eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 22/4

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0886
UVK Verlag Tübingen
101
2011
224 Gesellschaft für Projektmanagement

Den Wandel verändern

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2011
Reinhard Wagner
Petersen, D., in Zusammenarbeit mit Witschi, U., Kötter, W., und Bahlow, J.: Den Wandel verändern. Change-Management anders gesehen. Wiesbaden 2011, 348 S., ISBN 978-3-8349-2672-2, EUR 39,95
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und dann zu den elf Themengebieten des M-Modells zusammengefasst. Die Einzelkriterien werden zusätzlich auch noch nach funktionalen Gruppen (z. B. Risikomanagement, Ablauf- & Terminplanung …) und nach dem Reifegradmodell ausgewertet. Abschließend folgt ein ausführliches Assessment Summary. Fazit: Wer sich mit dem Gedanken trägt, Projektmanagement-Software zu installieren, kommt an diesem Buch, das auf immenser und imponierender Detailarbeit basiert und äußerst systematisch aufgebaut ist, nicht vorbei. Heinz Schelle ■ projekt MA N A G E M E N T aktuell 4/ 2011 l 43 „Bühne frei für den Wandel“, so könnte das Motto des vorliegenden Buches aus dem Gabler-Verlag lauten, bei dem der Wandel in Organisationen im Mittelpunkt des Geschehens steht. Dabei geht es um ein Vorgehen, mit dem Veränderungen umfassend und tiefgehend herbeigeführt werden können. Die Autoren Dominik Petersen, Urs Witschi, Wolfgang Kötter und Jörg Bahlow legen die Messlatte hoch: Ziel ist es, ein Change-Projekt-Management vorzustellen, das in gewisser Weise standardisiert und damit wiederhol- und erlernbar ist. Aber fangen wir doch von vorne an … Ausgangspunkt des Buches ist eine differenzierte Sicht auf das Change-Management. Die Autoren beklagen die zumeist sorglose Verwendung des Begriffs, bei der einzelne Veränderungen gemeint sind und oft das große Ganze verloren geht. Sie vermissen eine grundlegende Logik bzw. Strategie des Wandels, was dazu führt, dass viele Veränderungen wirkungslos verpuffen. Change- Management wird als Begriff höherer Ordnung verstanden, als ein Begriff, der auf sich selbst angewendet werden muss: Es geht um den Wandel des Wandels. Das Phänomen als Ganzes zu sehen und sich nicht in den Einzelheiten verschiedener Veränderungsprojekte zu verlieren, ist das Postulat. Wenn wir von Wandel sprechen, dann haben wir es mit selbstbezüglichen, zirkulären bzw. rekursiven Verhältnissen zu tun, so eine zentrale Aussage des Buches. Primäre Zielgruppen des Buches sind deshalb Führungskräfte in Unternehmen und diejenigen, die sich mit Unternehmens-, Organisations- und Personalentwicklung auseinandersetzen. Wichtiges Anliegen der Autoren ist es, zu verdeutlichen, wie die Rückbezüglichkeit der Verhältnisse als Hebelwirkung für einen nachhaltigen Wandel genutzt werden kann. Die angebotene Lösung lautet „Wandel durch Vernetzung“, ein Change-Management-Verfahren, bei dem die betroffene Organisation die eigene Veränderung erarbeitet und diese als Arbeitsaufführung inszeniert. In der Aufführung erleben die Zuschauer die Transformation ihrer eigenen Organisation! Damit entsteht eine mehrfach zirkuläre Vernetzung, niemand ist ganz draußen, jeder gehört mehr oder weniger zur Aufführung und fängt an, über sich und sein Umfeld nachzudenken … und wird damit Teil des Wandels. Vernetzung wird nicht nur durch die Aufführung erreicht, sondern auch durch die Zusammenführung und Wechselwirkung der herkömmlichen (Linien-)Organisation mit dieser neu geschaffenen „Projektwelt“. Das Vorgehen ist klar strukturiert und folgt nach einer ersten Phase der „Öffnung“ (Entwicklung des Problembewusstseins) den fünf Kernphasen „Orientieren“, „Planen“, „Netzwerkbildung“, „Erarbeitung“ und „Auswertung/ Würdigung“. Diese werden zweimal durchlaufen, zuerst bei der eigentlichen „Gestaltung“, dann noch einmal bei der „Verankerung“ der Veränderungen. Dabei kommen vielfältige Interventionen zum Einsatz, die selbstverständlich projektspezifisch angepasst werden müssen. Bei Bedarf sind externe Unterstützer bei der Erarbeitung einer Interventionsarchitektur und der Moderation von Workshops behilflich. Im Buch wird das Vorgehen durch Anwendungsbeispiele im Detail erläutert. Man fühlt sich als Zuschauer und kann die Veränderungsprozesse vor seinem Auge Revue passieren lassen, Interviewaussagen der Beteiligten während und nach Abschluss des Prozesses runden das Bild ab. Die Stärke des Buches liegt vor allem darin, dass das Change-Management-Verfahren ausführlich hergeleitet und die dahinter liegenden Philosophien und Konzepte veranschaulicht werden. Selbst Luhmanns Theorien fügen sich elegant ein. Das Vorgehen wird auf knapp 150 Seiten drehbuchartig entwickelt und alle Schritte werden in Szene gesetzt. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis macht Lust auf die tiefer gehende Beschäftigung mit den vorgestellten Konzepten. Damit ist das Buch nicht nur für Führungskräfte geeignet, die sich mit „Wandel durch Vernetzung“ den Herausforderungen der Praxis stellen wollen, sondern auch für Trainer, Berater und Coaches zur Erweiterung des eigenen Repertoires. Reinhard Wagner ■ Buchbesprechung Den Wandel verändern Petersen, D., in Zusammenarbeit mit Witschi, U., Kötter, W., und Bahlow, J.: Den Wandel verändern. Change-Management anders gesehen. Wiesbaden 2011, 348 S., ISBN 978-3-8349-2672-2, EUR 39,95 PM_4-2011_1-68: Inhalt 22.08.2011 12: 29 Uhr Seite 43