eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL 27/4

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
101
2016
274 Gesellschaft für Projektmanagement

Erfolgreiches Projektmanagement

101
2016
Heinz Schelle
Prudix, Dietmar: Erfolgreiches Projektmanagement. Vom sicheren Umgang mit Projekten. Springer Gabler 2016, 119 S., ISBN 978-3-658-08583-4, EUR 34,99
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WisseN 69 projektManagementaktuell | AusgAbe 4.2016 Prudix, Dietmar: Erfolgreiches Projektmanagement. Vom sicheren Umgang mit Projekten. Springer Gabler 2016, 119 S., ISBN 978-3-658-08583-4, EUR 34,99 Schon wieder ein Buch über Soft Skills war meine erste Reaktion, als ich das Werk in der Post fand. Das Thema hat ja zurzeit Hochkonjunktur. Viele, Berufene und Nichtberufene, schreiben. Dietmar Prudix, gelernter Organisationspsychologe und erfahrener Praktiker, gehört ohne Zweifel zu denen, die berufen sind. Deshalb hatte ich am Lesen auch mehr und mehr Freude, vor allem deshalb, weil der Autor viele Themen aufgreift, die ich bisher in der einschlägigen PM-Literatur so nicht behandelt gefunden habe. Prudix erläutert, „warum Menschen in verschiedenen Situationen sich in einer bestimmten Art und Weise verhalten, und zeigt Möglichkeiten, diese Verhaltensweisen für ein erfolgreiches Projektmanagement zu optimieren“. Oder wie Dr. Thor Möller im Geleitwort schreibt: Das Buch „beschreibt Lösungsansätze für die vielen großen und kleinen Aspekte, die in den unterschiedlichsten Kombinationen auftreten und den Projekterfolg bis hin zum Scheitern des Projekts mindern können ...“. Der Verfasser gliedert sein Buch nach Projektphasen und unterscheidet folgende Kapitel: • Initialisierungsphase • Definitionsphase • Planungsphase • Steuerungsphase • Abschlussphase Obwohl das Werk verhältnismäßig schmal ist, enthält es doch eine solche Fülle von neuen, äußerst lesenswerten Informationen, dass ich gezwungen bin, eine Auswahl zu treffen und mich auf einige, aus meiner Sicht besonders erwähnenswerte Inhalte zu beschränken. Im Kapitel „Initiierungsphase“ befasst sich Prudix unter anderem mit der Macht der Rituale, kaum einmal im Zusammenhang mit Projekten diskutiert, mit mikropolitischen Spielen, auch das ein bisher ziemlich vernachlässigtes Thema, und mit der Einschätzung von Risiken durch Menschen. Wer wenig Zeit hat, sollte zumindest das zuletzt genannte Unterkapitel lesen, damit er ein wenig den Respekt vor den klassischen Techniken des Risikomanagements verliert. Das Kapitel „Definitionsphase“ enthält kluge Bemerkungen zu Stuttgart 21 und zum Flugplatz Berlin Brandenburg und bezieht sich vor allem auf die Ausführungen von Flyvberg, der sich besonders intensiv mit Katastrophenprojekten beschäftigt hat. (Vgl. dazu auch die Besprechung des Buches Flyvberg, B./ Bruzelius, N./ Rothengatter, W.: Megaprojects and Risks. An Anatomy of Ambition. Cambridge 2003 in Heft 5/ 2012). Das Kapitel „Planungsphase“ hat mich wegen des originellen Inhalts besonders überrascht. Unbedingt lesen: „Alle schleimen sich beim Projektleiter ein“ und die Ratschläge für individuelles Zeitmanagement (Lifehacking). Die Ausführungen unter der Überschrift „Steuerungsphase“ gehen besonders auf die Nöte eines Projektleiters ein. Wo hat man z. B. schon einmal darüber gelesen, was eine solche Führungskraft im Alltag besonders ärgert, was sie ängstigt und warum es Plateauphasen in Projekten gibt? Auch das Unterkapitel „Bedeutung von Konkurrenz und Kooperation im Kontext von Projekten“ hat mir viel Neues geboten. Ebenso die Ausführungen unter der Überschrift „Effizient Entscheidungen treffen“ mit der Erörterung von Denk-, Urteils- und Entscheidungsfehlern, wie sie von der Kognitions- und Entscheidungsforschung aufgedeckt wurden, und die Darstellung des Wrap-Prozesses (vier aufeinander folgende Schritte der Entscheidungsfindung), der von den Professorenbrüdern Heath entwickelt wurde. Sehr lesenswert auch das letzte Kapitel „Der ‚kleine‘ Tod - Trennungssituationen im Projekt“. Besonders erwähnenswert auch, dass Prudix jedem Kapitel noch eine umfangreiche Literaturliste anfügt, die viele neuere Publikationen, vor allem auch angelsächsische, enthält, die nicht direkt aus dem Wissensbereich „Projektmanagement“ stammen. Damit demonstriert er eindrucksvoll, dass es sich lohnt, über fachliche Zäune zu schauen. Kurzum: Wer viele neue Einsichten und Ratschläge gewinnen will, dem sei dieses gut formulierte und leicht zu lesende Werk wärmstens empfohlen. Er wird in die oft raue Welt der Projektrealität eingeführt und wird den Gegensatz zur weitgehend konflikt- und keimfreien „Welt“ des normativen Projektmanagements, etwa repräsentiert durch PRINCE2, plastisch vorgeführt bekommen. Autor: Heinz Schelle Buchbesprechung Erfolgreiches Projektmanagement An Essay upon Projects Dass technologischer und organisatorischer Wandel durch Projekte, das Leitthema dieses Heftes, nur durch konsequentes Projektmanagement erreicht werden können, wussten bereits unsere Altvorderen. Der den meisten nur als Verfasser des „Robinson Crusoe“ bekannte Brite Daniel Defoe (1660-1731) schrieb schon 1697 ein Buch mit dem Titel „An Essay upon Projects“. Mit Projekten wollte er u. a. eine Verbesserung des Banken- und Versicherungswesens, Bildungsangebote für Frauen und eine Verringerung der Steuerhinterziehung realisieren, also ein durchaus modernes Programm. Generell wollte er die wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Lebensqualität seines Landes heben. Sein Verständnis von Projekten unterscheidet sich nicht von unserem heutigen. Was er wohl zum Brexit gesagt hätte und wie er bei der Durchführung vorgegangen wäre? Dass der Begriff „Projektemacher“ in der Frühen Neuzeit zum Synonym für Gauner und Schwindler wurde, dafür konnte Defoe nichts. Quelle: https: / / en.wikipedia.org/ wiki/ An_essay_ upon_projects; Foto: Daniel Defoe; Quelle: by unknown, style of Sir Godfrey Kneller - Wikimedia Commons, gemeinfrei PM-aktuell_4-2016_Inhalt_01-88.indd 69 16.08.2016 6: 46: 06 Uhr