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PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
1201
2018
295 Gesellschaft für Projektmanagement

GPM zeichnet zwei Spitzenarbeiten aus

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2018
Oliver Steeger
Auf dem PM Forum verleiht die GPM den „Deutschen Studienpreis Projektmanagement“ seit vielen Jahren schon. Statt wie üblich drei Preisträger standen diesmal nur zwei auf der Bühne. Der Grund: Trotz insgesamt vieler Einreichungen gab es 2018 keinen geeigneten Bewerber für die Kategorie „Bachelorarbeit“. Was der Begeisterung der Jury allerdings keinen Abbruch tat: Denn mit der Dissertation von Dr. Erik Schäfer und der Masterarbeit von Bruno Djapanovic zeichnete die GPM zwei wirklich herausragende Arbeiten aus – und leistete einmal mehr ihren Beitrag zur Förderung des akademischen Nachwuchses.
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REPORT 09 projektManagementaktuell | AUSGABE 5.2018 Deutscher Studienpreis Projektmanagement auf PM Forum verliehen GPM zeichnet zwei Spitzenarbeiten aus Autor: Oliver Steeger Auf dem PM Forum verleiht die GPM den „Deutschen Studienpreis Projektmanagement“ seit vielen Jahren schon. Statt wie üblich drei Preisträger standen diesmal nur zwei auf der Bühne. Der Grund: Trotz insgesamt vieler Einreichungen gab es 2018 keinen geeigneten Bewerber für die Kategorie „Bachelorarbeit“. Was der Begeisterung der Jury allerdings keinen Abbruch tat: Denn mit der Dissertation von Dr. Erik Schäfer und der Masterarbeit von Bruno Djapanovic zeichnete die GPM zwei wirklich herausragende Arbeiten aus - und leistete einmal mehr ihren Beitrag zur Förderung des akademischen Nachwuchses. „Der Jury fiel es nicht leicht, unter den zahlreichen hervorragenden Einreichungen die besten Beiträge zu küren“, erklärte Juryleiterin Prof. Yvonne Schoper bei der Verleihung des Deutschen Studienpreises Projektmanagement auf dem PM Forum in Nürnberg. Dennoch standen am Ende zwei Gewinner fest: Dr. Erik Schäfer mit der Dissertation „Häufige Projektfehlschläge als emotionale Herausforderung: Eine Studie zu organisationalen Bewältigungspraktiken in zwei Architekturbüros“ (Freie Universität Berlin, Fachbereich Wirtschaftswissenschaft, Management-Department; Betreuende Professoren: Prof. Georg Schreyögg und Prof. Timo Braun) „Eine innovative Arbeit über Strategien der Bewältigung von Niederlagen - und die Motivation, dennoch weiterzumachen“, so lobte die Jury die ausgezeichnete sozialwissenschaftliche Arbeit von Dr. Erik Schäfer. Um was geht es? Ausgangspunkt für die Untersuchung bilden zwei Beobachtungen. Erstens: Organisationen wie Forschungseinrichtungen oder Architekturbüros starten und bearbeiten sehr unsichere Projekte, beispielsweise Forschungsvorhaben oder Wettbewerbsprojekte. Sie gehen mit großem Enthusiasmus an diese Projekte heran, ungeachtet aller Unwägbarkeiten. Zweitens, mit diesen „riskanten“ Projekten scheitern diese Organisationen häufig. Experimente schlagen fehl, Forschungsvorhaben scheitern oder Wettbewerbsentwürfe werden abgelehnt. Verständlich, dass dieses Scheitern die Organisationen belastet und zu Trauer und Wut führen kann. Diese Emotionen müssten eigentlich den Enthusiasmus schmälern, mit dem diese Organisationen anspruchsvolle Projekte angehen. Anders gewendet: Wollen diese Organisationen erfolgreich sein, so müssen sie ihre positiven Emotionen vor negativen Emotionen aus Fehlschlägen schützen. Eine Herausforderung, die Dr. Erik Schäfer für seine Arbeit aufgreift. Anhand von zwei Architekturbüros analysiert er die organisationalen Bewältigungspraktiken. Angesehene Architekturbüros verlieren bei Architekturwettbewerben im Schnitt neun von zehn Bewerbungen. Aber sie sind in der Lage, die widersprüchlichen Emotionen auszubalancieren und zu verarbeiten. Sie verfügen über passende Bewältigungsstrategien. Dr. Erik Schäfer hat diese Praxis untersucht und Strategien identifiziert, die sich bei den Architekten herausgebildet haben. Er zeigt: In unterschiedlichen Projektphasen kommen