eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 12/1

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
31
2001
121 Gesellschaft für Projektmanagement

Wissensmanagement in der Software-Entwicklung

31
2001
Jürgen Schmied
Gedacht als Hilfsmittel zur Sicherstellung von Qualität in Software-Entwicklungsprozessen, leiden herkömmliche Handbücher häufig unter mangelnder Akzeptanz. Die Gründe liegen in der Regel im nicht adäquaten Umgang mit der Ressource „Wissen“ und in der mangelnden Flexibilität dieses Hilfsmittels, so zum Beispiel hinsichtlich unterschiedlicher Projekte und unterschiedlicher Qualitätsniveaus: Denn in einer Zeit, in der Produktzyklen immer kürzer werden, die dazu korrespondierenden Entwicklungsprozesse immer schneller ablaufen und das Know-how der Mitarbeiter von essentieller Bedeutung für das gesamte Unternehmen ist, müssen neue und flexiblere Konzepte für das Management des Wirtschaftsgutes „Wissen“ eingesetzt werden. Ein Ansatz, der mit Hilfe von einzelnen „Beschreibungsbausteinen“ die „Schlüsselprozesse“ des Software-Engineering beschreibt, die zudem unterschiedlich kombiniert werden können, kann hier Abhilfe schaffen.
pm1210012
P R O J E K T M A N A G E M E N T ฀ 1 / 2 0 0 1 12 Zusammenfassung Gedacht als Hilfsmittel zur Sicherstellung von Qualität in Software-Entwicklungsprozessen, leiden herkömmliche Handbücher h ä ufig unter mangelnder Akzeptanz. Die Gründe liegen in der Regel im nicht ad ä quaten Umgang mit der Ressource „Wissen“ und in der mangelnden Flexibilität dieses Hilfsmittels, so zum Beispiel hinsichtlich unterschiedlicher Projekte und unterschiedlicher Qualitätsniveaus: Denn in einer Zeit, in der Produktzyklen immer kürzer werden, die dazu korrespondierenden Entwicklungsprozesse immer schneller ablaufen und das Know-how der Mitarbeiter von essentieller Bedeutung für das gesamte Unternehmen ist, müssen neue und flexiblere Konzepte für das Management des Wirtschaftsgutes „Wissen“ eingesetzt werden. Ein Ansatz, der mit Hilfe von einzelnen „Beschreibungsbausteinen“ die „Schlüsselprozesse“ des Software-Engineering beschreibt, die zudem unterschiedlich kombiniert werden können, kann hier Abhilfe schaffen. Abstract Although handbooks are considered an aid to qualit y assurance in software development, they often suffer from poor acceptance. Frequently this is a result of poor management of the „knowledge“ resource and the fact that this aid cannot easily be adapted to a variet y of projects and qualit y levels. Nowadays product development cycles are becoming shorter and shorter and the related development processes become faster and faster. Today the knowledge and experience of our employees are essential for the company as a whole and so new and flexible concepts must be introduced to manage the economic propert y known as „knowledge“. One solution to this problem is to describe the key processes of software engineering with building blocks capable of being flexibly combined. Schlagwörter Hypertext, Methodenbaukasten, Projektmanagement, Prozessdefinition, Qualitätssicherung, Wissensmanagement 1 EINLEITUNG Schnelllebige฀Produkte฀und฀die฀daraus฀resultierenden฀immer฀kürzer฀werdenden฀ Entwicklungsprozesse฀ zwingen฀Unternehmen฀zu฀einer฀möglichst฀ effizienten฀Projektdurchführung.฀Es฀ gilt฀ nicht฀ mehr฀ zwangsläufig฀ der฀ Grundsatz฀„Der฀Größere฀ist฀dem฀Kleineren฀überlegen“,฀stattdessen฀wächst฀ das฀kleinere฀Unternehmen฀-฀da฀meist฀ flexibler฀und฀schneller฀-฀stärker฀als฀der฀ Großkonzern.฀ Entscheidender฀ Wettbewerbsvorteil฀ist฀dabei฀die฀Fähigkeit฀ zur฀ Kommunikation฀ im฀ Unternehmen฀und฀damit฀die฀Fähigkeit฀Erfahrungen฀ und฀ Wissen฀ auszutauschen.฀ Während฀ Unternehmen฀ in฀ der฀ Vergangenheit฀ nach฀ ihren฀ materiellen฀ Sachgütern฀wie฀Produktionsanlagen฀ und฀ Immobilien฀ bewertet฀ wurden,฀ ist฀heute฀das฀Know-how฀einer฀Firma฀ ein฀wesentlicher฀Faktor฀bei฀der฀Unternehmensbewertung฀ (wir฀ betrachten฀ Wissensmanagement฀im฀Kontext฀der฀ Informationstechnologie: ฀Hier฀gelten฀ diese฀Aussagen฀umso฀mehr,฀denn฀es฀ gibt฀ genügend฀ Beispiele฀ von฀ Unternehmen฀ am฀ „Neuen฀ Markt“,฀ deren฀ Wissensmanagement in฀der฀Software-Entwicklung Eine Voraussetzung für effiziente Qualitätssicherung und Projektmanagement J Ü R G E N ฀ S C H M I E D 13 Aktienkurse฀ weniger฀ durch฀ materielle฀Güter฀als฀über฀das฀Firmen-Knowhow,฀ deren฀ Ideen฀ und฀ Visionen฀ zustande฀kommen). Je฀ größer฀ ein฀ Unternehmen฀ ist,฀ umso฀wichtiger฀wird฀dabei฀das฀Wissensmanagement,฀denn฀während฀in฀ kleineren฀Unternehmen฀meist฀ein฀enger฀Kontakt฀zwischen฀allen฀Kollegen฀ besteht฀ und฀ damit฀ ein฀ reger฀ Erfahrungsaustausch฀gefördert฀wird,฀findet฀ im฀Großkonzern฀kaum฀bereichsübergreifender฀ Wissensaustausch฀ statt.