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PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
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UVK Verlag Tübingen
101
2019
304 Gesellschaft für Projektmanagement

Durch Projekte Lust auf Klimaschutz machen

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2019
Oliver Steeger
97 Prozent der Experten sind sich einig: Der Klimawandel hat bereits begonnen, und er ist maßgeblich von uns Menschen verursacht. Wir müssen uns daranmachen, mit den Folgen umzugehen – und möglichen weiteren Wandel verhindern. Der Diplom-Meteorologe, Wettermoderator und Autor Sven Plöger hat sich über viele Jahre mit dem Klimawandel und der öffentlichen Diskussion darüber beschäftigt. Er sagt: „Panik machen hilft wenig, doch wir müssen schleunigst unser Verhalten ändern. Neben Verboten und Verzicht führt die Lust auf Wandel weiter. Lust machen kann man durch Projekte, in die sich die Menschen einbringen können.“ Der prominente Experte für Wetter und Klima ist Keynote Speaker auf dem „36. Internationalen PM Forum“ vom 22. bis 23. Oktober 2019 in Nürnberg. Im Interview erklärt er den Hintergrund des Klimawandels, widerlegt die Argumente sogenannter „Klimawandelleugner“, erläutert Wege aus der „Klimafalle“ – und macht klar, weshalb man das Klima nicht mit dem Wetter verwechseln darf.
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Wetterexperte Sven Plöger, Keynote Speaker auf dem PM Forum im Oktober 97 Prozent der Experten sind sich einig: Der Klimawandel hat bereits begonnen, und er ist maßgeblich von uns Menschen verursacht. Wir müssen uns daranmachen, mit den Folgen umzugehen - und möglichen weiteren Wandel verhindern. Der Diplom-Meteorologe, Wettermoderator und Autor Sven Plöger hat sich über viele Jahre mit dem Klimawandel und der öffentlichen Diskussion darüber beschäftigt. Er sagt: „Panik machen hilft wenig, doch wir müssen schleunigst unser Verhalten ändern. Neben Verboten und Verzicht führt die Lust auf Wandel weiter. Lust machen kann man durch Projekte, in die sich die Menschen einbringen können.“ Der prominente Experte für Wetter und Klima ist Keynote Speaker auf dem „36. Internationalen PM Forum“ vom-22. bis 23. Oktober 2019-in Nürnberg.-Im Interview erklärt er den Hintergrund des Klimawandels, widerlegt die Argumente sogenannter „Klimawandelleugner“, erläutert Wege aus der „Klimafalle“ - und macht klar, weshalb man das Klima nicht mit dem Wetter verwechseln darf. Herr Plöger, die breite Resonanz auf die Friday-for-Future-Bewegung, Diskussionen um die CO 2 -Bepreisung, Wahlerfolge für grüne Parteien - in puncto Klimaschutz scheint gesellschaftlich etwas in Bewegung gekommen zu sein. Spüren auch Sie das wachsende Interesse am Klimaschutz? Durch Projekte Lust auf Klimaschutz machen Autor: Oliver Steeger Sven Plöger: Ja, mit Sicherheit. Die Europawahl hat gezeigt, wie die Bevölkerung über den Klimaschutz denkt und welche Priorität das Thema Klimawandel für sie hat. Sie hat die Probleme erkannt und sucht nach Lösungen. Dies lesen wir auch von stabilen Umfrageergebnissen zu diesem Thema ab. Für mich ist dies ein Erfolg und Lichtblick! Viele haben die Position der Wissenschaft zum Klimawandel verstanden und wissen, dass wir die Emission von CO 2 verringern müssen ... Trotzdem klingen Sie nicht ganz glücklich … Ich sehe da immer noch Widersprüche. Zum einen wissen viele, dass wir unseren Lebensstil verändern und zu neuen, klimafreundlichen Technologien kommen müssen. Zum anderen wächst in der Automobilindustrie das Segment der