eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 22/5

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
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2011
225 Gesellschaft für Projektmanagement

Mit 850 Teilnehmern an die Spitze der europäischen PM-Events

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2011
Oliver Steeger
Um „Sternstunden“ im Projektmanagement drehte sich das 28. „Internationale Deutsche Projektmanagement Forum“ in Nürnberg: Fünf spannende Keynote-Vorträge, über 50 Fachreferate aus Wissenschaft und Praxis sowie eine glanzvolle Abendveranstaltung hatte die GPM für zwei Kongresstage zusammengestellt. Und damit war das Forum selbst eine „Sternstunde“: Fast 850 Teilnehmer – mehr als jemals zuvor – fanden sich an der Nürnberger Messe zusammen. Perfekt organisiert hat sich das Forum damit an die Spitze der europäischen PM-Events gesetzt, wie GPM Vorsitzender Andreas Frick bei der Eröffnung betonte. Ein strahlender Erfolg!
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E in bestimmtes Maß an Kühnheit kennen Projektmanager. Wer etwas bewegen und gestalten will, der braucht Courage. Eine solche Kühnheit bewies Jochen Zeitz, Vorsitzender des Verwaltungsrats von PUMA SE. 29-jährig stieg er seinerzeit zum jüngsten Vorstandsvorsitzenden des Sportartikelkonzerns PUMA auf. Er formte den Konzern zu einer Sport-Lifestyle-Marke - und vor allem zu einem verantwortungsvollen, nachhaltigen Unternehmen. „Wir müssen den Shareholder Value neu definieren“, forderte er vor Projektmanagern auf dem „Internationalen Deutschen Projektmanagement Forum“ in Nürnberg. Und weiter: „Der traditionelle Shareholder Value-Gedanke ist aus meiner Sicht kontraproduktiv in Anbetracht dessen, wie wir uns gegenüber unserer Umwelt verhalten müssten, um die Welt für kommende Generationen besser und lebbarer zu machen.“ So seien über 60 Prozent aller ökologischen Leistungen der Natur bereits beschädigt - und zwar vielfach durch ein überholtes Modell des Wirtschaftens. Solch unbequeme Wahrheiten hört man selten von Topmanagern. Doch sprach Jochen Zeitz vielen Projektmanagern aus der Seele. Dass es sich dabei nicht um eine sternenferne Vision, sondern um durchaus irdische Praxis handelt, dies belegte Zeitz mit vielfältigen Beispielen aus dem Hause PUMA. „Projektmanager sollten die Chance ergreifen, nicht nur Verantwortung für Partner und Stakeholder zu übernehmen, sondern auch für die knappen Ressourcen der Natur“, sagte er und forderte damit auch einen Paradigmenwechsel im Projektmanagement. Unternehmen und Projekte seien in einer vergleichsweise günstigen Lage, ihr Verhalten zu ändern und auf Nachhaltigkeit auszurichten. Das Beispiel von PUMA: Der Konzern folgt in seinem Handeln hohen Umwelt- und Sozialstandards. Darüber hinaus hat er sich dem Frieden verschrieben, indem er beispielsweise Sportereignisse in Krisenregionen fördert. „Projekt-Sternstunden - strahlende Erfolge durch Kompetenz“ war das Leitwort des diesjährigen PM Forums. Fünfzig auf neun Themenschwerpunkte („Streams“) verteilte Vorträge bildeten das Rückgrat des zweitägigen Programms. 850 Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie von öffentlichen und politischen Einrichtungen waren zum großen, interdisziplinären Fachdialog im „CCN CongressCenter Nürnberg“ (NürnbergMesse) zusammengekommen. Sie erörterten neue Erkenntnisse im Projektmanagement, diskutierten Praxisbeispiele, vertieften Spezialfragen und informierten sich auf einer Fachmesse über neue Produkte und Dienstleistungen rund ums Projektmanagement. Der Höhepunkt: Auf einer von ARD-Moderator Peter Großmann geleiteten Abendveranstaltung kürte die projekt MA N A G E M E N T aktuell 5/ 2011 l 3 REPORT Mit 850 Teilnehmern an die Spitze der europäischen PM-Events PM Forum im Glanz von