eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 23/2

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
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2012
232 Gesellschaft für Projektmanagement

Nachrichten

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❙ Unternehmen definieren sich heute mehr und mehr durch Projektarbeit - und sie organisieren ihre Arbeit durch Projekte. Viele Studien haben in der Vergangenheit bestätigt: Die Menschen in den Projekten bestimmen über den Erfolg von Projekten. Die zu eng geführte Fokussierung auf historisch-typische Erfolgsparameter wie Strukturen und Prozesse scheint zunehmend weniger Erfolg versprechend. Diese Erkenntnis verbindet das Projektmanagement von Unternehmen auch mit deren Personalabteilungen. Dort konzentriert man sich stark darauf, Führungskräfte zu entwickeln; immer häufiger richtet sich dabei die Aufmerksamkeit auch auf Projektmanager. Als Konsequenz einer zunehmenden Ausrichtung auf das Projektgeschäft könnte der Projektmanager immer mehr zum „Objekt der Begierde“ der Führungskräfteentwicklung werden. Deshalb werden die Personalarbeit und Personalentwicklung zu einem bedeutsamen Baustein für die Praxis des Projektmanagements. Interessanterweise besetzt Personalentwicklung im Bereich des Projektmanagements aktuell bereits wichtige Themen. Dabei scheinen bei der Personalentwicklung drei Schwerpunktthemen im Vordergrund zu stehen: Kompetenzmodelle für Projektmanager, Qualifizierung und Training für Projektmanagement sowie Projektmanagement als Lerninstrument. Im Einzelnen: Kompetenzmodelle: Projektmanager managen Projekte. Die Aufgaben, Anforderungen und Verantwortlichkeiten münden in komplexe Soll-Kompetenzen, die Projektmanager benötigen, um die Herausforderungen gut zu meistern. Viele Unternehmen haben in der Vergangenheit Kompetenzmodelle eingeführt, die von den Unternehmenswerten und den Anforderungen an Führungskräfte bedingt werden. Diese bilden beispielsweise die Basis von Leistungsbeurteilungen und Entwicklungsaktivitäten (wie etwa in einem 360°-Feedbackprozess). Vor dem Hintergrund der Unterschiedlichkeit der Herausforderungen eines Linienmanagers vs. eines Projektmanagers zeichnet sich in vielen Unternehmen immer deutlicher der Trend ab, das implementierte Kompetenzmodell für den Projektmanager anzupassen oder gar ein eigenes Modell zu entwickeln und einzuführen. Qualifizierung und Training: Mit dem Thema Weiterbildung - im Sinne etwa von fachlicher interner wie externer Qualifizierung/ Ausbildung oder von Seminarangeboten - hat sich einst die Personalentwicklung als „Tochter“ der Personalarbeit emanzipiert. Darauf hat sich in den letzten Jahrzehnten ein großer Markt für Qualifizierung und Training aufgebaut. Die Angebote wurden immer weiter ausdifferenziert. Ein bezeichnendes Beispiel dafür sind die von der GPM angebotenen IPMA-4-L-C-Zertifikate für Projektmanager. Vor dem Hintergrund wachsender Bedeutung des Projektmanagements werden wahrscheinlich die Anforderungen steigen, die an Angebote zu Qualifizierung und Training für Projektmanager gerichtet sind. Projektmanagement als Lerninstrument: Betrachtet man die aktuelle Diskussion über Personalentwicklung, erkennt man deutlich das individuelle und organisationale Lernen als Zukunftsthema. Dabei werden zunehmend die Möglichkeiten und Chancen von „Lernen in Projekten“ diskutiert. Projekte bieten bekanntlich ein hohes Maß an Lernpotenzial. Die funktionsübergreifende Zusammensetzung eines Projektteams bietet den Mitarbeitern Einblick in andere Unternehmensbereiche. Die Zusammenarbeit mit Menschen außerhalb des bisherigen „Funktions-Silos“ öffnet Zugänge zu neuen Erfahrungswelten. Das Projekt unterstützt Projektmanager wie Projektmitarbeiter in ihrer eigenen Professionalisierung und Weiterentwicklung. Lernen in neuen und herausfordernden Projektkontexten kann damit zu einem Wettbewerbsvorteil für ein Unternehmen