eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 25/2

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
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2014
252 Gesellschaft für Projektmanagement

Scrum & Co.: Sehr erfolgreich - aber selten die reine Lehre

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2014
Ayelt Komus
Agile Methoden gewinnen seit Jahren beträchtlich an Bedeutung. Scrum, IT-Kanban und Design Thinking stellen Werte und Prinzipien in den Vordergrund, wo bisher Methoden und Techniken im Fokus waren. Steigende Komplexität innerhalb der Projekte, verbunden mit einem immer schnelleren Wandel im Umfeld, lassen detaillierte Langfristplanungen als ungeeignet erscheinen und ebnen den Weg für den Einsatz agiler Methoden. Wie erfolgreich aber sind agile Methoden wirklich? Wie werden sie eingesetzt? Welche Aspekte werden wirklich gelebt? Dies zeigte die Studie „Status Quo Agile“. Jetzt wird sie gemeinsam mit der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. erneut durchgeführt und sowohl Praktiker agiler Methoden als auch Anwender klassischen Projektmanagements sind zur Teilnahme aufgefordert.
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Projekt Sommerakademie in Augsburg gezieltes Lernen inkl. Freizeitprogramm: Puppenkiste, Fuggerei, Brechtbühne Schillstraße 150 · 86169 Augsburg Call: +49 (0) 821 - 815-6548 Fax: +49 (0) 821 - 815-1993 Mail: info@dynamis-web.com Web: www.dynamis-web.com A l l e K u r s e a u f u n s e r e r W e b s i t e ! Bild: fotolia.de Mark Reuter Personalmanagement & Projektmanagement GmbH Level D kompakt 27. - 29.06.2014 Seminar 1 12.07.2014 Online 16.08.2014 Online 29. - 31.08.2014 Seminar 2 05.09.2014 Online Level C kompakt 28.07. - 01.08.2014 Seminar Anzeige Abb. 1: Bedeutung agiler Methoden; Quelle: Studie „Status Quo Agile“, www.status-quo-agile.de Bereits 2012 untersuchte die Hochschule Koblenz, wie agile Methoden in der Praxis gelebt werden und wie erfolgreich sie sind. Ab 15.4.2014 können Leser der projektMANAGEMENT aktuell unter www.status-quoagile.de an der Studie teilnehmen und von einer umfassenden Auswertung profitieren. Teilnehmen können Personen sowohl mit „klassischem“ Projektmanagementhintergrund als auch mit Kenntnissen im agilen Management. Studie „Status Quo Agile“- Teilnahme lohnt sich Expertengespräche sowie ein Online Survey. Insgesamt beteiligten sich 350 Personen an der Studie. Weitere Details zu Teilnehmern und Studieninhalten finden sich im Abschlussbericht mit weit über 100 kommentierten Einzelauswertungen, der unter www.status-quoagile.de kostenfrei angefordert werden kann. Im Folgenden sollen exemplarisch einige Ergebnisse der letzten Studie „Status Quo Agile“ dargestellt werden: Agile Methoden umfassen eine Vielzahl unterschiedlichster Methoden. Einige sind sehr IT-spezfisch, während andere allgemeine Vorgehensweisen beinhalten. Auf die Frage nach der Bedeutung verschiedener Methoden für den jeweiligen Bereich der Studienteilnehmer zeigt sich eine klare Dominanz von Scrum, gefolgt von (IT-)Kanban (Abb. 1). Auffallend ist, dass beide Methoden wenig IT-spezifisch und eher allgemeine Organisationsmethoden sind. Design Thinking wurde in der Studie nicht explizit erfragt. Überraschend war die Art und Weise, wie agile Methoden zum Einsatz kommen. Wird in der allgemeinen Diskussion oft ein Entweder-oder bezüglich klassischer Projektmanagementmethoden oder agiler Methoden impliziert, zeigt sich in der Studie ein grundlegend anderes Bild (Abb. 2). Während immerhin 22 Prozent der Studienteilnehmer durchgängig klassische Methoden einsetzen, stellen die Antwortenden, die nach eigenen Angaben „durchgängig agile“ Methoden einrarchische Elemente und kurze Lieferzyklen, die Erfolge, aber auch Misserfolge und Hindernisse („Impediments“) ungeschönt benennen, bedeuten in der Umsetzung weitreichende Herausforderungen für die Unternehmen. 