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PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
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2013
243 Gesellschaft für Projektmanagement

Basiszertifizierung für Projektmanagement (GPM) an der Hochschule Hannover

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Eine Standardisierung der Lehr- und Lerninhalte im Projektmanagement am Rahmenwerk der GPM bietet den Studierenden der Hochschule Hannover vielfältige Vorteile. Ein bedeutender Vorteil ist die Möglichkeit, sich im Anschluss an die reguläre Vorlesung zertifizieren zu lassen. Dieses Angebot nehmen die Studierenden der Hochschule Hannover gerne wahr. Dies hat eine Befragung von 80 Studierenden ergeben. Durch das Kooperationsmodell zwischen der GPM/PM-ZERT und der Hochschule Hannover sowie speziell hierfür geschaffene Rahmenbedingungen ist ein neues Lehr- und Lernkonzept entstanden, das auch für andere Hochschulen von Interesse sein könnte.
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1 Einleitung Der Bedarf an einem bestätigten Nachweis über aktuelles und anerkanntes Basiswissen im Projektmanagement (PM) ist in den letzten Jahren gestiegen [1]. Seit Juni 2009 bietet die PM-ZERT, die Zertifizierungsstelle der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V., das Basiszertifikat im Projektmanagement an. Das Zertifikat ermöglicht den Nachweis über aktuelles und anerkanntes Basiswissen im PM. Es richtet sich an allgemein interessierte Mitarbeiter in Projekten sowie an Studierende, die an einer Bestätigung ihrer PM-Kenntnisse interessiert sind. Die formalen Anforderungen für die Basiszertifizierung der PM-ZERT und die Level-Zertifizierungen der International Project Management Association (IPMA) sind in Tabelle 1 dargestellt. Das Kompetenzzentrum Projektmanagement, das an der Hochschule Hannover angesiedelt ist, ist zum Sommersemester 2011 eine Kooperation mit der GPM/ PM- ZERT eingegangen. Diese Kooperation ermöglicht den Studierenden der Hochschule Hannover den zusätzlichen Erwerb eines nationalen Zertifikats zu ihrem Studium. Die Anforderung zur Teilnahme an der Zertifizierungsprüfung wird durch Teilnahme an der regulären PM-Vorlesung, die sich seither an den PM-Kompetenzelementen der IPMA Competence Baseline ausrichtet, erbracht. Eine Übersicht der behandelten Themen im Rahmen der Vorlesung ist Tabelle 2 zu entnehmen. Demnach werden alle PM-technischen und vier PM-Verhaltenskompetenzfelder behandelt. 2 Das Kooperationsmodell Das Kooperationsmodell zwischen der GPM/ PM-ZERT und der Hochschule Hannover umfasst Vereinbarungen, die die Zusammenarbeit eindeutig regeln. Die PM-ZERT stellt der Hochschule Hannover Lernmaterialien aus dem aktuellen PM3-Handbuch zur Verfügung, die von den Dozenten für die Lehre im Projektmanagement eingesetzt werden können. Zudem wird den Studierenden das E-Book „Basiszertifikat im Projektmanagement (GPM)“, das ein Auszug aus dem PM3 (Grundlagentexte, Säule PM-technische Kompetenz) ist, kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Hochschule Hannover verpflichtet sich dafür im Gegenzug, die Materialien nur für die PM- Lehre an der Hochschule einzusetzen und die beschriebenen Bestimmungen zum Ablauf der Zertifizierung einzuhalten. Die Vereinbarung ist mit Unterschrift der Verantwortlichen der GPM und der Dozenten der Hochschule (vorerst) zwei Jahre gültig. 