eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 20/3

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
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2009
203 Gesellschaft für Projektmanagement

Wirtschaftskrise lenkt Augenmerk auf besseres Projektmanagement

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2009
Oliver Steeger
Wirtschaftsforscher schreiben derzeit ihre Konjunkturberichte mit tiefroter Tinte und überbieten sich mit pessimistischen Prognosen. Anders Mag. Brigitte Schaden, die Präsidentin des Projektmanagement-Weltverbandes IPMA International Project Management Association. Zumindest für das Projektmanagement gewinnt sie der Weltwirtschaftskrise auch Gutes ab: Die Krise unterstützt das Projektmanagement. Der Druck zwingt die Unternehmen zu ordentlichem Portfoliomanagement und zu mehr Qualität in Projekten. Unternehmen können es sich nicht länger leisten, Projekte in den Sand zu setzen – und müssen professioneller denn je zu Werke gehen. Mit projektMANAGEMENT aktuell sprach die IPMA-Präsidentin über die Chancen der Krise, über ihre Ziele für die zweijährige Amtszeit, die Zukunft des Projektmanagements und über den Nutzen, den Projektmanager heute aus der IPMA ziehen können.
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projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2009 l 3 REPORT Oliver Steeger Wirtschaftskrise lenkt Augenmerk auf besseres Projektmanagement IPMA-Präsidentin Brigitte Schaden über die Ziele der IPMA und die Zukunft des Projektmanagements Wirtschaftsforscher schreiben derzeit ihre Konjunkturberichte mit tiefroter Tinte und überbieten sich mit pessimistischen Prognosen. Anders Mag. Brigitte Schaden, die Präsidentin des Projektmanagement-Weltverbandes IPMA International Project Management Association. Zumindest für das Projektmanagement gewinnt sie der Weltwirtschaftskrise auch Gutes ab: Die Krise unterstützt das Projektmanagement. Der Druck zwingt die Unternehmen zu ordentlichem Portfoliomanagement und zu mehr Qualität in Projekten. Unternehmen können es sich nicht länger leisten, Projekte in den Sand zu setzen - und müssen professioneller denn je zu Werke gehen. Mit projektMANAGEMENT aktuell sprach die IPMA-Präsidentin über die Chancen der Krise, über ihre Ziele für die zweijährige Amtszeit, die Zukunft des Projektmanagements und über den Nutzen, den Projektmanager heute aus der IPMA ziehen können. Frau Mag. Schaden, im vergangenen Jahr wurden Sie mit deutlichem Votum zur Präsidentin der IPMA International Project Management Association gewählt. Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesetzt? Brigitte Schaden: In den zurückliegenden vier Jahren ist die IPMA stark gewachsen, nicht nur hinsichtlich der Mitgliedsländer, sondern auch durch zusätzliche Gremien sowie neue Projekte und Produkte in der IPMA. Dieses Wachstum hat die IPMA intern viel komplexer gemacht. Wir müssen deshalb nun die Strukturen für Kommunikation und Infrastruktur innerhalb der IPMA nachziehen. Auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Mitgliedsländern wollen wir verbessern. Welche externen Ziele verfolgen Sie? Wir wollen weiter wachsen - noch mehr Mitgliedsländer bekommen - beispielsweise im Asien-Pazifik- Raum und in Südamerika. Damit sollen auch unsere Zertifizierungen an zusätzlichen Standorten angeboten werden. Ein weiterer Schwerpunkt wird das internationale Marketing sein. Es ist gut und wichtig, dass wir und unsere Kunden von der weltweiten Spitzenstellung unseres Zertifizierungsprodukts überzeugt sind, aber es gibt noch immer zu viele Menschen auf der Welt, die die IPMA nicht einmal kennen. Die IPMA muss in der Welt bekannter werden, darin sehe ich ein wichtiges Ziel. Nun fällt Ihre Amtszeit in wirtschaftlich sehr schwierige Zeiten. Auf mittlere Sicht bleibt vermutlich kaum eine Branche oder ein Unternehmensbereich von der Wirtschaftskrise verschont. Auch Projektmanager fürchten um den Bestand ihrer