eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 25/5

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
121
2014
255 Gesellschaft für Projektmanagement

Mein Herzblut für Projekte

121
2014
Heinz Schelle
Waschek, G.: Mein Herzblut für Projekte. In fünfzig Jahren vom Terminplan zum Projektmanagement. Selbstverlag Gernot Waschek, 2014, Vertrieb über die GPM, EUR 19,90 zuzüglich EUR 1,50 Porto und Verpackung
pm2550071
Wissen 71 projektManagementaktuell | ausgabe 5.2014 Waschek, G.: Mein Herzblut für Projekte. In fünfzig Jahren vom Terminplan zum Projektmanagement. Selbstverlag Gernot Waschek, 2014, Vertrieb über die GPM, EUR 19,90 zuzüglich EUR 1,50 Porto und Verpackung Im Januar 1969, bei meinem Eintritt in die Siemens AG, erfuhr ich erstmals etwas über Netzplantechnik. Zwar hatte ich schon Jahre zuvor an der Universität eine Vorlesung über Operations Research gehört, Netzplantechnik war in dieser Veranstaltung aber nicht behandelt worden. Deutschsprachige Literatur gab es damals noch kaum über dieses in der Bundesrepublik ganz neue Thema. Zu den wenigen Büchern zählte die Veröffentlichung von Brandenberger und Konrad aus der Schweiz (1965), die Schrift von Wille, Gewald und Weber - die ersten zwei waren meine Chefs bei einem größeren Elektrokonzern im Süddeutschen Raum - aus dem Jahre 1966, das Werk von Prof. Thumb aus Wien (1968) und das Buch Waschek, G./ Weckerle, E: Die Praxis der Netzplantechnik. Baden-Baden 1967. Die beiden hatten aber schon vorher (1966) in der Zeitschrift für Organisation publiziert. Die Literatur über Projektmanagement - Netzplantechnik und Projektmanagement waren damals Synonyma - war also sehr überschaubar. Ebenso das Angebot an entsprechender Software, auf die in der hier rezensierten Publikation auch ausführlich eingegangen wird. Ich bestaunte diese Pioniere einer neuen Terminplanungstechnik, die mich sofort begeisterte. Einen der genannten Autoren, Gernot Waschek, durfte ich dann 1976 auf dem INTERNET-Weltkongress in Birmingham persönlich kennenlernen. Ich traf einen sehr höflichen, umgänglichen und bescheidenen Mann, dem ich seitdem immer wieder begegnet bin. Nun hat eben dieser Gernot Waschek eine Art fachliche, sehr gut lesbare Biografie geschrieben, in die auch Privates eingeflossen ist. Er will in seinem Buch, wie er selbst schreibt, „an den schwierigen Aufbruch dieser Jahre, an Weggefährten und Mitstreiter, an anfängliche Ignoranz in der Industrie und die dann rasante Verbreitung unseres Projektmanagements“ erinnern. Da er, wie schon gesagt, ein höflicher Mann ist, hat er für den Widerstand der Wirtschaft noch relativ sanfte Worte gefunden. Ich hätte eher von Borniertheit und bodenloser Dummheit gesprochen. Jedenfalls zeigen uns die sehr persönlichen Ausführungen plastisch, wie schwierig es war und immer noch ist, auch noch so wertvolle Managementkonzepte zu verbreiten. Im Zusammenhang mit der Beschreibung der Ausbreitung der Netzplantechnik übrigens köstlich anzuschauen sind einige Fundstücke der PM- Archäologie, die Waschek gesammelt hat, so die Zeichenschablone für Netzpläne, die Scheibe für die Umrechnung von relativen Zeitdaten in Kalenderdaten und die handgezeichneten Netzpläne. Waschek ist natürlich nicht bei der Netzplantechnik stehen geblieben, sondern hat, wie er darlegt, den Schritt zum umfassenden Projektmanagement getan. Damit hat er schon früh erheblich mehr Weitblick und Realitätssinn gezeigt als die Jünger des Operations Research, die sich immer noch mit Netzplantechnik befassen und Lösungen anbieten, für die es keine Probleme gibt. Ganz nebenbei: Diese unfruchtbare Epigonentätigkeit war mit der Anlass für die Gründung der GPM. Aber wieder zurück zum Autor: Bereits 1965 (! ) war er an der Gründung eines Arbeitskreises zur Vereinheitlichung von Begriffen beteiligt. Anlass war die enorme Sprachverwirrung, die damals in der Netzplantechnik herrschte. Allein für den Begriff „Puffer“ gab es vier verschiedene Termini. Die Arbeit an der Normung von Begriffen, die erst eine sinnvolle Kommunikation möglich machte, hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Auch darüber berichtet er farbig und ausführlich und demonstriert, welche Wider- Buchbesprechungen Mein Herzblut für Projekte Sichern Sie Ihren Erfolg durch unsere Expertenteams aus China und Taiwan. Wir sind Profis in PM-Beratung, Echtzeit-Controlling, Führungs-Coaching, Team-Bildung und interkulturellem Training. www.huang-jaumann.de MANAGEMENT KNOW-HOW FÜR CHINA-PROJEKTE China-Projekte effektiv durchführen. Wir zeigen den Weg. Anzeige PM-aktuell_5-2014_Inhalt_01_104.indd 71 03.12.2014 11: 26: 04 Uhr projektManagementaktuell | ausgabe 5.2014 72 Wissen Gebiet, der Softwareentwicklung, sammeln konnte, haben sich in einem sehr lesenswerten Buch niedergeschlagen, das einen ganz wesentlichen Baustein zur Geschichte unserer Disziplin liefert. Lieber Gernot, herzlichen Dank dafür und für Deinen Beitrag