eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 26/5

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
121
2015
265 Gesellschaft für Projektmanagement

Weite Horizonte für das Projektmanagement

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2015
Oliver Steeger
34,7 Prozent. Eine neue, aufsehenerregende Zahl – und auf dem PM Forum heiß diskutiert: 34,7 Prozent des deutschen Bruttosozialprodukts werden durch Projekte erwirtschaftet, wie eine aktuelle GPM Studie ergeben hat. „Wäre Projektmanagement ein Wirtschaftsbereich, so wäre er der größte in Deutschland”, erklärte GPM Vorstandsvorsitzende Prof. Yvonne Schoper bei der Eröffnung des diesjährigen PM Forums – und gab damit den Teilnehmern einen kraftvollen Motivationsschub. Mehr als 900 Projektmanager kamen auf dem PM Forum von 27. bis 28. Oktober in Nürnberg zusammen. Auch der PMO Tag tags zuvor verbuchte mit rund 400 Teilnehmern einen neuen Rekord. „Bei unserem PM Forum handelt es sich mittlerweile um die größte PM-Veranstaltung in Europa”, freute sich Prof. Yvonne Schoper. Das Kongressmotte in diesem Jahr: „Projektmanagement öffnet neue Horizonte. Weiterdenken. Weitergehen”.
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34,7 Prozent. Eine neue, aufsehenerregende Zahl - und auf dem PM Forum heiß diskutiert: 34,7 Prozent des deutschen Bruttosozialprodukts werden durch Projekte erwirtschaftet, wie eine aktuelle GPM Studie ergeben hat. „Wäre Projektmanagement ein Wirtschaftsbereich, so wäre er der größte in Deutschland“, erklärte GPM Vorstandsvorsitzende Prof. Yvonne Schoper bei der Eröffnung des diesjährigen PM Forums - und gab damit den Teilnehmern einen kraftvollen Motivationsschub. Mehr als 900 Projektmanager kamen auf dem PM Forum vom 27. bis 28. Oktober in Nürnberg zusammen. Auch der PMO Tag tags zuvor verbuchte mit rund 400 Teilnehmern einen neuen Rekord. „Bei unserem PM Forum handelt es sich mittlerweile um die größte PM-Veranstaltung in Europa“, freute sich Prof. Yvonne Schoper. Das Kongressmotto in diesem Jahr: „Projektmanagement öffnet neue Horizonte. Weiterdenken. Weitergehen.“ In zwölf Themen-Streams diskutierten die Fachleute PM-Trends, tauschten Erfahrungen aus und informierten sich über Innovationen. Rund 70 Referenten spannten den Horizont des Projektmanagements auf. Unter dem weiten PM- Himmel gab es viel Neues zu entdecken, etwa zu agilen Ansätzen, sozialer Kompetenz, strategischem Projektmanagement, Gesundheitsmanagement, Karrieremodellen oder PM für kleine und mittlere Unternehmen. In den Veranstaltungen fanden Köpfe und Ideen zusammen - und heraus kamen wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des Projektmanagements. Zudem bot auch in diesem Jahr das PM Forum eine perfekte Bühne für das Netzwerken und Kontaktpflegen. Mit einem hochkarätigen, den Horizont von Generationen übergreifenden Projekt stimmte die 34,7 Prozent - die heiß diskutierte Zahl auf dem PM Forum 2015 Weite Horizonte für das Projektmanagement Autor: Oliver Steeger REPORT 03 projektManagementaktuell | AUSGABE 5.2015 GPM ihre Teilnehmer auf die beiden Kongresstage ein. Keynote Speaker Prof. Klaus Schilling unternahm mit seinem Publikum eine gedankliche Reise zum Kometen „Churyumov-Gerasimenko“, berichtete von der europäischen Mission Rosetta und erläuterte, wie man eine Landung auf einem Planeten plant. Nach 25 Jahren Vorbereitung hatte im November 2014 eine Landesonde die Oberfläche des Kometen erreicht - in 500 Millionen Kilometer Entfernung zur Erde. Dieser Komet trägt unverfälschtes Material aus der Frühzeit des Sonnensystems. Die Untersuchung dieses „Urmaterials“ kann helfen, Fragen beispielsweise zur Herkunft des Lebens zu beantworten. Brachten Kometen das Wasser auf unseren Planeten? Welche Moleküle kamen aus dem All, um Leben auf der Erde zu ermöglichen? (Siehe dazu auch das Interview „Das Funksignal aus dem All krönte den Projekterfolg“ mit