฀ Im฀ Gegenteil,฀ ändert฀ der฀ Mitarbeiter฀seinen฀Tätigkeitsschwerpunkt฀ im฀ Unternehmen฀ -฀ beispielsweise฀ durch฀ Umstrukturierungsmaßnahmen฀ oder฀ Versetzung฀ -,฀ gerät฀ das฀ einmal฀erworbene฀und฀(leider฀meist)฀ nicht฀ dokumentierte฀ Wissen฀ in฀ Vergessenheit฀und฀wird฀somit฀wieder฀abgebaut. Wissensmanagement฀ist฀nicht฀nur฀ auf฀ ฀Unternehmensebene฀ wichtig,฀ sondern฀ ist฀ von฀ essentieller฀ Bedeutung฀für฀deren฀Mitarbeiter: ฀ Gerade฀ IT-Wissen฀ veraltet฀ sehr฀ rasch,฀es฀wird฀von฀„Halbwertszeiten“฀ von฀ drei฀ bis฀ vier฀ Jahren฀ gesprochen. ฀ Schnelllebige฀ Produkte฀ sorgen฀ für฀ kurze฀ Projektlaufzeiten฀ und฀ damit฀ für฀ einen฀ hohen฀ Projektdruck. Letzteres฀ sorgt฀ dafür,฀ dass฀ kaum฀ Zeit฀für฀regelmäßige฀Schulungen฀verbleibt,฀ stattdessen฀ ist฀ „Just-in-time“- Lernen฀ üblich,฀ d.฀h.,฀ Mitarbeiter- Qualifikation฀wird฀kurzfristig฀in฀Abhängigkeit฀ vom฀ aktuellen฀ Projekt฀ durchgeführt.฀ Eine฀ systematische฀ langfristig฀ angelegte฀ Weiterbildung฀ des฀Mitarbeiters฀bleibt฀oft฀ihm฀selbst฀ überlassen. So฀ düster฀ wie฀ dieses฀ Szenario฀ aus฀ Sicht฀ des฀ Mitarbeiters฀ auch฀ klingen฀ mag,฀ es฀ lohnt฀ sich฀ ein฀ genauerer฀ Blick,฀denn฀diese฀pauschalisierte฀Aussage฀kann฀differenziert฀werden: ฀(IT-)-฀ Wissen฀ lä sst฀ sich฀ nämlich฀ klassifizieren,฀ und฀ für฀ diese฀ Wissensklassen฀gelten฀durchaus฀unterschiedliche฀ „Verfallszeiten“: ฀ „Methodenwissen“฀ veraltet฀ am฀ langsamsten.฀ Unter฀ Methodenwissen฀werden฀Software-Engineering-Methoden฀ verstanden,฀ wie฀ zum฀Beispiel฀Techniken฀ zur฀Anforderungsanalyse฀(Use฀Case฀Analysis,฀ Joint฀ Application฀ Design,฀ Corporate฀ Requirements฀ Capture฀etc.),฀Designtechniken฀(Unified฀ Modeling฀ Language,฀ Strukturierte฀ Analyse฀ und฀ Design,฀ SDL,฀SADT฀etc.),฀Testverfahren฀ und฀ vieles฀ mehr.฀ Halbwertszeiten฀ im฀ Bereich฀ von฀ Jahrzehnten฀ sind฀ durchaus฀ keine฀ Seltenheit,฀ man฀ denke฀ nur฀ an฀ „Zustandsautomaten“,฀ die฀ von฀ Mealy฀ und฀ Moore฀ in฀ den฀ 50er฀ Jahren฀ definiert฀wurden฀und฀auch฀heute฀regelmäßig฀ verwendet฀ werden฀ (allerdings฀ meist฀ in฀ der฀ Weiterentwicklung฀ nach฀ Harel฀ [5]),฀ oder฀ Vorteile฀des฀Methodenbaukastens฀-฀eine฀Beispielimplementierung฀ des฀Wissensmanagements฀für฀das฀Software-Engineering ฀ Nachschlagewerk: ฀Jeder฀am฀Software-Entwicklungsprozess฀Beteiligte฀ kann฀im฀Baukasten฀Begriffe,฀Verfahren,฀Notationen฀oder฀Richtlinien฀ nachschlagen.฀Sowohl฀neue฀Mitarbeiter฀als฀auch฀erfahrene฀Entwickler฀ haben฀einen฀schnellen฀und฀einfachen฀Zugriff฀auf฀die฀benötigte฀Information. ฀ Vorlagenarchiv: ฀Es฀werden฀Dokumentvorlagen฀zur฀Verfügung฀gestellt,฀ die฀die฀Arbeitseffizienz฀des฀Entwicklers฀durch฀ein฀vordefiniertes฀Layout,฀die฀Gliederung฀und฀Hilfestellungen฀in฀der฀Vorlage฀erhöhen. ฀ Harmonisierung฀ des฀ Software-Entwicklungsprozesses: ฀ Eine฀ gute฀ Kommunikation฀im฀Entwicklerteam฀ist฀eine฀wichtige฀Voraussetzung฀ für฀ effiziente฀ Software-Entwicklung.฀ Damit฀ eine฀ gute฀ Kommunikation฀ zustande฀kommen฀kann,฀ sollten฀ alle฀über฀ ein฀gemeinsames฀Verständnis฀verfügen.฀Im฀Baukasten฀werden฀deshalb฀Begriffe฀sowie฀Notationen฀oder฀Richtlinien฀zum฀Einsatz฀von฀Methoden฀definiert. ฀ Prozess-Beschreibung฀ und฀ -Tailoring: ฀ Die฀ Flexibilität฀ des฀ Baukastens฀bietet฀die฀Möglichkeit,฀den฀Software-Entwicklungsprozess฀individuell฀an฀verschiedene฀Bedürfnisse฀anzupassen.฀Er฀definiert,฀wer฀welche฀ Arbeiten฀ wann฀ zu฀ erledigen฀ hat,฀ beschreibt฀ den฀ Informations-฀ und฀Arbeitsfluss,฀legt฀Verantwortlichkeiten฀fest฀und฀deckt฀Abhängigkeiten฀innerhalb฀des฀Entwicklerteams฀auf. ฀ Lebenslanges฀Lernen: ฀Das฀Wissen฀auf฀dem฀IT-Sektor฀veraltet฀schnell฀ und฀regelmäßige฀Schulungen฀können฀aus฀Zeitmangel฀oft฀nicht฀durchgeführt฀werden.฀Das฀im฀Baukasten฀dokumentierte฀Wissen฀kann฀mit฀ den฀Erfahrungen฀der฀Entwickler฀wachsen.