werden. Aus diesen drei übergreifenden Themenkomplexen ergeben sich verschiedene Einzelthemen. Dazu zählen unter anderem die Personalauswahl, Führung von Projektteams, Zusammenarbeit im Team, Ver- 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 2/ 2012 58 NACHRICHTEN ■ Der „7. PRINCE2 ® -Tag Deutschland“ der QRP Management Methods International GmbH wird am 26. April 2012 in Köln durchgeführt. Weitere Infos: info@prince2tag.de oder www.prince2tag.de ■ The “PMI ® Global Congress 2012 - EMEA“ of the PMI Project Management Institute takes place from 7 th to 9 th of May 2012 in Marseille, France. More information: customercare@pmi.org or congresses.pmi.org (english) ■ Die Expertentagung „Internationales Projektmanagement - Erfolgsfaktoren für Projektmanagement im internationalen Umfeld“ wird vom Institut für Projektmanagement am 9. und 10. Mai 2012 in Hamburg veranstaltet. Weitere Infos: tagungsbuero@pmi-institut.de oder www.pm-institut.de ■ Die internationale Konferenz „happy projects’12 - PROJEKTE & (re-thinking) RISIKEN“ der Roland Gareis Consulting und der Projektmanagement Group der Wirtschaftsuniversität Wien findet vom 10. bis 11. Mai 2012 in Wien, Österreich, statt. Weitere Infos: office@rgc.at oder www.happyprojects.at ■ Die Konferenz „interPM 2012“ zum Thema „IT-Projektmanagement 2012 - im Spagat zwischen Industrialisierung und Agilität? “ wird vom 11. bis 12. Mai 2012 von der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. und der Gesellschaft für Informatik e. V. (GI) in Glashütten/ Taunus durchgeführt. Weitere Infos: info@gpm-ipma.de oder www.interpm.de ■ Die Veranstaltung „Optimize Your IT Projects“ wird von der IT Verlag GmbH vom 12. bis 13. Juni 2012 in Fürstenfeld bei München durchgeführt. Weitere Infos: parthier@uspmarcom.de oder www.it-daily.net/ events/ pm_12/ index.php ■ Die Expertentagung „Effizientes Programm- Management - Vernetzte Projektprogramme zeitgemäß managen“ des Instituts für Projektmanagement wird am 12. und 13. Juni 2012 in Frankfurt am Main stattfinden. Weitere Infos: tagungsbuero@pm-institut.de oder www.pm-institut.de ■ Die Expertentagung „Engpassfaktor: Kapazitäten und Ressourcen im Multiprojektmanagement - Strategische und operative Lösungsoptionen im Multiprojektmanagement“ wird vom Institut für Projektmanagement am 27. Juni 2012 in Frankfurt am Main durchgeführt. Infos: tagungsbuero@ pm-institut.de oder www.pm-institut.de ■ The “9 th Annual Project Management Australia Conference (PMOz): Walk the Talk”, organized by PM Global, will take place from 15 th to 16 th of August 2012 in Melbourne, Australia. Further information: PMOz@eventcorp.com.au or www.pmoz.com.au (english) + + + PM-Termine + + + PM-Termine + + + „Spagat“ zwischen Projektmanagement und Personalmanagement PM_2-2012_1-68: Inhalt 28.03.2012 12: 20 Uhr Seite 58 projekt MA N A G E M E N T aktuell 2/ 2012 l 59 trauen und Motivation im Projektteam, Umgang mit Mikropolitik, Projektlaufbahnen, interkulturelles Projektmanagement sowie Projektcoaching. Die GPM Fachgruppe ProjektPersonal hat sich die Diskussion dieser Themen zur Aufgabe gemacht. Das gemeinsame Anliegen der Mitglieder dieser Gruppe besteht darin, die Bedeutung des Themas Personal im Projektmanagement (und „vice versa“) voranzubringen und die Fachwelt auf die Bedeutung der Personalaspekte für das Projektmanagement aufmerksam zu machen. So hat die Fachgruppe ProjektPersonal dazu auf den vergangenen Treffen verschiedene Einzelfragen in den Fokus genommen. Besonders intensiv wird die Frage diskutiert, wie viel Vorbereitung und Qualifizierung angehende Projektmanager von ihrem Arbeitgeber oder Auftraggeber erwarten können. Zu diesen Fragen hat die Fachgruppe gemeinsam mit der GPM Young Crew unlängst eine Studie unter jungen Projektmanagern lanciert. Diese Studie ist eine Folgestudie zu der Studie „Anforderungen, Erwartungen und Wünsche von Projektleitern an Firmen und Auftraggeber“ (2010). Ziel der Studie war es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Young Professionals im Projektmanagement und erfahrenen Projektmanagern zu identifizieren. Schwerpunktthemen waren dabei zum Beispiel „Karriere - Berufliche Entwicklung und Perspektive“, „Struktur und Organisation“, „Unterstützung in Projekten“ sowie „Kommunikation und Kooperation“. Die Ergebnisse der Studie werden demnächst vorgestellt. Ein weiteres Schwerpunktthema der Fachgruppe ist die Weiterentwicklung der Ausbildung zum Projektmanagement-Qualifizierungscoach. Diese Ausbildung wurde von Mitgliedern der GPM Fachgruppe ProjektPersonal und der Bitcom gemeinsam entwickelt. Seit 2009 bietet die GPM den Lehrgang an. Ein Projektmanagement-Qualifizierungscoach (GPM) versteht sich als Lernprozessbegleiter sowie Fachberater und Mentor bei der Weiterentwicklung und Förderung junger Projektmitarbeiter auf dem Weg hin zur Projektleitung. Fabian Hoffmann ■ The “6 th Annual Project Management Symposium: Project Management in a Risky World” will be organized by the University of Texas at Dallas from 16 th to 17 th of August 2012 in Dallas, USA. Further information: pmsymposium@utdallas.edu or http: / / pmsymposium.utdallas.edu (english) ■ Der „PMO Tag“ der GPM Fachgruppe Project Management Offices wird am 22. Oktober 2012 in Nürnberg ausgerichtet. Weitere Infos: pmoffices @gpm-ipma.de oder www.pmo-tag.de ■ Das „29. Internationale Deutsche Projektmanagement Forum“ wird unter dem Motto „Auf Kurs bleiben mit Projektmanagement - Kompass in bewegten Zeiten“ von der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. am 23. und 24. Oktober 2012 in Nürnberg veranstaltet. Weitere Infos: info@pm-forum.de oder www.pm-forum.de ■ The “26 th IPMA World Congress: Integrating Project Management Standards” will be held by IPMA International Project Management Association from 29 th to 31 st of October 2012 on Crete, Greece. More information: www.2012.ipma.gr (english) ■ Teilnehmer der Veranstaltung „Projekterfolge durch Wirtschaftlichkeitsanalysen“ am 9. und 10. Mai 2012 in Hamburg lernen, den wirtschaftlichen Projekterfolg im Vorfeld eines Projekts zu prognostizieren sowie ihn über die einzelnen Phasen des gesamten Projektverlaufs zu ermitteln, zu messen und nachzuhalten. ■ Um neue Angebote zu entwickeln, Prozesse zu verbessern oder knifflige Probleme im Projektverlauf zu lösen, sind immer wieder Ideen gefragt. Im Seminar „Kreativitätstechniken im Projekt“ am 10. und 11. Mai 2012 in Nürnberg erlernen die Teilnehmer Einsatz und Anwendung verschiedener Techniken zur Ideenfindung im Projektmanagement an praxisorientierten Beispielen. ■ Die Teilnehmer des Seminars „Projektmanagement wirkungsvoll implementieren“ vom 30. Mai bis zum 1. Juni 2012 in Hamburg bekommen Lösungsansätze, wie sie Akzeptanz fördern und mit Widerständen umgehen können. Sie lernen, das Projekt zur Implementierung zu organisieren, zu managen und die geeigneten Methoden für den Beginn auszuwählen. Weitere Informationen zu den GPM Seminaren unter Tel.: 09 11/ 43 33 69-0, E-Mail: seminare@ gpm-ipma.de oder www.gpm-ipma.de Bei diesen Terminen handelt es sich um eine Auswahl der umfangreichen Angebote. Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen, aber ohne Gewähr. GPM Seminare + + + PM-Termine + + + PM-Termine + + + Forschungspreis für Manfred Saynisch ❙ Manfred Saynisch ist in Dallas mit dem „2011 Project Management Journal Paper of the Year Award“ des Project Management Institute (PMI) ausgezeichnet worden. Das Gründungs- und Ehrenmitglied der GPM erhielt den renommierten Preis für seinen wissenschaftlichen Aufsatz „Mastering Complexity and Changes in Projects, Economy and Society via Project Management Second Order“, der im Dezember 2010 im „Project Management Journal PMJ“ erschienen ist. Der Award wurde am 22. Oktober 2011 anlässlich des „PMI Global Congress 2001“ in Grapevine/ Dallas (Texas) auf einer