Prof. Klaus Schilling in projektManagement aktuell, Heft 4/ 2015.) Viele Projektmanager verfolgen solche Weltraumprojekte mit großer Aufmerksamkeit. Denn diese Vorhaben führen in die Frühzeit nicht nur unseres Sonnensystems, sondern auch des modernen Projektmanagements. „Raumfahrt und Projektmanagement haben sich wechselseitig befruchtet“, erklärte Prof. Klaus Schilling. Die Apollo-Missionen der 1960er-Jahre wären ohne Weiterentwicklung des Projektmanagements kaum denkbar gewesen. Vince Ebert ist Physiker - und Kabarettist. Ein seltenes, doch hochinspirierendes Zusammen- Keynote Speaker Prof. Klaus Schilling berichtete von der europäischen Weltraummission Rosetta - und erläuterte, wie man eine Landung auf einem Planeten plant. Foto: Oliver Steeger Vince Ebert, Physiker und Kabarettist, folgte in seinem Keynote-Vortrag dem Phänomen „Zufall“. Foto: Oliver Steeger PM-aktuell_5-2015_Inhalt_01-100.indd 3 10.11.2015 13: 24: 33 Uhr projektManagementaktuell | AUSGABE 5.2015 04 REPORT Deutscher Studienpreis Projektmanagement 2015 Eine lange Tradition auf dem PM Forum: Seit rund 20 Jahren verleiht die GPM auf dem PM Forum den „Deutschen Studienpreis Projektmanagement“. In diesem Jahr zeichnet sie vier Abschlussarbeiten aus: Dr. Julian Kopmann (Technische Universität Berlin, Lehrstuhl von Prof. Hans Georg Gemünden) - Dissertation „Value Realization through Project Portfolio Management“ Die Fähigkeit, Projekte und Projektportfolios zu managen, wird für viele Unternehmen immer wichtiger. Paradoxerweise geht der wachsende Anteil an projektbasierter Arbeit einher mit einer gleichbleibend hohen Rate an scheiternden Projekten. Die Disziplin des Einzelprojektmanagements versucht dieses Problem zu lösen mit der Einführung neuer Praktiken zur Wertrealisierung und mit einem umfassenderen Verständnis von Projekterfolg. Was aber ist mit dem Projektportfoliomanagement? In dieser Disziplin wird diese Frage bislang wenig erörtert. Die Dissertation analysiert den tatsächlichen Wertbeitrag von Projektportfoliomanagement. Dabei untersucht Dr. Julian Kopmann Praktiken zur Förderung und Realisierung dieses Wertbeitrages. Unter anderem schlägt er ein detailliertes Konzept zur Wertrealisierung im Projektportfoliomanagement vor. Philipp Heckenlauer (Hochschule München, Lehrstuhl von Prof. Wieland Cichon) - Masterarbeit „Projektmanagementerfahrung von Topmanagern - Eine empirische Untersuchung auf Basis der Lebensläufe von DAX- und MDAX-Vorständen“ Die Analyse der Lebensläufe aller 374 Vorstände aus DAX- und MDAX-Unternehmen lieferte viele bemerkenswerte Erkenntnisse. Eine davon: In den Vorstandsgremien gibt es umfassende Projektmanagementexpertise. Lediglich in 13 Prozent der 80 größten Unternehmen haben Vorstände keine PM-Erfahrungen. Und: Die Studie belegt einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Größe des Unternehmens (gemessen am Umsatz) und dem Anteil an projekterfahrenen Vorständen. Je mehr Umsatz das Unternehmen macht, desto mehr Vorstände mit Projektmanagementerfahrung sitzen im Vorstandsgremium. Was bedeutet dieser Befund für die Aufstiegschancen von Projektmanagern? Wo können Projektmanager Karriere machen? Philipp Heckenlauer stellt fest, dass in über der Hälfte der Fälle (51,6 Prozent) eine Topmanagement-Position direkt auf eine Position im Projektmanagement folgt. Offenbar haben Projektmanager gute Voraussetzungen, auf ihrem Karriereweg Positionen im Topmanagement zu erreichen. Sara Auth (Hochschule Fulda, Lehrstuhl von Prof. Hans-Theo Meinholz) - Bachelorarbeit „Agile Softwareentwicklung - Konfliktmanagement und Lösungen für Scrum-Teams“ Sara Auth beschäftigt sich mit Konflikten und Lösungsansätzen in der agilen Softwareentwicklung mit Scrum. Der Ausgangspunkt: Agile Vorgehensweisen ermöglichen bekanntlich die dynamische Anpassung an neue Anforderungen; der Kunde wird in regelmäßigen Abständen in den Entwicklungsprozess einbezogen. Scrum