3 Nutzen Eine intern durchgeführte Ist-Analyse an der Hochschule Hannover hat ergeben, dass Projektmanagement sehr unterschiedlich gelehrt wird. Manche Dozenten orientieren sich an internationalen Standards, wie die der IPMA, PMI oder OCG. Andere hingegen verwenden verschiedene Literaturquellen. Eine Standardisierung der Lehr- und Lerninhalte an einem PM-Rahmenwerk hat für Studierende, Hochschulen und Unternehmen die folgenden Vorteile: 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2013 42 KARRIERE Basiszertifizierung für Projektmanagement (GPM) an der Hochschule Hannover Kooperation mit dem Competence Center for Project Management (CCPM) Das Competence Center for Project Management (CCPM), das an der Hochschule Hannover angesiedelt ist, hat 2011 ein Pilotprojekt initiiert. Dieses Projekt hatte zum Ziel, den Studierenden im Anschluss an die reguläre Vorlesung die Möglichkeit zu bieten, ein Basiszertifikat im Projektmanagement (GPM) zu erwerben. Hierfür wurden entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen und ein Kooperationsvertrag mit der GPM geschlossen. Das Pilotprojekt wird in diesem Beitrag vorgestellt. Dem folgt ein Erfahrungsbericht der Dozenten, der auch die Ergebnisse einer Befragung von ca. 80 Studierenden enthält. Artur Strasser, Andreas Daum Eine Standardisierung der Lehr- und Lerninhalte im Projektmanagement am Rahmenwerk der GPM bietet den Studierenden der Hochschule Hannover vielfältige Vorteile. Ein bedeutender Vorteil ist die Möglichkeit, sich im Anschluss an die reguläre Vorlesung zertifizieren zu lassen. Dieses Angebot nehmen die Studierenden der Hochschule Hannover gerne wahr. Dies hat eine Befragung von 80 Studierenden ergeben. Durch das Kooperationsmodell zwischen der GPM/ PM-ZERT und der Hochschule Hannover sowie speziell hierfür geschaffene Rahmenbedingungen ist ein neues Lehr- und Lernkonzept entstanden, das auch für andere Hochschulen von Interesse sein könnte. +++ Für eilige Leser +++ Für eilige Leser +++ Für eilige Leser +++ PM_3-2013_1-64: Inhalt 03.06.2013 6: 21 Uhr Seite 42 ❑ gleiches Projektmanagementverständnis, ❑ gleiche Sprache des Projektmanagements, ❑ Interesse an weiteren IPMA-4-Level-Zertifizierungen, ❑ Mehrwert durch zertifizierten Nachweis von PM-Basiswissen, ❑ Befriedigung der Eigenmotivation. Gleiches Projektmanagementverständnis Projektmanagement wird in der Hochschule und in der Unternehmenspraxis zum Teil sehr heterogen definiert. Dies beginnt schon bei der Festlegung, ob ein Vorhaben ein Projekt oder eine Linienaufgabe ist. Schon hier ist die Definition auf der Basis der GPM hilfreich. Die Planung, die Steuerung und das Berichtswesen bis zum Projektabschluss bilden weitere Felder, in denen das gleiche Verständnis für den Projekterfolg von Bedeutung ist. Gleiche Sprache des Projektmanagements Häufig wird mit den Begriffen des Projektmanagements Unterschiedliches gemeint oder definiert. Ein Beispiel dafür ist der Begriff „Puffer“. Zumeist wird darunter eine eingeplante zeitliche Reserve verstanden. Als Begriff des Projektmanagements muss darunter allerdings schon zwischen einem freien und einem gesamten Puffer unterschieden werden. Als Puffer wird die zeitliche Reserve zwischen einer frühesten und einer spätesten Lage eines Arbeitspaketes auf einem nicht kritischen Pfad verstanden. Dies gilt für eine Vielzahl weiterer Begriffe im Projektmanagement wie zum Beispiel die Umfeld- und Stakeholderanalyse, den Projektstrukturplan, den Ablauf- und Terminplan sowie die Earned-Value-Analyse. Mit einer Zertifizierung der Studierenden wird erreicht, dass eine „gleiche Sprache“ im Projektmanagement gesprochen wird. Tritt ein Absolvent in ein Unternehmen mit einem an der IPMA orientierten Projektmanagement ein, weiß er, wie zum Beispiel die Stakeholderanalyse und der Puffer definiert sind. Interesse an weiteren IPMA-4-Level-Zertifizierungen Der Studierende mit Basiszertifizierung hat einen Überblick über die weiteren Zertifizierungen der IPMA erhalten. Sein Interesse, sich in diesem Rahmen weiterzuqualifizieren, ist dadurch extrinsisch und/ oder intrinsisch motiviert. Wird der Absolvent im Projektmanagement eines Unternehmens eingesetzt, wird er ein eigenes Interesse an der Weiterbildung zum IPMA Level D haben. Mit dem Aneignen von Erfahrung wird das Interesse an der