eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 16/1

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
31
2005
161 Gesellschaft für Projektmanagement

Aufwands-/Kostenschätzung für Software-Entwicklungsprojekte

31
2005
Mey Mark Meyer
Die Schwerpunktbeiträge in dieser Ausgabe befassen sich mit parametrischen Schätzverfahren im Allgemeinen und der Function-Point-Methode im Speziellen. Konsequenterweise steht auch die Software-Produktvorstellung dieses Mal im Zeichen der Kostenschätzung: CostXPert bietet algorithmische Kostenschätzung auf der Basis von CoCoMo II und enthält hierfür Erfahrungswerte aus über 20.000 Softwarentwicklungsprojekten.
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45฀฀ markt eine immer stärkere Bedeutung. Das betrifft nicht nur die Zertifikate, die zum Projektmanagement ausgestellt werden. Inwiefern erhalten sie eine stärkere Bedeutung? Die Erstauswahl von Bewerbungen erfolgt nach den eingereichten Unterlagen, denen ja Zertifikate beiliegen. Personalabteilungen wollen ihre Entscheidungen absichern und auf neutrale, objektive Argumente stützen. Ein Arbeitszeugnis, das ja keine negativen Aussagen beinhalten darf, kommt dafür nur bedingt in Frage. Also stützt man sich auf Zertifikate. Manche Seminaranbieter verleihen den Titel Projektmanager schon nach dem Besuch von kurzen Seminaren … Hier ist Misstrauen angebracht! Eine Berufsbezeichnung Projektmanager sollte erst verliehen werden, wenn der Unterricht ein halbes Jahr in Vollzeit gedauert hat. Wenn aber Berufsbezeichnungen so leichtfertig vergeben werden - wie sieht es dann um die Glaubwürdigkeit der Zertifikate aus? Eine allgemeine Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Der freie Markt entscheidet über den Wert einzelner Zertifikate. Dies geht sogar so weit, dass sich der Wert einzelner Zertifikate von Unternehmen zu Unternehmen unterscheidet. Wie darf ich das verstehen? Es geht letztlich um die Frage, ob die jeweiligen Zertifikate glaubwürdig für die Personalabteilungen sind. Die Institution, die sie ausstellt, muss einen guten Ruf haben und die nötige Objektivität, Neutralität und Verlässlichkeit dokumentieren. Es kommt also nicht nur darauf an, welche Kompetenzen in dem Zertifikat bescheinigt werden - sondern auch, wer diese Bescheinigung vornimmt? Richtig. Was sollte ein Zertifikat über die Weiterbildung aussagen? Wesentliche Inhalte, Dauer der Ausbildung und Teilnehmerauswahl. Die Kompetenztiefe muss aufgezeigt werden. Eine Note sollte dokumentieren, wie gut jemand abgeschnitten hat. Was sollte es über den Anbieter aussagen? Informationen, die das Image des Ausstellers stützen: seine internationalen Kooperationen beispielsweise. Wenn das Zertifikat für die Teilnahme an einem Qualifizierungsangebot ausgestellt wird, sollte auch verzeichnet werden, ob eine dritte Instanz dieses Angebot akkreditiert hat. Diese akkreditierende Instanz müsste als Institution oder als Person über eine entsprechende Reputation verfügen. Wie gehen Unternehmen bei der Bewertung einzelner Zertifikate vor? Vorteilhaft ist es in jedem Fall, wenn der Aussteller des Zertifikats in dem Unternehmen bekannt ist und einen guten Ruf hat. Zusätzlich spielen die individuellen Erfahrungen eine Rolle, die ein Unternehmen mit Trägern dieser Zertifikate gemacht hat. Häufig ist es so, dass ein Unternehmen probeweise einen oder zwei Träger eines Zertifikats einstellt und beobachtet, wie sie sich entwickeln. Überzeugen die Leistungen, wird auch das Zertifikat gestützt. Das meine ich damit, wenn ich sage, dass der Markt den Wert der Zertifikate frei verhandelt. So sehr die Zertifikate ein Segen für Projektmanager sind: Auf den ersten Blick scheint es eher ungewöhnlich, dass man allein mit Zertifikaten die Qualifikation für verantwortungsvolle Tätigkeiten wie Projektmanagement nachweisen kann. So ungewöhnlich ist dies gar nicht. Wie gesagt, viele Berufe und berufliche Tätigkeiten sind in Deutschland ungeschützt. Ungeschützt heißt: Jeder kann diese Berufsbezeichnung benutzen. Es hat seinerzeit beispielsweise eine lange Diskussion darüber gegeben, ob die Bezeichnung Ingenieur geschützt werden soll. Man hat sie nicht geschützt, dafür aber mit Zusätzen versehen, beispielsweise mit dem Diplom. „Eine฀Berufsbezeichnung฀Projektmanager฀sollte฀erst฀ verliehen฀werden,฀wenn฀der฀Unterricht฀ein฀halbes฀ Jahr฀gedauert฀hat.