gibt für die Projektarbeit eine Reihe von Abläufen und Regeln vor, fordert aber auch von den Teams ein hohes Maß an eigenverantwortlichem Arbeiten und Empowerment. In der Arbeit geht es darum, Konfliktfelder zu erkennen, die sich durch Scrum und Empowerment ergeben. Außerdem wird die Frage behandelt: Wie können sich diese Konflikte auf Team und Unternehmen auswirken? Sara Auth erläutert, wie sich Fehler bei der Einführung von Scrum durch die gesamte Projektarbeit ziehen. Fehlende Unterstützung vonseiten des Upper- und Middle-Managements in Bezug auf Scrum kann dazu führen, dass Teams zum Teil gar nicht oder nur wenig „empowered“ sind. Für die Arbeit mit Scrum ist Empowerment aber eine essenzielle Voraussetzung. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass für funktionierendes Empowerment eine klare Richtung vom Upper-Management vorgegeben werden muss, die über das Middle-Management zu den Teams weitergegeben wird. Jan Lampe und Moritz Oesterlink (Technische Universität Berlin, Lehrstuhl von Prof. Rainer Stark) - Masterarbeit „Erfolgreiche Engineering- Großprojekte durch IT-basiertes Deliverable-Tracking“ (Sonderauszeichnung in der Kategorie Gemeinschaftsarbeit) In dieser Masterarbeit wird untersucht, wie der Fortschritt von komplexen Großprojekten mittels IT-Tools transparenter und relevanter verfolgt werden kann - und zwar ohne dabei den administrativen Aufwand der Projektbeteiligten zu erhöhen. Als zentrale Objekte für die Ermittlung des Projektfortschritts dienen Liefergegenstände (Deliverables), die in jeder Phase auf jeder Ebene erarbeitet werden. Der Forschungsgegenstand ist dabei das Engineering- Großprojekt (EGP), das sich als umfangreiches, technisches Projekt in verschiedensten Branchen beispielsweise durch ein hohes Maß an Komplexität, Interdisziplinarität und eine große Anzahl von Stakeholdern auszeichnet. Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften haben EGPs immer wieder Schwierigkeiten, die gesetzten Ziele zu erreichen. Diese Schwierigkeiten sind mit derzeitigen PM-Methoden nicht vollständig zu beseitigen. Deshalb wird die Möglichkeit für ein genaueres und verbessertes Projekt-Monitoring analysiert. Die Lösung liegt in einer Erweiterung der klassischen Projektfortschrittsermittlung. Dafür verwendet werden innovative Konzepte der Industrie 4.0 in Form eines Deliverable-Trackings. Deliverables sind besonders geeignet den Projektfortschritt widerzuspiegeln; sie sind definierte Ergebnisse auf allen Detailebenen der Projektdurchführung und nehmen definitionsgemäß direkten Einfluss auf den Projekterfolg. Durch die intelligente, IT-gestützte Verfolgung soll der Projektstatus in komplexen Projektumgebungen zu jeder Zeit automatisiert erfasst werden und in Echtzeit zur Verfügung stehen. PM-aktuell_5-2015_Inhalt_01-100.indd 4 10.11.2015 13: 24: 33 Uhr REPORT 05 projektManagementaktuell | AUSGABE 5.2015 deutsche Unternehmen noch immer aus der Produktionslogik heraus handeln - und die Wirtschaft denke nicht mit der Logik moderner, digitaler Services. Und: Nur sechs Prozent der heutigen „Hidden Champions“-Unternehmen in Deutschland wurden nach 1964 gegründet. Thomas Sattelberger stellte mehrere Strategien vor, Unternehmen zu transformieren und innovativ zu machen. Wichtig dabei sind innovationsfreundliche Organisation und Führung. Häufiger Knackpunkt: die Hierarchien. „Hierarchie ist der Feind von Innovation“, erklärte Sattelberger. Neben der hierarchiearmen Zusammenarbeit und der Abschaffung hierarchisch gestalteter Managementprogramme diskutierte er unter anderem Instrumente wie die (Ab-)Wahl von Führungskräften und Teamentscheidungen bei Personalfragen.  