unterschiedliche Strategien zum Zug. Diese Strategien bewirken bei den Beteilig- Preisträger Dr. Erik Schäfer; der Titel seiner Dissertation lautet: „Häufige Projektfehlschläge als emotionale Herausforderung: Eine Studie zu organisationalen Bewältigungspraktiken in zwei Architekturbüros“; Foto: Oliver Steeger 10 REPORT projektManagementaktuell | AUSGABE 5.2018 ten neutrale oder positive Emotionen; negative Gefühlsausbrüche werden umgangen. Das tägliche Handeln bleibt sicher und „anschlussfähig“, wie der Autor schreibt. Seine Ergebnisse zeigen auch die im Alltag meist verborgenen Probleme - beispielsweise mögliche Schwierigkeiten, die aus dem Verdrängen negativer Emotionen resultieren; sie können dazu führen, dass wichtige Impulse zum Wandel ignoriert werden. Zudem gibt Dr. Erik Schäfer Anregungen, wie Organisationen die Gefühle ihrer Projektmitarbeiter gezielt reflektieren können. Diese Studie, so urteilt die Jury, „bereichert das Wissensgebiet des Projektmanagements durch einen neuen Blickwinkel“. Bruno Djapanovic mit seiner Masterarbeit: „Identifikation von Erfolgsfaktoren und Herausforderungen des Risikomanagements auf Projektprogramm-Ebene“ (Technische Universität Darmstadt, Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften; Betreuender Professor: Prof. Alexander Kock) Einzelne Projekte unterliegen Risiken. Bündelt man jedoch einzelne, voneinander abhängige Projekte zu einem Programm - dann steigt die Komplexität, und das Risiko wächst dynamisch. Hinzu kommt: Programme sind meistens von unternehmensstrategischer Bedeutung. Da darf nichts schiefgehen; der Erfolg muss sichergestellt werden. Was wiederum bedeutet, dass Programme über ein besonders wirksames Risikomanagement verfügen sollten. In seiner Masterarbeit stellt Bruno Djapanovic fest: Das Risikomanagement für Programme wird in der Literatur kaum berücksichtigt - im Gegensatz zum Risikomanagement für Einzelprojekte. Offenbar ein blinder Fleck in der Literatur, obwohl der Stellenwert dieses Risikomanagements angesichts der Komplexität und der strategischen Bedeutung von Programmen auf der Hand liegt. Mit seiner Arbeit, die in ihrer Qualität und in ihrem Umfang über den Standard von Masterarbeiten hinausgeht, schließt Bruno Djapanovic diese Lücke. Im ersten, theoretischen Teil beschreibt er die Merkmale des Programm- Risikomanagements; er grenzt Projekt und Programm voneinander ab unter dem Gesichtspunkt des Projekt-Risikomanagements. Im zweiten Schritt untersucht er sechs Programme empirisch. Aus dieser Fallstudie leitet er Herausforderungen und Erfolgsfaktoren für Programm-Risikomanagement ab. Im dritten und letzten Schritt beschreibt Bruno Djapanovic ein Modell für Programm-Risikomanagement. Einige seiner Ergebnisse: Programm-Risikomanagement bildet eine Ergänzung zum Projekt- Risikomanagement - und keinesfalls eine Alternative! Es geht bei dieser Ergänzung darum, die Risiken verschiedener Ebenen zu koordinieren und damit Transparenz zu schaffen. Eine entscheidende Rolle hat dabei die Aggregation von Projektrisiken auf der Ebene des Programms. Des Weiteren sollte Programm-Risikomanagement immer für den jeweiligen Kontext angemessen sein. Bruno Djapanovic erklärt, dass diese Angemessenheit wichtig sei für den Aufbau der Risikokultur. Diese Risikokultur wiederum spielt eine wichtige Rolle insbesondere für die Einzelprojekte - und damit für die erfolgreiche Aggregation von Projektrisiken auf der Ebene des Programms. Das Lob der Jury: „Die originelle und gut strukturierte Arbeit berücksichtigt eine Fülle an Literatur und alle zum Thema gehörigen Aspekte der Forschungsfrage.“  Bruno Djapanovic erhielt einen Preis für seine Masterarbeit „Identifikation von Erfolgsfaktoren und Herausforderungen des Risikomanagements auf Projektprogramm-Ebene“. Foto: Oliver Steeger Beilagen in diesem Heft • GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. • Haufe Akademie GmbH & Co. KG • PLANTA Projektmanagement-Systeme GmbH • Speitkamp Werbe- und Verlagsgesellschaft/ TÜV Media GmbH Wir bitten um Beachtung.