Projekte, sogar ihrer Unternehmen. Welche Konsequenzen werden sich nach Ihrer Einschätzung aus der Krise für das Projektmanagement ergeben? Wir haben in der IPMA zu diesen Entwicklungen viele Diskussionen geführt. So schlimm die Krise für betroffene Menschen ist - aus der Perspektive des Projektmanagements können wir den Entwicklungen auch Positives abgewinnen. Foto: pma PM_3-09_1-64: Inhalt 28.04.2009 10: 47 Uhr Seite 3 Die Wirtschaftskrise ist positiv für das Projektmanagement - inwiefern? Die Krise wird im Projektmanagement vieles zum Guten - weil zu höherwertiger Qualität - hin bewegen. Sie wird dazu führen, dass Unternehmen mehr auf ihre Ressourcen und finanziellen Mittel achten. Man geht behutsamer mit den verbleibenden Ressourcen um. Verständlich! Doch was bedeutet dies für das Projektmanagement? Wir rechnen damit, dass Unternehmen ihr Augenmerk deutlich mehr auf gutes Projektmanagement richten. Davon dürfte vor allem das Portfoliomanagement profitieren. Unternehmen wird es jetzt daran gelegen sein, die richtigen Projekte umzusetzen. Dem gesamten Beauftragungsprozess eines Projekts und dem Management des Projektportfolios kommt mit einem Mal eine viel größere Bedeutung zu, als dies noch in den zurückliegenden Jahren der Fall war. Damals konnten es sich Unternehmen leisten, auch einmal ein Projekt in den Sand zu setzen, es erfolglos und ergebnislos weiterlaufen zu lassen oder das Projektbudget weit zu überziehen. Heute wird dies nicht mehr ohne Weiteres akzeptiert. Wenn ich Sie richtig verstehe: Die Wirtschaftskrise setzt die Unternehmen unter Druck, endlich ordentlich Projekt- und Portfoliomanagement zu betreiben? Im Januar dieses Jahres habe ich eine Studie eines großen Beratungsunternehmens in die Hand bekommen. Man hat Projektportfolios untersucht. Dabei hat man den Blick insbesondere auf jene geplanten Projekte gerichtet, die gar nicht durchgeführt wurden. Herausgekommen ist: Von den Projekten, die beauftragt wurden, hätten 20 Prozent nicht beauftragt werden sollen. 20 Prozent von den laufenden Projekten hätten schon längst gestoppt werden müssen. Aber was ich noch viel spannender finde: 40 Prozent der Projekte, die nicht durchgeführt wurden, hätten beauftragt werden müssen. Diese Zahlen zeigen, wie viel Verbesserungspotenzial die Unternehmen beim Portfoliomanagement noch haben - gerade jetzt in der Wirtschaftskrise. Das Portfoliomanagement ist nicht der einzige Bereich, an dem Unternehmen ansetzen können. Nein, gewiss nicht. Die Wirtschaftskrise wird die Qualität im Projektmanagement generell erhöhen - bei der Auswahl und Beauftragung von Projekten, bei der Qualifizierung und Zertifizierung von Projektmanagern, bei der Auswahl von Managern für einzelne Projekte. Es ist ein wenig schade, dass diese von uns lange geforderte Entwicklung erst unter dem Druck einer Weltwirtschaftskrise stattfindet. Sprechen wir bitte von den Perspektiven für Projektmanager. Wie wird sich die Wirtschaftskrise auf Position und Tätigkeit der Projektmanager auswirken? Auch in diesem Punkt wird sich Qualität durchsetzen. Wer gut ausgebildet ist und seine Kompetenz in einem Zertifikat nachweisen kann, ist für Krisenzeiten gut vorbereitet? Ja! Unternehmen entscheiden sich für die wirklich wichtigen Projekte, und diese Projekte müssen zuverlässig umgesetzt werden. Man will und muss das Risiko von Fehlschlägen senken. Folglich brauchen Unternehmen nachweislich qualifizierte Projektmanager - Fachleute, die übrigens nicht nur Qualität, Kosten und Zeit im Auge behalten, sondern auch den gesamten Business Case während der gesamten Projektlaufzeit mitbetrachten. Die Krisenzeit wird den Trend, dass Projektmanager unternehmerisch denken können müssen, verstärken. Augenblick! Gerade die Qualifizierung von Projektmanagern droht jetzt in vielen Unternehmen dem Rotstift zum Opfer zu fallen. Sogar bereits fest eingeplante Qualifizierungsmaßnahmen werden mancherorts verschoben. Wie passt dies zusammen - zum einen Bedarf an zuverlässig ausgebildeten Projektmanagern, zum anderen das Streichen der Qualifizierungsmaßnahmen? Keine Frage, dies passt nicht zusammen. Es mag verständlich sein, dass Unternehmen in diesen unsicheren Zeiten um jeden Preis sparen wollen. Doch das Sparen bei der Aus- und Weiterbildung im Projektmanagement schadet Unternehmen mittelbis langfristig. Einige Topmanager gestehen offen ein, dass sie ihr Unternehmen derzeit „auf Sicht“ führen - also mit Blick auf die nächsten drei oder vier Monate. Das Argument, an die Zeit nach der Krise zu denken, stößt häufig auf taube Ohren. Panik war nie ein guter Ratgeber. Wir wissen zwar nicht, wann der nächste Aufschwung kommt. Doch wenn er kommt, müssen Unternehmen gewappnet sein - auch durch kompetente Projektmanager. Unternehmen sollten darauf achten, dass sie jetzt Projektmanager qualifizieren und an sich binden. Ist ernsthaft damit zu rechnen, dass Unternehmen beim nächsten Aufschwung vor dem Problem stehen, weder in den eigenen Reihen noch auf dem Arbeitsmarkt genügend Projektpersonal zu finden? PM-Qualität wird sich durchsetzen 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2009 4 REPORT Die studierte Versicherungsmathematikerin und Betriebsinfomatikerin Mag. Brigitte Schaden kam nach einer klassischen IT-Karriere erstmals vor mehr als 20 Jahren mit Projekten und Projektmanagement in Verbindung - „ohne zum damaligen Zeitpunkt zu wissen, dass es sich um Projekte handelt“, wie sie sagt. Nach umfassender PM-Ausbildung und der Zertifizierung zur Senior Projektmanagerin leitete sie Projekte in der IT-, der Versicherungs- und Bankenbranche sowie für Handelskonzerne. In zwei österreichischen Großunternehmen hat sie Projektmanagement implementiert und weiterentwickelt, bevor sie sich vor acht Jahren als Beraterin und Coach für Führungskräfte selbstständig gemacht hat. Vor mehr als zehn Jahren nahm Brigitte Schaden Verbindung zur IPMA auf. Sie vertrat zunächst den österreichischen Verband pma im Council, war vier Jahre lang im Certification Board tätig und anschließend als Vice President für Zertifizierung zuständig. Seit 2003 ist Brigitte Schaden Vorstandsvorsitzende von Projekt Management Austria (pma), seit Januar 2009 ist sie Präsidentin der IPMA. IPMA-Präsidentin Mag. Brigitte Schaden PM_3-09_1-64: Inhalt 28.04.2009 10: 47 Uhr Seite 4 In letzter Konsequenz könnte diese Gefahr drohen. Doch aus den Gesprächen, die ich mit Unternehmen führe, lässt sich dieses Risiko glücklicherweise nicht entnehmen. Die allermeisten Unternehmen reagieren überlegt und vorausschauend. Wie wird sich angesichts der Krise der Aus- und Weiterbildungsmarkt für Projektmanagement entwickeln? Der Markt wird sich verändern. Bei der Qualifizierung von Projektmanagern spielen auch Anbieter mit, die nicht immer die beste Qualität erbringen; dies ist hinlänglich bekannt. Unternehmen werden verstärkt auf Qualität achten, wenn sie in Krisenzeiten in die Ausbildung von Projektmanagern investieren. Der Markt wird also in Bewegung kommen. Die guten Anbieter werden überleben, weniger gute bleiben möglicherweise auf der Strecke. Diese Bereinigung wäre durchaus im Sinne der IPMA. Wie kann Projektmanagement die Wirtschaft dabei unterstützen, diese seit vielen Jahrzehnten schwerste Krise zu überwinden? Es wird Unternehmen wenig bringen, jetzt zu verharren und Investitionen in Projekte zu streichen. Wie eben gesagt, die Unternehmen sollten sich auf ihre strategisch bedeutsamen Projekte konzentrieren. Wer auf Unwichtiges verzichtet, kann bereits eine Menge Geld sparen. Und gutes Projektmanagement wird die wirklich wichtigen Projekte sicher ans Ziel führen. Dies klingt, als sei professionelles Projektmanagement in diesen stürmischen Zeiten durchaus ein Fels in der Brandung? Es ist doch bekannt, dass Projektmanagement ein über viele Jahre erprobtes Instrumentarium bietet, Projekte sinnvoll auszuwählen und mit unternehmerischer Verantwortung