die richtige mentale Einstellung der Spieler. Auf dem PM Forum sprach er über Teamführung. „Manager und Teammitglieder haben jeweils ein eigenes Bild vom Ziel und dem Weg dorthin im Kopf“, erklärte Prof. Hans-Dieter Hermann. Eben dies macht Verständigung und Führung oft schwierig - besonders dann, wenn auch die Sprache ungenau ist; Äußerungen können auf vielerlei Weise interpretiert werden. Der Experte stellte Strategien vor und erläuterte sie inspirierend an Beispielen aus der Fußballwelt. So gilt die Regel, jedem im Team das Gefühl zu geben, dass er für die Mannschaft und den Erfolg wichtig ist. Deshalb: Erfolgreiche Teams teilen gemeinsam den Erfolg. Eine deutsche Olympiamannschaft hat sich beispielsweise nur komplett von der Presse fotografieren lassen - sogar mit den Physiotherapeuten, die von der Bank am Spielfeldrand aus mitwirkten. „Für die Motivation ist es wichtig, dass sich jeder im Team wahrgenommen und als Mensch geschätzt fühlt“, erklärte Prof. Hans-Dieter Hermann. Zudem können Manager Höchstleistungen im Team wecken, indem sie schnell Entscheidungen treffen, sinnstiftend inspirieren und sich nahbar, für Mitarbeiter erreichbar verhalten. Vor einem sollten sich Manager hüten: Mit Teammitgliedern unfair umzugehen. Das Gefühl unfairer Behandlung ist der wohl größte Motivationskiller. Manager, die beispielsweise Teamerfolge als ihre eigene, persönliche Leistung ausgeben, zerstören die Motivation ihrer Mitarbeiter. Langjährigen Besuchern des PM Forums ist der Publizist und Politikberater Thomas Sattelberger gut bekannt. In den vergangenen Jahren war er als Personalvorstand verschiedener Konzerne bereits Keynote Speaker des PM Forums. Dieses Mal brachte der streitbare HR-Vordenker den Teilnehmern die Arbeitswelt 4.0 nahe. Seine weitgespannte Tour d’Horizon startete er mit einer scharfen Analyse der deutschen Wettbewerbsfähigkeit, um deren Zukunft es nicht gut bestellt ist. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer „Sandwich-Position“ zwischen dem „Digital House“ USA und dem „Maschinenhaus“ China. Deutschland wird von den beiden mächtigen Wettbewerbern erdrückt: zu teuer und „overengineert“ sind viele Produkte „Made in Germany“. Mangelnde Innovationsfähigkeit und ausbleibender Gründungsgeist trüben die Aussichten für Deutschland ein. „Die erste Halbzeit der Digitalisierung ist für Deutschland schon verloren“, diagnostizierte Thomas Sattelberger in seinem faktenreichen Vortrag. Auch würden treffen von zwei Begabungen. Seinen Keynote- Vortrag widmete er dem Phänomen „Zufall“ - jenem buchstäblich unberechenbaren Quälgeist, der demjenigen ein Schnippchen schlägt, der Systeme kontrollieren will. Anhand von Beispielen aus Naturwissenschaft, Neuromarketing und Chaostheorie folgte Vince Ebert der Spur des Zufalls. „Die Zukunft ist nicht berechenbar - und schon gar nicht durch Experten“, wies er den Kongressteilnehmern nach. Doch mit Fantasie und Flexibilität können Projektteams dem Zufall begegnen. „Diese Kreativität ist genau das Gegenteil von Effizienz“, sagte Ebert. Was für das Management bedeutet: Man sollte nicht länger mit Effizienz den Zufall zu bezwingen versuchen, sondern stattdessen Vielfalt und Flexibilität fördern. Nach einem Wort des Erfinders Rudolf Diesel gehen von 100 Genies 99 unerkannt zugrunde. „Dies dürfen wir nicht zulassen“, appellierte der Kabarettist. Der deutsche WM-Titel in Brasilien. Ein Meilenstein in der deutschen Fußballgeschichte, ein hochemotionaler Moment. Hinter diesem Erfolg stand ein großes Team: die Spieler und Trainer - und im Hintergrund Mediziner, Ernährungswissenschaftler und Psychologen. Keynote Speaker Prof. Hans-Dieter Hermann, Sportpsychologe der deutschen Nationalmannschaft, verantwortete Keynote Speaker Prof. Hans-Dieter Hermann, Sportpsychologe der deutschen Nationalmannschaft, erläuterte seine Erfahrungen zum Thema Teamführung. Foto: Oliver Steeger Thomas Sattelberger - ehemaliger Personalvorstand Telekom, heute Publizist und Politikberater - berichtete über die Arbeitswelt 4.0 im Zeitalter der Digitalisierung. Foto: Oliver Steeger PM-aktuell_5-2015_Inhalt_01-100.indd 5 10.11.2015 13: 24: 35 Uhr