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PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
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2012
231 Gesellschaft für Projektmanagement

Nachrichten

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2012
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❙ Die Automobilindustrie strotzt derzeit vor Selbstbewusstsein. Absatzzahlen, Umsatzwachstum und Gewinne der deutschen Hersteller sind erneut rekordverdächtig. Dabei sah die automobile Welt vor drei Jahren noch umgekehrt aus. Die weltweite Finanz- und Immobilienkrise verursachte eine Rezession und ließ die Nachfrage nach Fahrzeugen rapide fallen. Gerade die auf das Segment der Premiumfahrzeuge spezialisierten deutschen Hersteller wie auch Zulieferer mussten damals besonders schwer unter der Entwicklung leiden. Nur durch einen massiven Abbau der Produktion, Kurzarbeit und mit einem leichten Rückenwind durch staatliche Förderprogramme gelang es der Branche hierzulande, das Schlimmste abzuwenden. In der Krise wurde auch ein tiefer gehendes Problem deutlich. Die Automotivebranche in Deutschland ist zwar technologisch führend. Sie hat sich aber teilweise am Markt vorbeientwickelt, der angesichts hoher Spritpreise plötzlich nach kleineren, sparsameren Fahrzeugen verlangt und dabei gerne auf die von Toyota produzierten Hybridfahrzeuge setzt. Insgesamt also eine kritische Situation, die für die Branche in Deutschland auch zum Crash hätte führen können. Was also hat die Wende gebracht? Ein wichtiger Trend, dem sich Hersteller wie Zulieferer heute stellen müssen, ist die anziehende Nachfrage aus den Schwellen- und Entwicklungsländern. Dazu zählen unter anderem die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China. Zwei Drittel des globalen Wirtschaftswachstums in 2010 erfolgten in diesen Ländern, was auch der Automobilindustrie zugutekam. So hat Deutschland im letzten Jahr fast die Hälfte seiner Wirtschaftsleistung ins Ausland exportiert, darunter im großen Stil Fahrzeuge und Fahrzeugteile. Zudem hat die Produktionsleistung der Automobilindustrie im Ausland massiv zugenommen. Nach Angaben des VDAVerband der Automobilindustrie übertraf 2010 die Auslandsproduktion der deutschen Hersteller mit rund 6 Millionen Pkws erstmals die Fertigung im Inland, die sich auf rund 5,5 Millionen Fahrzeuge belief. Deshalb findet Projektarbeit in der Automobilindustrie zunehmend in einem globalen Kontext statt. Neben den inhaltlichen Herausforderungen in Projekten kommen noch Zeitunterschiede, verteiltes Arbeiten, sprachliche Barrieren und kulturelle Unterschiede auf die Projektmanager zu. Eine wichtige Rolle beim Wiedererstarken der Branche spielen die Zulieferunternehmen. Sie tragen mit einem Großteil der Entwicklung von Innovationen zu dem hohen Leistungsniveau der Branche bei. Neue Fahrzeug- und Produktionskonzepte sind ohne leistungsfähige Zulieferer kaum denkbar. Auch wenn in den Jahren 2008 und 2009 die Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung gelitten haben, so wurde 2010 wieder ein Rekordniveau erreicht: Keine andere Branche investiert so viel in F&E wie die Automobilbranche! Schwerpunkte sind derzeit die Antriebstechnologie, neue Materialien für den Einsatz im Leichtbau, Elektronik für unterschiedliche Anwendungsbereiche sowie viel Software im Bereich Infotainment, aber auch für die Steuerung hoch komplexer Fahrwerke und Systeme in den Fahrzeugen. Diese Trends wirken sich auf das Projektmanagement in der Automobilindustrie aus. Es gilt weiter in das Projektmanagement zu investieren und entsprechende Systeme weiterzuentwickeln. Traditionell spielt das Projektmanagement bei den Automobilherstellern und den Systemlieferanten seit jeher eine große Rolle. Bei den Teile- und Komponentenlieferanten wurden ange sichts des zunehmenden Markt- und Kundendrucks in den letzten Jahren entsprechende Investitionen getätigt. Heute fordern nicht nur einschlägige Branchenstandards wie beispielsweise die VDA 6.3 die Anwendung von Projektmanagement nach DIN 69901. Auch fragen die Automobilhersteller bei Lieferantenaudits immer häufiger nach dem Projektmanagement, und dabei geben sie sich nicht mit vorgefertigten PM- Handbüchern zufrieden. Darüber hinaus wird immer häufiger gefordert, das Topmanagement über Projektsteuerkreise und bei den Freigaben an Quality Gates einzubinden. Und: Projektmanager müssen ihre Kompetenz nachweisen, dabei spie- 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 1/ 2012 48 NACHRICHTEN ■ Die Fachtagung „Portfolio- und Projektmanagement mit SAP PPM“ wird vom 28. Februar