eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 26/5

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
121
2015
265 Gesellschaft für Projektmanagement

Das ist die „Königsklasse” der Spitzenprojekte

121
2015
Oliver Steeger
„Für die Könige unter den Projekten” – mit diesem Slogan bringt die GPM ihren „Deutschen Project Excellence Award 2015” auf den Punkt. Die Bilanz von 2015: Vier Projekte erreichten das Finale. Zwei errangen die Königskrone: Das Projekt „Feste Fahrbahn im Gotthard-Basistunnel” (ARGE Fahrbahn Transtec Gotthard) und das Projekt „Neues BMW Werk in Brasilien” (BMW AG) wurden als Preisträger des Deutschen Project Excellence Award 2015 ausgezeichnet; sie lagen in der Wertung sehr dicht beieinander. Die weitere Platzierung: die Projekte „Hochwasserrisikomanagement Baden-Württemberg” (Regierungspräsidium Stuttgart im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg) sowie „SuedLink – Vorplanungsprojekt” (TenneT TSO GmbH) wurden für besondere Einzelleistungen gewürdigt.
pm2650006
Award für Spitzenprojekte in Brasilien und am Gotthard-Tunnel Das ist die „Königsklasse“ der Spitzenprojekte Autor: Oliver Steeger projektManagementaktuell | AUSGABE 5.2015 06 REPORT „Für die Könige unter den Projekten“ - mit diesem Slogan bringt die GPM ihren „Deutschen Project Excellence Award 2015“ auf den Punkt. Die Bilanz von 2015: Vier Projekte erreichten das Finale. Zwei errangen die Königskrone: Das Projekt „Feste Fahrbahn im Gotthard-Basistunnel“ (ARGE Fahrbahn Transtec Gotthard) und das Projekt „Neues BMW Werk in Brasilien“ (BMW AG) wurden als Preisträger des Deutschen Project Excellence Award 2015 ausgezeichnet; sie lagen in der Wertung sehr dicht beieinander. Die weitere Platzierung: Die Projekte „Hochwasserrisikomanagement Baden-Württemberg“ (Regierungspräsidium Stuttgart im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg) sowie „SuedLink - Vorplanungsprojekt“ (TenneT TSO GmbH) wurden für besondere Einzelleistungen gewürdigt. Auf der Award-Gala anlässlich des PM Forums prämierte die GPM die exzellenten Projekte. „Der ‚Deutsche Project Excellence Award‘ ist der Oscar des Projektmanagements“, erklärte GPM Vorstand Prof. Claus Hüsselmann, „Excellence ist dabei keine Frage von Größe, Branche oder PM-Methoden. Excellence spiegelt sich in einer Haltung wider: sich jeden Tag ein Stück weit selbst zu übertreffen.“ Gemeinsam mit DPEA- Foto: GPM/ Steffen Riese PM-aktuell_5-2015_Inhalt_01-100.indd 6 10.11.2015 13: 24: 39 Uhr REPORT 07 projektManagementaktuell | AUSGABE 5.2015 Kommunikation sowie projektbegleitendes Teambuilding und Empowerment. Alle Teammitglieder hatten das Projektziel stets klar vor Augen und zogen „an einem Strang“. Das Ergebnis: Das neue Werk wurde pünktlich fertiggestellt - und das Kostenziel sogar signifikant unterschritten. Und die in Bauprojekten oft üblichen Streitigkeiten um Claims blieben aus. Finalisten-Projekt „Hochwasserrisikomanagement Baden-Württemberg“ (Regierungspräsidium Stuttgart im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg), ausgezeichnet als exzellentes Beispiel für die Qualitätsverbesserung in öffentlichen Projekten durch den Einsatz von Projektteam seine Aufgaben an. Das Team von BMW warf Konventionen über Bord und setzte ganz auf eine innovative Vorgehensweise. Beispielsweise reduzierte es Hierarchien und künstliche Grenzen. So bezog es seine Subunternehmen partnerschaftlich ins Projekt ein; damit konnten alle