“ Wie sind die Aussichten, dass auf ähnlichem Weg die Grenzen auch für den Beruf Projektmanager enger gezogen werden? Solche Impulse gehen entweder von Arbeitgebern, ihren Vereinigungen oder von Berufs- oder Fachverbänden aus. Hier fällt ins Gewicht, welche Bedeutung diese Verbände haben und welchen Stellenwert der Beruf für die Wirtschaft hat. In jüngerer Vergangenheit haben IT-Verbände durchgesetzt, dass eine Reihe neuer IT-Berufe als Ausbildungsberufe anerkannt und geschützt werden. Welche Funktion haben bei solchen Prozessen die Fach- und Berufsverbände? Die Rolle dieser Verbände darf man nicht unterschätzen, gleich, ob es Verbände der Industrie oder Berufs- und Fachverbände sind. Von ihnen geht häufig die Initiative aus, und sie machen auch mit Öffentlichkeitsarbeit den nötigen Druck. Zumeist sind sie es auch, die die Berufsbilder definieren. Besteht die Chance, dass Projektmanagement zu einem Ausbildungsberuf wird? Man sollte die berufliche Weiterbildung nicht unterschätzen. Viele, die sich im Projektmanagement qualifizieren, kommen aus der Praxis. Ihr Qualifizierungsbedarf ergibt sich aus ihrer aktuellen Tätigkeit. Sie wollen Wissen vertiefen oder verbreitern. In der Weiterbildung reflektieren sie ihr Wissen, verinnerlichen es und ordnen es ein. Auch werden Lücken gefüllt. Das ist ein guter Weg. Wichtig ist nur, dass diese berufliche Weiterbildung detailliert und objektiv dokumentiert wird. projekt฀ M A N A G E M E NT ฀ 1/ 20 0 5 aktuell 46฀฀ KARRIERE ■ Premiere für das Projektmanagement-Diplom: Die ersten elf Dipl.- Projektmanager (FH) haben jetzt ihr Studium an der Fachhochschule Gießen-Friedberg abgeschlossen. Auf einer Feier in Bad Nauheim übergaben Professor Ulrich Vossebein, Professor Richard Roth und Professor Nino Grau die Urkunden. „Der staatlich anerkannte Abschluss öffnet vielen Absolventen auf dem Arbeitsmarkt ganz neue Türen“, unterstrich Vossebein. Wie aufmerksam Unternehmen das neu geschaffene Diplom verfolgen, zeige sich darin, dass Siemens, Audi und ABB robotics den Studiengang unterstützen. Was ihn freute: Zur feierlichen Diplomübergabe erschienen auch Vorgesetzte der Absolventen und gratulierten zum Erfolg. So wurde beispielsweise Friedrich Schöngarth (44) von seinem Abteilungsleiter begleitet. Der Gießener Projektmanager und Architekt ist beim Hessischen Baumanagement tätig. „Man stand mit Interesse und Teilnahme hinter meinem Studium“, berichtet er. Schöngarth hatte wie auch Tanja Kaul (34) und Thomas Diegelmann (36) seinerzeit aus der Tageszeitung von dem neuen Projektmanagement-Studium erfahren. Der weite Fokus des berufsbegleitenden Studiums reizte sie; neben Projektmanagement stehen allgemeines Management, interkulturelle Arbeit sowie Business English auf dem Curriculum. Friedrich Schöngarths Architekturstudium hatte in den achtziger Jahren das Thema Projektmanagement nicht einmal berührt. Heute gehört Projektmanagement zum täglichen Handwerkszeug im „Hessischen Baumanagement“, einem Unternehmen, das sich als ehemals staatliche Behörde jetzt dem Wettbewerb mit Anbietern aus der Wirtschaft stellt: ein klares Signal für den Architekten, sich weiter zu qualifizieren. „Nach dem Ende meines Studiums hoffe ich jetzt, mich bei größeren Projekten profilieren zu können“, sagt Schöngarth. Ein Wunsch, der durch anstehende Bauvorhaben gute Chancen auf Erfüllung hat. Indes, nicht nur für das aktive Projektmanagement leistet die Qualifikation gute Dienste. „In unserem Haus wickeln wir kleine und mittlere Projekte selbst ab“, berichtet Schöngarth, „größere Projekte lassen wir von externen Projektsteuerern begleiten.