Projekt-Sternstunden Um „Sternstunden“ im Projektmanagement drehte sich das 28. „Internationale Deutsche Projektmanagement Forum“ in Nürnberg: Fünf spannende Keynote-Vorträge, über 50 Fachreferate aus Wissenschaft und Praxis sowie eine glanzvolle Abendveranstaltung hatte die GPM für zwei Kongresstage zusammengestellt. Und damit war das Forum selbst eine „Sternstunde“: Fast 850 Teilnehmer - mehr als jemals zuvor - fanden sich an der Nürnberger Messe zusammen. Perfekt organisiert hat sich das Forum damit an die Spitze der europäischen PM-Events gesetzt, wie GPM Vorsitzender Andreas Frick bei der Eröffnung betonte. Ein strahlender Erfolg! Oliver Steeger Keynote vor 850 PM-Fachleuten in Nürnberg: Jochen Zeitz, Vorsitzender des Verwaltungsrats von PUMA SE, formte den Konzern zu einer Sport-Lifestyle- Marke - und vor allem zu einem verantwortungsvollen, nachhaltigen Unternehmen. „Wir müssen den Shareholder Value neu definieren“, forderte er. Foto: Oliver Steeger PM_5-2011_1-60: Inhalt 08.11.2011 7: 50 Uhr Seite 3 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 5/ 2011 4 REPORT Spannung wie bei der Verleihung des legendären „Film“-Oscars: Als GPM Vorstand Gabriele Danzebrink den Briefumschlag öffnete und ihm einen Zettel entnahm, um den Namen des diesjährigen Gewinners des „DPEA Deutschen Project Excellence Awards“ zu verlesen - da hielt die PM-Community für einen Augenblick den Atem an. Deutschlands bestes Projektteam: Es kommt von dem Wasserfiltrationsexperten BRITA (Taunusstein) und hat in Rekordzeit ein innovatives Produkt auf den Markt gebracht. Ein wahres Projektmeisterstück, für das die Jury dem hessischen Team den Deutschen Project Excellence Award 2011 (DPEA) zuerkannte. So hatte das Team sein Projekt um ein halbes Jahr verkürzt, damit es ein günstiges „Zeitfenster“ für den Marktauftritt nutzen konnte. Auf den zweiten Platz beim diesjährigen Wettbewerb um Spitzenleistungen im Projektmanagement kam ein unternehmensübergreifendes Team der Fraport AG und der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH. Dieses Team platzierte sich als Finalist mit einem Organisationsprojekt. „Die beiden Projekte zeigen, welche enormen Vorteile die Wirtschaft aus professionellem Projektmanagement zieht“, erklärte Gabriele Danzebrink anlässlich der Award-Verleihung auf dem „Internationalen Deutschen Projektmanagement Forum“ in Nürnberg. Michael Boxheimer, Programmmanager des DPEA 2011, betonte: „Die beiden sehr unterschiedlichen Projekte haben Projektmanagement variabel zum Einsatz gebracht. Dies hilft den Unternehmen, ihre geschäftspolitischen Ziele zu erreichen.“ In zwei kurzen Filmen präsentierten die beiden Teams den rund 800 Gästen ihre Leistungen. So hat das BRITA- Team ein Haushaltsgerät entwickelt, das auf Basis eines Kapselsystems Getränke mit Fruchtaroma herstellt. Neben der technischen Entwicklung von Gerät und Kapseln erarbeitete das Team unter anderem Verpackungen sowie Strategien für Marketing und Vertrieb. Zudem wurde die Innovation auch noch rechtlich abgesichert. Ein lupenreines Projekt: Mit seinem Vorhaben betrat das Team für BRITA völliges Neuland. Denn das Unternehmen befasst sich seit über vierzig Jahren mit Wasserfiltration, nicht mit Erfrischungsgetränken. „Wir mussten uns zügig das erforderliche Know-how über Lebensmittel aneignen“, beschrieb der stellvertretende Projektleiter Stefan Hother die Herausforderung. Auf seinem manchmal steinigen Weg zum Ziel hat das Team ausgezeichneten Teamgeist entwickelt. „Wir haben die hohe Motivation von Anfang an gezielt gefördert“, erklärte Projektmanager Andreas Meyer-Eggers, „zu den Erfolgsfaktoren gehörten beispielsweise ehrliche Information aller Beteiligten, eigenverantwortliche Tätigkeit unserer Mitarbeiter und ein lösungsorientierter Umgang mit Problemen.