eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 18/4

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
121
2007
184 Gesellschaft für Projektmanagement

„PM-Qualifizierung ist heute ein Klassiker, ein Selbstläufer“

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2007
Oliver Steeger
Eine Weiterbildungsstudie hat jüngst die Projektmanagementtrainer verunsichert: Nach Einschätzung von Unternehmen wird die Bedeutung der Projektmanagementqualifizierung künftig sinken. Nur etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen, für die PM-Trainings heute Priorität haben, glauben auch an die künftige Bedeutung des Themas. Ist der Zenit des Booms überschritten? Jürgen Graf, Autor dieser Studie und Redakteur bei dem renommierten Weiterbildungsfachverlag „managerSeminare“, sieht indes keinen Grund für Besorgnis. Zum einen sind die ermittelten Einschätzungen keine Prognosen. Zum anderen: Die Projektmanagementausbildung hat sich im Weiterbildungsmarkt fest etabliert. Und viele Projektmanagementtrainer sind mit ihrem Mischangebot aus Organisationsberatung und Qualifizierung gut aufgestellt.
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49 KARRIERE projekt M A N A G E M E NT 4/ 20 07 aktuell Herr Graf, Sie haben in Ihrer Studie einen beunruhigenden Befund veröffentlicht. Unternehmen schätzen die Bedeutung des Projektmanagementtrainings derzeit als hoch. Doch sie erwarten, dass die Bedeutung zukünftig abnimmt, stark abnimmt. Sturmwolken am Schönwetterhimmel? Jürgen Graf: Wir haben in unserer Studie das Projekt- und Prozessmanagement zusammengefasst. Die Zahlen: 40,8 Prozent der Unternehmen schätzen dieses Weiterbildungsthema momentan als bedeutsam. Doch nur 23,5 Prozent der Unternehmen geben ihm auch Bedeutung für die Zukunft. Dies ist ein Rückgang um 17,2 Prozent, den zweithöchsten Rückgang, den wir bei den zwanzig untersuchten Weiterbildungsthemen registriert haben. Droht Ihrer Meinung nach den Projektmanagementtrainern ein Geschäftseinbruch? Langsam, wir sprechen von Einschätzungen. Daraus leite ich keine Prognose ab. Mit einer solchen Ableitung betritt man schnell dünnes Eis, wie sich in der Vergangenheit schon mehrmals gezeigt hat. Inwiefern? Ich nenne ein Beispiel. Dem Thema Stressmanagement/ Gesundheit attestieren Unternehmen seit Jahren eine hohe Zukunftsbedeutung, doch keine momentane Bedeutung. Wer vor vier Jahren aus diesen Zahlen abgeleitet hat, dass heute Stressmanagementtrainings gut laufen - der hat sich in den Finger geschnitten. Über das Problembewusstsein sind die Unternehmen hier nicht hinausgekommen. Trainings zum Thema Gesundheit werden aktuell vergleichsweise wenig nachgefragt. Was spricht gegen einen Geschäftseinbruch beim Projektmanagementtraining? Das Projektmanagement ist in der Personalentwicklung ein zentrales Thema. Man darf von einem Klassiker sprechen, sogar von einem Selbstläufer. Außerdem sind Projektmanagementqualifizierungen zumeist unmittelbar mit der Organisationsentwicklung verbunden, beispielsweise mit dem Aufbau einer Projektmanagementabteilung. Solche Verknüpfungen von Qualifizierungen und Organisationsentwicklung entsprechen derzeit der Strategie vieler Personalentwickler. Das Produkt passt einfach gut in den Markt. Ich bin der Meinung, dass Projektmanagementtraining in den nächsten zwei bis drei Jahren wie bisher nachgefragt wird. Ihre Studie zum Weiterbildungsmarkt liegt zum elften Mal vor. Nachdem Sie in den Vorjahren von schrumpfenden Qualifizierungsbudgets und rückläufigen Märkten berichten mussten, haben Sie diesmal gute Nach- „PM-Qualifizierung ist heute ein Klassiker, ein Selbstläufer“ Weiterbildungsfachmann Jürgen Graf: Gute Marktchancen für PM-Trainings Oliver Steeger Eine Weiterbildungsstudie hat jüngst die Projektmanagementtrainer verunsichert: Nach Einschätzung von Unternehmen wird die Bedeutung der Projektmanagementqualifizierung künftig sinken. Nur etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen, für die PM-Trainings heute Priorität haben, glauben auch an die künftige Bedeutung des Themas. Ist der Zenit des Booms überschritten? Jürgen Graf, Autor dieser Studie und Redakteur bei dem renommierten Weiterbildungsfachverlag „managerSeminare“, sieht indes keinen Grund für Besorgnis. Zum einen sind die ermittelten Einschätzungen keine Prognosen. Zum anderen: Die Projektmanagementausbildung hat sich im Weiterbildungsmarkt fest etabliert. Und viele Projektmanagementtrainer sind mit ihrem Mischangebot aus Organisationsberatung und Qualifizierung gut aufgestellt. Foto: Verlag managerSeminare PM_4_07.indd 49 04.10.2007 13: 14: 45 Uhr 50 KARRIERE aktuell projekt M A N A G E M E NT 4/ 20 07 richten. Die Budgets der Unternehmen sind wieder besser ausgestattet, man investiert mehr Geld in die Qualifikation von Mitarbeitern. So