“ Um deren Leistung bewerten zu können, benötige er selbst profunde Projektmanagement-Kenntnisse. „Ein Auftraggeber kann halt nicht das gesamte Projektmanagement ungeprüft delegieren“, unterstreicht Schöngarth. Den beiden Frankfurter Volljuristen Tanja Kaul und Thomas Diegelmann dient das Studium gewissermaßen als „Grundstein“, auf dem sie sich beruflich breiter aufstellen wollen. „Ich habe in Projekten einer Frankfurter Bank mitgewirkt“, berichtet Thomas Diegelmann. Diese ersten Erfahrungen wollte er gezielt vertiefen. Er suchte eine Ausbildung, die Wissen vermittelt und mit einem akademischen Abschluss elegant in den Lebenslauf eines Juristen passt. Jetzt will Thomas Diegelmann seine beiden Qualifikationen miteinander verbinden und auf Rechtsfragen im Projektmanagement ausdehnen. Erster Schritt auf diesem Weg: Seine Diplomarbeit (gemeinsam mit Kommilitonin Tanja Kaul verfasst) steht unter der Überschrift „Recht im Projekt - Praxisrelevante rechtliche Aspekte im Projektmanagement und in der Projektmanagementausbildung“. „Auch in unserer Bank haben Projekte immer mehr an Bedeutung gewonnen“, berichtet Tanja Kaul, „deshalb ist ein gewisses Basiswissen im Projektmanagement förderlich.“ Doch Projekte zu managen kann man nur eingeschränkt lernen, indem man nur den Profis über die Schulter schaut. Nach dem Motto „ganz oder gar nicht“ entschied sie sich für das Studium an der FH Gießen-Friedberg. „Es ist für Arbeitgeber reizvoll, wenn man beide Qualifikationen zum Recht und zum Projektmanagement mit jeweils einem staatlich anerkannten Abschluss einbringen kann“, meint die 34-jährige Volljuristin; zumal Diplom-Projektmanager in Deutschland derzeit noch selten sind - und diplomierte Projektmanagerinnen noch seltener. Es gibt nämlich erst zwei … Das Sommersemester des Diplomstudiengangs „Projektmanagement (FH)“ startet am 14. März 2005 (Einschreibefrist bis 28. Februar 2005; Studiengebühren 10.500 EUR; GPM-Mitglieder erhalten zehn Prozent Rabatt). Weitere Informationen: Fachhochschule Gießen-Friedberg (Standort Friedberg), Professor Dr. Ulrich Vossebein, Tel.: 0 60 31/ 60 45 53, E-Mail: Ulrich.Vossebein@wp.fh-friedberg.de, www.fh-friedberg.de/ pm Oliver฀Steeger Elfmal฀ein฀Diplom฀für฀die฀Karriereplanung Friedrich฀Schöngarth฀(44)฀aus฀Gießen฀ freut฀sich฀über฀das฀Interesse฀seines฀ Arbeitgebers฀am฀Projektmanagement- Diplom. Tanja฀Kaul,฀Volljuristin฀mit฀Zusatzqualifikation฀„Diplom-Projektmanager฀(FH)“฀ aus฀Frankfurt Thomas฀Diegelmann,฀von฀ersten฀ Bankprojekten฀zum฀PM-Diplom Foto: ฀privat Foto: ฀privat aktuell projekt฀ M A N A G E M E NT ฀ 1/ 20 0 5 L ei der w ur den i n H ef t 1/ 2005 von pr oj ek t M A - NAGEMENT aktuell im Artikel „Elfmal ein Diplom für die Karriereplanung“ auf Seite 46 die Fotos von Herrn Friedrich Schöngarth und Herrn Thomas Die gel m ann ver t auscht und den f al schen Bi l dunt er schr i ften zugeordnet. Die Redaktion bittet um Entschuldigung. 47฀฀ ■ Über 200 Projektmanager haben sich an der Gehaltsstudie, die die GPM erstmals in diesem Jahr durchgeführt hat, beteiligt. Damit wurde eine Datenbasis erhoben, auf deren Grundlage wesentliche Zusammenhänge zwischen der Ausbildung, der aktuellen Tätigkeit, der beruflichen Erfahrung sowie dem Gehalt aufgezeigt werden können. Ähnliche Studien, wie sie bereits häufiger bei anderen Berufsgruppen durchgeführt wurden, gelten Vorgesetzten und Personalleitern nicht selten als „objektive“ Grundlage für Gehaltsverhandlungen. Diese Orientierungsfunktion haben die Studien natürlich auch für die Bewerber, so dass die Verhandlungen auf einer gemeinsamen Informationsbasis geführt werden können, die den aktuellen Markt widerspiegelt. Darüber hinaus bietet die Studie einen sehr guten Einblick in die