umzusetzen. Wenn jemand seine in der Krise verbliebenen Chancen nutzen will, kann ihm Projektmanagement Sicherheit geben. Wie schon gesagt, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten können sich Unternehmen nicht noch durch Projektfehlschläge belasten. PM-Chancen in Krisenzeiten Blicken wir doch bitte über die gegenwärtige Wirtschaftskrise hinaus. Ich möchte die Zukunftsperspektiven des Projektmanagements ins Auge fassen - und mutig aufs Jahr 2020 schauen … … sehr mutig! Versuchen wir es! Für Deutschland rechnet man bis zum Jahr 2020 mit einer Versiebenfachung der Projektwirtschaft. Trägt die Projektwirtschaft derzeit rund zwei Prozent zur gesamten Wertschöpfung in Deutschland bei, so sollen es in elf Jahren rund 15 Prozent sein. Sind solche Prognosen Ihrer Einschätzung nach realistisch? Fest steht, dass wir gezwungen werden, in immer mehr Bereichen zunehmend vernetzt zu denken und zu arbeiten - organisationsübergreifend, funktionsübergreifend, kulturübergreifend. Projektmanagement ist für diese Aufgabe die geeignetste Methode. Diese Beobachtung könnte durchaus für die Prognose sprechen … Vergegenwärtigen Sie sich die rasante Entwicklung des Projektmanagements in den vergangenen Jahrzehnten, zunächst beim Anlagenbau, dann der Boom in der Inprojekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2009 l 5 Gratulation für eine zertifizierte Projektmanagerin: Brigitte Schaden überreicht das IPMA-Zertifikat, das weltweit gültig ist. Foto: pma GPM Basislehrgang IPMA D / Zertifizierter Projektmanagement-Fachmann (GPM) Die State-of-the-Art-Qualifikation von PM-Profis für PM-Profis aus allen Branchen. Abschluss mit IPMA-Zertifikat Level D. 11 + 1 Tage mit dem vollen Programm. 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Die Prognose wurde für Deutschland genannt. Gibt es für Ihr Heimatland Österreich ähnliche Prognosen? Nein, nicht in dieser Art. Doch wir haben vor rund einem Jahr 700 österreichische Unternehmen zu ihrer Einschätzung zum Projektmanagement befragt. Das Ergebnis: Nach Meinung von 85 Prozent der Unternehmen wird in Zukunft die Bedeutung von Projektmanagement weiter steigen. Dies passt zu den Erkenntnissen aus der deutschen Studie. Wie schätzen Sie die Zukunft des Projektmanagements weltweit ein? Viele Länder sind erst in jüngerer Zeit mit Projektmanagement in Verbindung gekommen. Beispielsweise ist vor ein oder zwei Jahren Sambia Mitglied in der IPMA geworden. Dort hat man uns berichtet, dass drei Jahre zuvor in Sambia niemand gewusst hat, was Projektmanagement überhaupt ist. Diese Länder, die Projektmanagement jetzt erst entdecken, werden den weltweiten Projektmanagement-Boom noch weiter verstärken. Sie holen rasant in wenigen Jahren das nach, für das wir in Europa Jahrzehnte brauchten. Wie wird sich das Projektmanagement selbst bis zum Jahr 2020 verändern und entwickeln? Es fällt mir schwer, mich auf eine Jahreszahl festzulegen. Wir werden Veränderungen im Projektmanagement wahrscheinlich schon deutlich früher zu spüren bekommen - nicht erst im Jahr 2020. Bereits heute erkennen wir beispielsweise, dass sich Projektmanagement-Offices bei vielen Unternehmen durchsetzen. In naher Zukunft werden diese Offices selbstverständlich sein, die in der Linie, in der Organisation gewissermaßen die „Owner“ des Projektmanagementprozesses sind. Auch werden in Unternehmen Projektportfolio-Groups selbstverständlich sein, die das Portfolio des Unternehmens managen. Mit welchen Veränderungen müssen die einzelnen Projektmanager selbst rechnen? Wie wird sich ihre Tätigkeit wandeln? Heute werden Projekte zumeist einem Projektmanager als Auftrag gegeben, der diesen dann technisch und organisatorisch abarbeitet. In Zukunft wird sich die Rolle des Projektmanagers wandeln - weg vom reinen „Abwickler“, hin zum „Unternehmer“ seines Projekts. Möglicherweise beteiligt sich der Projektmanager schon an der Er- Rolle des Projektmanagers im Wandel 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2009 