bis 1. März 2012 von der T.A. Cook & Partner Consultants GmbH in Berlin veranstaltet. Weitere Infos: www.tacook.de oder n.troeger@tacook.com ■ Die „Frühjahrstagung Projektmanagement 2012“ zum Thema „Die neuen Kompetenzen der Projektmanager“ der spm - swiss project management association wird am 20. März 2012 in Zürich/ Schweiz durchgeführt. Weitere Infos: office@spm.ch oder www.spm.ch ■ Die Veranstaltung „Projektmangement im Kontext 2012 - Projektrisiko erkennen, managen, vorbeugen“, gestaltet von Günther Rainalter Consulting und Projekt Management Austria, wird am 20. März 2012 in Innsbruck/ Österreich stattfinden. Weitere Infos: veranstaltung@p-m-a.at oder www.imkontext.eu ■ Das Trendforum „Multi-Projektmanagement 2012 - Moderne Methoden, Tools & People’s Business“ der Management Circle AG findet vom 20. bis 21. März 2012 in München statt. Weitere Infos: anmeldung@managementcircle.de oder www.projektmanagementkongress.de ■ The “PMI ® Global Congress 2012 - EMEA“ of the PMI Project Management Institute takes place from 7 th to 9 th of May 2012 in Marseille, France. More information: customercare@pmi.org or congresses.pmi.org (english) ■ Die Expertentagung „Internationales Projektmanagement - Erfolgsfaktoren für Projektmanagement im internationalen Umfeld“ wird vom Institut für Projektmanagement am 9. und 10. Mai 2012 in Hamburg veranstaltet. Weitere Infos: tagungsbuero@pmi-institut.de oder www.pm-institut.de ■ Die Konferenz „interPM 2012“ zum Thema „IT-Projektmanagement 2012 - im Spagat zwischen Industrialisierung und Agilität? “ wird vom 11. bis 12. Mai 2012 von der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. und der Gesellschaft für Informatik e. V. (GI) in Glashütten/ Taunus durchgeführt. Weitere Infos: info@gpm-ipma.de oder www.interpm.de ■ Die Veranstaltung „Optimize Your IT Projects“ wird von der IT Verlag GmbH vom 12. bis 13. Juni 2012 in Fürstenfeld bei München durchgeführt. Weitere Infos: parthier@uspmarcom.de oder www.it-daily.net/ events/ pm_12/ index.php ■ Das „29. Internationale Deutsche Projektmanagement Forum“ wird unter dem Motto „Auf Kurs bleiben mit Projektmanagement - Kompass in bewegten Zeiten“ von der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. am 23. und 24. Oktober 2012 in Nürnberg veranstaltet. Weitere Infos: info@pm-forum.de oder www.pm-forum.de ■ The “26 th IPMA World Congress: Integrating Project Management Standards” will be held by + + + PM-Termine + + + PM-Termine + + + Quo vadis Automotive-PM? PM_1-2012_1-60: Inhalt 30.01.2012 16: 05 Uhr Seite 48 projekt MA N A G E M E N T aktuell 1/ 2012 l 49 len auch entsprechende Zertifikate eine zunehmende Rolle. Die auf große Serien ausgerichtete Branche setzt verstärkt auf Standards. Standards dienen als Mittel zur Abstimmung aller Beteiligten. In Deutschland spielt dabei die rechtliche Selbstständigkeit der Unternehmen eine große Rolle. Sie erfordert eine einheitliche „Sprache“ und eine enge Koordination der arbeitsteiligen Prozesse. Je größer die räumlichen, zeitlichen und kulturellen Barrieren in der internationalen Zusammenarbeit der Branche werden, umso mehr Energie muss deshalb für die Projektplanung und -steuerung aufgewendet werden. Die Konsequenz: Die Bedeutung des Projektmanagements steigt weiter. Bei der GPM wurde bereits Anfang 2002 eine Fachgruppe zum Thema „Projektmanagement in der Automobilindustrie“ gegründet. Langfristige Ziele der Fachgruppe sind die Analyse und Bewertung der aktuellen Situation und aktueller Trends in Branche und Automotiveprojektmanagement, die Erarbeitung von Konzepten für die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in Automotiveprojekten sowie die Erarbeitung branchenspezifischer Standards für das Projektmanagement, die Weiterentwicklung des Know-hows und geeigneter Lösungsansätze für die Unternehmen der Branche sowie die Pflege des Informations- und Erfahrungsaustausches. Mitte September 2011 fand der inzwischen 30. Workshop der Fachgruppe statt. Am Anfang der Fachgruppenarbeit stand die Verbesserung der Beziehungen zwischen Herstellern und ihren Zulieferern in der Automobilentwicklung im Vordergrund. Die Fachgruppe entwickelte ein für die Branche maßgeschneidertes Konzept mit der Bezeichnung „Cross Company Collaboration PM C3PM“ sowie eine „Collaborative Project Scorecard CPS“, mit der unternehmensübergreifend die Ziele von Automotiveprojekten abgestimmt werden können. In den letzten Jahren spielten außerdem die zunehmenden Forderungen der Automobilhersteller an die Zulieferer, ins Ausland mitzugehen und dort Fertigungsbzw. Entwicklungskapazitäten