฀Einzelne฀Mitarbeiter฀übernehmen฀dazu฀die฀Pflege฀eines฀Wissensgebietes,฀so฀dass฀neue฀Erfahrungen฀allen฀anderen฀Entwicklern฀auch฀zur฀Verfügung฀stehen. ฀ P M - V E R F A H R E N / K O N Z E P T E P R O J E K T M A N A G E M E N T ฀ 1 / 2 0 0 1 14 etwa฀ im฀ Bereich฀ der฀ Applikationsentwicklung฀mit฀Datenbanken฀ an฀ die฀ Entity-Relationship- Diagramme,฀die฀Chen฀[4]฀in฀den฀ 70er฀Jahren฀einführte. ฀ „Produktwissen“฀ -฀ sei฀ dies฀ nun฀ Wissen฀ über฀ Tools฀ zur฀ Entwicklung฀ von฀ Produkten฀ oder฀ auch฀ Wissen฀ über฀ Produkte฀ für฀ den฀ Endverbraucher฀-฀veraltet฀wesentlich฀ schneller.฀ Heute฀ am฀ Markt,฀ sind฀ Produkte฀ meist฀ morgen฀ schon฀wieder฀verschwunden฀oder฀ durch฀neue฀Versionen฀ersetzt. ฀ „Kundenwissen“฀-฀d.฀h.฀genaueres฀ Wissen฀über฀aktuelle฀oder฀potenzielle฀ Kunden,฀ insbesondere฀ deren฀Bedürfnisse฀und฀Beziehungen฀ untereinander฀ -฀ veraltet฀ in฀ der฀ Regel฀ noch฀ etwas฀ schneller.฀ Produkte฀ werden฀ für฀ Kunden฀ und฀ deren฀Anforderungen฀geschaffen,฀ d.฀h.฀veränderte฀Produkte฀werden฀ zwangsläufig฀mit฀einem฀gewissen฀ zeitlichen฀ Versatz฀ zu฀ den฀ veränderten฀ Kundenbedürfnissen฀ auf฀ den฀Markt฀gebracht. ฀ Die฀ vierte฀ Kategorie฀ „Marktwissen“฀definiert฀sich฀aus฀dem฀Wissen฀ über฀ Marktgegebenheiten,฀ wie฀ zum฀ Beispiel฀ Wissen฀ über฀ Konkurrenten,฀ deren฀ Produkte฀ und฀ Marktanteile.฀Da฀man฀jedoch฀in฀ der฀Regel฀nur฀wenig฀Wissen฀über฀ seine฀ Konkurrenten฀ hat฀ (deren฀ Produkte,฀ aber฀ viel฀ wichtiger฀ deren฀ Produktideen฀ oder฀ langfristige฀ Roadmaps฀ etc.)฀ und฀ da฀ zudem฀ Hersteller฀ sehr฀ schnell฀ auf฀ veränderte฀Kundenbedürfnisse฀reagieren฀müssen,฀ist฀das฀Marktwissen฀das฀unsicherste฀und฀gleichzeitig฀das฀am฀schnellsten฀veraltende฀ Wissen,฀sofern฀es฀denn฀überhaupt฀ im฀Detail฀vorhanden฀ist. Sicherlich฀lassen฀sich฀noch฀weitere฀ Wissensklassen฀ definieren,฀ aber฀ bereits฀ diese฀ beispielhafte฀ Klassifizierung฀zeigt฀deutlich,฀dass฀sich฀aus฀Mitarbeitersicht฀die฀Rubrik฀„Methodenwissen“฀ am฀ meisten฀ lohnt,฀ um฀ langfristig฀angelegte฀Weiterbildung฀zu฀betreiben,฀ und฀ dass฀ die฀ Aussage฀ über฀ die฀Halbwertszeit฀von฀IT-Wissen฀nur฀ einen฀ Durchschnittswert฀ über฀ mehrere฀Wissensklassen฀darstellen฀kann. Sowohl฀ aus฀ Unternehmenssicht฀ wie฀auch฀aus฀Mitarbeitersicht฀ist฀Wissensmanagement฀ also฀ eine฀ lohnenswerte฀Angelegenheit. 2 WISSENSMANAGEMENT UND WICH- TIGE RANDBEDINGUNGEN Um฀ Wissensmanagement฀ in฀ einem฀Unternehmen฀erfolgreich฀einzuführen,฀bedarf฀es฀vor฀allen฀Dingen฀einer฀offenen฀und฀fairen฀Kommunikation.฀Begangene฀Fehler฀dürfen฀nicht฀ als฀Kritikpunkte฀verstanden฀werden,฀ sondern฀als฀Chance,฀diese฀zusammen฀ mit฀ den฀ Lösungsans ätzen฀ weiterzugeben,฀ so฀ dass฀ Kollegen฀ aus฀ den฀ begangenen฀ Fehlern฀ lernen฀ und฀ diese฀ nicht฀selbst฀begehen.฀Der฀Teamgeist฀ und฀das฀kooperative฀Verhalten฀unter฀ den฀Mitarbeitern฀müssen฀deshalb฀besonders฀ gefördert฀ werden.฀ Wissensmanagement฀ muss฀ als฀ wichtiger฀ Bestandteil฀ der฀ Unternehmenskultur฀ verstanden฀ werden,฀ von฀ dem฀ alle฀ einen฀Nutzen฀haben.฀Das฀Beispiel฀der฀ Software-Entwicklung฀nimmt฀sicherlich฀ eine฀ Sonderstellung฀ ein,฀ da฀ in฀ diesem฀ schnelllebigen฀ Bereich฀ die฀ Akzeptanz฀ eines฀ solchen฀ Vorgehens฀ von฀Haus฀ aus฀ größer฀ als฀ in฀ anderen฀ Bereichen฀ ist: ฀ Die฀ beteiligten฀ Personen฀sind฀darauf฀angewiesen฀ständig฀ hinzuzulernen.฀ Auch฀ die฀ Nutzung฀ des฀ Intranets฀ -฀ die฀ ideale฀ Kommunikationsplattform฀ zur฀ Umsetzung฀ des฀Wissensmanagements฀-฀ist฀eine฀ Selbstverständlichkeit. Unternehmensweites฀ Wissensmanagement฀ ist฀ eine฀ Ressourcenfrage,฀ weshalb฀ die฀ Beteiligung฀ des฀ Managements฀ eine฀ unabdingbare฀ Voraussetzung฀ ist.฀ Der฀ Aufbau฀ und฀ die฀„Verinnerlichung“฀eines฀Wissensmanagements฀ benötigen฀ genauso฀ wie฀ „Softwareprozessverbesserungsprogramme“฀ (in฀ [7]฀ wird฀ zum฀ Beispiel฀regelmäßig฀auf฀das฀„höhere฀Management“฀verwiesen)฀zweierlei: ฀ die฀ Einbeziehung,฀ Motivation฀ und฀ Akzeptanz฀ der฀ beteiligten฀ Mitarbeiter฀sowie ฀ die฀ Einsicht฀ der฀ Notwendigkeit฀ und฀ infolgedessen฀ die฀ Genehmigung฀ des฀ Budgets฀ bzw.฀ zus ätzlichen฀ Personals฀ durch฀ das฀ Management. Wesentliche฀ Kernanforderungen฀ an฀ ein฀ Wissensmanagementsystem฀ im฀IT-Bereich฀sind ฀ die฀Handlungsorientierung,฀d.฀h.,฀ es฀ dürfen฀ keine฀ abstrakten฀ Beschreibungen฀ (wie฀ sie฀ zum฀ Beispiel฀ oft฀ in฀ QM-Handbüchern฀ zu฀ finden฀ sind)฀ verwaltet,฀ sondern฀ praxisbezogene฀ und฀ konkrete฀ Hilfsmittel฀ zur฀ Verfügung฀ gestellt฀werden.