Projektbeteiligten eigene Ideen einbringen und gemeinsam neue Lösungen entwickeln. Was den Assessoren auffiel: Die Projektsteuerung blieb flexibel dank des Prinzips von Lean Construction. Auch synchronisierte das Team die Taktung der Vorfertigungs- und Montageprozesse, was die Effizienz im Projekt enorm steigerte. Hinzu kamen eine gut funktionierende Programmleiter Benedict Gross zeichnete Prof. Claus Hüsselmann die exzellenten Projekte aus. Die Platzierungen im Überblick: Preisträger-Projekt „Feste Fahrbahn im Gotthard-Basistunnel“ (ARGE Fahrbahn Transtec Gotthard) - Mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt: Nimmt der Gotthard- Basistunnel 2016 seinen Betrieb auf, so ist ihm dieser Weltrekord sicher. Rekordverdächtig ist aber auch das Projektmanagement. Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks erstellte das Projektteam die feste Fahrbahn und installierte rund 115 Kilometer Gleis in zwei Tunnelröhren. Hohe Präzision war gefordert hinsichtlich der Toleranzen. Weniger als einen Millimeter durften die Gleise vom „Soll“ abweichen, damit Hochgeschwindigkeitszüge den Tunnel passieren können. Zu den strengen technischen Anforderungen kamen weitere Herausforderungen hinzu, etwa die Logistik mit sehr langen Transportwegen. Auch erwiesen sich viele branchenübliche Verfahren, Materialien und Maschinen bei diesem Bauwerk als ungeeignet. Mit technischen Innovationen, neuartigen Fertigungsprozessen und Bautechnologien meisterte das Team dieses Projekt. Beispielsweise setzte es einen neu entwickelten „Betonzug“ ein - eine auf Schienen fahrbare Mischanlage, die den benötigten Beton direkt vor Ort im Tunnel produziert. Auch an die Beteiligten stellte das Projekt hohe Anforderungen. Das Projektteam entwickelte in der zweijährigen Vorbereitungsphase neben stringenten Prozessen auch klare Rekrutierungsvorgaben („right people, right places“) und Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter. Im Ergebnis: Führungs- und Teamkultur waren bei diesem Projekt vorbildlich. Preisträger-Projekt „Neues BMW Werk in Brasilien“ (BMW AG) - Wo vor zehn Monaten noch Rinder grasten, lief im Oktober 2014 die erste 3er-Limousine vom Band: Für die regionale Produktion von fünf verschiedenen Pkw-Modellen hat das Team von BMW in kürzester Zeit ein Automobilwerk im brasilianischen Araquari errichtet. Das erste BMW Automobilwerk in Südamerika: Es liegt fernab großer Industriestandorte und Städte - ein Umstand, der eine Herausforderung für das Projekt bildete. Hinzu kam der Termindruck. Die eng gesetzten Termine durften nicht zulasten der Qualität gehen oder das Projekt teurer als geplant machen. Mit konsequenter Transparenz und der gemeinsamen Verantwortung aller Beteiligten ging das Das Team des Projekts „Neues BMW Werk in Brasilien“ (BMW AG); Foto: GPM/ Steffen Riese Das Team des Projekts „Feste Fahrbahn im Gotthard-Basistunnel“ (ARGE Fahrbahn Transtec Gotthard); Foto: GPM/ Steffen Riese PM-aktuell_5-2015_Inhalt_01-100.indd 7 10.11.2015 13: 24: 45 Uhr projektManagementaktuell | AUSGABE 5.2015 08 REPORT Der Erfolg des Projekts war verbunden mit Dialog und gut geplanter Kommunikation. Das Team hat Stakeholder intensiv einbezogen. Über mehrere Jahre fanden regelmäßig Veranstaltungen statt, die alle Akteure berücksichtigten - vom einzelnen Bürger bis hin zur Landesregierung. Dank stetig weiterentwickelter PM-Methoden stieß das Projekt einen Lernprozess im Hochwasserrisikomanagement an, der als