aufzubauen, eine Rolle. Dies ist gerade für kleinere Unternehmen der Branche ein gewaltiger Kraftakt. Er erfordert hohe Investitionen. Zudem erzwingt er, Projektmanagement über nationale Grenzen hinaus an internationale Standorten zu transferieren - also an Orte, die von kulturellen Besonderheiten und anderem Prozess- und Projektverständnis geprägt sind. In der Fachgruppe wurden durch intensive Diskussionen und durch Erfahrungsaustausch mit den Betroffenen wichtige Impulse für die Industrie gesetzt. Nur bei kontinuierlicher Verbesserung des Projektmanagements können die Unternehmen am Hochlohnstandort Deutschland dem anhaltenden Verdrängungswettbewerb etwas entgegensetzen. Mit Studien zum Projektmanagement in der Automobilindustrie ermittelte die Fachgruppe 2002, 2006 und 2010 den Handlungsbedarf im Projektmanagement sowie die Effizienzsteigerungspotenziale. Unbestritten ist: In Teilen besteht weiterhin erheblicher PM- Nachholbedarf sowohl bei Zulieferern als auch bei Herstellern. In den Diskussionen mit Fachgruppenmitgliedern und Unternehmern wurde der anhaltende Bedarf für Investitionen betont. Dazu sind auch regelmäßige Audits bzw. PM-Assessments erforderlich. Deswegen hat sich die Fachgruppe auch mit den entsprechenden Verfahren auseinandergesetzt. Ein besonderer Schwerpunkt der Fachgruppe ist - und wird es wohl auch in der Zukunft bleiben - das Thema PM-Standards. Neben der Dominanz von prozessorientierten Standards für die Entwicklung und Herstellung von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen setzen sich erst langsam Standards für das Projektmanagement in der Automobilindustrie durch. Die meisten Unternehmen haben aufwendig eigene PM-Standards entwickelt, die es mühsam von Projekt zu Projekt an die Bedürfnisse der Partner anzupassen gilt. Gerade im internationalen Umfeld besteht hier weiter Bedarf für eine Anpassung. So setzt die Fachgruppe große Hoffnung in internationale PM-Standards, wie die 2012 zur Veröffentlichung anstehende ISO 21500. Darüber hinaus wird auch die bessere Koordination der vielen Projekte (Multiprojektmanagement) bei knappen Ressourcen ein Zukunftsthema. Noch werden die Ressourcen recht pragmatisch verplant und gesteuert. IPMA International Project Management Association from 29 th to 31 st of October 2012 on Crete, Greece. More information: www.2012.ipma.gr (english) ■ Das Seminar „Der Heldenweg eines Projektleiters“ vom 7. bis 9. Mai 2012 in Frankfurt widmet sich der Frage: „Gibt es einen archetypischen Weg zur Führungsstärke? “ Die Teilnehmer erleben, welche Schritte und Potenziale es dafür braucht. Sie lernen bewusst auf tief verankerte Kraftquellen zurückzugreifen; das eigene Denken, Fühlen und Handeln für den Projektalltag zielgerichtet zu entwickeln und es wach zu reflektieren. Wer täglich neu vor Herausforderungen im Projektalltag steht, bewältigt … eine Heldenreise. Helden sind Sinnbilder für jene, die Wagemut, Tatkraft, Kreativität und Fingerspitzengefühl aufbringen. Das HeldenPrinzip dient als Leitfaden für die kraftvoll schöpferische Selbststärkung des Projektleiters. ■ Wie stellt man sicher, dass Projekte innerhalb der Organisation optimal abgewickelt werden? Welche Entscheidungsvorlagen sollten Projektleiter von ihrem Projektteam mindestens erwarten? Welche Regeln und Randbedingungen muss das Management setzen? Projekte sicher zum Erfolg führen - mit den richtigen KPIs und dem Seminar „Projektmanagement für Chefs - Projekte strategisch führen“ vom 10. bis 11. Mai 2012 in Frankfurt. ■ Die Teilnehmerinnen des Seminars „Frauen als erfolgreiche Projektmanagerinnen“ vom 25. bis 27. Juni 2012 in Köln erfahren, wie sie Diversitymanagement im Projektteam ausbilden. Es geht darum, wie Frauen erfolgreicher als Projektmanagerinnen agieren, sich die weiblichen Stärken bewusst machen, persönliche Besonderheiten reflektieren und ein passendes lösungsorientiertes Handlungsrepertoire für den Kontext männlich geprägter Projektkultur entwickeln. Weitere Informationen zu den GPM Seminaren unter Tel.: 09 11/ 43 33 69-0, E-Mail: seminare@ gpm-ipma.de oder www.gpm-ipma.de Bei diesen Terminen handelt es sich um eine Auswahl der umfangreichen Angebote. Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen, aber ohne Gewähr. GPM Seminare + + + PM-Termine + + + PM-Termine + + + Allerdings werden wohl in Zukunft viele Ressourcen für die Fahrzeugindustrie zu kritischen Größen, darunter neben den Rohstoffen vor allem auch die hoch qualifizierten Mitarbeiter. Reinhard Wagner, Leiter Fachgruppe Automotive PM, R.Wagner@gpm-ipma.de PM_1-2012_1-60: Inhalt 30.01.2012 16: 05 Uhr Seite 49