3 Wie sieht der Status quo agiler Methoden aus? - Studie „Status Quo Agile“ Schnelle Verbreitung, weitreichende Begeisterung bei den Anwendern, grundlegend neue Elemente der Organisation und schließlich erhebliche Herausforderungen in der Umsetzung bedeuten einen Wandel, den es zu verstehen und zu hinterfragen gilt. Mit entsprechendem Ziel wurde die Studie „Status Quo Agile“ an der Hochschule Koblenz (www. status-quo-agile.de) durchgeführt. Zentrale Fragestellungen waren: ❑ Wie sieht die Verbreitung agiler Methoden in der Praxis tatsächlich aus? ❑ In welchen Bereichen neben der IT-Entwicklung werden sie eingesetzt? ❑ Wie werden agile Methoden in der Praxis wirklich genutzt (durchgängig, selektiv, hybrid)? ❑ Welchen Nutzen konnten Scrum-Anwender realisieren? 4 Ergebnisse „Status Quo Agile“ Die Studie „Status Quo Agile“ wurde erstmals im Mai 2012 durchgeführt. Basis waren PM_2-2014_1-68: Inhalt 28.03.2014 7: 47 Uhr Seite 41 Abb. 2: Art des Einsatzes agiler Methoden; Quelle: Studie „Status Quo Agile“, www.status-quo-agile.de Abb. 3: Erfolgsquoten agiler und klassischer Methoden; Quelle: Studie „Status Quo Agile“, www.status-quo-agile.de 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 2/ 2014 mit weitaus höheren Erfolgsquoten verbunden ist. Die zunehmende Verbreitung agiler Methoden fußt also auf umfangreichen Erfolgen in der Anwendung. Eine differenziertere Betrachtung der Leistungsfähigkeit agiler Methoden zeigt, dass nicht immer gleich der vermeintlich einfachere Weg des selektiven oder hybriden Einsatzes der Methoden gewählt werden sollte. Gefragt nach der gesamten Leistungsfähigkeit der jeweiligen Methode (Abb. 4) zeigte sich eine deutliche Überlegenheit agiler Methoden insgesamt (klassisch 50 % sehr gut oder zu über 90 % bei den agilen Formen). Auffallend ist dabei aber, dass die durchgängige Nutzung agiler Methoden nochmals bessere Ergebnisse bringt als eine selektive oder hybride Anwendung. Eine durchgängige Umsetzung agiler Methoden sollte also sehr ernsthaft geprüft werden. Bezüglich des Anwendungsfelds zeigte sich bereits zum Zeitpunkt der Erhebung eine Quote von 25 Prozent Nicht-IT-Themen bei den agilen Aktivitäten. Dabei wurden als Nicht-IT-Aktivitäten nur solche Aktivitäten eingeordnet, die weder „IT-Innovationen/ IT-Neuentwicklungen“ noch „IT-Verbesserungen/ IT-Weiterentwicklungen“ beinhalteten. Erwartungsgemäß lag der Anteil der Non-IT-Themen bei den Anwendern klassischer Methoden mit 38 Prozent höher. Bezüglich des Zeitpunkts, seit dem agile Methoden genutzt werden, bestätigte sich das Bild schnell wachsender Verbreitung. 60 Prozent der Teilnehmer gaben an, agile Methoden erstmals in den drei zurückliegenden Kalenderjahren genutzt zu haben. 5 Was hat sich seither verändert? „Status Quo Agile“ 2014 Aktuelle Publikationen, Konferenzen etc. lassen vermuten, dass die Verbreitung agiler Methoden, insbesondere Scrum, IT-Kanban und Design Thinking, in der letzten Zeit weiter zugenommen hat. Auch ist inzwischen eine setzen, mit nur 16% Prozent die kleinste Gruppe! Dagegen machen die Teilnehmer, die agile mit klassischen Methoden kombinieren, weit über die Hälfte aus. Über ein Drittel der Teilnehmer setzt selektiv, fallbezogen sowohl agile als auch klassische Methoden ein. Auch die Gruppe der „hybriden Anwender“, die beide Ansätze miteinander kombinieren, macht mit über einem Viertel einen relevanten Anteil aus. Es zeigt sich, dass selektive oder hybride Ansätze eher die Regel als die Ausnahme sind. Entsprechend ergeben sich zahlreiche drängende Fragen, wie etwa nach Kriterien, wann die eine oder andere Methodik einsetzbar