6 REPORT Die Heimat in Österreich, in der Welt zu Hause: Brigitte Schaden (Mitte) gratuliert in Wien dem Gewinnerteam des pma award 2008. Foto: pma PM_3-09_1-64: Inhalt 28.04.2009 10: 47 Uhr Seite 6 stellung des Business Case, auf dem sein Projekt aufbaut. Mit Sicherheit aber wird er den Business Case während der gesamten Projektlaufzeit im Auge behalten müssen. Der Projektmanager wird in Zukunft seine Tätigkeit mehr aus einer übergeordneten, unternehmerischen Perspektive betrachten? Davon gehe ich aus! Seitens der nationalen PM-Verbände wie auch der IPMA ist über lange Zeit gefordert worden, ein Projekt müsse in einem Unternehmen als „Unternehmen auf Zeit“ betrachtet werden. Diese Forderung wird sich in Zukunft erfüllen. In Zukunft ebenfalls an Bedeutung gewinnen wird die Sozialkompetenz, sie ist ein Schlüsselfaktor für den Projekterfolg … … wobei die Anforderungen an die Sozialkompetenz bekanntlich durch die Globalisierung weiter wachsen. Ja, wir haben es in internationalen Projekten mit unterschiedlichen Kulturen zu tun. Die Bedeutung der interkulturellen Kompetenz wird steigen. Wobei ich betonen möchte, dass die Sozial- und Verhaltenskompetenzen fast in jedem Projekt - egal ob national oder international - der Schlüssel zum Erfolg sind. Deshalb werden bei den IPMA-Zertifizierungen ja auch die Sozial- und Verhaltenskompetenzen evaluiert. Sie sprachen eben, Frau Mag. Schaden, auf die veränderte Rolle des Projektmanagers an. Von ihm wird künftig mehr unternehmerisches Denken gefordert. Bislang aber gilt Projektmanagement als Zusatzqualifikation. Wird es jetzt nicht Zeit, aus Projektmanagement einen eigenen Beruf zu machen? Natürlich - und wir forcieren das auch sehr aktiv. Wir gehen davon aus, dass es für das Projektmanagement in Zukunft ein Berufsbild mit vorgeschriebenen Qualifikations- und Kompetenzanforderungen gibt, wie es heute bei anderen Berufen auch üblich ist. Unverändert wird aber PM-Basiswissen eine wichtige Zusatzqualifikation bleiben - quer durch die Berufswelt, quer durch die Hierarchien. Vor einiger Zeit war die Meinung zu hören, dass ein gut ausgebildeter Projektmanager eigentlich jede Art von Projekten bearbeiten kann. Wer sein Handwerk versteht und dem Berufsbild entspricht - der kann sich mit seinem PM-Instrumentarium in nahezu jede Projektaufgabe einarbeiten. Wäre der universell, branchenübergreifend einsetzbare Projektmanager die letzte Konsequenz aus diesem Berufsbild? „Wer Projektmanagement beherrscht, kann auf jedem Gebiet erfolgreich sein“ - diese Ansicht ist sehr rigide, und sie spiegelt auch nicht mehr den Stand der gegenwärtigen Diskussion wider. Heute weiß man: Ein Projektmanager muss durchaus über Wissen zum Kontext und Inhalt seines Projekts verfügen. Ich glaube nicht, dass man in einem IT-Projekt erfolgreich ist, wenn man von IT keine Ahnung hat. Dies gilt für andere Branchen auch. Der Projektmanager hat in seinem Team Fachleute, die ihm das IT-Wissen nahebringen können. Ich bezweifle, dass der Vorstandsvorsitzende eines Automobilkonzerns sich mit Einspritztechnik auskennt; auch er wird sich diese Technologie erklären lassen müssen, um sie zu beurteilen. Spezialwissen ist für den Projektmanager nicht notwendig - und manchmal sogar hinderlich. Doch er braucht ein generelles Wissen, und damit ist auch gemeint: ein Verständnis der Sprache, die in seinem Team gesprochen wird. Und dies setzt Wissen zum Projektgegenstand voraus. Nochmals zurück zu den Unternehmen: Zumindest in Deutschland fällt es Fachverbänden schwer, das Topmanagement für Projektmanagement zu gewinnen. Das Topmanagement ist Auftraggeber von Projekten - und leider müssen wir feststellen, dass das Topmanagement am wenigsten mit Projektmanagement vertraut ist. In Österreich haben wir versucht, in einer Art Kamingespräche Topmanager zusammenzubringen. Wir haben zum einen Führungskräfte eingeladen, die sich mit Projektmanagement wenig befassen, obwohl