“ Zu einem Gemeinschaftsprojekt schlossen sich Teams der Fraport AG, Betreiberin des Flughafens Frankfurt, und der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH zusammen. Sie standen vor der schwierigen Aufgabe, ein neues Verfahren einzuführen, mit dem die Flugbetriebsprozesse optimiert werden sollen („Airport Collaborative Decision Making“, kurz „Airport-CDM“). Damit schuf das Team einen Rahmen, um den Informationsaustausch für die Abfertigung von Luftfahrzeugen weiter zu verbessern und abzustimmen. Solche Optimierungen helfen, Störungen im Ablauf zu reduzieren und Ressourcen besser zu nutzen. Unter dem Strich wird damit auch Energie eingespart und ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet. Außerdem machen die Optimierungen den Luftverkehr noch pünktlicher. „Eine solche Veränderung kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen - angefangen bei den Tower- und Rollfeldlotsen über Piloten und Airlines bis hin zu Handlingsagenten und Bodenabfertigungsdiensten. Die Partner mussten lernen, auch Einzelinteressen zugunsten des Ganzen zurückzustellen“, erklärte Projektmanager Stefan Hilger. Deshalb machte das Projektteam von Anfang an „die Betroffenen zu Beteiligten“. Es informierte die verschiedenen Interessengruppen laufend über den Projektfortschritt und beteiligte sie vor allem an der Arbeit. Beispielsweise holte es Mitarbeiter der wichtigsten Partner ins Projektteam - in „verantwortliche Positionen“, wie Projektmanager Christan Hübner betonte. Umfangreiche Kommunikationsmaßnahmen und Schulungsprogramme begleiteten das Projekt. „Einen Großteil unserer Zeit haben wir investiert, um Verständnis für die Veränderung zu wecken“, so Hübner. Solche „Best Practices“ bezeichnete die Jury als vorbildlich. Deutscher Project Management Award 2011 geht an BRITA Deutschlands bestes Projektteam kommt von dem Wasserfiltrationsexperten BRITA (Taunusstein). Die GPM zeichnete es mit dem Deutschen Project Excellence Award 2011 (DPEA) aus. Foto: Oliver Steeger GPM Deutschlands bestes Projektteam. Der „Deutsche Project Excellence Award 2011“ ging an ein Projektteam des Wasserfiltrationsexperten BRITA. Dem BRITA-Team war es gelungen, in Rekordzeit ein Haushaltsgerät zur Herstellung von Erfrischungsgetränken zu entwickeln. Das Projekt beinhaltete neben der Entwicklung von Gerät und Kapsel auch Produktmarketing, Marketingstrategie, Layout, Verpackung, rechtliche Absicherung sowie die Vertriebsstrategie. Den zweiten Platz im Wettbewerb belegte das Gemeinschaftsprojekt „Airport-CDM@FRA“ von Fraport und DFS, das als Finalist geehrt wurde. Es hatte zum Ziel, ein neues Verfahren zur Optimierung der Flugbetriebsprozesse, das sogenannte „Airport Collaborative Deci- PM_5-2011_1-60: Inhalt 08.11.2011 7: 50 Uhr Seite 4 PM_5-2011_1-60: Inhalt 08.11.2011 7: 51 Uhr Seite 5 sion Making“, am Flughafen Frankfurt Main einzuführen. Um eine bessere Planbarkeit und Transparenz der Flugbetriebsprozesse zu erhalten, mussten Betriebsverfahren entwickelt und die IT-Systemlandschaften angepasst werden. Weiteres Highlight der Abendveranstaltung: Zum 16. Mal verlieh die GPM den „Deutschen Studienpreis Projektmanagement“. Sie prämierte wissenschaftliche Arbeiten von Dr. Ailke Heidemann (Karlsruher Institut für Technologie), Korbinian Krämmel (Technische Universität München) sowie Andreas Winkelbach (Universität Kassel). Wer von Sternstunden im Projektmanagement spricht, denkt automatisch auch an die spektakulären Raumfahrtprojekte der NASA. So lud die GPM einen NASA- Experten als Keynote Speaker nach Deutschland ein: Dr. Ed Hoffman, Director NASA Academy of Program/ Project & Engineering Leadership, berichtete über das NASA-Projektmanagement. „Lernen und Innovationen sind kritische Erfolgsfaktoren für die komplexen NASA- Projekte“, erklärte er