฀Dies฀könnten฀Beispiele฀ zur฀ Umsetzung฀ von฀ Software-Engineering-Methoden฀sein฀ (so฀etwa฀branchenorientierte฀Beispiele฀zur฀Umsetzung฀von฀Designtechniken,฀ Testverfahren฀ etc.)฀ oder฀Mustervorlagen฀und฀Checklisten฀zur฀Projektdokumentation. ฀ Ein฀weiterer฀wesentlicher฀Aspekt฀ ist฀die฀Verständlichkeit,฀d.฀h.,฀die฀ Texte฀ müssen฀ die฀ Mitarbeiter฀ -฀ in฀diesem฀Falle฀den฀Software-Entwickler฀-฀direkt฀ ansprechen: ฀ „In฀ 15 der฀ Kürze฀ liegt฀ die฀ Würze“฀ gilt฀ auch฀ hier,฀ denn฀ kein฀ Software- Entwickler฀ will฀ langatmige฀ Beschreibungen฀ lesen.฀ Ideal฀ sind฀ kurze฀ und฀ prägnante฀ Beschreibungen฀ähnlich฀den฀Kurzreferenzhandkarten฀von฀Tools: ฀Auf฀wenigen฀ Seiten฀ sollte฀ das฀ Wichtigste฀ zusammengefasst฀ sein.฀ Denn฀ es฀ gilt฀an฀dieser฀Stelle฀nicht฀ein฀Lehrbuch฀ zu฀ ersetzen,฀ sondern฀ einen฀ schnellen฀Einstieg฀und฀Ideen฀für฀ die฀ zielgerichtete฀ Umsetzung฀ zu฀ liefern.฀ Wer฀ mehr฀ wissen฀ will,฀ sollte฀ auch฀ weiterhin฀ zum฀ Lehrbuch฀greifen. ฀ Ein฀unternehmensweites฀Wissensmanagementsystem฀ muss฀ den฀ direkten฀ zwischenmenschlichen฀ Informationsaustausch฀ fördern.฀ D.฀h.,฀die฀dahinter฀stehende฀Technik฀ (z.฀B.฀ eine฀ Implementierung฀ auf฀ Basis฀ des฀ Intranets)฀ dient฀ nur฀als฀„Mittel฀zum฀Zweck“.฀Gewollt฀ ist฀ eine฀ Implementierung,฀ die฀kommunikationsfördernd฀unter฀ den฀ Mitarbeitern฀ wirkt,฀ so฀ etwa฀ Telefonnummern฀ von฀ Experten฀ zu฀ bestimmten฀ Themen฀ innerhalb฀des฀Unternehmens฀enthält฀oder฀in฀Ergänzung฀zu฀nichtvirtuellen฀ (! )฀ Vortragsreihen฀ virtuelle฀Diskussionsforen฀anbietet. Der฀Begriff฀„Wissensmanagement“฀ wurde฀ in฀ diesem฀ Artikel฀ schon฀ sehr฀ häufig฀ benutzt,฀ aber฀ was฀ wird฀ eigentlich฀darunter฀verstanden? ฀Abb.฀1฀ zeigt฀ in฀ Anlehnung฀ an฀ [6]฀ die฀ einzelnen฀ Aktivitäten,฀ die฀ darunter฀ zusammengefasst฀ werden฀ und฀ auf฀ die฀ in฀ den฀ nachfolgenden฀ Abschnitten฀ im฀ Kontext฀ des฀ Software-Engineering฀ eingegangen฀ wird.฀ Diese฀ Abbildung฀ zeigt฀ zus ätzlich฀ sehr฀ schön฀ die฀ Analogie฀ des฀ Wissensmanagements฀ zum฀ Projektmanagementzyklus฀„plan,฀do,฀study฀and฀act“: ฀Zuerst฀ werden฀die฀Wissensziele฀identifiziert฀ und฀aufgestellt,฀anschließend฀erfolgt฀ die฀Umsetzung฀(„do“: ฀untere฀Hälfte฀ in฀ Abb.฀ 1),฀ um฀ schließlich฀ mit฀ der฀ Wissensbewertung฀ („study“)฀ in฀ eine฀neue฀„Umdrehung“฀der฀Schleife฀ zu฀ münden.฀ Durch฀ das฀ gewonnene฀ Feedback฀sind฀natürlich฀die฀Wissensziele฀ und฀ deren฀ Inhalte฀ zu฀ überdenken฀und฀gegebenenfalls฀zu฀aktualisieren฀(„act“฀wird฀damit฀zum฀Bestandteil฀der฀neuen฀Schleife). 2.1฀Wissensziele฀-฀aber฀welche ? Wissensmanagement฀ muss฀ durch฀ klar฀ definierte฀ Ziele฀ geleitet฀ sein,฀ denn฀ sonst฀ besteht฀ sehr฀ schnell฀ die฀ Gefahr,฀ dass฀ die฀ Wissensbasis฀ zu฀ einem฀für฀das฀Unternehmen฀mehr฀oder฀ weniger฀ relevanten฀ „Sammelsurium“฀ von฀ Wissenselementen฀ verkommt฀ (ein฀extremer฀Ansatz฀wäre,฀Wissensmanagement฀ über฀ eine฀ Sammlung฀ von฀„Mitarbeiter-Homepages“฀im฀Intranet฀ zu฀ realisieren,฀ ohne฀ konkrete฀ Vorgaben฀ bezüglich฀ der฀ Inhalte฀ zu฀ machen.฀Es฀würde฀ein฀„Wissensnetz“฀ ähnlich฀ dem฀ World฀ Wide฀ Web฀ entstehen: ฀Nicht฀umsonst฀wird฀von฀der฀ „Wüste฀ Internet“฀ gesprochen,฀ in฀ der฀ zwar฀viele฀Informationen฀vorhanden฀ sind,฀ aber฀ nur฀ sehr฀ schwer฀ die฀ richtige฀Information฀zu฀finden฀ist). Welche฀ Wissensziele฀ sollten฀ nun฀ von฀der฀Unternehmensführung฀definiert฀werden? ฀Abb.฀2฀zeigt฀die฀„Topdown“-Konkretisierung฀von฀Wissenszielen฀über฀die฀Hierarchiestufen฀eines฀ Konzerns฀hinweg.฀Üblicherweise฀gliedert฀ sich฀ ein฀ Konzern฀ aufgrund฀ seiner฀Konzernziele฀und฀der฀damit฀verbundenen฀ Konzernstrategie฀ in฀ mehrere฀ Geschäftsbereiche.฀ In฀ Anlehnung฀ an฀ das฀ eigene฀ Unternehmen฀ könnten฀ dies฀ etwa฀ ein฀ Geschäftsbereich฀ „Automotive“,฀ „Medizintechnik“฀und฀„Industrieautomatisierung“฀ sein.฀Auf฀dieser฀Unternehmensebene฀ ist฀vor฀allem฀das฀Wissen฀über฀Märkte,฀ insbesondere฀ über฀ Konkurrenten,฀ Marktanteile,฀ (mögliche)฀ Kunden฀ und฀ deren฀ prinzipielle฀ Bedürfnisse฀ wichtig.฀ Geschäftsbereiche฀ gliedern฀ sich฀weiter฀auf฀in฀mehrere฀Geschäftsfelder,฀die฀sich฀etwa฀einem฀bestimmten฀ Produkt฀ oder฀ Produktgruppen฀ widmen฀ oder฀ sich฀ auf฀ andere฀ Art฀ und฀Weise฀auf฀einen฀bestimmten฀Teil฀ des฀Marktes฀spezialisiert฀haben.฀Geschäftsfeldziele฀ definieren฀ sich฀ zuallererst฀über฀Produkte฀für฀die฀verschiedenen฀ Märkte฀ und฀ deren฀ Umsatz.