eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 25/2

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
31
2014
252 Gesellschaft für Projektmanagement

Pst ... schon gehört? Risikoooo ...

31
2014
Jacqueline Irrgang
pm2520050
Die Thematik „Benefits Management“ - nach Ahlemann und Braun die „systematische Planung, Realisierung und Kontrolle von Nutzen als Ergebnis der Umsetzung von Projekten“ (Jenseits von Zeit, Kosten und Qualität: Benefits Management als Ansatz zur Realisierung von Nutzeffekten in IT- und Organisationsprojekten, projektMANAGEMENT aktuell 5/ 2009) - ist nicht mehr neu und wird in zahlreichen Veröffentlichungen behandelt. Dabei wird dem Leser allerdings in der Regel nicht präzise genug gesagt, wie er den erwarteten Nutzen zuverlässig erzielen kann. Er muss sich meist mit der nicht sonderlich genauen Empfehlung begnügen, die Projektbzw. Programm- und Projektportfolioziele mit der Unternehmensbzw. Geschäftsfeldstrategie abzustimmen. Die beiden Autoren haben diesen unbefriedigenden Zustand mit ihrer beachtlichen Publikation beendet. Zumindest gilt dies für Investitionen in Informationssysteme (IS) und in die Informationstechnologie (IT) von Organisationen. Dabei dürfte es aber nicht schwierig sein, den methodischen Ansatz von Ward und Daniel auf andere Arten von Projekten zu übertragen. Ihre Forderung lautet: „… the business case should state clearly how the intended project will contribute to the strategy and performance of the organization.“ Da dies, wie schon angedeutet, leichter gesagt als getan ist, stellen sie ein detailliertes Konzept vor, in dem das Project Management Office, konsequentes Stakeholdermanagement und das Management des geplanten organisatorischen Wandels eine große Rolle spielen und systematisch miteinander verknüpft werden. Daneben wird ausführlich auf die verschiedenen strategischen Paradigmen eingegangen, so etwa auf den Resource-based View of Strategy und den Market-based View of Strategy. Auch die Umfeldanalyse mithilfe der PEST-Methode (Political, Economic, Social, Technical) wird erläutert. Zudem wird ein Portfolioansatz zur Klassifizierung und Priorisierung von IS-/ IT-Projekten vorgestellt. Überhaupt ist es ein herausragendes Charakteristikum der Publikation, dass eine Fülle von praktikablen Werkzeugen geboten wird, um den möglichen Nutzen aus den Projekten identifizieren und dann auch realisieren zu können. Die einzelnen Instrumente werden den von Ward und Daniel definierten, verschiedenen Phasen des Benefits Managemet zugeordnet, nämlich den Projektabschnitten 1. Identifizierung und Strukturierung des erwarteten Nutzens, Buchbesprechung Benefits Management Ward, John/ Daniel, Elizabeth: Benefits Management. How to Increase the Business Value of Your IT Projects. Second Edition, Wiley & Sons Ltd., Chichester (UK) 2012, englisch, ISBN 978-1-119-99326-1, 362 S., EUR 51,90, auch als E-Book erhältlich projekt MA N A G E M E N T aktuell 2/ 2014 l 51 2. Planung der Nutzenrealisierung, 3. Nutzenrealisierung, 4. Überprüfung und Bewertung der Ergebnisse, 5. Potenziale für weitere Nutzeneffekte ermitteln. Auf die vielen, sehr nützlichen Tools kann hier schon aus Platzmangel nicht eingegangen werden. Deshalb soll lediglich ein besonders wertvolles Werkzeug, das von den Autoren entwickelt wurde, hervorgehoben werden. Es handelt sich um das Benefits Dependency Network, das mithilfe der Vorgangsknotennetztechnik konstruiert wird. Ausgehend von den globalen Zielen der Organisation, zum Beispiel Vereinfachung und Automatisierung aller Geschäftsprozesse oder Integration von Geschäftsprozessen, werden dann daraus die erwarteten detaillierten Nutzeneffekte, also zum Beispiel Verringerung der Fehler bei der Rechnungsstellung oder Reduzierung der Lagerhaltungskosten, abgeleitet. Diesen Einzelzielen sind dann wiederum die erforderlichen Aktionen zugeordnet, die notwendig sind, um sie zu erreichen (Business Changes), zum Beispiel die Entwicklung neuer Algorithmen zur Optimierung der Lagerhaltung. Damit sind natürlich auch die Schnittstellen zum Change Management und zum Stakeholdermanagement nicht mehr schwer zu definieren. Vorgelagert sind sogenannte Enabling Changes, so zum Beispiel Trainingsmaßnahmen für das Personal. Am Ende des Zielbaums stehen schließlich die erforderlichen Investitionen in das Informationssystem bzw. in die Informationstechnologie, also zum Beispiel die Entwicklung neuer Programmmodule oder die Anschaffung verbesserter Scanner-Systeme. Die geschilderte Vorgehensweise mag zunächst etwas mühsam erscheinen, die Autoren erläutern ihr Vorgehen aber an leicht nachvollziehbaren, sehr anschaulichen Beispielen, sodass der Vorteil dieser aus obersten Zielen abgeleiteten Strukturierung sofort offenkundig wird. Hinzu kommen detaillierte Ausführungen zur Aufbauorganisation von Benefits Management, sodass dem Leser ein komplettes Handbuch für die Realisierung von Nutzen durch IS- und IT-Projekte geboten wird. Fazit: Das Buch stellt einen erheblichen Fortschritt im Projektmanagement dar und kann zur Lektüre dringend empfohlen werden. Wer die empfohlene Vorgehensweise anwendet, wird das Risiko, den erwarteten Projektnutzen nicht zu erreichen, erheblich reduzieren. Heinz Schelle ■ PM_2-2014_1-68: Inhalt 26.03.2014 11: 41 Uhr Seite 51