und erläuterte die Strategien, mit denen die NASA das Lernen vorantreibt auf den drei Ebenen „Individual Practitioners“, „Project Teams“ und „Organization“. Dieser Ansatz stelle sicher, dass Einzelpersonen ihre Kompetenzen ausbauen, Teams die für ihren Bereich erforderliche Unterstützung erhalten und die NASA als lernende Organisation weiter reift. Dieses flexibel gestaltete Modell entwickelt die NASA für ihren Bedarf ständig weiter. Ein weiterer Keynote-Vortrag drehte sich um ein Projekt, das Nürnberg über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Dr. Rainer Müller, Technischer Vorstand der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft (Nürnberg), stellte die erste vollautomatische U-Bahn in Deutschland vor. Er berichtete über das Projekt „RUBIN Realisierung einer automatischen U-Bahn in Nürnberg“ (siehe auch Interview „Man dreht sich um - schon ist die U-Bahn da! “ mit Dr. Rainer Müller in projektMANAGEMENT aktuell, Heft 4/ 2011). Weitere „Sternstunden“ unter den Keynote-Vorträgen: Die Fußballerin Birgit Prinz berichtete im Interview über die Höhen und Tiefen ihrer Karriere als Spitzensportlerin. Demnach bestritt die Fußballerin seit ihrem Debüt im Spiel gegen Kanada 1994 208 Länderspiele und gilt mit 128 Toren als Ausnahmetalent. Keynote Speaker Thomas Jansing, Geschäftsführer der in Bayern bekannten Benefizaktion „Sternstunden e. V.“, wandte sich mit einem persönlichen Anliegen an die Wirtschaft. Er erläuterte die Benefizaktion, die kranken, behinderten und Not leidenden Kindern hilft, und präsentierte dabei auch Kooperationsmodelle für die Wirtschaft. Vor dem Hintergrund wachsender sozialer Not steige auch die Bedeutung von sozialem Engagement der Wirtschaft. 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 5/ 2011 6 REPORT Dr. Ed Hoffman, Director NASA Academy of Program/ Project & Engeneering Leadership, erläuterte das NASA-Projektmanagement. Foto: Oliver Steeger „Sternstunden“ im Sport: Im Interview berichtete die Fußballerin Birgit Prinz über ihre Karriere als Spitzensportlerin. Foto: Oliver Steeger Thomas Jansing, Geschäftsführer der in Bayern bekannten Benefizaktion „Sternstunden e. V.“, präsentierte Kooperationsmodelle für die Wirtschaft. Foto: Oliver Steeger PM_5-2011_1-60: Inhalt 08.11.2011 7: 51 Uhr Seite 6 projekt MA N A G E M E N T aktuell 5/ 2011 l 7 Nachwuchswissenschaftler zu fördern - dieses Ziel verfolgt die GPM seit vielen Jahren. Zum 16. Mal verlieh sie auf dem „Internationalen Deutschen Projektmanagement Forum 2011“ den „Deutschen Studienpreis Projektmanagement“. Für exzellente Arbeiten zeichnete die GPM Dr. Ailke Heidemann (Karlsruher Institut für Technologie), Korbinian Krämmel (Technische Universität München) und Andreas Winkelbach (Universität Kassel) aus. „Mit diesem Preis fördert die GPM nicht nur hoch motivierte Absolventen, sondern baut auch den Wissenstransfer mit den Hochschulen aus“, erklärte Prof. Siegfried Seibert, Vorsitzender des Kuratoriums der GPM, „damit macht die GPM ihren Mitgliedern neues Gedankengut zugänglich.“ Er dankte den Mitgliedern des Kuratoriums sowie Anett Kalb vom PM-Award-Büro für ihre Mitwirkung am Studienpreis. Dr. Ailke Heidemann hatte ihre Dissertation eingereicht unter dem Titel „Kooperative Projektabwicklung im Bauwesen unter Berücksichtigung von Lean-Prinzipien - Entwicklung eines Lean-Projektabwicklungssystems“. Der Hintergrund ihrer Arbeit: Der Erfolg von Projekten hängt bekanntlich ab von der frühzeitigen Einbindung von Projektbeteiligten und deren partnerschaftlicher Zusammenarbeit. Der in den USA entwickelte Lean Construction-Ansatz sowie das australische Alliancing-System verfolgen genau diese Strategie früher Einbindung. Auf Bauprojekte in Deutschland jedoch lassen sich die beiden vielversprechenden Vorgehensweisen offenbar