Galaveranstaltung überreicht. Mark A. Langley (Präsident & CEO des PMI), Peter Monkhouse (Vice Chair PMI Board of Directors) und Beth Partleton (Chair PMI Board of Directors) gratulierten dem Münchner PM-Experten zu dieser Auszeichnung. „This purpose on this award is to recognize the paper, that that made a significant impact to project management research on practice and the importance of refereed journal articles to the advancement of the project management body of knowledge“, würdigte Mark A. Langley die wissenschaftlichen Verdienste von Manfred Saynisch. Für Saynisch kam die Ehrung überraschend, da man sich um diesen Award nicht bewerben kann. Die Juroren sichten wissenschaftliche Arbeiten und ermitteln selbstständig die Preisträger. Manfred Saynischs Artikel im PMJ weckte bei den Gästen der Abendveranstaltung breite Resonanz. Noch auf dem Flughafen bei der Weiterreise gratulierten ihm Teilnehmer und verwickelten ihn in Fachgespräche. Eine kurzfristige Einladung zu einer Gastvorlesung an der Drexel University in Philadelphia konnte aus Zeitgründen leider nicht angenommen werden. Prof. Brane Semolic, Chair des IPMA Research Management Board und Präsident der Slovenischen PM Association, schrieb: „Let me give you my sincere congratulations for this PM_2-2012_1-68: Inhalt 28.03.2012 12: 20 Uhr Seite 59 award. I track your constructive and professional work in last 30 years and I am really sure that you deserve this recognition. I know that you are belonging to the group of international relevant experts from this field.” Mit diesem Preis erhielt Manfred Saynisch innerhalb von vier Jahren die maßgebenden internationalen Auszeichnungen im Bereich der Forschung und Entwicklung zukunftsweisender Konzepte des Projektmanagements. Er wurde bereits 2007 mit dem damals erstmals vergebenen „IPMA Research Award“ ausgezeichnet sowie 2010 mit den ebenfalls erstmals vergebenen „ICCPM Research Prize for Complex Projects“ (zusammen mit Dr. Thomas Baumann und Dr. Louis Klein für eine größere Arbeit aus dem von ihm geleiteten Forschungsprogramm „Neue Wege im PM“). Auf der Rückreise von der Awardverleihung traf Manfred Saynisch in New York die Informatikerin Michiko Diby zu einem Gedankenaustausch. Sie betreibt einen Blog „Kosmothink“, in dem sie auch die mehr wissenschaftlich orientierten Arbeiten von Manfred Saynisch in einer anwenderorientierten Sprache interpretiert. Ihr letzter Beitrag zum Thema „Influence Not Control; The New Project Manager Role“ behandelt den Artikel im PMJ, der jetzt ausgezeichnet wurde. Link vom 4. Juli 2011: http: / / kosmothink.com/ 2011/ 07/ 04/ influence-not-controlthe-new-project-manager-role/ Zuvor war sie unter dem Thema „Shifting Our Thinking To Expect Crisis: Project Management Second Order“ auf die Ergebnisse des Forschungsprogramms „Neue Wege im PM“ eingegangen. Link vom 18.4. 2010: http: / / kosmothink.com/ 2010/ 04/ 18/ shifting-our-thinking-toexpect-crisis-project-managementsecond-order/ Das langjährige Forschungsprogramm „Neue Wege im Projektmanagement (Beyond Frontiers of Traditional Project Management)“ - initiiert und geleitet von Manfred Saynisch - befasst sich mit neueren Sichtweisen und Erkenntnissen in den Natur- und Sozialwissenschaften, die neue Wege für das Management komplexer Projekte zeigen. Interdisziplinäre Teams mit Unterstützung namhafter Experten untersuchten, welche Steuerungsmechanismen diese neuen Sichtweisen entwickeln und wie wir diese Regeln nutzen können. Ein Beispiel gibt die Natur selbst, die sich nach Gesetzen der Evolution und Selbstorganisation entwickelt. Ähnliches gilt für die menschliche Gesellschaft oder das Gehirn. So wurden eine Reihe von Methoden, Prinzipien und Denkweisen entwickelt und diese in dreißig Thesen zusammengefasst (veröffentlicht in: Saynisch, M., Lange, D. (Hrsg.): „Neue Wege im Projektmanagement - Ergebnisse aus Forschungsprojekten 1990- 2000 (Beyond Frontiers of