zum Wachstum der GPM und der Disziplin Projektmanagement. Heinz Schelle durch Veröffentlichungen und Vorträge zur Verbreitung des PM-Gedankenguts beigetragen, war Regionalgruppenleiter und Geschäftsführer bei PM- Zert und Delegierter der GPM bei der IPMA. Muss man erst noch erwähnen, dass er Ehrenmitglied der GPM ist? Die Erfahrungen, die er auf all diesen Betätigungsfeldern und natürlich auch auf seinem beruflichen stände die Protagonisten in unserer Disziplin zu überwinden und welche Aufbauleistung sie erbracht haben. Obwohl alte Hasen die Normung nahezu zwangsläufig mit dem Namen Waschek in Verbindung bringen, war der Veteran - diese Charakterisierung sei hier gestattet - auch auf anderen Gebieten sehr aktiv. So hat er bei PM Delta mitgewirkt, hat Baukybernetik Frahm, M.: Baukybernetik. Kybernetisches Bauprojektmanagement zur Gestaltung lebensfähiger Bauprojektstrukturen. 1. Auflage, Verlag BoD, Norderstedt/ Stuttgart 2013, ISBN 978-3732235209, 188 S., EUR 29,99 Wer glaubt, mit dem von Michael Frahm vorgelegten Buch (ca. 180 Seiten) eine leicht erschließbare Lektüre vor sich zu haben, sieht sich bald getäuscht, es ist echt harte Kost. Kybernetik hatte in den 50erbis 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ihre Gründungsphase, bevor sie begann, in alle Bereiche menschlichen Denkens und Handelns einzudringen bzw. als eine neue Art, in verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen die Wirklichkeit anders zu interpretieren. So entstanden Disziplinen wie Technische, Bio-, Medizin- und Managementkybernetik, die auf eine systemhafte Betrachtung komplexer, komplizierter Sachverhalte und Aspekte der Selbststeuerung bzw.-regulation hinausliefen. Der Versuch von Frahm, eine Baukybernetik einzuführen und damit die zweifellos vorhandene Komplexität im Bauwesen beherrschbar zu machen, bleibt zunächst Theorie. Eine Vielzahl von Begriffen wie Baukybernetik, Kybernetik im Bauwesen, kybernetisches Bauprojektmanagement, Managementkybernetik und viele andere bringen eigentlich mehr Verwirrung als Erleuchtung. Die Ableitung von Zusammenhängen ist logisch, aber nicht einfach zu erfassen. Die von außen auf ein System(-Projekt) wirkenden Einflüsse erfasst Frahm in einer Umfeld- und Stakeholderanalyse, deren Umsetzung in Form von mehreren Ebenen kybernetischer Regelkreise mit zugehörigen Checklisten zur Bewertung der Situation und Lösung führt. Ziel der von Frahm entwickelten Betrachtungsweise (kybernetisches Bauprojektmanagement) ist es, die vorhandenen Baustrukturen und Prozesse zu analysieren, zu modellieren und zu verbessern, um zweifellos vorhandenes Optimierungspotenzial zu erschließen. Leider sind die vielen Abbildungen - weil zu klein gedruckt - kaum lesbar, geschweige denn praktisch umsetzbar. Möge das vorliegende Buch den Anstoß geben, sich wieder intensiver mit der Kybernetik und ihren Anwendungen im Bauwesen auseinanderzusetzen. Allen theoretisch interessierten Lesern kann das Buch als Lektüre empfohlen werden. Ulrich Wolff Das Ende des Projektmanagements Hanisch, R.: Das Ende des Projektmanagements. Wie die Digital Natives die Führung übernehmen. Linde Verlag, Wien 2013, 187 S., ISBN 978-3-7093-0509-6, EUR 24,90 Als ich den Titel des Buches erstmals zu Gesicht bekam, erfasste mich kurzfristig eine depressive Stimmung. Hatte ich mich jetzt wirklich ziemlich genau 45 Jahre mit Projektmanagement befasst, nur um nun erfahren zu müssen, dass dieses Führungskonzept ausgedient hat? Sollte das meine letzte Buchseriösen Publikation. Aus jahrzehntelanger Erfahrung (siehe oben) mit PM-Gegnern weiß ich nur zu gut, wie solche plakativen Äußerungen in Organisationen verwendet werden, um gegen die Einführung oder Optimierung von Projektmanagement Stimmung zu machen. Da wird nicht gründlich gelesen und differenziert argumentiert, da wird einem der Band mit hämischem Grinsen vor das Gesicht gehalten. Die Beweislast liegt beim anderen. Aber kommen wir zum Inhalt: Hanisch hat einschlägige Veröffentlichungen recht sorgfältig rezipiert und geschickt ausgewertet. Das Werk ist überdies gut lesbar, zumal es immer wieder mit markanten Zitaten und kleinen Fallgeschichten aufgelockert besprechung sein? Sollte diese Jubiläumsnummer gleichzeitig auch die letzte Nummer der Zeitschrift sein? Wann geht die GPM in Liquidation? Das waren Fragen, die mir durch den Kopf gingen. Mein Gemüt hellte sich bei der Lektüre freilich zunehmend auf. So ernst hatte Hanisch das auch wieder nicht gemeint, wie man an vielen Stellen im Werk erkennen kann. Und hier setzt meine erste Kritik an. Ich habe durchaus ein gewisses Verständnis für einen solchen reißerischen Titel. Der Markt für PM-Literatur ist heiß umkämpft, wöchentlich erscheinen neue Bücher. Da muss man versuchen, auf sich aufmerksam zu machen. Ich bin aber auch ein wenig verärgert über den Titel der insgesamt durchaus PM-aktuell_5-2014_Inhalt_01_104.indd 72 03.12.2014 11: 26: 06 Uhr