ist oder welche Methodenelemente miteinander kombinierbar sind etc. Auf die Frage nach den Erfolgsquoten der jeweiligen Ansätze wurden die Nutzer agiler Methoden gebeten, ihre Erfahrungen im Vergleich darzustellen (Abb. 3). Es ergab sich ein Bild, in dem die Nutzung agiler Methoden 42 WISSEN Proze Proje PM_2-2014_1-68: Inhalt 26.03.2014 11: 41 Uhr Seite 42 Abb. 4: Leistungsfähigkeit der Methoden; Quelle: Studie „Status Quo Agile“, www.status-quo-agile.de Kompetenzelemente der NCB 3.0 4.1.3 Projektanforderungen und Projektziele, 4.1.6 Projektorganisaton, 4.1.7 Teamarbeit, 4.1.11 Projektphasen, Ablauf und Termine, 4.1.18 Kommunikation, 4.2.3 Selbststeuerung Autor Prof. Dr. Ayelt Komus ist Professor für Organisation und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Koblenz. Seine Schwerpunkte umfassen prozessorientierte Organisationsgestaltung, Projektmanagement und agile Methoden. Weitere Informationen, Studienberichte und Ressourcen unter www. bpm-labor.de, www.status-quo-agile.de und www.komus.de. Anschrift Hochschule Koblenz Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Konrad-Zuse-Straße 1, D-56075 Koblenz Tel.: 01 72/ 6 86 86 97 E-Mail: Komus@hs-koblenz.de zunehmend große Zahl von Berichten über die erfolgreiche Anwendung agiler Elemente außerhalb der IT-Entwicklung zu beobachten. Wie sich die Nutzung, die Erfolge, Erfolgsmuster und auch die Felder, in denen agile Methoden zum Einsatz kommen, in den letzten Jahren entwickelt haben, wird in einer neuerlichen Auflage der Studie „Status Quo Agile“ untersucht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf selektiver und gemischter Nutzung agiler Methoden im Zusammenspiel mit klassischen Projektmanagementmethoden. Weitere Schwerpunkte sind die Nutzung agiler Methoden außerhalb der IT-Entwicklung („Scrum Beyond“) und die Methoden Scrum, IT-Kanban und Design Thinking. 6 Aufruf zur Teilnahme - Vorteile für Teilnehmer Die Studie „Status Quo Agile“ wird im Mai 2014 als gemeinsame Studie der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmangement e. V. und der Hochschule Koblenz, Prof. Ayelt Komus, durchgeführt. Teilnehmer erhalten die Vollversion des Studienergebnisberichts noch vor Veröffentlichung des verkürzten Studienberichts für Nicht-Studienteilnehmer. Aufgerufen zur Teilnahme sind explizit auch Nicht- Anwender agiler Methoden. Die Teilnahme an der Studie findet per Online Survey statt und nimmt ca. 15 Minuten in Anspruch. Die Teilnahme ist unter www.status-quo-agile.de in der Zeit vom 15. April bis 19. Mai 2014 möglich. ■ Literatur [1] Takeuchi, H./ Nonaka, I.: The New Product Development Game. In: Harvard Business Review, January 1986 Schlagwörter agile Methoden, Erfolgsfaktoren, hybride Methoden, IT-Kanban, Projektmanagement, Scrum, Studie Prozessorientiertes Projektmanagement - Anzeige PM_2-2014_1-68: Inhalt 28.03.2014 7: 47 Uhr Seite 43 D ie Hotelangestellte hinter dem Tresen des Restaurants stellt ein großes Bier vor Philipp, dem PRINCE2- Berater, ab. Philipps Gesicht zeigt ein zufriedenes Lächeln, was die Neugier von Siggi, dem Scrum-Coach, weckt. „Haben Sie sich Ihr Bier denn schon verdient? “, will er mit einem verschmitzten Grinsen wissen. „Ich denke, schon. Und deshalb gebe ich Ihnen auch ein Bier aus, wenn Sie möchten. Ich bin Philipp.“ „Angenehm, Siggi. Das Bier nehme ich gern an. Verraten Sie mir den Grund für so viel Zufriedenheit? “ „Also“, beginnt Philipp. „Ich habe heute bei einem meiner Bestandskunden ein umfangreiches Angebot für die Begleitung eines Projekts abgegeben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diesen Auftrag auch bekomme. Um meine Auslastung in den nächsten Monaten brauche ich mir dann keine Sorgen mehr zu machen.