Menschen freiwillig zusammenarbeiten, entstehen häufig unterschiedliche Erwartungen, unklare Zuständigkeiten und Zielkonflikte. Projektmanagement könne helfen, diese Herausforderungen beherrschbar zu machen, ohne dabei Kreativität oder Engagement einzuschränken. Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Frage, wie aus einer Idee überhaupt ein Projekt wird. Leiteritz machte deutlich, dass viele Vorhaben bereits zu Beginn scheitern, weil die Beteiligten unterschiedliche Vorstellungen vom gewünschten Ergebnis haben. Deshalb müsse die Zielklärung am Anfang stehen. Nicht die Methode sei entscheidend, sondern die gemeinsame Antwort auf die Frage: Was wollen wir eigentlich erreichen? Anhand eines Beispiels aus dem Bereich Umweltengagement zeigte er, wie sich eine allgemeine Absicht in ein konkretes Projektziel übersetzen lässt. Aus dem Wunsch, etwas für den Klimaschutz zu tun, entsteht erst dann ein steuerbares Projekt, wenn Umfang, Termine, Verantwortlichkeiten und Erfolgskriterien definiert werden. Die SMART-Methode diente dabei als praktisches Werkzeug, um Ziele messbar und nachvollziehbar zu formulieren. Ebenso wichtig sei die Strukturierung der Projektarbeit. Leiteritz erläuterte, wie Projektstrukturpläne dabei helfen, komplexe Vorhaben in überschaubare Arbeitspakete zu zerlegen. Klare Verantwortlichkeiten, definierte Meilensteine und transparente Kommunikation schaffen Orientierung und Verbindlichkeit-- insbesondere dort, wo Menschen nur begrenzte Zeit für ein Projekt aufbringen können. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Stakeholder- und Risikomanagement. Wer ist von einem Projekt betroffen? Wer unterstützt es? Wer könnte Widerstand leisten? Welche Risiken zeichnen sich bereits zu Beginn ab? Gerade gesellschaftliche Projekte bewegten sich häufig in einem Umfeld unterschiedlicher Interessen. Erfolgreiche Projektarbeit bedeute deshalb auch, dieses Umfeld frühzeitig zu verstehen und aktiv einzubeziehen. Die Resonanz auf den Vortrag zeigte, dass diese Fragen viele Besucherinnen und Besucher der re: publica beschäftigen. Zahlreiche Initiativen und Organisationen stehen vor der Herausforderung, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen und gleichzeitig begrenzte Ressourcen effizient einzusetzen. Projektmanagement erschien hier nicht als formale Disziplin, sondern als praktisches Werkzeug, um Wirkung zu erzielen. Was bleibt von der Projektleitung im KI-Zeitalter? Noch stärker an den Zukunftsdebatten der re: publica orientierte sich das Meetup von Prof. Dr. Doris Weßels und Claudia Jahnke. Bereits vor Beginn war das Interesse so groß, dass der Veranstaltungsraum bis auf den letzten Platz gefüllt war. Besucherinnen und Besucher verfolgten die Veranstaltung stehend, andere versuchten durch die Fenster einen Blick auf die Diskussion zu erhaschen. Der Titel „Projektleitungen ade? Wie KI-Systeme das Projektmanagement verändern“ griff eine Frage auf, die derzeit in vielen Organisationen diskutiert wird. Werden generative KI-Systeme künftig zentrale Aufgaben der Projektleitung übernehmen? Und welche Rolle bleibt dem Menschen, wenn Analyse, Planung und Dokumentation zunehmend automatisiert werden? Anstatt diese Fragen theoretisch zu behandeln, entschieden sich Weßels und Jahnke für ein Live-Experiment. Ausgangspunkt war ein bewusst realitätsnahes Projektszenario: Ein Team entwickelt eine App für nachhaltige Ernährung. Kurz vor einer entscheidenden Projektphase kündigt der Hauptentwickler. Gleichzeitig wird das Budget um 30 Prozent gekürzt. Zusätzlich bringt ein Wettbewerber ein ähnliches Produkt auf den Markt. Die Projektleitung steht plötzlich vor mehreren kritischen Herausforderungen gleichzeitig. Die Teilnehmenden wurden zunächst selbst aktiv. In kleinen Gruppen diskutierten sie mögliche Reaktionen auf die Situation. Welche Maßnahmen wären prioritär? Welche Risiken müssten neu bewertet werden? Wie sollte die Kommunikation mit Team und Stakeholdern aussehen? Welche Projektziele müssten gegebenenfalls angepasst werden? Erst danach wurde die Analyse eines KI-Systems vorgestellt. Genau dieser direkte Vergleich zwischen menschlicher und künstlicher Problemlösung bildete den Kern des Meetups. Die Teilnehmenden konnten unmittelbar nachvollziehen, wie unterschiedlich beide Seiten an dieselbe Herausforderung herangehen. Dabei zeigte sich, dass generative KI bereits heute bemerkenswerte Fähigkeiten besitzt. Das System identifizierte Risiken, strukturierte Handlungsmöglichkeiten, entwickelte Szenarien und bereitete Informationen in kurzer Zeit auf. Besonders bei analytischen Aufgaben und der Verarbeitung komplexer Zusammenhänge wurden die Potenziale deutlich sichtbar. Gleichzeitig offenbarte das Experiment auch die Grenzen der Technologie. Die KI konnte Vorschläge machen, Prioritäten formulieren und Risiken benennen. Sie übernahm jedoch keine Verantwortung für ihre Empfehlungen. Fragen der Führung, Motivation, Konfliktlösung oder Vertrauensbildung ließen sich nicht in gleicher Weise automatisieren. Gerade dort, wo Menschen mit Unsicherheit, Emotionen oder widersprüchlichen Interessen umgehen müssen, bleiben menschliche Kompetenzen unverzichtbar. Weßels und Jahnke plädierten deshalb für einen differenzierten Blick auf die Technologie. Weder Alarmismus noch Euphorie seien angebracht. Die eigentliche Zukunftsfrage laute nicht, ob KI Projektmanagerinnen und Projektmanager ersetzt. Vielmehr gehe es darum, welche Aufgaben künftig von KI übernommen werden können und welche Fähigkeiten dadurch für Menschen wichtiger werden. Wenn Recherche, Analyse oder Dokumentation zunehmend automatisiert werden, verschiebt sich der Schwerpunkt der Projektleitung stärker auf Kommunikation, Moderation, Entscheidungsfindung und strategische Orientierung. Projektmanagerinnen und Projektmanager würden dadurch nicht überflüssig, sondern müssten ihre Rolle neu definieren. Damit griff das Meetup einen der zentralen Diskussionsstränge der gesamten re: publica auf. In zahlreichen Vorträgen wurde darüber gesprochen, wie Künstliche Intelligenz Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft verändert. Das GPM- Format übersetzte diese Debatte in die konkrete Realität von Projekten- - und machte deutlich, dass erfolgreiche Transformation auch künftig von Menschen gestaltet werden wird.