eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 25/4

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
101
2014
254 Gesellschaft für Projektmanagement

Internationales PM in der Praxis

101
2014
Hasso Reschke
Dörrenberg, F./Jeebe, H. J./Passenberg, J./Rietz, S./Schneider, L.: Internatinales Projektmanagement in der Praxis - Berichte, Erfahrungen, Fallbeispiele. Symposion-Verlag, Düsseldorf 2014, 343 Seiten, ISBN 978-3-86329-649-0, EUR 44,-
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Bekanntlich ist „internationales Projektmanagement“ deutlich mehr als Projektmanagement auf Englisch. Zwischenzeitlich haben sich auch bereits mehrere Autoren des Themas angenommen. Meist werden die kulturellen Unterschiede herausgearbeitet und wie man mit ihnen umgehen sollte, um Projekte im internationalen Raum als (deutscher) Projektleiter oder Projektleiterin erfolgreich durchzuführen. Vielen internationalen Projekten liegt eine Kunden-Lieferanten-Beziehung zugrunde (Exportprojekte). Für Deutschland als eine der führenden Exportnationen sind deshalb die „internationalen“ Aspekte besonders wichtig, um ein Projekt wirtschaftlich erfolgreich abzuschließen und die Beziehungen zu den Kunden in aller Welt langfristig zu festigen. Seit in Deutschland einige Großprojekte wegen massiver Probleme in die (weltweiten) Schlagzeilen gerückt sind und der deutsche Ruf als führende Industrie- und Exportnation beträchtlichen Schaden genommen hat („Können die Deutschen keine Großprojekte mehr? “), ist qualifiziertes Management für internationale Projekte von höchster Wichtigkeit. Zudem ist zu bedenken, dass gerade der Maschinen- und Anlagenbau oft rein von komplexen Projekten lebt, die Branche mittelständisch aufgestellt ist und oft noch von innovativem Ingenieurgeist geprägt wird. Das in der Regel vorhandene technische Projektmanagement reicht nicht aus, die Technik ist in der Regel gleichartig, aber die spezifischen Probleme der Projekte verlangen weitsichtige internationale Betrachtung. Vor diesem Hintergrund haben die fünf Autoren, meist aus der von Dr. Lorenz Schneider geleiteten GPM Fachgruppe „Internationales Projektmanagement“, ein löbliches und beachtliches Unterfangen gestartet. Entstanden ist kein Lehrbuch, sondern eine Sammlung von zwölf eingehenden Interviews mit erfahrenen Projektfachleuten im internationalen Geschäft. Langjährige Projektleiter führender deutscher Unternehmen kommen zu Wort, Coaches mit spezieller kulturübergreifender Erfahrung (China, Frankreich) lassen an ihren Erfahrungen teilhaben und Rechtsexperten für internationale Verträge und deren Graubereiche beleuchten das Thema. Die Spanne der Interviews reicht von den Erfahrungen mit den Olympischen Spielen in London 2012 über internationales Vertrags- und Steuerrecht, Risikomanagement in der Vergabephase, Zusammenarbeit deutsch-französischer Projektteams bis zur Projektarbeit an elf vernetzten Projektstandorten. Es wäre ungerecht, hier nur den einen oder anderen Beitrag hervorzuheben, denn aus allen kann man lernen und substanziellen Nutzen ziehen. Wichtig ist an dieser Veröffentlichung neben den interessanten und mit vielen wertvollen Tipps gespickten Interviews, dass hier erfahrene Projektmanager als Interviewer mit klugen Fragen international erfahrene Projektverantwortliche zu sehr dezidierten und fundierten Aussagen