SUVs am stärksten. Es werden schwere und besonders spritschluckende Fahrzeuge nachgefragt. Da befinden wir uns offenbar noch in einem Konflikt. Wasser predigen, Wein trinken ... Wir müssen die Menschen zum Handeln bewegen, dies ist der springende Punkt. Zum einen müssen wir uns an die klimatischen Veränderungen anpassen, die wir heute bereits haben - also Anpassungen an Dürren, Hochwasser oder Hitzewellen. Zum anderen brauchen wir eine nachhaltige Strategie, CO 2 -Emissionen zu vermeiden. Dies heißt, dass wir weniger fossile Brennstoffe verbrennen und stattdessen alternative Energieträger suchen. Zur Kernenergie, namentlich die Kernspaltung, hat unser Land ja eine klare Mehrheitshaltung. Die Kernfusion - das macht die Sonne - können wir noch nicht nutzen. Wir können noch nicht mit 100 Millionen Grad heißem Plasma umgehen. Daher bleiben für uns im Augenblick nur die regenerativen Sven Plöger Sven Plöger präsentiert seit 1999 Hörfunk- und Fernsehwetterberichte-und ist den Zuschauern u. a. aus dem „Wetter im Ersten“ vor der Tagesschau und in den-Tagesthemen bekannt. Seit-vielen Jahren beteiligt sich der Diplom-Meteorologe und Autor intensiv an den Diskussionen zum Klimawandel. Seit 2015 moderiert er Dokumentarfilme für die ARD und den SWR.-Der Diplom-Meteorologe und Wettermoderator war schon als Kind fasziniert vom Himmel, von den Wolken und der Fliegerei. Er-studierte bis 1996 Meteorologie in Köln und nahm nach dem Diplom die Chance wahr, Meteorologie und Medien zu verknüpfen.-Live im Radio ist Sven Plöger seit 1996 zu hören - seit 1999 steht er vor der Kamera. Auch als Buchautor hat er sich einen Namen gemacht, u. a. mit dem Buch-„Gute Aussichten für morgen. Wie wir den Klimawandel für uns nutzen können“. Foto: Sebastian Knoth REPORTAGE 17 projektManagementaktuell | AUSGABE 4.2019 Solch ein Unsinn wird zum Glück nur noch von wenigen behauptet. Der Fehler ist, dass man Wetter und Klima verwechselt. Aus Sicht der Klimaforschung ist eine Erwärmung um bereits ein Grad sehr viel - vor allem in dem äußerst kurzen Zeitraum von einhundert Jahren. Genau das ist geschehen. In den letzten Jahren haben wir durch unsere Emissionen die klimatische Durchschnittstemperatur um ein Grad angehoben. Ordnen wir Energien mit ihrer hohen Volatilität. Die müssen wir jetzt klug nutzen. HITZEWELLEN, DÜRREN, STARKREGEN Sie erhalten als deutschlandweit bekannter Meteorologe viele Zuschriften von Zuschauern und Lesern. Wie kommt es, dass sich Menschen plötzlich mehr mit dem Klimawandel befassen? Ich denke, dass wir alle die Auswirkungen des Wandels spüren. An die extreme Hitze 2003 können sich viele noch gut erinnern. Seither kommen solche Hitzewellen immer häufiger, im Sommer 2018 verbunden mit dramatischer Dürre und vielen Waldbränden. Und der Juni 2019? Er war der wärmste, den wir jemals gemessen haben. Im Osten Deutschlands war er sogar wärmer als jeder der Sommermonate Juni, Juli und August im Hitzejahr 2018. Hinzu kommt immer häufiger Starkregen, der zu Überflutungen und Verwüstungen geführt hat, leider auch mit Todesopfern. Da spüren die Menschen die Macht des Wetters. Am gefährlichsten und tödlichsten von all diesen Extrem-Wettereignissen sind übrigens die Hitzewellen. Die Hitzewelle 2003 hat in Europa zwischen 35.000 und 75.000 Menschen das Leben gekostet. Kein Sturm, keine Überschwemmung hat so viele Opfer gefordert! Die Bilder nach einem Hurrikan sind dramatisch und aufrüttelnd. Die Bilder einer Hitzewelle zeigen dagegen nur schönes Wetter. Die Bilder trügen und deshalb wird die Gefährlichkeit