eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 20/1

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
11
2009
201 Gesellschaft für Projektmanagement

Projektanforderungen mit den interessierten Parteien ermitteln

11
2009
Heinz Schelle
pm2010002
2 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 1/ 2009 2 EDITORIAL D ie Anforderungsanalyse gehört zu den schwierigsten Phasen eines Projekts, insbesondere bei IT-Vorhaben. Fehler und Unterlassungen, die hier - meist unter Zeitdruck - gemacht werden, rächen sich in späteren Projektabschnitten oft bitter. Unklare Ziele und Anforderungen sind, wie zahlreiche Studien zeigen, eine der wichtigsten Ursachen für unzufriedene Kunden oder gar für gänzlich gescheiterte Projekte. Um hier Abhilfe zu schaffen, sind viele dicke Bücher geschrieben worden. Die GPM hat eine eigene Fachgruppe „Requirementsmanagement“ gegründet, die auch schon erste Ergebnisse in Wiesbaden präsentiert hat. Die Amerikaner haben für schlampige Requirementsanalysen den Ausdruck „Whiscy-Prinzip“ geprägt, eine Abkürzung für die ungeduldige Frage eines Vorgesetzten: „Why is’nt Sam coding yet? “ Frei übersetzt: Warum beschäftigt sich der Bursche immer noch mit den Anforderungen des Auftraggebers, statt endlich Programmcode zu produzieren? “ Das vorliegende Heft enthält zwei Beiträge zu dem enorm wichtigen Thema: Georg Disterer und Matthias Rose („Prototyp zur Koordination von Anwendungsentwicklung und IT-Betrieb“) befassen sich mit nicht funktionalen Anforderungen in IT-Projekten. Damit sind Ziele wie zum Beispiel Zuverlässigkeit, Korrektheit oder Stabilität eines Systems gemeint. Die Autoren plädieren für eine stärkere Koordination zwischen der Anwendungsentwicklung und dem Systembetrieb, schlagen ITIL(= Information Technology Infrastructure Library)konforme Prozesse basierend auf Quality Gates vor und stellen einen Prototyp zur Steuerung und Kontrolle der Koordination dar. Im zweiten Artikel („Scope Management mithilfe der Pareto-Regel“) greift Tim Krüger einen bereits 1976 von Mills (Mills, H. D.: Software Development. IEEE Transactions on Software Engineering. Vol. SE-2, 1976, S. 265-273) geäußerten Gedanken auf. Unterwirft man den Code einer ABC-Analyse, ergibt sich, dass mit einem verhältnismäßig kleinen Prozentsatz von Anweisungen ein hoher Anteil von Funktionen, die das Softwareprodukt haben soll, abgedeckt ist. Der überwiegende Anteil dient zur Erfüllung von Sonderwünschen der Auftraggeber bzw. von Luxusbedürfnissen (nice to have). Krüger schildert ein Verfahren, mit dem angesichts einer nahezu unbegrenzten Zahl von Anforderungen die besonders nützlichen herausgefiltert und umgesetzt werden. Ein in der Finanzkrise hochaktuelles Thema greift Oliver Steeger im Interview mit Konrad Stadler auf, einem der Gründer des Anselm Bilgri-Zentrums für Unternehmenskultur. (Anselm Bilgri war Mönch des oberbayerischen Benediktinerklosters Andechs und als Projektanforderungen mit den interessierten Parteien ermitteln Prior ein höchst erfolgreicher Unternehmer.) Stadler betont, dass Werte, auf die sich immer mehr Unternehmen besinnen, nicht nur Mitarbeiter zu ethischem Handeln anleiten. Sie sind auch ein wichtiger „Schmierstoff“ für Organisationen und bringen Teams zu Höchstleistungen in Projekten. Gefragt nach dem Sinn eines Ethik- Kodex, wie ihn die GPM entwickelt hat, antwortet Stadler: „Ein Kodex sensibilisiert für Problemfelder der eigenen Tätigkeit und ermöglicht Reflexion.“ In dem Beitrag „Produktentstehung im Collaboration- Netzwerk“ berichtet Udo Mathee über ein Kommunikationsmodell für firmenübergreifendes Projektmanagement. Der wachsende Trend zur Arbeitsteilung erfordert PM-Methoden für eine firmenübergreifende Zusammenarbeit. Automobilhersteller, Zulieferer, Unternehmensberatungen und Hochschulinstitute haben darum die Projektgruppe „Collaborative Project Management (CPM)“ gegründet und eine Handlungsempfehlung entwickelt. Im aktuellen Stichwort („Der Projektmanagementansatz in Lean-Sigma-Initiativen“) stellen Markus H. Dahm und Christoph Haindl einen Ansatz vor, der aus dem Gedanken des Lean Management und der Six-Sigma- Methodik entwickelt wurde. Das zentrale Element in einem Lean-Sigma-Projekt ist der sogenannte DMAIC- Zyklus (Akronym für Define, Measure, Analyze, Improve und Control). Dieser stellt das bestimmende Projektmanagementinstrument dar. Wie in jeder Ausgabe auch diesmal wieder eine Besprechung von PM-Software („Netviewer Meet 5 - Das Team zu Gast auf dem Desktop“) durch Mey Mark Meyer. Netviewer richtet sich an Teams, die an verschiedenen Orten tätig sind und die die Abstimmung untereinander vereinfachen wollen. Das Urteil des Autors: Man kann „Telefonkonferenzen effizienter gestalten, Abstimmungsprozesse beschleunigen und sich die eine oder andere Dienstreise sparen“. Ich möchte Sie auch nachdrücklich auf das neu erschienene, umfangreiche Werk „Projektmanagement“ von Bea (Emeritus für BWL der Universität Tübingen), Scheurer und Hesselmann hinweisen. Das Buch ist meines Erachtens ein Meilenstein in der Entwicklung der Lehre vom Projektmanagement. Auch die neue Checkliste zur Projektumfeldanalyse, die uns dankenswerterweise wieder Norbert Hillebrand zur Verfügung gestellt hat, verdient Ihre Beachtung. Schließlich noch eine kleine Neuerung: In Zukunft werden den einzelnen Beiträgen nicht nur wie bisher Stichwörter zugeordnet, sondern, soweit möglich, auch Hinweise auf die jeweils einschlägigen Kompetenzelemente der ICB 3.0 in der Fassung als Deutsche NCB 3.0 (National Competence Baseline). PM_1-09_1-64: Inhalt 19.12.2008 13: 36 Uhr Seite 2