฀ Daher฀ korrelieren฀ auf฀ dieser฀ Ebene฀ Abb. 1: Kreislauf des Wissensmanagements [6] Wissensziele Wissensbewertung Wissensidentifikation Wissensnutzung Wissenserwerb Wissensentwicklung Wissens(ver)teilung Wissensbewahrung Feedback ฀ P M - V E R F A H R E N / K O N Z E P T E P R O J E K T M A N A G E M E N T ฀ 1 / 2 0 0 1 16 Wissensziele฀in฀erster฀Linie฀mit฀Wissen฀über฀das฀Anwendungsumfeld฀der฀ zu฀entwickelnden฀Produkte.฀Auf฀Projektebene฀ ist฀ wichtig,฀ Projekte฀ im฀ Rahmen฀des฀ursprünglich฀aufgestellten฀ Plans,฀ d.฀h.฀ bezüglich฀ Zeit,฀ Kosten฀ und฀ Anforderungen,฀ umzusetzen.฀ Hier฀ ist฀ Wissen฀ über฀ die฀ konkreten฀ Kundenanforderungen฀ wichtig,฀ aber฀ natürlich฀ auch฀ Wissen฀ zur฀ Realisierung฀ dieser฀ Anforderungen,฀ d.฀h.฀ die฀ Beherrschung฀ von฀ Software-Engineering-Methoden฀ sowie฀ soziale฀Kompetenz฀der฀Teammitglieder.฀Hier฀treffen฀sich฀die฀„top-down“฀ abgeleiteten฀ Ziele฀ mit฀ den฀ Zielen฀ der฀Mitarbeiter: ฀Fortentwicklung฀in฀ fachlicher฀Hinsicht฀und฀Fortentwicklung฀der฀sozialen฀Kompetenz. Dieser฀Artikel฀beschränkt฀sich฀bewusst฀ auf฀ Wissensmanagement฀ zur฀ Unterstützung฀der฀ Softwareentwicklung,฀ d.฀h.฀Wissensmanagement฀ auf฀ Projektebene,฀ und฀ bedient฀ damit฀ gleichzeitig฀ die฀ Wissensziele฀ von฀ Projektteammitgliedern. Zur฀Beantwortung฀der฀Frage฀nach฀ dem฀ „Was฀ sollte฀ mit฀ Hilfe฀ des฀ Wissensmanagements฀ auf฀ Projektebene฀ verwaltet฀ werden? “฀ liefern฀ Qualitätsmodelle฀ erste฀ Hinweise.฀ So฀ beschreibt฀beispielsweise฀das฀Capability฀ Maturity฀Model฀(CMM)฀[7],฀welche฀ Schlüsselprozesse฀(siehe฀Abb.฀3)฀in฀einem฀Unternehmen฀etabliert฀werden฀ sollten฀ und฀ welche฀ Aktivitäten฀ dabei฀ auszuführen฀ sind.฀ Auch฀ wenn฀ Qualitätsmodelle฀ wie฀ das฀ genannte฀ CMM฀ -฀ für฀ andere฀ Modelle฀ wie฀ SPICE฀und฀ISO฀9000฀gilt฀dies฀in฀ähnlicher฀ Weise฀ -฀ typischerweise฀ nicht฀ das฀ „Wie“฀ der฀ Umsetzung฀ beschreiben,฀so฀werden฀doch฀bestimmte฀Prozesse฀und฀Arbeitsergebnisse฀gefordert฀ und฀ Hinweise฀ gegeben,฀ welche฀ Rollen฀ an฀der฀Erreichung฀der฀Arbeitsergebnisse฀beteiligt฀sein฀sollten. Im฀ Sinne฀ des฀ Wissensmanagements฀ auf฀ Projektebene฀ liegt฀ der฀ Schwerpunkt฀der฀Prozessdarstellung฀ aber฀ nicht฀ auf฀ dem฀ „Was“,฀ sondern฀ darauf,฀„Wie“฀der฀Prozess฀möglichst฀ gut฀im฀Unternehmen฀umgesetzt฀wird.฀ Hierzu฀ ist฀ es฀ notwendig,฀ die฀ Wissensakquise฀in฀den฀Entwicklungsablauf฀ einzubetten฀ und฀ die฀ Erkenntnisse฀ mit฀ einem฀ möglichst฀ flexiblen฀ Medium฀ zu฀ dokumentieren.฀ Aus฀ dem฀ „normalen฀ Projektalltag“฀ ergeben฀sich฀so฀schnell฀die฀Elemente,฀die฀ mit฀Hilfe฀des฀Wissensmanagements฀ verwaltet฀ werden฀ sollten: ฀ Am฀ Beispiel฀von฀Software-Entwicklungsprozessen฀wären฀dies ฀ Methoden฀wie฀etwa฀das฀Change฀ Management,฀ Review-Verfahren฀ oder฀ die฀ Projektverfolgung฀ mit฀ Hilfe฀ von฀ Meilensteindefinitionen,฀ aber฀ auch฀Designtechniken฀ wie฀ z.฀B.฀ die฀ „Strukturierte฀ Analyse฀ und฀ Design“฀ oder฀ die฀ „Unified฀Modeling฀Language“, ฀ die฀ zu฀ erzielenden฀ Arbeitsergebnisse฀(d.฀h.฀die฀Dokumente),฀die฀ innerhalb฀des฀ Projektes฀ zu฀ erstellen฀sind, ฀ die฀Definition฀von฀Rollen,฀die฀im฀ Projektablauf฀die฀Verantwortung฀ für฀einzelne฀Arbeitsergebnisse฀zu฀ übernehmen฀haben,฀und ฀ eine฀ inhaltliche฀ sowie฀ zeitliche฀ Gliederung฀der฀Entwicklungsprojekte฀ im฀ Sinne฀ eines฀ Phasenmodells. Dies฀waren฀nur฀die฀wichtigsten฀Elemente,฀ weitere฀ sind฀ denkbar: ฀ etwa฀ das฀ Wissen฀ über฀ den฀ Einsatz฀ und฀ Abb. 2: Top-down- Ableitung von Wissenszielen Konzern Geschäftsbereich Geschäftsfeld Projekt Mitarbeiter Konzernstrategie Konzernziele Geschäftsbereichsstrategie Geschäftsbereichsziele Produktstrategien฀ Geschäftsfeldziele Projektsteuerungsgrößen Ziele฀des฀einzelnen฀Mitarbeiters Weiterentwicklung Reifegrad eingeführte฀Verfahren 5.฀Optimierender฀Prozess • ฀ Defektverhütung • ฀ Prozess-Änderungsmanagement • ฀ Technologie-Änderungsmanagement • ฀ ... 4.฀Geführter฀Prozess • ฀ Prozess-Erfahrungsbewertung • ฀ Prozess-Metriken • ฀ Produkt-Metriken • ฀ ... 3.฀Definierter฀Prozess • ฀ Prozess-Definition • ฀ Trainingsprogramm • ฀ Teamkoordination • ฀ ... 2.฀Wiederholbarer฀Prozess • ฀ Projektmanagement • ฀ Anforderungsmanagement • ฀ Konfigurationsmanagement • ฀ ... 1.฀Initialer฀Prozess --- Abb. 3: Skizze des Capability- Maturity- Modells [7] 17 die฀ Nutzung฀ von฀ Tools.฀ Beispiele฀ für฀ Wissenselemente฀ auf฀ den฀ anderen฀Ebenen฀(siehe฀Abb.