eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 26/2

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
31
2015
262 Gesellschaft für Projektmanagement

Pst ... schon gehört? Schadenfreude ist die schönste Freude

31
2015
Jacqueline Irrgang
Neues Projekt. Neues Glück. Seit zwei Wochen arbeite ich in der neuen Firma und verstehe nach und nach, wie der Hase läuft. Mit einem Team, das verteilt in Hamburg und Düsseldorf sitzt, soll ich eine neue Software einführen. So weit für mich nix Neues. Software einführen, das kann ich rauf und runter, und genau deshalb hat man mich eingekauft.
pm2620046
projektManagementaktuell | AUSGABE 2.2015 46 WISSEN Neues Projekt. Neues Glück. Seit zwei Wochen arbeite ich in der neuen Firma und verstehe nach und nach, wie der Hase läuft. Mit einem Team, das verteilt in Hamburg und Düsseldorf sitzt, soll ich eine neue Software einführen. So weit für mich nix Neues. Software einführen, das kann ich rauf und runter, und genau deshalb hat man mich eingekauft. Selbstsicher mache ich mich vom Hotel auf den Weg zu meinem ersten Team-Meeting. Es regnet in Strömen und ich habe keinen Regenschirm dabei. Wenn ich jetzt zurück ins Hotel gehe, um nach einem Regenschirm zu fragen, verpasse ich die Bahn, die nur einmal in der Stunde fährt. So bleibt mir nichts anderes übrig, als schneller zu laufen. Vielleicht werde ich dann weniger nass. Wie ein begossener Pudel erreiche ich meine Bahn. Zu allem Überfluss muss ich auch noch die gesamte Fahrzeit stehen, da die Bahn proppenvoll ist. „Der Tag fängt ja gut an“, denke ich so bei mir und versuche in Gedanken den Ablauf des Meetings durchzugehen. Was mir allerdings schwerfällt, denn mir ist kalt und die klammen Klamotten tragen nicht gerade zu meinem Wohlbefinden bei. Meine Selbstsicherheit bekommt ihren ersten Dämpfer. „Elbchaussee“, ruft der Schaffner. Meine Station. Hamburg ist wirklich eine sehr schöne Stadt, wenn nur das Wetter besser wäre. Im Meeting-Raum angekommen wartet das nächste Malheur auf mich. Der Raum ist mit einer ganz neuen Videotechnik ausgestattet, die ich zuvor noch nirgends im Einsatz hatte. Da habe ich schon bestimmt Hunderte von Videokonferenzen abgehalten und ausgerechnet hier haben sie das Neueste vom Neuen. Zu meinem Unglück kommen schon die ersten Hamburger Kollegen in den Raum und schauen mir auf die Finger. „Nichts anmerken lassen, bleib cool“, flüstere ich mir in Gedanken zu. Beherzt nehme ich die Fernbedienung, die auf dem Tisch liegt und drücke auf „ON“. Zu meiner Freude sehe ich die Düsseldorfer auf dem Bildschirm. Siegessicher begrüße ich die Teilnehmer hüben wie drüben. Die Hamburger reagieren mit einem lauten Lacher. Ich schaue zum Bildschirm und sehe in fragende Gesichter, die keinerlei Reaktion zeigen. Der Grund dafür ist, dass sie mich nicht hören können. Irgendwie scheint mit dem Ton was nicht zu stimmen. Ich bitte die Hamburger Kollegen um Unterstützung. Doch die ziehen es vor, sich in ihrer Schadenfreude zu suhlen. Da sehe ich zu meiner Erleichterung das Telefon. Ich wähle die IT-Hotline. Besetzt! Und nun? Da die IT-Hotline von einem externen Dienstleister betrieben wird, kann ich auch nicht mal eben über den Flur gehen. Jetzt ist Improvisieren angesagt. Da die Düsseldorfer mich zumindest sehen können, gehe ich zum Flipchart und schreibe mein Problem drauf: „Das Videosystem ist defekt und daher können Sie mich nicht hören. Lösung: Rufen Sie bitte die Telefonnummer unseres Hamburger Konferenzraumes an - 040/ 24 68-2 22 - und schalten Sie dann auf Lautsprecher. Dann können wir uns auch hören.“ Die Schadenfreude aus den Hamburger Gesichtern weicht einer anerkennenden Mimik. „Wow, das ist ja mal eine pragmatische Lösung“, bemerkt einer der Kollegen und auf einmal habe ich die geballte Aufmerksamkeit. Das Kick-off-Meeting war dann noch ein voller Erfolg. Auf beiden Seiten habe ich mir Anerkennung erarbeitet. Aber eine Frage bleibt: Warum waren die Hamburger Kollegen so schadenfroh? Und so freue ich mich als Kolumnistin auf Vorschläge. Mal eine andere Art des Kolumnenschreibens. Viel Vergnügen bei der Lösungssuche.  Autorin Jacqueline Irrgang managt mit Herz und Verstand Projekte und hat sich auf Kundenservice spezialisiert. Sie ist studierte Wirtschaftsinformatikerin, diplomierter systemischer Coach sowie Executive Interimsmanagerin und schaut auf über 30 Jahre Projektarbeit zurück. Nach dem Motto „Projektmanagement mal ganz anders“ hat sie das Buch „Tatort Projekt“ veröffentlicht. Ihr Lebensprojekt: Sie möchte Service-Päpstin von Deutschland werden. Anschrift: E-Mail: j.irrgang@ccq.de Projektgeflüster pst … schon gehört? Schadenfreude ist die schönste Freude Corporate Quality Akademie Management-Kompetenz per�Fernlehre: �www.cqa.de Lesen,�lernen PM�+�QM Tools�anwenden�lernen Führungskompetenz�ausbauen � info@cqa.de www.cqa.de 029161�908951 Anzeige PM-aktuell_2-2015_Inhalt_01-60.indd 46 27.03.2015 10: 40: 02 Uhr