führen und dabei der jeweilige Erfahrungsschatz interessant und gut lesbar aufbereitet wird. Gerade wenn der Leser selbst schon international erfahren ist, wechseln Kopfnicken und aktives Aufnehmen neuer und zusätzlicher Aspekte sich ab. Eingängige Aufbereitung und qualifizierter Inhalt gehen hier eine eher seltene Symbiose ein. Die Darstellungsform in Experteninterviews geht übrigens auf die GPM Zeitschrift projekt- MANAGEMENT aktuell zurück, in der schon seit mehr als zehn Jahren Themen des Projektmanagements für den Leser gut verarbeitbar aufbereitet werden - mit hoher Zustimmung der Leserschaft. Auch die Ergänzungsleistungen des Verlags zum Buch (Web-App, PDF-Version zum Download, App für iPad, alle Kapitel auch für Kindle) verdienen, hervorgehoben zu werden. Zusammenfassend und generell bewertend ist festzuhalten, dass praktisch alle wichtigen Aspekte des internationalen Projektmanagements (sowohl die weichen wie die harten) in genügender Tiefe und in den verschiedenen Beiträgen aus unterschiedlichen Sichtweisen nicht nur angesprochen, sondern auch „be- EXPERTS IN PROJECT MANAGEMENT www.sopronis.de PMO Tag & PM Forum 2014 27.-29.10. Nürnberg EINFÜHRUNG VON PM-ORGANISATIONEN > Stand 207 PROJECT MANAGEMENT für Ihren UNTERNEHMENS- ERFOLG TRAINING BERATUNG SOLUTIONS Martin Raab Anzeige Buchbesprechung Internationales PM in der Praxis Dörrenberg, F./ Jeebe, H. J./ Passenberg, J./ Rietz, S./ Schneider, L.: Internationales Projektmanagement in der Praxis - Berichte, Erfahrungen, Fallbeispiele. Symposion-Verlag, Düsseldorf 2014, 343 Seiten, ISBN 978-3-86329-649-0, EUR 44,- PM_4-2014_1-80: Inhalt 22.08.2014 10: 46 Uhr Seite 51 handelt“ werden. Damit stellt diese Veröffentlichung eine wertvolle Fundgrube für Wissen, Erfahrungen und Einsichten zum internationalen Projektmanagement dar. Das Buch bietet nicht nur dem „Neu“-Projektleiter, der gerade sein erstes Projekt in Asien bekommen hat, sondern auch dem „alten Hasen“, der im Schlaf den Namen der Provinz Heilongjiang (Hauptstadt: Harbin) rückwärts buchstabieren kann oder weiß, wo man in Shanghai einen guten Schweinsbraten bekommt (im Paulaner), wertvolle Anregungen und Einsichten. Damit gehört das Buch in die Hand jedes Projektmanagers in internationalen Projekten, zur Vorbereitung, Reflexion und steten Mahnung. Hasso Reschke ■ 22 l projekt MA N A G E M E N T aktuell 4/ 2014 52 WISSEN Das Büchlein wurde bei Amazon 25-mal (Stand: 21.5.2014) durchweg mit fünf Sternen bewertet und kommt insgesamt auf 4½ Sterne. Auf einer Liste mit den besten deutschen Projektmanagementbüchern (www.projektmanagement24.com/ 2014/ 03/ projektmanagement-buch. html, unbekannter Verfasser; Stand: 21.5.14) steht es auf Platz 1, noch vor dem exzellenten Buch von Patzak und Rattay. Diese hohe Einschätzung kann ich nicht teilen. Das sehr preiswerte Werk aus dem Jahre 2014 hätte mit identischem Inhalt auch schon vor 20 Jahren erscheinen können. Das heißt: Neuere Entwicklungen sind in keiner Weise berücksichtigt. Das wäre bei einem Werk, das als Einführung gedacht ist, ja nicht so schlimm, wenn wenigstens längst Bekanntes etwas ausführlicher und differenzierter dargestellt worden wäre. So kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ein Neuling z. B. mit Kapiteln „Die Kosten kalkulieren“ (S. 84), „Planabweichungen erkennen und korrigieren“ (S. 22) und „Kapazitäten