Zertifizierung zum IPMA Level C entstehen. Dieses Interesse ist zumeist komplementär zu dem Interesse des Unternehmens, das ein professionelles Projektmanagement wünscht. Zudem müssen zunehmend Unternehmen nachweisen, dass sie qualifiziertes und zertifiziertes Personal im Projektmanagement einsetzen. Mehrwert durch zertifizierten Nachweis von PM-Basiswissen Für die Studierenden entsteht der Mehrwert schon bei einer Bewerbung auf eine Stelle, für die Projektmanagement-Know-how erforderlich ist. Sie heben sich damit aus der „grauen Masse“ der Bachelorbewerbungen heraus, die lediglich den Studienabschluss, aber weniger die einzelnen Module mit ihren Inhalten zeigen. Das Basiszertifikat ist ein Extradokument, das der Bewerbung beigefügt werden kann. Das Basiszertifikat ist von projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2013 l 43 IPMA-Level A ® Mindestens fünfjährige Erfahrung im Portfolio-, Programm- oder Multiprojektmanagement, davon drei Jahre in verantwortlicher Leitungsfunktion im Portfoliomanagement einer Organisation, Firma bzw. Geschäftseinheit oder im Management wichtiger Programme IPMA-Level B ® Mindestens fünfjährige Erfahrung im Projektmanagement, davon mindestens drei Jahre in verantwortlicher Leitungsfunktion bei komplexen Projekten IPMA-Level C ® Verfügt über mindestens drei Jahre Erfahrung im Projektmanagement; ist bei Projekten begrenzter Komplexität in Leitungsfunktion tätig IPMA-Level D ® Erfahrung in den Kompetenzelementen des Projektmanagements wird nicht notwendigerweise vorausgesetzt, es ist aber von Vorteil, wenn der Kandidat sein PM-Wissen schon in einem gewissen Rahmen zur Anwendung gebracht hat. Basiszertifikat im Projektmanagement (GPM) Mit Schulabschluss: 1.500 Stunden Mitarbeit in einem Projektteam oder Nachweis von 24 Zeitstunden bzw. 36 Unterrichtsstunden PM-Ausbildung (Präsenz) Tab. 1: Erweitertes Zertifizierungssystem im PM [2] IPMA-Vier-Level- Zertifizierungssystem PM-technische Kompetenz 1.01 Projektmanagementerfolg 1.11 Projektphasen, Ablauf und Termine 1.02 Interessierte Parteien 1.12 Ressourcen 1.03 Projektanforderungen und Projektziele 1.13 Kosten und Finanzmittel 1.04 Risiken und Chancen 1.14 Verträge 1.05 Qualität 1.15 Änderungen 1.06 Projektorganisation 1.16 Überwachung, Steuerung, Berichtswesen 1.07 Teamarbeit 1.17 Information und Dokumentation 1.08 Problemlösung 1.18 Kommunikation 1.09 Projektstrukturen 1.19 Projektstart 1.10 Leistungsumfang und Lieferobjekte 1.20 Projektabschluss PM-Verhaltenskompetenz 2.01 Führung 2.12 Konflikte 2.02 Motivation und Engagement 2.15 Ethik Tab. 2: Behandelte Kompetenzfelder PM_3-2013_1-64: Inhalt 03.06.2013 6: 21 Uhr Seite 43 einer unabhängigen Prüfungsorganisation (PM-ZERT) ausgestellt worden und bildet damit einen anerkannten Bildungsabschluss. Einem potenziellen Arbeitgeber zeigt der Studierende hiermit, dass er bereit ist, sich zusätzlich zu engagieren. Denn die Basiszertifizierung selbst ist im Studium kein Pflichtbestandteil. Außerdem zeigt der Studierende einem potenziellen Arbeitgeber, dass er bereit ist, in sich zu investieren. Die Zertifizierungsgebühr muss von dem Studierenden getragen werden (auch wenn sich über die Studienbeiträge eine Refinanzierung abbilden lässt). Befriedigung der Eigenmotivation Studierende lernen frühzeitig sich für Themen einzusetzen, die sie interessieren. Da das Projektmanagement zu den Schlüsselqualifikationen zählt, wird es bereits im ersten Studienabschnitt vermittelt. An aktuellen Beispielen wird der praktische Bezug hergestellt. Die Studierenden erkennen damit, dass auf dieser Basis eine Zertifizierung Sinn macht. Diese einsetzende Eigenmotivation ist ein Baustein in der Entwicklung der Studierenden im Studiumsverlauf. Die Basiszertifizierung selbst ist ein zusätzlicher Beitrag, mit einem anerkannten Zertifikat die Eigenmotivation zu befriedigen. 