฀2)฀ sind฀Spezial-Wissen฀ über฀ konkrete฀ Anwendungsgebiete฀ oder฀ das฀ Wissen฀ über฀ konkrete฀Abläufe฀im฀Unternehmen,฀ die฀ nicht฀ notwendigerweise฀ direkt฀ mit฀ der฀ Software-Entwicklung฀ zusammenhängen฀ müssen฀ (z.฀B.฀ Prozess฀der฀Angebotserstellung฀oder฀das฀ Mahnverfahren). 2.2฀Wissensidentifikation,฀ Wissenserwerb฀und฀-entwicklung Aufgabe฀der฀Wissensidentifikation฀ sind฀ die฀ Ortung฀ von฀ Wissensträgern฀ innerhalb฀ des฀ Unternehmens฀ sowie฀deren฀Wissen฀über฀die฀definierten฀Wissensziele฀ (z.฀B.฀Abläufe,฀Dokumente,฀Verantwortlichkeiten,฀Software-Engineering-Methoden,฀ Tools฀ etc.). Wissenserwerb฀ und฀ Wissensentwicklung฀sollen฀aufgedeckte฀Wissenslücken฀ schließen.฀ Beispiele฀ für฀ Wissenserwerb฀ sind฀ gezielte฀ Unternehmensfusionen,฀ Einbindung฀ von฀ Unterauftragnehmern฀ in฀ Projekte,฀ gezielte฀Personalakquise,฀freie฀Mitarbeiter฀und฀externe฀Berater฀oder฀auch฀die฀ Einbindung฀ von฀ Schlüsselkunden.฀ D.฀h.,฀Wissenserwerb฀beschäftigt฀sich฀ mit฀ dem฀ „Einkaufen“฀ von฀ Wissen฀ durch฀externes฀Personal/ Firmen.฀Dagegen฀geht฀es฀bei฀der฀Wissensentwicklung฀ um฀ die฀ Fortentwicklung฀ des฀ vorhandenen฀Personals฀durch฀Tagungen,฀Seminare,฀Workshops฀oder฀die฀ Etablierung฀von฀firmeninternen฀Diskussionsforen,฀„geistigen฀Turnhallen“฀ und฀die฀regelmäßige฀Selbstreflexion฀ („lessons฀ learned“฀ zum฀ Projektabschluss). Das฀Thema฀„Wissensidentifikation“฀ bzw.฀welche฀Wissenselemente฀zur฀Beschreibung฀ von฀ Software-Entwicklungsprozessen฀von฀Bedeutung฀sind,฀ wird฀ nachfolgend฀ anhand฀ eines฀ Beispiels฀im฀Detail฀erläutert: 2.2.1฀ Die฀ Elemente฀ der฀ Prozessbeschreibung Für฀ die฀ Definition฀ des฀ Software- Entwicklungsprozesses฀wurde฀in฀unserem฀ konkreten฀ Fall฀ nach฀ dem฀ Baukastenprinzip฀ vorgegangen.฀ Ein฀ Baukasten฀ für฀ die฀ Definition฀ von฀ Software-Entwicklungsprozessen฀beinhaltet฀ Beschreibungselemente฀ für฀ die฀einzelnen฀Prozessaspekte฀(Phase,฀ Rolle,฀Methode฀und฀Teilergebnis)฀sowie฀Vorschriften฀für฀deren฀Kombinationsmöglichkeiten.฀Die฀Phasen฀stellen฀ eine฀ Art฀ innere฀ Uhr฀ von฀ Projekten฀ dar.฀ Die฀ Rollen฀ regeln฀ die฀ Fragen฀„Wer฀macht฀was? “฀bzw.฀„Wer฀ist฀ für฀ was฀ verantwortlich? “.฀ Teilergebnisse฀ sind฀ in฀ der฀ Software-Entwicklung฀immer฀Dokumente; ฀Methoden฀ beschreiben,฀ wie฀ Abschnitte฀ des฀ einen฀oder฀anderen฀Dokuments฀entstehen. Die฀einzelnen฀Prozessaspekte฀können฀auf฀verschiedene฀Art฀und฀Weise฀ miteinander฀in฀Beziehung฀stehen: ฀So฀ können฀ beispielsweise฀ mehrere฀ Methoden฀in฀einer฀Phase฀eingesetzt฀werden,฀ebenso฀ist฀es฀möglich,฀dass฀sich฀ ein฀ Methodeneinsatz฀ über฀ mehrere฀ Phasen฀hinweg฀erstreckt.฀Eine฀Rolle฀ ist฀ für฀ mehrere฀ Dokumente฀ verantwortlich฀ oder฀ ein฀ Dokument฀ wird฀ von฀mehreren฀ Rollen฀ gemeinsam฀ erarbeitet. 2.2.2฀Phasen฀und฀Prozessmodelle Die฀Phase฀ist฀ein฀Zeitabschnitt฀in฀ einem฀Projekt.฀Es฀gibt฀mehrere฀Prozessmodelle฀mit฀Phasendefinitionen: ฀ z.฀B.฀Wasserfall-,฀ Spiral-฀ und฀ V-Modell฀ [1,฀ 2,฀ 8,฀ 9].฀ Alle฀ eben฀ genannten฀ Modelle฀ haben฀ die฀ folgenden฀ Gemeinsamkeiten: ฀ Die฀Bedingungen฀für฀den฀Eintritt฀ in฀eine฀bestimmte฀Phase฀sind฀genau฀definiert. ฀ Die฀ Phase฀ ist฀ gekennzeichnet฀ durch฀ihre฀Ergebnisse. ฀ Die฀ Bedingungen฀ für฀ den฀ Austritt฀aus฀einer฀bestimmten฀Phase฀ sind฀genau฀definiert. 2.2.3฀Methoden Jede฀ Software-Entwicklung฀ sollte฀ durch฀ein฀methodisches฀Vorgehen฀geprägt฀sein.฀Im฀Baukasten฀stehen฀die฀ Methodenbeschreibungen฀für฀Vorgehensweisen,฀die฀für฀die฀Erstellung฀der฀ Teilergebnisse฀ vorgeschrieben฀ sind.฀ Im฀ Allgemeinen฀ lassen฀ sich฀ solche฀ Methoden฀ einteilen฀ in฀ organisatorische,฀ analytische฀ und฀ konstruktive฀ Verfahren. Beispiele฀ für฀ organisatorische฀ Methoden฀ sind฀ das฀ Konfigurationsmanagement,฀Change฀Management฀ oder฀Anforderungsmanagement.฀Als฀ analytische฀ Methoden฀ lassen฀ sich฀ diverse฀Review-Techniken,฀Test-Methoden฀und฀Metriken฀angeben.฀Die฀ konstruktiven฀ Methoden฀ beinhalten฀Software-Entwicklungsverfahren฀ wie฀z.฀B.฀strukturierte฀Analyse,฀strukturiertes฀ Design,฀ objektorientiertes฀ Design฀ etc.฀ und฀ deren฀ Einzelverfahren฀ wie฀ den฀ Einsatz฀ von฀ Objektmodellen,฀ Zustandsautomaten฀ oder฀ Sequenzdiagrammen. 2.2.4฀Rollen Verantwortlichkeiten฀werden฀innerhalb฀ eines฀ Software-Entwicklungsprojektes฀mit฀Hilfe฀von฀Rollen฀zugeordnet.฀Rollen฀definieren฀sich฀als฀die฀ Summe฀ von฀ zusammenhängenden฀ Teilaufgaben,฀die฀im฀Allgemeinen฀einer฀Person฀oder฀einer฀Gruppe฀von฀Personen฀zugeordnet฀werden.