eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 13/2

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0886
UVK Verlag Tübingen
61
2002
132 Gesellschaft für Projektmanagement

„Das Ausland schätzt deutsche Projektmanager!“

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2002
Oliver Steeger
Projektmanagement-Berater Otto Zieglmeier hat in seinem internationalen Netzwerk nachgeforscht: Ausländische Kollegen zeichnen ein gutes Bild des deutschen Projektmanagers. Gut ausgebildet sei er, methodenkompetent und zuverlässig. Doch kein Licht ohne Schatten. „Man sagt deutschen Projektleitern auch eine etwas zu starke Technikverliebtheit und eher weniger pragmatischen ökonomischen Sinn nach“, meint Otto Zieglmeier.
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P R O J E K TMANA G E M E N T 2 / 2 0 0 2 13 Oliver Steeger Projektmanagement-Berater Otto Zieglmeier hat in seinem internationalen Netzwerk nachgeforscht: Ausländische Kollegen zeichnen ein gutes Bild des deutschen Projektmanagers. Gut ausgebildet sei er, methodenkompetent und zuverlässig. Doch kein Licht ohne Schatten. „Man sagt deutschen Projektleitern auch eine etwas zu starke Technikverliebtheit und eher weniger pragmatischen ökonomischen Sinn nach“, meint Otto Zieglmeier. „Das Ausland schätzt deutsche Projektmanager! “ Interview mit Projektmanagement-Berater Otto Zieglmeier Herr Zieglmeier, das deutsche Niveau des Projektmanagements verglichen mit dem weltweiten Projektmanagement - wo stehen wir? Otto Zieglmeier: Wo wir genau stehen, lässt sich kaum messbar ausdrücken. Es ist ohnehin ein Problem, von dem Projektmanagement so allgemein zu sprechen. Nun, langsam. Man spricht ja auch von dem Niveau des deutschen Fußballs. In diesem Sinne ist die Frage gemeint. Otto Zieglmeier: Legen wir meine Beobachtungen, Erfahrungen und das, was ich von ausländischen Kollegen erfahre, zugrunde, dann nehmen wir eine anerkannte gute Position ein. Man schätzt die Qualität unserer Projektmanagement-Arbeit, dabei stehen der Methodik-Mix und die Zuverlässigkeit in der Umsetzung im Vordergrund. Damit können wir weltweit konkurrieren. Besonderes Augenmerk müssen wir in diesem Zusammenhang auf gute Sozialkompetenz der Projektmanager richten. Zudem sind internationale Erfahrung und Fremdsprachen entscheidend für unseren Erfolg in interkulturellen Projekten. Also durchaus Chancen für eine Weltmeisterschaft, wenn es sie gäbe? Otto Zieglmeier: Ja, gute Chancen. Eine Art Weltmeisterschaft gibt es ja. Wir haben den „Internationalen Projektmanagement Award“ der GPM. Hier stellen sich Projektteams dem internationalen Vergleich. Das Thema internationales Benchmarking scheint an Bedeutung zu gewinnen, nicht zuletzt auch des Awards wegen? Otto Zieglmeier: Auf jeden Fall. Ich habe beobachtet, dass das Thema Projektmanagement in vielen anderen Ländern in den letzten Jahren stark an Interesse und Bedeutung gewonnen hat. Das gilt nicht nur für die klassischen Industrienationen. Auch in osteuropäischen Ländern, in Asien und im mittleren Osten erkennt man die Bedeutung des Projektmanagements. Der globale Wettbewerb und die Zusammenarbeit in Projekten mit Otto Zieglmeier, Projektmanagement-Berater und GPM-Experte für internationales Projektmanagement Foto: privat P R O J E K TMANA G E M E N T 2 / 2 0 0 2 14 REPORT den Industrienationen erfordern Bestleistungen. Benchmarking spielt dabei eine große Rolle. Projektteams und Unternehmen wollen wissen, wo ihr Projektmanagement steht und wie sie sich verbessern können. Ein Benchmarking-Boom? Otto Zieglmeier: Kein Boom, aber ein starker Trend. Begünstigt wird dies von der Qualitätsmanagement-Bewegung, die sich ja fast weltweit verbreitet hat. Ich sehe nur die Gefahr, dass mancherorts das Pferd von hinten aufgezäumt wird. Bevor man Benchmarking betreibt, muss man Projektmanager fundiert ausbilden. Also erst Qualifizierung, dann Benchmarking. Benchmarking liefert harte Vergleichsfakten. Doch es gibt auch so etwas wie ein Image, das deutsche Projektmanager und deutsches Projektmanagement im Ausland haben. Wie schätzt man uns ein? Otto Zieglmeier: Deutsche Projektmanager gelten im Ausland als methodensicher und gut, teilweise exzellent ausgebildet. Wir hatten beispielsweise bei der GPM kürzlich eine chinesische Delegation zu Gast, die sich nach unserem Projektmanagement erkundigte. Man sagt deutschen Projektleitern eine etwas zu starke Technikverliebtheit und eher weniger pragmatischen ökonomischen Sinn nach. Tendenziell, versteht sich. Problematisch sind gewisse Ressentiments, die im Ausland gegenüber deutschen Projektleitern vorherrschen. Otto Zieglmeier: Richtig. Durch Einzelfälle werden solche Vorurteile weiterhin genährt, auch zurückliegende Erfahrung und unsere Geschichte nähren im Ausland diese Voreingenommenheit. Beispielsweise müssen wir mit dem Vorurteil, deutsche Projektmanager seien besserwisserisch und belehrend, sensitiver umgehen, besonders als Führungskräfte. Kein Kompliment an die Adresse der Deutschen. Otto Zieglmeier: Dies ist vorerst ein Vorurteil und man hat faire Chancen den Eindruck zurechtzurücken. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Die GPM hat im letzten Jahr für den Internationalen Projektmanagement Award 61 Assessoren aus 16 Nationen ausgebildet. Das waren Projektmanagement-Fachleute ersten Ranges. Sie waren begeistert nicht nur von der Kompetenz, sondern auch von der Kooperationsbereitschaft und Umgänglichkeit der deutschen Kollegen. Also nicht nur Achtung, sondern auch zunehmend Sympathie für deutsche Projektmanager? Otto Zieglmeier: Ich habe im Ausland immer große Offenheit uns gegenüber festgestellt. Das Bild, das man sich anderswo von deutschen Projektmanagern macht, wandelt sich, ganz klar. Jetzt ist es an uns, diese Offenheit zu unserem Vorteil zu nutzen. ■ Anzeige