in ihrem Unternehmen Projekte durchgeführt werden. Zum anderen haben wir Führungskräfte aus Organisationen eingeladen, die schon seit Längerem professionelles Projektmanagement eingeführt haben und - dies ist der springende Punkt - für ihre Organisation untersucht haben, wie sich die Qualität der Projekte und Ergebnisse verändert hat. Solche Untersuchungen sind doch bekannt … Nein, die wirklich stichhaltigen Untersuchungen werden von den Unternehmen eben nicht an die Öffentlichkeit gegeben. In vertraulichen Gesprächen mit Managerkollegen sind die Topführungskräfte aber bereit, über diese Untersuchungen zu sprechen. Sie berichten über ihre Fortschritte und berichten auch darüber, wie sich diese Fortschritte letztlich in ihren Geschäftsberichten auswirken. Spätestens bei diesen Zahlen … … wenn es ums Geld geht … … werden Menschen, die in Unternehmen für Ergebnisse verantwortlich sind, hellhörig. Sie engagieren sich, Frau Mag. Schaden, seit über zehn Jahren in der IPMA. Vor Ihrer Präsidentschaft waren Sie in verschiedenen Gremien tätig und haben an wichtigen Weichenstellungen und Produkten im Dachverband mitgewirkt. Vielen Mitgliedern der pma, spm und GPM ist die Tätigkeit der IPMA noch nicht vertraut. Wie beschreiben Sie die Aufgabe der IPMA für Mitglieder, die gerade erst den Verbänden beigetreten sind? Die IPMA ist die Dachorganisation der in den Ländern jeweils tätigen Länderorganisationen, der sogenannten Member Associations. Die IPMA hat also keine eigenen Mitglieder? Nein, sie ist eine reine Dachorganisation. Sie setzt letztlich das um, was diese nationalen PM-Vereinigungen wollen. Die Aufgaben der IPMA bestehen unter anderem darin, Projektmanagement weltweit zu verbreiten und zu fördern, einen einheitlichen PM-Standard zu etablieren und bei der Forschung und Entwicklung eine weltweit führende Position einzunehmen. Wir unterstützen durch die IPMA freilich auch die weltweite Ver- Topmanager für PM gewinnen projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2009 l 7 PM_3-09_1-64: Inhalt 28.04.2009 10: 47 Uhr Seite 7 netzung im Projektmanagement - bis hin zu den einzelnen Mitgliedern. Ist damit gemeint, was man unter dem Satz „Join one - and enjoy the benefits from all“ versteht? Ja, wer Mitglied in den nationalen Vereinigungen ist, ist automatisch Mitglied der weltweiten Community - und nutzt deren Vorteile. In den nationalen Vereinigungen haben die Mitglieder jeweils ihre Heimat. Von den nationalen Verbänden bekommen sie ihre Informationen, dort besuchen sie Veranstaltungen. Über die IPMA indes können sie Netzwerke bilden und Verbindungen zu Personen und Unternehmen in aller Welt aufnehmen. Bei der IPMA können Mitglieder konkrete, sehr praktische Unterstützung finden. Uns erreicht von Projektmanagern immer häufiger die Bitte um Kontakte zu Kollegen und Organisationen anderer Länder. Beispielsweise illustriert die „International Young Crew“ diesen Ansatz eindrucksvoll … … die Initiative für junge Projektmanagerinnen und Projektmanager unter 35 Jahren … Richtig. Auf dem IPMA-Weltkongress 2008 in Rom haben über 100 Projektmanager aus 40 Ländern an den Workshops der International Young Crew teilgenommen. Damit verbunden waren ein enormer Erfahrungsaustausch, viele Kontaktmöglichkeiten und Unterstützung für Berufswege in der Zukunft. Dies ist für die Mitglieder sehr viel wert - besonders für die jungen Mitglieder, die ihren Berufsweg noch suchen oder gerade gestartet haben. Welche wichtigen Arbeitsergebnisse hat die IPMA in den letzten Jahren erbracht? Aus unserer Sicht war der überarbeitete Kompetenzstandard ICB 3.0 ein sehr wichtiges Arbeitsergebnis. In diesem Standard haben wir erstmals den Sozialkompetenzen im Projektmanagement den nötigen Raum gegeben. Projektmanager nutzen Vernetzung Wobei die ICB 3.0 als neuer Standard neben großen Beifall auch Kritik gefunden hat. Experten haben bemängelt, dass neue Entwicklungen im PM vernachlässigt wurden, darunter