4 Befragung zur Basiszertifizierung In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der durchgeführten Befragung vorgestellt und reflektiert. Zudem werden an einigen Stellen auch Maßnahmen genannt, die aufgrund der Ergebnisse eingeleitet wurden. Das Kapitel setzt sich aus den nachfolgenden Themen zusammen: ❑ demografische Daten, ❑ Rahmenbedingungen, ❑ Motive, Eindrücke und Gesamtbewertung. Demografische Daten Die Möglichkeit, das Basiszertifikat im Projektmanagement zu erlangen, wurde den Studierenden der Fakultät IV (Wirtschaft und Informatik) mit den Studiengängen Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik und International Business Studies im Rahmen des Moduls PM geboten. Zusätzlich wurden mehrere PM-Kurse im Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZSQ) positioniert, an denen alle (restlichen) Studierenden der Hochschule Hannover teilnehmen können. Der Großteil der Teilnehmer (über 70 %) an der Umfrage sind Studierende der Fak. IV, Wirtschaft und Informatik (Abb. 1). So nahm ca. jeder vierte Studierende der Wirtschaftsinformatik und jeder fünfte der Betriebswirtschaftslehre an der Zertifizierung teil. Dieses Ergebnis schließt auf ein reges Interesse der Studierenden, sich zusätzlich zum bestehenden Curriculum weiterzubilden. Die restlichen 30 Prozent setzen sich aus den Studiengängen Elektro- und Informationstechnik, angewandte Informatik und Produktdesign zusammen. Die Studierenden dieser Studiengänge nahmen an den vom ZSQ angebotenen Kursen teil. Um vermehrt das Interesse der Studierenden zu wecken, die in erster Linie keinen unmittelbaren Anknüpfungspunkt zum Themenkomplex Projektmanagement besitzen, folgen zusätzliche Informationsveranstaltungen in den jeweiligen Fakultäten. Dadurch wird erhofft, die Zahl der Studierenden aus diesen Bereichen zu erhöhen und auch Studierende weiterer Studiengänge zu gewinnen. Aufgrund dessen, dass das Projektmanagement an der Hochschule Hannover ausschließlich im ersten Studienabschnitt des Bachelorstudiums gelehrt wird und der Kurs unmittelbar auf die Zertifizierung vorbereitet, befanden sich fast alle Probanden der Studie (ca. 90 %) zum Zeitpunkt der Befragung in den ersten drei Semestern. Rahmenbedingungen Die ergänzend zur regulären Lehrveranstaltung zur Verfügung gestellte Kurzfassung des Fachbuchs „Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3)“ als E-Book wurde von den Studierenden seltener als von den Dozenten angenommen genutzt. Lediglich 16 Prozent der Befragten nutzten es häufig zur Prüfungsvorbereitung. Fast jeder Zweite gab an, es gar nicht genutzt zu haben (Abb. 2). Aufgrund des doch sehr eindeutigen Ergebnisses, wird das E-Book nur noch optional den Studierenden angeboten, die es tatsächlich nutzen möchten. Zusätzlich wurden (auch aufgrund des Feedbacks, dass die gedruckte Fassung besser geeignet wäre) weitere Exemplare des ersten und zweiten Bands des Handbuchs für 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2013 44 KARRIERE 26 19 18 13 2 2 0 10 20 30 Betriebswirtschafslehre Wirtschafsinformatik Elektro- und Informationstechnik International Business Studios Angewandte Informatik Produktdesign Studiengänge n=80 Abb. 1: Studiengänge der Probanden 16 % 15 % 25 % 44 % häufig selten sehr selten nie Abb. 2: Nutzungsgrad des E-Books PM_3-2013_1-64: Inhalt 03.06.2013 9: 55 Uhr Seite 44 die Projektarbeit, Qualifizierung und Zertifizierung auf Basis der IPMA Competence Baseline 3.0 zur Ausleihe für die Bibliothek beschafft. Es scheint so, als hätte der Besuch der Vorlesung sowie des zusätzlich angebotenen Vorbereitungsseminars für die Studierenden ausgereicht. Das Seminarangebot wurde jedenfalls ausgiebig angenommen und sehr positiv bewertet. Circa zwei Drittel der Studierenden bewerteten den Kurs als (sehr) gut. Die restlichen werteten mit „O.K.