฀Jede฀Rolle฀ hat฀die฀Aufgabe,฀ihre฀vordefinierten฀ Ziele฀zu฀erreichen.฀Beispiele฀für฀Rol- ฀ P M - V E R F A H R E N / K O N Z E P T E P R O J E K T M A N A G E M E N T ฀ 1 / 2 0 0 1 18 len฀ im฀ Software-Entwicklungsprozess฀sind: ฀Projektmanager,฀Software- Entwickler,฀ Qualitätsmanager฀ etc.฀ Innerhalb฀kleinerer฀Projekte฀können฀ einer฀Person฀auch฀mehrere฀Rollen฀zugeordnet฀werden. 2.2.5฀Dokumente Dokumente฀ sind฀ die฀ Teilergebnisse฀im฀Software-Entwicklungsprozess.฀Beispiele฀sind฀Projektpläne฀und฀ -berichte,฀ Entwurfsdokumente,฀ Review-Protokolle฀oder฀ein฀Programmlisting.฀ Ein฀ Methoden-Baukasten฀ (siehe฀ auch฀Abb.฀4฀und฀[3])฀ enthält฀ Beispiele,฀Checklisten฀und฀Vorlagen฀ für฀diese฀Dokumente. 2.3฀Wissens(ver)teilung฀und฀ Wissensbewahrung฀durch฀ein฀ Hypertext-Informationssystem Wissens(ver)teilung฀ geschieht฀ im฀ Wesentlichen฀auf฀die฀folgenden฀zwei฀ Arten: ฀ Groupware-Systeme฀ reprä sentieren฀den฀aktiven฀Ansatz,฀d.฀h.,฀Informationen฀ werden฀ in฀ Abhängigkeit฀bestimmter฀Bedingungen฀ aktiv฀ durch฀ das฀ System฀ an฀ den฀ Nutzer฀ geschickt.฀ Beispielsweise฀ könnte฀durch฀ein฀Groupware-System฀nicht฀nur฀eine฀neue฀Aktivität฀ einem฀Projektteammitglied฀zugeordnet฀werden,฀sondern฀gleichzeitig฀Hilfsinformationen฀zur฀Durchführung฀dieser฀Aktivität. ฀ Intranet-basierte฀ Nachschlagewerke฀stellen฀den฀passiven฀Ansatz฀ dar,฀d.฀h.,฀der฀Nutzer฀muss฀die฀gewünschten฀Informationen฀bei฀Bedarf฀ selbst฀ abrufen.฀ Eine฀ Informationsüberflutung฀ wird฀ damit฀ vermieden฀ (was฀ interessiert฀ den฀ Nutzer฀ die฀ Hilfsinformation฀ für฀ eine฀Aktivität,฀wenn฀er฀sie฀schon฀ mehrfach฀ problemlos฀ durchgeführt฀hat? ). Unter฀Wissensbewahrung฀wird฀die฀ Ablage฀des฀Wissens฀mit฀bestimmten฀ Techniken/ Tools฀(Datenbank,฀XML-฀ oder฀ HTML-Dateien฀ etc.)฀ verstanden.฀ Im฀ konkreten฀ Fall฀ des฀ Methodenbaukastens฀für฀die฀Software-Entwicklung฀ist฀dieser฀-฀um฀einen฀schnellen฀ Zugriff฀ auf฀ Informationen฀ zu฀ gewährleisten฀ -฀ als฀ Hypertext฀ auf฀ der฀Basis฀von฀XML฀und฀HTML฀implementiert฀ worden฀ (siehe฀ Abb.฀ 4).฀ Ein฀weiterer฀Vorteil฀dieser฀Vorgehensweise฀ist,฀dass฀Web-Browser฀wie฀der฀ Internet฀Explorer฀oder฀der฀Netscape฀ Navigator฀mittlerweile฀zur฀Standardausstattung฀ von฀ Entwicklerarbeitsplätzen฀gehören,฀so฀dass฀keine฀gesonderte฀ Installation฀ von฀ zus ätzlichen฀ Werkzeugen฀für฀die฀Clients฀des฀Wissensmanagementsystems฀ nötig฀ ist.฀ Auf฀ der฀ anderen฀ Seite฀ bietet฀ das฀ Medium฀ HTML฀ zus ätzliche฀ Möglichkeiten,฀Informationen฀interessant฀ und฀einprägsam฀zu฀gestalten. In฀ dem฀ Hypertext-Medium฀ wird฀ navigiert,฀indem฀man฀beispielsweise฀ aus฀der฀Navigationsleiste฀das฀Phasenmodell฀anwählt฀(Knopf฀„Phasen“฀in฀ Abb.฀ 5).฀ Von฀ dort฀ gelangt฀ man฀ auf฀ die฀ Leitseite฀ für฀ die฀ jeweilige฀ Phase,฀ die฀Verweise฀auf฀die฀Dokumente฀enthält,฀ die฀ in฀ dieser฀ Phase฀ zu฀ bearbeiten฀sind.฀Wählt฀man฀ein฀Dokument฀ aus,฀so฀erhält฀man฀weitere฀Informationen฀bezüglich฀des฀Verantwortlichen฀ für฀dieses฀Dokument฀und฀der฀beim฀ Bearbeiten฀des฀Dokuments฀anzuwendenden฀ Vorgehensweisen฀ („Methoden“).฀ Darüber฀ hinaus฀ wird฀ auf฀ Beispieldokumente,฀Mustergliederungen฀und฀Checklisten฀verwiesen. 2.4฀Wissensnutzung฀und฀ -bewertung Genauso,฀ wie฀ bei฀ den฀ Prozessabläufen฀ eine฀ ständige฀ Weiterentwicklung฀ in฀ Richtung฀ Optimum฀ anzustreben฀ ist,฀ ist฀ das฀ Wissensmanagement฀ein฀kontinuierlicher฀Prozess,฀in฀ dem฀ die฀ Inhalte฀ einem฀ steten฀ Wandel฀ unterliegen,฀ aber฀ gegebenenfalls฀ auch฀die฀Art฀der฀Durchführung฀des฀ Wissensmanagements฀ zu฀ verbessern฀ ist.฀ Nichts฀ ist฀ für฀ ein฀ Wissensmanagement฀ schlimmer฀ als฀ veraltetes฀ Abb. 4: Ausschnitt aus dem „Methodenbaukasten“ 19 Wissen฀zu฀beherbergen฀(Abb.฀6): ฀Ist฀ das฀Wissen฀von฀schlechter฀Qualität,฀ so฀ wird฀ das฀ Vertrauen฀ in฀ das฀ dargestellte฀Wissen฀abnehmen,฀und฀damit฀ auch฀ über฀ kurz฀ oder฀ lang฀ die฀ Nutzung฀des฀Systems.฀Mit฀einer฀geringen฀ Nutzung฀des฀Systems฀wird฀wiederum฀ die฀ Bereitschaft฀ des฀ Managements฀ abnehmen,฀ Investitionen฀ für฀ dieses฀ Wissensmanagementsystem฀bereitzustellen,฀ wodurch฀ die฀ Wissensqualität฀(aufgrund฀der฀fehlenden฀Ressourcen)฀ noch฀ schlechter฀ wird.฀ Diesen฀ Teufelskreis฀ gilt฀ es฀ von฀ Anfang฀ an฀ durch฀genau฀definierte฀Wissensziele,฀ Einbindung฀und฀Motivation฀der฀späteren฀Nutzer,฀regelmäßiges฀Feedback฀ durch฀ eine฀ Wissensbewertung฀ und฀ ausreichende฀ Unterstützung฀ durch฀ das฀Management฀zu฀vermeiden.