planen“ (S. 213) wirklich in der Praxis etwas anfangen kann. Man kann komplizierte Sachverhalte halt nicht beliebig verkürzt darstellen, auch wenn das für den Adepten des Projektmanagements natürlich verlockend ist, sich in der Bahnhofsbuchhandlung ein Buch zu kaufen und im ICE zwischen München und Frankfurt/ M. zum vermeintlichen Experten zu reifen. Nachstehend meine wichtigsten Einwände gegen das Werk, das auf den ersten Blick durch seine zahlreichen kleinen Fall- und Übungsbeispiele sowie Checklisten durchaus besticht. Es gibt im gesamten laufenden Text keinerlei Quellennachweise zur Unterstützung von Lesern, die nach der Lektüre eines Kapitels ihr Wissen vertiefen wollen, und sei es auch nur, weil sie eine Bachelor- oder Masterarbeit schreiben müssen. Das alles andere als für den Stand unserer Disziplin repräsentative Literaturverzeichnis am Schluss (S. 253) mit ganzen vier Werken ist da keine Hilfe. Ein Beispiel: Ein Anfänger, der sich mit dem Kapitel „Das Team führen“ (S. 177 f.) beschäftigt, muss den Eindruck gewinnen, dass es sich um originäre Überlegungen der Verfasser handelt. Wie soll er wissen, dass die Ausführungen auf dem Teamentwicklungsmodell von Tuckman basieren? Wie soll er sich mehr Informationen über den Ansatz verschaffen und z. B. erfahren, dass es sich um ein idealtypisches Modell handelt, dem sich die Realität keineswegs immer fügt, wenn er nicht den geringsten weiterführenden Hinweis bekommt. Diese Kritik gilt praktisch für alle Kapitel. Wer sich für so extreme Kürze entscheidet, der hat, wenn er es mit dem Leser gut meint, die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, wenigstens am Schluss eines Kapitels einen Satz wie den folgenden zu schreiben: „Zur Vertiefung wird folgende Publikation empfohlen: …“. Solche Tipps würden den Umfang des Büchleins nur unerheblich erweitern und würden den Leser sicher durch den immer dichter werdenden Literaturdschungel führen. Mein zweiter Kritikpunkt: Ein Praktiker, der mit Projektmanagement bisher nichts zu tun hatte, erfährt auch, wie schon anfangs angedeutet, so gut wie nichts über neuere Entwicklungen. Einige Beispiele: Ihm wird außer einer ganz kleinen Andeutung nicht vermittelt, dass man es in Organisationen nahezu immer mit Mehr-Projekt- Situationen zu tun hat, er bekommt nicht mit, dass es Begriffsnormen gibt, die die Kommunikation erleichtern, er liest nichts über firmen- oder branchenindividuelle Standardvorgehensmodelle und Ansätze wie PRINCE2 und ihm bleiben Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung und Zertifizierung verborgen. Stattdessen wird der gutgläubige Käufer des Büchleins in der Meinung bestärkt, dass er nach Durcharbeitung des Textes ein Fachmann ist. Oder wie soll man sonst das folgende Zitat (S. 6) verstehen: „Dieser TaschenGuide zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Projekt vorbereiten, planen, durchführen und abschließen und wie Sie das Team führen, sodass am Ende der Termin gehalten wird.“ Meine Meinung: Zeigt er eben nicht! (Siehe oben.) Heinz Schelle ■ Buchbesprechung Taschenguide Projektmanagement Litke, H.-D./ Kunow, I./ Schulz-Wimmer, H.: Projektmanagement. TaschenGuide. Haufe-Verlag, Freiburg, 2. Auflage 2014, 253 S., ISBN 978-3-648-03502-3, EUR 8,95, auch als E-Book im PDF-Format erhältlich PM_4-2014_1-80: Inhalt 22.08.2014 10: 46 Uhr Seite 52