aktuelle Arbeitsmarktsituation von Projektmanagern. Wie viel Prozent der Projektmanager arbeiten ausschließlich in Projekten? Wie lange arbeiten sie durchschnittlich pro Woche und wie verteilt sich ihre Arbeitszeit? Wie viel Prozent der Projektleiter haben sowohl im Projekt als auch außerhalb von Projekten Führungsaufgaben? Welchen Anteil haben internationale Kontakte? Die Vielfältigkeit der Analysemöglichkeiten auf Grundlage der Studie ist in der Abbildung schematisch dargestellt, wobei der explizite Ausweis von Abhängigkeiten eine entsprechend große Teilgruppe in der Stichprobe voraussetzt. Die ersten Auswertungen zeigen, dass die Studie einen breiten Bereich des Projektmanagements abdeckt. Beispielsweise ergibt sich beim Alter der Befragungsteilnehmer eine Spanne von Mitte 20 bis fast 70 Jahren. Einige Befragte arbeiten nur zu einem geringen Anteil in Projekten, andere dagegen die gesamte Arbeitszeit. Große Unterschiede ergeben sich auch bei der Weiterbildung im Bereich Projektmanagement. Geringen Weiterbildungsaktivitäten stehen hier intensive Qualifizierungsmaßnahmen mit mehreren Zertifikaten gegenüber. Eine beeindruckende Spannbreite ergab sich auch beim Projektvolumen. Kleinprojekte mit einem Budget von einigen Tausend Euro treten ebenso auf wie Großprojekte mit Budgets von über 1 Mrd. Euro. Preise฀im฀Wert฀von฀über฀ 5.000฀EUR฀verlost! Die Ergebnisse der Studie sollen neben der Beschreibung der aktuellen Situation im Projektmanagement auch dazu dienen, weitere Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Karriereentwicklung im Projektmanagement zu erhalten. Dieses Thema wird alle, die mit Projekten zu tun haben (und dies werden immer mehr), zukünftig noch stärker interessieren, da nach und nach die bisherigen Strukturen in vielen Unternehmen durch eine Projektorganisation ersetzt werden. D. h., neben der Linien- und Fachlaufbahn muss eine „Projektlaufbahn“ entwickelt werden. Zur Erfassung und Verfolgung dieser erwarteten Veränderungen wird die Studie zukünftig regelmäßig durchgeführt. In der nächsten Ausgabe soll an dieser Stelle ausführlicher über die Ergebnisse der Studie berichtet werden. Die GPM bedankt sich bei allen teilnehmenden Projektmanagern und freut sich, dass die erste von ihr durchgeführte Gehaltsstudie eine so beachtliche Resonanz gefunden hat. Jeder Teilnehmer an der Studie wird von der kommenden Auswertung der Daten profitieren, setzt sie ihn doch in die Lage, sein Einkommen in einem objektiveren Licht zu sehen und es mit seiner Karriereentwicklung in Beziehung zu setzen. Drei Befragte haben aber noch mehr Grund zur Freude. Alle Teilnehmer haben nämlich an der Verlosung von drei wertvollen Sachpreisen teilgenommen. Erster Preis - ein Semester im Weiterbildungsstudiengang zum Diplom-Projektmanager/ Projektmanagerin (FH) an der Fachhochschule in Friedberg im Wert von 4.000 EUR - geht an Herrn Oliver Bischoff aus München. Der zweite Preis - Teilnahme an einem bis zu dreitägigen Seminar der GPM - geht an Herrn Carsten Borth in CH-9443 Widnau. Den dritten Preis - eine Flasche Champagner - darf Herr Klaus Helbig aus Münster sein Eigen nennen. Allen drei Gewinnern sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt und gratuliert. Prof.฀Dr.฀Nino฀Grau,฀GPM-Vorstand, N.Grau@GPM-IPMA.de Ulrich฀Vossebein,฀Fachhochschule฀ Gießen-Friedberg Erste฀Ergebnisse฀der฀GPM-Gehaltsstudie฀im฀Projektmanagement Ausbildung Weiterbildung Berufliche Erfahrung Projektmanager Position im Projekt Entscheidungsbefugnis Anzahl Mitarbeiter PM-Ebene Gehalt Grundgehalt Sonderleistungen Arbeitsstunden Region, Branche, Unternehmensgröße (Umsatz, Mitarbeiter), Funktion, Projektgröße Auswertungsschema฀für฀die฀Gehaltsstudie GPM-Mitarbeiterin฀Regina฀Simon฀und฀GPM-Vorstände฀(von฀ links)฀Siegfried฀Seibert฀und฀Nino฀Grau฀bei฀der฀Ziehung฀der฀ Gewinner฀der฀Gehaltsumfrage Foto: ฀GPM projekt฀ M A N A G E M E NT ฀ 1/ 20 0 5 aktuell