von Hitzewellen immer unterschätzt! So etwas hört man viel! Manche meinen, es sei doch ganz nett, wenn die Temperatur durch den Treibhauseffekt um zwei oder drei Grad steigt. Das bringt mildere Winter und schöneres Wetter im Sommer! Eigentlich doch ganz gut ... Abb. 1: Mehr und mehr Menschen erkennen die Gefahren durch den Klimawandel. Foto: ink drop - stock.adobe.com Abb. 2: Lang anhaltende Dürre führt zu verheerenden Waldbränden - längst auch in Europa! Foto: Brais Seara - stock.adobe.com 18 REPORTAGE projektManagementaktuell | AUSGABE 4.2019 diesen Wert einmal ein! Vor elftausend Jahren, während der Eiszeit, waren die Alpen mit einer 3.000 Meter dicken Eisschicht bedeckt. Nördlich der Alpen war nur Eis. Damals war es im Schnitt vier Grad kälter als heute. VIER GRAD - UND DIE WELT SAH VÖLLIG ANDERS AUS Nur vier Grad ...? ! ? Ja, binnen 11.000 Jahren ist die Durchschnittstemperatur um vier Grad gestiegen - und hat aus der Eiswüste eine blühende Welt gemacht. Die um vier Grad höhere Durchschnittstemperatur hat unsere Welt grundlegend verändert. Jetzt vergleichen Sie: vier Grad in 11.000 Jahren - und ein Grad in einhundert Jahren. Daran können Sie ermessen, auf was wir zusteuern. Nochmals zum Unterschied von Wetter und Klima. Wie darf ich mir diesen Unterschied genau vorstellen? Unter dem Begriff „Wetter“ verstehen wir das tägliche, wechselvolle Wettergeschehen, das wir erleben. Beim „Klima“ geht es aber um die Statistik des Wetters. Es wird über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren und über eine Region hinweg - bis hin zum globalen Klima - gemittelt. Um den Mittelwert des Klimas zu verändern, muss sich das dahinterliegende Wettergeschehen sehr, sehr stark verändern. Weshalb so stark verändern? Ich muss etwas ausholen, um dies zu erklären. Bitte! Treibhausgase wie CO 2 bewirken, dass durch die Sonne einstrahlende Energie in der Erdatmosphäre zurückgehalten wird. Gäbe es überhaupt keine Treibhausgase, hätten wir auf unserem Planeten etwa minus 18 Grad. Wir könnten hier nicht leben. Also - wir brauchen Treibhausgase. Sie tragen dazu bei, dass es auf der Erde im Schnitt rund 33 Grad wärmer ist. So kommen wir auf eine Durchschnittstemperatur von knapp 15 Grad. Treibhausgase sind also eigentlich nützlich .... Richtig. Unser Problem ist nur: Dadurch, dass wir fossile Stoffe verbrennen, bringen wir mehr Treibhausgase in die Atmosphäre. In einem Jahr verbrennen wir so viel fossile Energieträger, wie die Erde in einer Million Jahren „produziert“ hat. Wir verbrauchen zudem das 1,6-Fache der nachwachsenden Ressourcen. Anfang August haben wir die nachwachsenden Ressourcen für dieses Jahr komplett aufgebraucht. Wir leben also auf Kredit der Natur - und zahlen diesen Kredit nicht zurück. Dies führt dazu, dass wir zu viel Treibhausgase in der Atmosphäre haben, allen voran CO 2 . WETTEREXTREME DURCH EIN GRAD MEHR Wie kommt es, dass bereits eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur um ein Grad zu solchen extremen Wetterereignissen führt? Die Erwärmung ist regional unterschiedlich. Über Wasser ist sie anders als über Land. Dort, wo Eis war oder dieses verschwindet, ist die Erwärmung besonders stark. Nun muss man wissen: Regionale Temperaturunterschiede werden durch das ausgeglichen, was wir Wetter nennen ... Die Unterschiede führen also zu alldem, von dem Sie im Wetterbericht sprechen - zu Hochdruckgebieten und Tiefdruckgebieten, Regenfronten, Hitzewellen und Dürren, Wind und Orkanen? Die Natur gleicht Energie aus - von zu viel Energie in Richtung zu wenig