nicht ohne Weiteres übertragen. Schwierigkeiten ergeben sich, wenn Bauprojekte öffentlichen Vergabevorschriften folgen müssen. Denn nach der Vergabe können Optimierungen kaum noch berücksichtigt und umgesetzt werden. In ihrer Dissertation analysiert Dr. Ailke Heidemann dieses Problem. Sie untersucht den Lean Construction-Ansatz, das Alliancing-System sowie mögliche Hindernisse in Deutschland. Die ermutigende Erkenntnis: Projekte, deren Ergebnisse vorab nicht exakt festliegen, können von den Ansätzen „erheblich profitieren“, wie die junge Wissenschaftlerin festgestellt hat. Ebenfalls aus dem Bauwesen stammt die Master’s Thesis von Korbinian Krämmel unter dem Titel „Entwicklung von Kriterien zur Beschreibung der Projektabwicklungskompetenz von Bauunternehmen“. Projektorientierte Unternehmen mit hoher Kompetenz für Projektabwicklung sind erfolgreicher und weniger krisenanfällig als Mitbewerber, denen diese Kompetenz fehlt. Dies hat man auch in der Finanzwirtschaft erkannt. Bei der Kreditvergabe spielt die Abwicklungskompetenz mittlerweile eine große Rolle (Eigenkapitalvorschriften Basel II). Auch bei der öffentlichen Auftragsvergabe werden Nachweise und Beurteilungen bei der Eignungsprüfung verlangt. Die Schwierigkeit: Solche Nachweise und Beurteilungen stützen sich vor allem auf Referenzen und Auswertungen aus der Vergangenheit. Über die gegenwärtige Kompetenz sagen sie verhältnismäßig wenig aus. An diesem Punkt setzt Korbinian Krämmel an. Er legt erstmals einen Kriterienkatalog vor, mit dem die Projektabwicklungskompetenz beurteilt werden kann - und zwar auf die Zukunft bezogen. Korbinian Krämmel hat empirisch bei Auftraggebern, Auftragnehmern, Investoren und Projektsteuerern die Einflussfaktoren für den Projekterfolg ermittelt. Anschließend untersuchte er systematisch die vielfältigen Vernetzungen zwischen den Faktoren. Er arbeitete die Wirkungszusammenhänge und die erfolgsdeterminierenden Strukturen heraus, die er auf die entscheidenden, die Projektabwicklungskompetenz aktiv beeinflussenden Kriterien reduzierte. „Project Management Offices in Complex Projects within Start-up Enterprises - Using the Example of a Small Automotive OEM Enterprise of Electric Driven Luxury Cars“ - unter diesem Titel steht die englischsprachige Diplomarbeit von Andreas Winkelbach. In der Gründungsphase verfügen Start-up-Unternehmen in der Regel weder über eine strukturelle Organisation noch über etablierte Prozesse und Standards. In dieser frühen Phase brauchen sie auch noch kein Projektmanagement. Der Bedarf an Projektmanagement wächst erst mit der weiteren Entwicklung des Start-ups. Aber: Bei jungen Automobilunternehmen zeichnet sich ein völlig anderes Bild ab. Wegen des komplexen Produkt- und Technologieportfolios ist bereits von Beginn an professionelles Projektmanagement erforderlich. Dieses Problem greift Andreas Winkelbach in seiner umfangreichen Fallstudie auf. Er untersucht exemplarisch die Randbedingungen für den Aufbau von Project Management Offices (PMO). Eine wichtige Erkenntnis seiner Arbeit: Wer ein PMO in einem Start-up schrittweise organisch etabliert, riskiert, dass Projektmanagement nicht ausreichend Priorität hat und dass die PM-Strukturen suboptimal aufgesetzt werden. Deshalb brauchen Start-ups ein strategiekonformes PM-Konzept. Erforderlich sind darüber hinaus der Aufbau von Matrixstrukturen mit definierten PM-Funktionen und PM-Kompetenzen sowie ein schneller Aufbau von PM-Expertise bei Management und Mitarbeitern. ■ GPM verleiht den Deutschen Studienpreis Projektmanagement 2011 Strahlende Gewinner (v. l. n. r.): Dr. Ailke Heidemann, Korbinian Krämmel und Andreas Winkelbach mit Prof. Siegfried Seibert, Vorsitzender des Kuratoriums der GPM. Foto: Oliver Steeger PM_5-2011_1-60: Inhalt 08.11.2011 7: 51 Uhr Seite 7