beispielhaft für eine Qualitätsverbesserung in öffentlichen Projekten gelten kann. Finalisten-Projekt „SuedLink - Vorplanungsprojekt“ (TenneT TSO GmbH), ausgezeichnet für Interaktion und Kommunikation in öffentlichen Großprojekten und die besondere Form der Bürgerbeteiligung - „Stromautobahnen“ sollen die Windenergie von Norddeutschland nach Bayern und Baden-Württemberg bringen: über 800 Kilometer lange Stromtrassen, auf denen mit 500 Kilovolt viele Gigawatt Strom transportiert werden sollen. Die geplante Verbindung „SuedLink“ ist eine dieser Stromautobahnen, das größte Infrastrukturprojekt der Energiewende. Das Vorplanungsprojekt sollte dabei die formalen Voraussetzungen für die Eröffnung des Planungs- und Genehmigungsverfahrens der Nord-/ Süd-Verbindung schaffen. Die Voraussetzungen dafür waren alles andere als einfach. Große Infrastrukturprojekte rufen in Deutschland nicht nur Begeisterung hervor. So stieß auch SuedLink zunächst bei vielen Bürgern auf Ablehnung. Deshalb hat das Team früh - bereits bei den allerersten Planungsschritten - Bürger, Gemeinden und Verbände eingebunden und zur Mitarbeit aufgefordert: mit zahlreichen „Infomärkten“, mehreren Hundert Gesprächsrunden mit Bürgerinitiativen, Politikern und Verbänden sowie in unzähligen Einzelgesprächen. Darüber hinaus hat das Team 3.000 eingereichte Stellungnahmen bearbeitet. Dieser Dialog ermöglichte eine intensive und konstruktive Bürgerbeteiligung. Das Ergebnis: Im Dezember 2014 hat TenneT den Antrag auf Bundesfachplanung der Bundesnetzagentur übergeben - und das Vorplanungsprojekt mit einer herausragenden Projektbilanz abgeschlossen. Der Antrag umfasst nicht nur einen Vorschlag für eine Trassenführung von der schleswig-holsteinischen Küste bis nach Bayern, sondern auch 98 alternative Korridorverläufe mit über 2.200 Kilometern Länge. Dank der Bürgerbeteiligung berücksichtigen viele der alternativen Streckenverläufe die lokalen Besonderheiten, was beim späteren Bau möglicherweise Probleme und Verzögerungen vermeiden hilft.  Das Ergebnis des Projekts: Mit detaillierten Hochwassergefahren- und Risikokarten liegen jetzt flächendeckend konkrete Informationen über die mögliche Ausdehnung und Tiefe einer Überflutung vor. Über 11.000 Kilometer Gewässerlänge wurden im Projektzeitraum vermessen, berechnet und kartografiert. Eine komplexe Detailarbeit, die national wie international Maßstäbe gesetzt hat. Denn das Projekt hat einen Paradigmenwechsel bewirkt: weg von dem Grundsatz „Es soll trocken bleiben“ hin zur Handlungsmaxime „Es soll möglichst wenig passieren“. Projektmanagementmethoden: Die Hochwasserkatastrophen von 2002 und 2013 haben Deutschland alarmiert. Deutlich wurde: Deiche und Rückhaltebecken allein können nicht ausreichend gegen die Wassermassen schützen. Baden-Württemberg reagierte darauf mit der Einführung eines landesweiten Hochwasserrisikomanagements. 13 Jahre lang hat das Land gemeinsam mit Landkreisen, Städten und Gemeinden sowie vielen weiteren Akteuren an der Umsetzung einer Landesstrategie gearbeitet, die Schäden aus Hochwasserkatastrophen so weit wie möglich zu begrenzen. Das Team des Projekts „SuedLink - Vorplanungsprojekt“ (TenneT TSO GmbH); Foto: GPM/ Steffen Riese Das Team des Projekts „Hochwasserrisikomanagement Baden-Württemberg“ (Regierungspräsidium Stuttgart im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg); Foto: GPM/ Steffen Riese PM-aktuell_5-2015_Inhalt_01-100.indd 8 10.11.2015 13: 24: 52 Uhr