Energie. Je stärker die Unterschiede, desto stärker die Strömung. Verändert sich nun die regionale Energieverteilung durch den Klimawandel, verändert sich auch dieser Ausgleich - und damit auch unser Wetter ... Richtig! Und im Augenblick beschleunigt sich die Erwärmung dramatisch und so verändert sich die Energieverteilung dramatisch. Das heißt, wenn wir über den Klimawandel sprechen, müssen wir Klima und Wetter voneinander abgrenzen? Absolut! Das tägliche Wetter können wir fühlen, die Statistik nicht. Menschen richten sich stark nach ihrem Gefühl. Deshalb fällt es ihnen schwer, Klima und Wetter auseinanderhalten. Wir spüren es kaum, wenn das Wetter ein Grad kälter wird. Doch, klimatisch gesehen, ein Grad mehr Durchschnittstemperatur verändert das gefühlte und erlebte Wetter enorm. DYNAMIK IN DER ATMOSPHÄRE Verändert das Wetter enorm - zum Beispiel? Wird die Luft wärmer, so kann sie mehr Wasserdampf aufnehmen. Ein Grad mehr bedeutet sieben Prozent mehr Wasserdampf. Wenn der Wasserdampf - durchsichtig und geruchlos - einmal in der Luft ist, kann er zu Wolkentropfen kondensieren und dieser Prozess setzt Energie frei. Mehr Wasserdampf heißt auch intensiverer Regen. Ein Schauer in den Tropen demonstriert Ihnen schnell, was Starkregen heißt - und bei uns erleben wir das ja auch immer häufiger, oft sogar mit Hagel. Auf solche Starkregenereignisse sind wir in Europa bisher nicht ausreichend vorbereitet. Übrigens hat die Klimaforschung vor zwanzig, dreißig Jahren genau diese extremen Wettereignisse prognostiziert, die wir jetzt weltweit erleben. Wochenlang an Ort und Stelle stehende Hochs, aber auch Tiefs lassen das Wetter natürlich extremer werden - so wie 2018 durch die Dürre oder 2017 im Norden Deutschlands durch die Überflutungen. Auch die Folgen ließen sich daraus bereits ableiten, wie etwa das Absterben von Buchenwäldern. Für Sie kommen diese Ereignisse also nicht überraschend? Nein, für die Wissenschaft kommen die Ereignisse gar nicht überraschend. 97 Prozent der Wissenschaftler sind sich einig, dass der Klimawandel kommt beziehungsweise schon da ist und maßgeblich vom Menschen verursacht ist. Unter Wissenschaftlern gibt es da keine Debatte mehr. Diese Debatte gibt es leider noch in der öffentlichen Diskussion. LEUGNER DES KLIMAWANDELS Sie haben über viele Jahre mit Menschen diskutiert, die an den Klimawandel nicht glauben wollten … Da geht es nicht um Glauben. Der Klimawandel ist ein physikalischer Fakt! Wir reden über Tatsachen, die sich aus der Physik ergeben. Physik findet statt, egal, ob wir an sie „glauben“ oder nicht. Die Physik schert sich nicht um uns. Wenn wir nicht unser Verhalten ändern, dann wird sich das Wettergeschehen völlig emotionslos und gemäß den physikalischen Gesetzen verändern REPORTAGE 19 projektManagementaktuell | AUSGABE 4.2019 Konkret, wo lohnt es sich anzusetzen? Sollen wir auf Flugreisen verzichten, wie so häufig gefordert wird? Es ist immer besser, wenn man elektrisch reist, etwa mit der Bahn. Und es stimmt, Fliegen ist schlecht für das Klima. Dennoch sollten wir das Fliegen sinnvoll einordnen. Die Fliegerei macht aktuell 2,7 Prozent der weltweiten Gesamtemissionen von CO 2 aus. Bei gut ausgebuchten, modernen Flugzeugen liegt der Spritverbrauch bei unter 3 Litern je Person und 100 Kilometern. Verglichen mit dem Auto ist dies ein gar nicht mal schlechter Wert. Ich halte es für keine gute Idee, den Flugverkehr komplett zu verdammen. Moment! Flugzeuge bewegen sich in großer Höhe. Dort, in den oberen Schichten der Atmosphäre, soll die Wirkung von CO 