“ Siggi nickt verständnisvoll: „Und was macht Sie so sicher, dass Sie diesen Auftrag gewinnen? “ „Oh, ich bin als Projektmanager erfolgreich und ich benutze seit Jahren PRINCE2. Tolle Methode, sage ich Ihnen. Für Projekte das Beste, was ich kenne.“ Das bestellte Bier wird geliefert. Siggi prostet Philipp zu: „Danke für das Bier. Kennen Sie denn außer PRINCE2 noch andere Vorgehensweisen? “ Philipp ist erstaunt: „Wie meinen Sie das genau? Kennen Sie sich denn in dem Bereich aus? “ „Ein bisschen“, antwortet Siggi. „Ich bin seit Jahren als Scrum-Master und agiler Coach unterwegs. Ich mache viel im Bereich Softwareentwicklung. Ich habe Projektgeschichten und Fallstudien Zum Vorteil des Kunden - Projektmanagementmethoden richtig kombiniert In unserer Beratungsarbeit werden wir oft gefragt, welche Methode am besten geeignet sei, ein Projekt umzusetzen. Für uns ist diese Frage falsch gestellt. Angesichts der noch immer großen Optimierungspotenziale bei der Projektarbeit sollte die Frage lauten, welche Vorteile man aus den verfügbaren Methoden und Standards ziehen kann. Klare Ziele, geregelte Zuständigkeiten und definierte Abläufe helfen mehr als eine Ad-hoc-Arbeitsweise und Heldentum. PRINCE2 ® und Scrum sind zwei bewährte Ansätze, die zahlreiche erprobte Methoden und Werkzeuge vorschlagen. PRINCE2 [1] bietet einen Rahmen für das Management von Projekten. Scrum [2] bietet einen Gestaltungsrahmen für produktive Teams. Während Anfänger oft von einer Unvereinbarkeit verschiedener Methoden ausgehen, kennen die erfahrenen Praktiker sowohl die Stärken als auch die Schwächen von PRINCE2 und Scrum. Sie haben konkrete Ideen für die Kombination beider Ansätze 1 . Wir haben uns entschlossen, über die Kombination von PRINCE2 und Scrum in Form einer Geschichte zu schreiben. Folgen Sie uns daher an die Hotelbar in einer Kleinstadt irgendwo in Süddeutschland. Wir sehen, wie zwei Männer ins Gespräch kommen. Philipp ist PRINCE2-Practitioner, Siggi ist Scrum-Coach. Beide glauben, einen Auftrag für ein neues Projekt sicher in der Tasche zu haben. Verfolgen wir den Dialog der Berater, in dem sie sich über drei praktische Problemzonen bei der Projektarbeit unterhalten, und zwar den Projektstart im Hinblick auf die Spezifikation der Anforderungen, die Kommunikation während einer Projektphase und der Abnahme der erstellten Produkte und die Übergabe bei Projektende. Jürgen Lackinger, Jan Fischbach Angesichts der noch immer großen Optimierungspotenziale bei der Projektarbeit sollte die Frage lauten, welche Vorteile man aus den verfügbaren Methoden und Standards ziehen kann. PRINCE2 und Scrum sind zwei bewährte Ansätze, die zahlreiche erprobte Methoden und Werkzeuge vorschlagen. Die aus Großbritannien stammende Methode PRINCE2 bietet einen Rahmen für das Management von Projekten. Das in agiler Softwareentwicklung weit verbreitete Framework Scrum bietet einen Gestaltungsrahmen für produktive Teams. Dieser Artikel zeigt, dass beide Ansätze zum Vorteil des Kunden kombiniert werden können. Anhand von drei typischen Problembereichen - der Anforderungsspezifikation beim Projektstart, der operativen Kommunikation im laufenden Projekt und der Abnahmeproblematik am Ende einer Phase oder eines Projekts - wird gezeigt, an welcher Stelle welche Methode zum Einsatz kommen kann und wie sich die beiden Methoden ergänzen. +++ Für eilige Leser +++ Für eilige Leser +++ Für eilige Leser +++ 1 Zur Kombination von einer klassischen und einer agilen Projektmanagementmethode (PRINCE2 und DSDM Atern) gibt es eine Anleitung von Keith Richards [3]. Dort wird beschrieben, wie Rollen, Abläufe und Dokumente aneinander angepasst werden können. 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 2/ 2014 44 WISSEN PM_2-2014_1-68: Inhalt 26.03.2014 11: 41 Uhr Seite 44