“. Keiner der Probanden empfand das Seminar als „schlecht“ oder „mangelhaft“. In dem Seminar bot sich den Studierenden die Möglichkeit, gezielt Fragen zu stellen und Unklarheiten zu beseitigen. Zudem wurden einige Kernthemen kurz wiederholt sowie der organisatorische Ablauf der Zertifizierungsprüfung besprochen. Die Zertifizierungsgebühr beträgt 150 EUR, wobei die Hochschule Hannover zum Teil die Hälfte aus Studienbeiträgen finanziert. Die Frage, ob die Studierenden auch ohne anteilige Erstattung an der Zertifizierung teilgenommen hätten, bejahten nur ca. 25 Prozent. Der restliche Großteil hätte ohne „Sponsoring“ seitens der Hochschule nicht teilgenommen. Als Maximalbetrag, den die Studierenden bereit wären zu zahlen, gaben 16 Prozent der Befragten (im Durchschnitt) 91,25 EUR an. Am Häufigsten wurde der Betrag 100 EUR genannt. Angesichts dessen, dass in Niedersachsen nach wie vor Studienbeiträge entrichtet werden müssen, ist dieses Ergebnis nicht verwunderlich. Eine weitere Refinanzierung sichert ab, dass in den kommenden Semestern kein Einbruch zu erwarten ist. Ein Ziel der Dozenten ist es auch, die Bekanntheit der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement bei den Studierenden zu erhöhen und diese bei Interesse auch zu einer Mitwirkung zu bewegen. Auf die Frage, ob die GPM bekannt sei, antworten die Studierenden gemäß Abbildung 3. Demnach ist bei über 70 Prozent der Befragten die GPM bekannt, wobei sich lediglich einer für eine Mitgliedschaft entschieden hat. Dieses Ergebnis ist nicht zufriedenstellend. Hierbei werden von den Dozenten zusätzliche Folien als Informationszugewinn (speziell auch zur GPM Young Crew) beigesteuert und die Vorteile einer Mitgliedschaft vorgestellt. Diese Maßnahmen sollen die Bekanntheit steigern und mehr Studierende dazu veranlassen, sich für eine Mitgliedschaft zu interessieren. Motive, Eindrücke und Gesamtbewertung Weshalb haben sich die Studierenden für die Basiszertifizierung entschieden? Was waren die ausschlaggebenden Motive? Die Antworten auf diese Fragen verdeutlichen, welche Bedeutung ein Motiv für die Entscheidung hatte und welche Kernmotive identifiziert werden können. Die Verbesserung der Vita und der Erhalt eines Nachweises über Basiswissen im PM wurden von den Befragten als Kernmotive genannt (Abb. 4). Auch der Verbesserung der Einstiegschancen im Unternehmen wurde eine (sehr) hohe Bedeutung zugetragen. Ein generelles (hohes bis sehr hohes) Interesse am PM wurde von zwei Drittel der Befragten als Motiv genannt. Das restliche Drittel stufte dem intrinsischen Motiv die Bedeutung „mittel“ ein. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass studiengangsübergreifend dem intrinsischen Motiv „Interesse“ eine vergleichsweise hohe Bedeutung beigemessen wird. Die Möglichkeit, sich im Anschluss an eine (reguläre) Vorlesung zertifizieren zu lassen, bewerteten ganze 75 Prozent als sehr gut und 20 Prozent als gut. Die restlichen 5 Prozent Ja und Mitglied Ja, aber kein Mitglied Nein 1 % 71 % 28 % Abb. 3: Bekanntheit der GPM Anzeige PM_3-2013_1-64: Inhalt 03.06.2013 9: 55 Uhr Seite 45 der Befragten antworteten mit „O.K.“ und keiner der Teilnehmer wertete mit schlecht oder mangelhaft. Dieses Ergebnis bestätigt, dass Studierende durchaus Interesse haben, „mehr zu machen, als sie müssen“, und ein Zertifikat als anreizenden Faktor hierfür ansehen. Weiterhin zeigt die positive Resonanz auf, dass dieses „Konzept“ ggf. auch bei weiteren Lehrveranstaltungen auf großes Interesse stoßen könnte. Die Frage, ob Interesse an weiteren Zertifikaten besteht, bejahten 91 Prozent der Befragten. Circa jeder Zweite ist an Zertifikaten aus dem Bereich Soft Skills und Qualitätsmanagement interessiert. Zudem gaben über 90 Prozent der Studierenden, die in einem IT-affinen Studiengang eingeschrieben sind, an, dass sie an IT-Zertifikaten interessiert sind. Am häufigsten wurde hierbei das