eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 23/5

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
121
2012
235 Gesellschaft für Projektmanagement

Management des organisatorischen Wandels

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2012
Heinz Schelle
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2 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 5/ 2012 2 EDITORIAL Management des organisatorischen Wandels U nter dem Titel „Auf Kurs bleiben mit Projektmanagement: Kompass in bewegten Zeiten“ fand Ende Oktober das diesjährige PM Forum in Nürnberg statt. Oliver Steeger fasst für Sie die Höhepunkte dieser Veranstaltung zusammen. Normalerweise berichtet unsere Zeitschrift über gelungene Projekte, um für das Führungskonzept Projektmanagement zu werben. Über Projektpannen in der Privatwirtschaft, aus denen man natürlich auch lernen könnte, zu informieren, ist in der Regel kaum möglich. Es formiert sich zumeist sehr schnell ein Kartell des Schweigens, das kaum aufzulösen ist. Bei Vorhaben der öffentlichen Hand ist das allerdings ein wenig anders. Über das Katastrophenprojekt „Flughafen Berlin-Schönefeld“ ist bereits einiges in der Presse zu lesen gewesen. Wir haben einen international anerkannten Fachmann für Investitionen im Verkehrssektor, Prof. Werner Rothengatter, der sich bereits im „Spiegel“ sehr kritisch zum Projekt geäußert hat, um ein Gespräch mit Oliver Steeger gebeten. Der Emeritus der Universität Karlsruhe sowie früheres Mitglied und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat bereits im Jahre 2003, zusammen mit zwei Kollegen, in seinem Buch „Megaprojects and Risk“ eine überaus materialreiche, schonungslose Analyse von Projekten im Verkehrssektor vorgelegt (vgl. dazu die Rezension in diesem Heft). Deprimierend für den Steuerzahler ist, dass aber ganz offensichtlich aus dieser Publikation keinerlei Lehren gezogen wurden. Die Mängel, die vor rund zehn Jahren bei zahlreichen Vorhaben festgestellt wurden, sind im Wesentlichen die gleichen wie jetzt. Als Hauptursache für die Blamage in der Bundeshauptstadt stellt Rothengatter, der sich im Interview unter anderem auch zum Projekt Elbphilharmonie äußert, fest: „Es fehlt eine klare und konstruktive Rollenverteilung zwischen öffentlichem und privatem Bereich. Der öffentliche Bereich hat versucht, Funktionen zu übernehmen, die normalerweise dem privaten Management zukommen.“ Nicht alle Verkehrsprojekte scheitern: In Zürich gibt es eine erfolgreiche Renaissance der guten alten Trambahn - in Wien auch Tramway genannt. Wer hätte das gedacht? Die Schweizer machen es uns vor. Dr. Andreas Flury, Gesamtprojektleiter der Glattalbahn, die Zürich mit dem Flughafen Kloten verbindet, erzählt Oliver Steeger im Interview (Mit „Begleitgruppen“ alle Stakeholder für die neue Tram gewonnen) unter anderem über das schwierige Management der Stakeholder und wie die Bahn zum Wachstumsfaktor in der Region wurde. Um Stakeholdermanagement geht es auch im ersten Beitrag der Rubrik „Wissen“ (Veränderungsmanagement in IT-Projekten wirksam unterstützen), einer Studie, die die GPM mit der Karlshochschule in Karlsruhe zusammen durchgeführt hat. Lutz Becker, Veronika Helbig, Dorothee Feldmüller, Katharina Kettner, Johannes Müller und Jan Mütter kritisieren, dass, obwohl Organisationsveränderungen und IT-Projekte häufig miteinander verzahnt sind, das begleitende Changemanagement aber oft nicht gemeinsam geplant und keine klaren Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Die Studie zeigt, dass kulturelle Faktoren und eine dialogorientierte Kommunikation mit den Betroffenen Erfolg bringen. Schließlich wird das Thema des organisatorischen Wandels auch im Aufsatz von Dominik Petersen (Change- Projektmanagement: Ein systemtheoretisch fundiertes Verfahren) behandelt. Der Autor demonstriert, wie er den selbstbezüglichen Charakter von Organisationsveränderungen als Potenzial nutzt. Formales Management wird durch Selbststeuerung ersetzt. Ailke Heidemann (Bauprojektmanagement - Kooperative Projektabwicklung als Schlüssel zum Erfolg komplexer Projekte), die für ihre Dissertation 2011 mit dem Studienpreis der GPM ausgezeichnet wurde, berichtet aus dieser Arbeit und stellt ihr Lean-Projektabwicklungskonzept für komplexe Bauprojekte vor. Im letzten Teil unserer Folge von Projektgeschichten (Weiche Faktoren in Projekten: Unvermeidliche Nebensache oder Schlüssel zum Projekterfolg? ) erläutert Jens Köhler, wie der Collective Mind (CM) von den weichen Faktoren abhängt und wie durch einen starken CM die Erfolgsfaktoren erfüllt werden können. In der Rubrik „PM-Software“ widmen sich Josef Siegemund und Edgar Gerlacher (Effizientes Ressourcenmanagement in Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie) einem „Stiefkind der Managementlehre“ (Zitat Heinz Scheuring). Die beiden Autoren beschreiben die Funktionsweise einer einfachen und praktikablen Lösung. Oliver St PM_5-2012_1-68: Inhalt 31.10.2012 10: 32 Uhr Seite 2