฀Wissensbewertung฀ kann฀ beispielsweise฀ die฀Definition฀und฀Auswertung฀von฀ Metriken฀ wie฀ Zugriffshäufigkeiten฀ und฀ Benotung฀ der฀ Wissensseiten฀ durch฀ die฀ Nutzer฀ bedeuten,฀ aber฀ auch฀ die฀ Einbindung฀ eines฀ Changemanagementsystems฀für฀das฀Wissensmanagement. 3 DER EINSATZ EINES METHODENBAU- KASTENS In฀ mittleren฀ und฀ größeren฀ Unternehmen฀ ist฀ ein฀ sinnvoll฀ geplantes฀ und฀durchgeführtes฀Wissensmanagement฀ nicht฀ nur฀ ein฀ deutlicher฀Wettbewerbsvorteil,฀sondern฀in฀besonders฀ schnelllebigen฀ Bereichen฀ ein฀ absolutes฀ „Muss“.฀Wissensmanagement฀ist฀ dabei฀als฀ein฀kontinuierlicher฀Prozess฀ hin฀zur฀ständigen฀Verbesserung฀und฀ als฀Teil฀der฀Unternehmenskultur฀aufzufassen.฀Das฀firmeneigene฀Intranet,฀ das฀in฀der฀IT-Branche฀als฀vorhanden฀ angenommen฀werden฀kann,฀dient฀dabei฀ als฀ ideales฀ Medium฀ zur฀ Umsetzung. Der฀beschriebene฀Ansatz฀des฀„Methodenbaukastens฀ für฀ die฀ Software- Entwicklung“฀ entstand฀ und฀ reifte฀ im฀Lauf฀verschiedener฀Beratungsprojekte,฀ in฀ denen฀ 3SOFT฀ mehreren฀ Unternehmen฀ dabei฀ half,฀ Wissenssysteme฀ für฀ das฀ firmeneigene฀ Intranet฀ aufzubauen.฀ Die฀ Unternehmen฀ als฀Ganzes,฀aber฀auch฀die฀einzelnen฀ an฀ den฀ Software-Entwicklungsprojekten฀ beteiligten฀ Mitarbeiter฀ können฀in฀mehrfacher฀Hinsicht฀Nutzen฀ aus฀ dem฀ Methoden-Baukasten฀ zie- Abb. 5: Methodenbaukasten: Skizze der Navigationsstruktur Wissensqualität Nutzung฀des฀Sy stems Vertrauen฀in฀das฀Wissen Investitionen ...฀wird฀noch฀schlechter ...฀nimmt฀weiter฀ab ...฀geht฀weiter฀zurück ...฀werden฀nicht vorgenommen Abb. 6: Teufelskreis einer Wissensbasis ฀ P M - V E R F A H R E N / K O N Z E P T E P R O J E K T M A N A G E M E N T ฀ 1 / 2 0 0 1 20 hen฀ (siehe฀ Kasten฀ auf฀ S.฀ 13).฀ Das฀ Spektrum฀ umfasst฀ dabei฀ sowohl฀ kleine฀ und฀ mittlere฀ Unternehmen฀ als฀ auch฀ Großunternehmen,฀ bei฀ denen฀ der฀ dort฀ eingesetzte฀ Methoden- Baukasten฀die฀unternehmensweit฀verbindliche฀ Entwicklungsleitlinie฀ darstellt.฀Entsprechend฀können฀die฀Projektgrößen฀ von฀ Kleinprojekten฀ (ca.฀ 5฀Mitarbeiter)฀bis฀zu฀echten฀Großprojekten฀in฀einer฀Größenordnung฀von฀ 100฀Mitarbeitern฀variieren.฀ Literatur [1] Balzert, H.: Lehrbuch der Software-Technik: Software-Entwicklung. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 1996 [2] Balzert, H.: Lehrbuch der Software-Technik: Software-Management, Software- Qualitätssicherung, Unternehmensmodellierung. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 1998 [3] Barthel, A./ Hindel B./ Schmied J.: Stein auf Stein - Definition des Software-Entwicklungsprozesses nach einem Baukasten. In: Qualität und Zuverl ä ssigkeit. Hanser Verlag, April 2000 [4] Chen, P.: The Entit y-Relationship Model - Towards a Unified View of Data. In: ACM Transactions on Database Systems, Vol. 1, No. 1, Mä rz 1976, S. 9-36 [5] Harel, D.: A Visual Formalism for Complex Systems. In: Science of Computer Programming. Elsevier Science Publishers (North Holand), 1987 [6] Probst, G./ Romhardt, K.: Bausteine des Wissensmanagements - ein praxisorientierter Ansatz. In: Dr. Wieselhuber & Partner Unternehmensberatung (Hrsg.): Lernende Organisation. Gabler-Verlag, 1997 [7] Software Engineering Institute: Capability Maturity Model (CMM). http: / / www.sei.cmu.edu/ cmm/ cmms/ cmms.html [8] Sommerville, I.: Software-Engineering. Addison-Wesley, 1996 [9] Wallmüller, E.: Ganzheitliches Qualitätsmanagement in der Informationsverarbeitung. Hanser Verlag, 1995 Autor Dr. Jürgen Schmied, geb. 1967, studierte und promovierte im Fach Informatik an der Universität Würzburg mit dem Schwerpunkt Dokumentenmanagement und -reprä sentation; parallel führte er Lehraufträ ge zum Thema „Betriebssysteme“ an der Fachhochschule Fulda durch; seit Anfang 1998 ist er als Berater für die Themen Software- Qualität und Software-Entwicklungsprozesse bei der 3SOFT GmbH tätig und leitet seit dem Frühjahr 2000 das Gesch ä ftsfeld SPI. Parallel hierzu tritt er bei internationalen Fachtagungen und Seminarveranstaltungen als Referent rund um das Thema „Software Process Improvement“ auf. Anschrift 3SOFT GmbH Gesch ä ftsfeld SPI Wetterkreuz 19a D -91058 Erlangen Tel.: 09131/ 77 01-1 46 Fax: 09131/ 77 01-3 44 E -Mail: Juergen.Schmied@3SOFT.de Internet: http: / / www.3SOFT.de