Karrieremodelle und Reifegradmodelle. Auch würden, so wurde seitens der Experten beanstandet, Kompetenzelemente ganz fehlen, etwa das Thema „Lernen im Projekt“ und „EDV-Einsatz“. Kritik, wie Sie sie genannt haben, hat mich nicht erreicht - nicht in dieser konkreten Form. Konstruktive Kritik ist aber immer hilfreich. Die ICB ist ja in Bewegung. Die derzeit gültige Form betrachten wir nicht als der Weisheit letzter Schluss. Wir müssen diese Kritik daraufhin untersuchen, ob manches der ICB nicht so verstanden worden ist, wie es gemeint war. Oder ob es sich um wirklich berechtigte Kritik handelt, die uns helfen wird, den Standard zu verbessern und weiterzuentwickeln. Diese Kritikpunkte werden wir sammeln für die nächste Version. Ich bitte jeden, der Kritik oder Ideen hat, seine Vorschläge an uns weiterzuleiten. Dafür haben wir übrigens eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet [ideas@ipma.ch, Anm. der Redaktion]. Der von Ihnen konkret angesprochene Kritikpunkt „Lernen in Projekten“ ist übrigens kein eigenes Kompetenzelement, findet sich aber direkt in den meisten Elementen wieder. Welche weiteren Ziele hat die IPMA in den vergangenen Jahren erreicht? Es ist uns gelungen, die eben erwähnte Young Crew sowohl national als auch international ins Leben zu rufen. Junge Projektmanager bilden unsere Zukunft. Je früher wir sie mit ihren Ideen an unsere Organisationen binden können, desto besser ist es für die jungen Projektmanager und auch für die PM-Community. Ein wesentliches Arbeitsergebnis der jüngeren Vergangenheit ist außerdem ein neues Zertifizierungsprodukt, nämlich die Zertifizierung für globale Organisationen. Was darf ich unter diesem neuen Zertifizierungsprodukt verstehen? Eine Reihe von Unternehmen und Konzernen sind weltweit oder zumindest in mehreren Ländern tätig. Diese Organisationen wollen ihr Personal einheitlich zertifizieren lassen - und nicht nach dem Standard der jeweiligen Länder, in denen sie tätig sind. Wir haben ein Produkt entwickelt, durch das wir einen angepassten Zertifizierungsprozess aufsetzen können, bei dem sich diese Organisation die optionalen Teile des Zertifizierungsprozesses selbst zusammenstellen kann. Augenblick! Die Zertifizierung ist doch weltweit standardisiert … Nicht ganz! Die Zertifizierungsinhalte sind weltweit gleich, doch den einzelnen Ländern bleibt Spielraum bei den sogenannten optionalen Elementen des Zertifizierungsprozesses. Diese optionalen Elemente werden bei der Zertifizierung globaler Organisationen dann dieser Organisation angepasst. Dabei kann die Organisation beispielsweise ihre internen PM-Prozesse, Guidelines und Tools einbeziehen. Zertifizierung für Organisationen 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2009 8 REPORT Im Kreis von Mitgliedern der IPMA-Führung: Brigitte Schaden (vierte v. l.) gestaltet gemeinsam mit den Gremien der IPMA die Zukunft der IPMA. Foto: privat PM_3-09_1-64: Inhalt 28.04.2009 10: 47 Uhr Seite 8 Also eine Ausnahme für multinationale Organisationen, die man mit nationalen Zertifizierungsangeboten aus verständlichen Gründen nicht erreichen kann? Ja, im gewissen Sinne. Wobei ich betonen will: Der Standard - nämlich die ICB 3.0 - ist für alle weltweit verbindlich. Nur der Zertifizierungsprozess mit seinen optionalen Modulen wird angepasst. Die IPMA ist im gewissen Sinne föderal strukturiert. An der Willensbildung wirken alle 45 nationalen Verbände mit. Wegen der vielen Mitgliedsländer, so hört man immer wieder, sei der Dachverband weniger schlagkräftig als eine zentral gesteuerte Organisation. Das föderale System hat Vorteile und auch Nachteile. Eine wesentliche Stärke liegt darin, dass wir unabhängige Mitgliedsländer haben. Sie wissen am besten, wie sie ihren lokalen Markt bearbeiten, was dort relevant ist und welche lokalen Eigenheiten sie bei der Verbreitung von Projektmanagement berücksichtigen müssen. Es geht uns also nicht darum, eine finanzkräftige, starke Organisation