ganz ungetrübt ist das Bild leider nicht. Die Budgets für Qualifizierung werden in der Tat erhöht, das ist richtig. Auch stimmt es, dass sich die Auftragslage für Trainer verbessert. Doch wir beobachten eine Zweiteilung des Marktes. Die meisten Trainer müssen bei besserer Auftragslage sinkende Tageshonorare hinnehmen. Nur eine kleine Gruppe von Trainern kann ihre Tagessätze gegen den Marktdruck verteidigen oder sie sogar erhöhen. Welche Trainer stehen im Markt derzeit gut da? Diejenigen, die die veränderte Weiterbildungsstrategie der Unternehmen unterstützen. Die Unternehmen gehen heute sehr zielgerichtet bei ihren Qualifizierungsmaßnahmen vor. Vor der Weiterbildung steht zunächst die Organisationsentwicklung. Die Unternehmen leiten ihren Weiterbildungsbedarf beispielsweise direkt aus dem Umbau bestehender oder dem Aufbau neuer Abteilungen ab. Zunächst wird das Unternehmen verändert, dann die erforderliche Qualifikation eingekauft? Ja. Die Weiterbildung ist heute eng mit solchen Großprojekten verknüpft. Dies war vor einigen Jahren noch anders. Damals konnte fast jeder Mitarbeiter, der Weiterbildung wünschte, auch an Trainings teilnehmen. Das Gießkannenprinzip? Wenn Sie es so bezeichnen wollen, ja. Doch diese goldenen Zeiten in der Weiterbildung sind passé, und sie werden so schnell nicht zurückkehren. Trainer müssen sich heute als Partner in die großen Entwicklungsprojekte einbringen. Einbringen - das heißt? Spitzentrainer blicken über den Tellerrand ihres Qualifizierungsangebots hinaus. Sie haben das Gesamtprojekt ihres Kunden im Blick, beispielsweise den Aufbau oder Umbau einer ganzen Abteilung. In solche Projekte bringen die Trainer ihre Erfahrung und ihr Wissen ein. Sie wirken bei der Bedarfsermittlung mit, passen ihre Seminare und Trainings dem Projekt und dem Unternehmen an, und sie betreuen das Projekt auch nach ihren Seminaren. Also ein Rundum-Paket? Unternehmen fordern ein solches Paket von ihren Trainern. Wer nur Standardseminare im Koffer hat, tut sich immer schwerer. Für Standardtrainings buchen die Unternehmen heute gerne preiswerte junge Trainer. In diesem Segment wird mit dem spitzen Bleistift gerechnet. Vielen Projektmanagementtrainern ist die Vorgehensweise geläufig, Organisationsentwicklung und Qualifizierung miteinander zu verbinden. Eine große Zahl der Trainer ist zugleich als Unternehmensberater tätig. Vielleicht haben Projektmanagementtrainer damit Pionierarbeit für den gesamten Trainingsmarkt geleistet. In anderen Bereichen, beispielsweise im Verkauf, haben viele ihrer Kollegen Schwierigkeiten mit dieser Herausforderung. Dort muss man noch mehr umdenken. Aus Ihrer Studie geht hervor, dass die Trainingshonorare für offene Seminare sinken. Dennoch werden nach wie vor viele Seminare offen angeboten. Ein Fehler? Es ist richtig, dass offene Seminare schwierig zu vermarkten sind. In diesem Bereich sind Nachfrage und Tageshonorare rückläufig. Aber: Auch Spitzentrainer bieten offene Seminare an und nutzen sie als Marketinginstrument. Viele Unternehmen halten derzeit Ausschau nach neuen Kräften. Offene Seminare werden häufig gebucht, um auf diesem Weg neue Trainer und ihre Arbeitsweise unmittelbar kennenzulernen. Ihrer Beobachtung nach können sich Trainer vor allem dann im Markt behaupten, wenn sie Weiterbildung als ein Organisationsentwicklungsprojekt begreifen und sich in dieses Projekt einbringen. Werden nicht dann aus Trainern, die sich auf Kompetenzvermittlung spezialisiert haben, zwangsläufig auch Unternehmensberater? Verschwimmen die Grenzen zwischen Trainer und Unternehmensberater? Trainer müssen unternehmerische Kompetenz mitbringen, wenn sie die Weiterbildungsprojekte mitgestalten wollen. Es ist gut möglich, dass Trainer dabei zunehmend Aufgaben übernehmen, die bislang in den angestammten Domänen der Berater lagen. Zwischen den marktüblichen Honoraren für Training und für Beratung bestehen deutliche Unterschiede. Die Höchstsätze für Trainer sind für viele Berater Mindesthonorare. Werden sich die Honorare angleichen? Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die gegenwärtigen Trends in der Weiterbildung durchaus auf den Beratungsmarkt auswirken. Denkbar ist, dass Trainer und Berater in den Wettbewerb treten und damit auch die Beraterhonorare unter Druck geraten. Man darf nicht vergessen, dass die Berater in jüngerer Vergangenheit stark in der öffentlichen Kritik standen. Man warf ihnen vor, Konzepte zu schreiben, die sie letztlich nicht umsetzen. Es liegt für Unternehmen nahe, so manche Aufgabe statt Beratern den Trainern zu übergeben - und dabei Geld zu sparen. n Literatur Graf, Jürgen: Seminare 2007 - Das Jahrbuch der Management-Weiterbildung. 18. völlig überarbeitete Auflage, Verlag managerSeminare, 2007 PM_4_07.indd 50 04.10.2007 13: 14: 45 Uhr