Interesse an einem SAP ERP-Zertifikat genannt. Weitere IT-Zertifikate in den Themenfeldern Java, IT-Sicherheit, Oracle, Information Technology Infrastructure Library (ITIL), Scrum und Business Intelligence stoßen ebenfalls auf Interesse. Spezifische, für den jeweiligen Studienschwerpunt relevante Zertifikate wurden von 19 Prozent der Befragten als interessant eingestuft. Insgesamt gesehen, sind 75 Prozent der Befragten mit der Organisation zur Zertifizierung zufrieden. Der restliche Teil hat „neutral“ gewertet, und keiner der Studierenden gab an, unzufrieden zu sein. Auch die Betreuung wurde insgesamt sehr positiv bewertet. Über 80 Prozent der Studierenden sind hiermit zufrieden. Nichtsdestotrotz wird an stetigen Verbesserungen im Hinblick auf die Organisation und Betreuung gearbeitet. Im freien Textfeld der Befragung wurden Ansätze genannt, an denen die Verantwortlichen bereits mit Hochdruck arbeiten. Der kontinuierliche Verbesserungsprozess soll sicherstellen, dass die Qualität des Konzepts nicht abnimmt und sich die Zahl der Studierenden in den kommenden Semestern weiterhin auf einem hohen Niveau befindet. 5 Fazit Die Resonanz auf die Basiszertifizierung im Projektmanagement ist durchweg positiv von den Studierenden. Die Autoren sind daher als Dozenten und GPM Mitglieder weiterhin daran interessiert, den Studierenden eine Zusatzqualifikation im Rahmen der Zertifizierung zu bieten. Aus diesem Grund wird die Hochschule Hannover die Verlängerung der Kooperation mit der GPM prüfen. Eine hochwertige Ausbildung mit entsprechendem Mehrwert bleibt das Ziel, das mit der Basiszertifizierung der GPM weiterhin erreicht werden soll. ■ Literatur [1] GPM: Basiszertifikat für Projektmanagement (GPM). 2012, www.gpm-ipma.de/ qualifizierung_zertifizierung/ basiszertifikat_fuer_projektmanagement_gpm.html (4.9.2012) [2] ICB - IPMA Competence Baseline, Version 3.0. IPMA International Project Management Association, Nijkerk 2006 [3] ICB - IPMA Competence Baseline in der Fassung als Deutsche NCB 3.0. National Competence Baseline der PM-ZERT, Zertifizierungsstelle der GPM, GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement, Nürnberg 2008 [4] Leitfaden für die Zertifizierung Basiszertifikat im Projektmanagement (GPM), ZB 01. GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement, Nürnberg 2009 Schlagwörter Basiszertifizierung, Hochschule, Lehre, Projektmanagement Autor Artur Strasser M.Sc. ist als Senior Consultant bei der T-Systems Onsite in IT-Projekten bei Kunden aus der Automotive-Branche tätig. Weiterhin ist er Dozent für Projektmanagement und Anforderungsanalyse an der Hochschule Hannover. Artur Strasser beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Themen Projektmanagement, IT-Offshoring, Requirements Engineering und IT-Compliance. Autor Prof. Dr. Andreas Daum lehrt Projektmanagement und Controlling an der Fakultät IV - Wirtschaft und Informatik der Hochschule Hannover. Er ist dort wissenschaftlicher Leiter des Competence Center for Project Management und bereitet als Trainer Projektmanager auf Level-Zertifizierungen der International Project Management Association (IPMA) vor. Er ist seit über 20 Jahren Mitglied der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. und leitet seit über zehn Jahren die GPM Region Hannover. Anschrift der Autoren Hochschule Hannover Ricklinger Stadtweg 120 D-30459 Hannover Tel.: 05 11/ 92 96-15 53 E-Mail: Artur.Strasser@hs-hannover.de Andreas.Daum@hs-hannover.de 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 3/ 2013 46 KARRIERE 1 % 1 % 1 % 1 % 4 % 1 % 6 % 8 % 8 % 34 % 29 % 38 % 33 % 53 % 63 % 54 % 55 % 13 % 0 % 20 % 40 % 60 % 80 % 100 % Vita Nachweis Eins egschancen Interesse sehr hoch hoch mi el niedrig sehr niedrig Abb. 4: Bedeutung der Motive für die Entscheidung Roland S PM_3-2013_1-64: Inhalt 03.06.2013 6: 22 Uhr Seite 46