Traditional Project Management)“, GPM Verlag, Nürnberg/ Stuttgart 2002) Das herausragende Ergebnis des Forschungsprogramms war die Entwicklung des „Projektmanagements 2. Ordnung (PM-2)“, das die vielfältigen Ergebnisse des Forschungsprogramms unter einem Dach zusammenfasst. Der Hintergrund: Technik, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft werden immer komplexer und vielschichtiger. In dieser unübersichtlichen Welt steht auch das Projektmanagement heute vor völlig neuen Herausforderungen. Jedoch ist das Projektmanagement weitgehend im Kern so geblieben, wie es vor fünfzig Jahren entwickelt worden ist. Es wird im Zusammenhang mit PM-2 „Projektmanagement 1. Ordnung (PM-1)“ genannt. Beim „Projektmanagement 1. Ordnung (PM-1)“ stehen insbesondere die harten Wirklichkeiten, zielorientiertes Handeln und Instrumente im Mittelpunkt. Probleme zu lösen steht hier unter der Ägide einer linearen und zielorientierten Informationsverarbeitung (Soll-Ist-Vergleich, Maßnahmen, Controlling). In der zweiten Hälfte wurden auch verhaltensorientierte Ansätze aufgenommen. Beispielhaft zu nennen sind hier die umfassenden Konzepte von IPMAs ICB-3, PMIs PMBoK oder Prince 2. Viele Projektmanager wissen, wie schwierig es ist, mit diesem bekannten Instrumentarium komplexe Projekte zu leiten. Mit dem „Projektmanagement 2. Ordnung (PM-2)“ lassen sich Komplexität und Dynamik in Projekten und ihrer Umwelt meistern. Das PM- 1, entworfen und bewährt für eine Projektentwicklung in einer stabilen und transparenten Umgebung, in der Voraussagen möglich sind, wird nicht abgeschafft, sondern es wird weiterhin benötigt. Denn auch hochkomplexe Projekte besitzen stabile Anteile. So schließt der PM-2-Ansatz das existierende, traditionelle PM-1 mit ein und ergänzt es wesentlich um die Denkweisen, Konzepte, Prozesse und Tools, die eine Meisterung der Komplexität sicherstellen. Diese Gesamtsicht wird nun „PM-2“ genannt. Es besteht somit primär aus zwei interagierenden Weltsichten. Die erste Weltsicht entspricht dem PM-1. Die umfangreichen ergänzenden Elemente im PM-2 stellen die zweite Weltsicht dar: Die Handhabung komplexer, instabiler und unsicherer Projektprozesse und -umgebungen. Selbstorganisationsprinzipien, Information und Kommunikation, Beobachtung und Erfassung der Projektdynamik, Umgang mit offenen Zielen, evolutionäre Planung oder weiche Systemmethodik sind wichtige Mittel in dieser Weltsicht. Das Lösen von Problemen erfolgt unter Einfluss des Systemansatzes, des vernetzten Denkens und der zyklischen Prozesse. Zusammenhänge verstehen, Stabilisierungs- und Selbstverstärkungsprozesse erfassen sind weitere wichtige Ansätze. Steuerung kann auch durch Interventionen oder Supervision erfolgen, wobei Bewusstseinsbildung statt präziser quantitativer Soll-Vorgaben im Fokus steht. Das für die Anwendung von PM- 2 entscheidende Prinzip ist die Herstellung einer geeigneten Balance zwischen der traditionellen und der neueren Weltsicht, die für jedes Projekt gemäß seinen Eigenschaften andere Gewichtungen aufzeigt. Weitere Informationen unter E- Mail: saynisch@spm-consult.de 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 2/ 2012 60 NACHRICHTEN Übergabe des Awards (v. l. n. r.): Peter Monkhouse (Vice Chair PMI Board of Directors), Manfred Saynisch, Beth Partleton (Chair PMI Board of Directors) Foto: privat PM_2-2012_1-68: Inhalt 28.03.2012 12: 20 Uhr Seite 60 projekt MA N A G E M E N T aktuell 2/ 2012 l 61 fenden Untersuchungen vorbehalten. Am 8. Februar konnte für dieses wichtige Thema nur ein erster Stein ins Wasser geworfen werden. Die Ergebnisse der Studie können über die Website der GPM bezogen werden. ❙ Erfolgreiche Projektarbeit ist der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg der meisten Unternehmen in nahezu allen Branchen. Was früher vor allem für projektgetriebene Branchen wie den Anlagenbau oder die Bauwirtschaft galt, ist heute zum Erfolgsrezept der gesamten Wirtschaft geworden: die Verlagerung von Arbeiten aus der Linienproduktion in Projekte. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielen Deutschlands Unternehmen heute mit ihren Projekten und dies mit steigender Tendenz. Ein wesentlicher Treiber hierfür ist der wachsende Wettbewerbsdruck und die immer kürzer werdende Halbwertzeit bestehender Produkte und Produktionsprozesse. Beide Faktoren zwingen Unternehmen dazu, auf sich ändernde Anforderungen flexibel und durch permanente Anpassung zu reagieren. Sie müssen sich täglich neu erfinden. Projektarbeit ist die angemessene Antwort auf diese Herausforderung. Für die Innovationsfähigkeit und strategische Steuerung eines Unternehmens kommt damit dem Projektmanagement und der Art, wie es in seiner Führungskultur verankert ist, eine maßgebliche Bedeutung zu. Dies scheint auch Deutschlands unternehmerische Führungselite so zu sehen. Denn die Unternehmenslenker messen dem Projektmanagement eine hohe bis sehr hohe Bedeutung zu. Dies ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie, die die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement gemeinsam mit der EBS Business School, Oestrich-Winkel, durchgeführt und am 8. Februar 2012 einem Kreis von ca. 20 Führungskräften aus der Wirtschaft in Frankfurt/ Main vorgestellt hat. Ziel der Studie mit dem Titel „Mit Projekten Unternehmen erfolgreich führen“ war es festzustellen, welche strategische Bedeutung Deutschlands Wirtschaftslenker der Projektarbeit für die Unternehmenssteuerung beimessen. Die Studie wertet über 200 Interviews mit Führungskräften der ersten und zweiten Führungsebene aus und leitet hieraus Handlungsempfehlungen für die strategische Unternehmensführung im Hinblick auf die Projektarbeit ab. Die GPM lenkt mit dieser Studie den Blick auf ein Forschungsfeld, das noch nicht so stark im Fokus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Projektmanagement stand. Während sich die Forschung bisher eher mit operativen Fragen des Projektmanagements befasste, rücken zunehmend strategische Fragen in das Zentrum der wissenschaftlichen Betrachtung. Dies betonte GPM Forschungsvorstand Reinhard Wagner, der das Frankfurter Fachgespräch moderierte. Das erfreuliche Ergebnis ist: Deutschlands Manager haben die Bedeutung des Themas für die Unternehmensführung erkannt und widmen nach eigener Einschätzung dem Reifegrad und der strategischen Einbettung des Projektmanagements in ihre Unternehmenskultur erhebliche Beachtung. Dies machte auf eindrucksvolle Weise Dr. Hans-Jürgen Schloß, Programmdirektor PM@Siemens und Corporate Vice President Siemens AG, auf der Präsentationsveranstaltung der Studie deutlich, der die Initiative PM@Siemens vorstellte und die Entwicklung der Weltwirtschaft zum „Project Business“ darstellte. Ob dieses positive Bild, das der Vortrag von Dr. Schloß und die Vorstellung der Studienergebnisse durch Prof. Andreas Wald, Dekan der Fakultät und Forschung, Professor für Management und Strategie, Visiting Professor am Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship EBS Business School, zeichnete, jedoch typisch für die deutsche Wirtschaft ist, bleibt weiteren Untersuchungen vorbehalten. Denn Ziel der Studie war es zunächst, eine Selbsteinschätzung der Führungskräfte in umfangreichen Befragungen zu erhalten. Bereits aufgrund dieser Selbsteinschätzung war es möglich, konkrete Handlungsempfehlungen für die strategische Unternehmensführung abzuleiten und mit den Teilnehmern zu diskutieren. Inwieweit diese Selbstwahrnehmung die Unternehmenskultur und -organisation tatsächlich prägt und die Handlungsempfehlungen bereits Eingang in die praktische Unternehmensführung selbst bei den befragten Unternehmen gefunden haben, bleibt vertie- Mit Projekten Unternehmen erfolgreich führen - GPM stellt Studie zur Rolle des Topmanagements in Projekten vor BLOG Anzeige PM_2-2012_1-68: Inhalt 28.03.2012 12: 20 Uhr Seite 61