zu haben, die entscheidet, wie Projektmanagement rund um den Globus aussehen soll. Wir wünschen uns viele und vor Ort schlagkräftige Member Associations, die unter Berücksichtigung der Gegebenheiten ihres Landes unseren internationalen Standard etablieren. Wir wollen also das föderale System. Wir sehen es als Stärke. Doch wir wissen auch, dass sich mit einer anderen Organisationsstruktur wesentlich leichter und schneller Entscheidungen herbeiführen lassen, dies ist keine Frage. Im asiatischen Raum sind die Wirtschaft und auch die Projektwirtschaft mit atemberaubender Geschwindigkeit gewachsen. Droht Gefahr, dass andere, „schnellere“ PM-Organisationen dort ihre Standards etabliert haben, bevor die IPMA überhaupt zum Zuge kommen kann? Die Erfahrungen von China zeigen: Bereits schon zu der Zeit, als es in China nur eine nationale Association gab, sind die IPMA-Zertifizierungszahlen dort enorm gewachsen. Im zurückliegenden Jahr sind sie beispielsweise um 30 Prozent gestiegen. Wir haben nun ein eigenes IPMA-Büro in Peking, sind dort also als IPMA vertreten. So können wir die dortige Member Association deutlich besser unterstützen, beispielsweise auch bei Kontakten zur Regierung. In China erwarten wir weiterhin ein unverändert hohes Wachstum. Viele Großunternehmen sind schon mit im Boot. Aber auch in anderen Ländern des asiatischen Raums verzeichnen wir ähnliches Wachstum. Die IPMA ist also gut aufgestellt in den Wachstumsregionen? Ja, die IPMA ist sehr gut aufgestellt - eben weil wir in den Wachstumsländern lokale Organisationen stark unterstützen und damit im gewissen Sinne ein „Heimspiel“ haben. Wir stärken die lokalen Organisationen. Beispielsweise dadurch, dass der größte Teil der Ein- Die IPMA in China nahmen bei den Organisationen vor Ort bleibt und nur ein geringer Teil an die IPMA fließt. So können die nationalen Vereinigungen für ihre nationalen Mitglieder Veranstaltungen und andere Dienstleistungen anbieten oder neue, auf den lokalen Markt abgestimmte Produkte entwickeln. Diese Freiheit der Associations vor Ort wird honoriert. Zum Abschluss eine Frage, die von Journalisten oft gestellt wird: Angenommen, eine Fee würde Ihnen als IPMA-Präsidentin drei Wünsche freigeben. Welche Wünsche wären dies? [lacht] Das Fatale bei den Feenwünschen ist, dass man die Arbeit hinterher doch selbst erledigen muss. Vielleicht meint es die Fee ja besonders gut mit der IPMA …? Also, gut. Der erste Wunsch: Jeder auf der Welt, der mit Projektmanagement zu tun hat, sollte nicht nur die IPMA kennen, sondern auch ihre Angebote nutzen. Ich denke dabei über die Wirtschaft hinaus auch an Organisationen wie die Europäische Union. Zweitens: Ich wünsche mir, dass die IPMA mehr Geld hat für die Unterstützung von Sozialprojekten beim Projektmanagement. Und mein dritter Wunsch ist sehr persönlich. Ich hätte gerne, dass im Projektmanagement weltweit das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ausgeglichen ist. ■ projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2009 l 9 International anerkannte Zertifizierung im Projektmanagement nach dem 4-Level-Certification-System der IPMA Projektmanagement Fachmann GPM ® Projektmanagement-Fachmann GPM ® (Qualifizierungslehrgang IPMA Level D) Projektmanager GPM ® (Qualifizierungslehrgang IPMA Level C) Senior Projektmanager GPM ® (Qualifizierungslehrgang IPMA Level B) Projektdirektor GPM ® (Qualifizierungslehrgang IPMA Level A) P j k i d C hi Projektmanagementseminare und Coaching: Projektmanagement Kompakttraining Projektmanagement Coaching, z. B.: Terminsteuerung Einsatz von PM-Methoden Unterstützung bei Lösungsprozessen Systemische Arbeitsansätze Software-Seminare und Workshops zur Optimierung der PM-Arbeit z B : zur Optimierung der PM-Arbeit, z. B.: MS Project oder Primavera P3e Zeitmanagement im Büroalltag Erfolgreich präsentieren mit Laptop Office-Management www.gca-consulting.de Anzeige PM_3-09_1-64: Inhalt 28.04.2009 10: 47 Uhr Seite 9