2 und Kondensstreifen wesentlich größer und schlimmer sein … Ja, die Wirkung vergrößert sich etwa um den Faktor 1,2 bis 4,7. Dies muss man natürlich in die Rechnung mit einbeziehen. Trotzdem würde ich das Fliegen nicht gänzlich verdammen. Persönliche Begegnungen rund um die Welt sind wichtig, wenn die Menschheit global zusammenwachsen soll. Eine Chance sehe ich in Forschungs- und Entwicklungsprojekten etwa zu synthetischen Kraftstoffen, die den Ausstoß von Schadstoffen verringern. Und nochmals: Der größte Teil des schädlichen CO 2 werden nicht durch Flugzeuge emittiert, sondern woanders. HEIZEN UND KÜHLEN ALS ANSATZPUNKTE Wo hauptsächlich? Bei der Stromerzeugung durch Kohle und Gas. Beim Heizen und Kühlen, das sind ganz hervorstechende Einflussgrößen. Bedeutsam ist auch der Straßenverkehr. Besonders bei der Mobilität könnte die Politik jetzt klare Kante zeigen. Sie könnte den ÖPNV stark voranbringen, die Städte fahrradfreundlich umbauen - und versuchen den Autoverkehr aus der Stadt zu drängen. Kopenhagen ist da ein gutes Vorbild. Dänemark hat übrigens viel schlechtes Wetter. Die Leute fahren dort nicht Rad, weil sie die Sonne genießen wollen - sondern weil sie sich an die neuen Verhältnisse gewöhnt haben. Sie sagten eben, dass das Heizen und das Kühlen eine wichtige Einflussgröße sind? Sie sagten, dass die Argumente der Kritiker besonders bei Laien verfangen. Weshalb? Die Argumente scheinen auf den ersten Blick leicht verständlich, plausibel - und glaubhaft. Es wird gesagt, dass nicht der Mensch für den Wandel verantwortlich ist. Es handele sich um ein natürliches Geschehen, gegen das wir machtlos sind. Wie gesagt, 97 Prozent der Wissenschaftler halten diese Ansicht für blanken Unsinn. Doch in der Bevölkerung wird der Eindruck erweckt, dass der Einzelne keine Verantwortung trägt und sein Verhalten nicht zu ändern braucht. Spürbar ist aber, dass immer weniger Menschen dies glauben. Sie werden sich bewusst, dass solche erkennbaren Veränderungen beim Wettergeschehen nicht einfach „nur so aus Lust und Laune“ passieren. MEHR ALS NUR VERZICHT PREDIGEN Sprechen wir von der Verhaltensänderung. Wir alle werden auch verzichten müssen … Es ist richtig, dass wir unsere Art und Weise, wie wir Energie nutzen, verändern müssen. Dies hat unter anderem auch mit Verzicht zu tun. Ich warne allerdings davor, nur Verzicht zu predigen und allein auf Verbote zu setzen, so nehmen wir die Masse nicht mit. Aber wir benötigen klare Regeln für alle, wie wir Klimaschutz betreiben. Diese Regeln müssen klar bestimmen, was verboten, erlaubt oder erwünscht ist. Außerdem bringt es nichts, ständig nur schreckliche Bilder zu zeigen und Alarmismus zu betreiben. Wenn wir nur Angst machen, überfordert das Menschen eher; sie kommen zu dem Schluss, es sei eh zu spät, diese schier unmögliche Aufgabe zu lösen. Unser Verhalten wird sich nur ändern, wenn wir die Konsequenzen des Klimawandels am eigenen Leib zu spüren bekommen und diese Beobachtungen richtig einordnen: das Sterben der Buchenwälder, die Hitzewellen, den Starkregen, die Waldbrände vor der Tür … Dann stellt sich die Frage: Wie soll es erst in zehn Jahren aussehen, wenn wir heute schon so etwas erleben? Bei dieser Frage beginnen die Menschen nachzudenken. Dann muss die Politik den Mut haben, klare Entscheidungen zu treffen - was sie derzeit meiner Einschätzung nach noch nicht in ausreichendem Maße tut. Dass sogar Ordnungspolitik und Verbote nicht zwangsläufig Wählerstimmen kostet, dies zeigen ja die Erfolge der grünen Parteien. - und uns weltweit schnell an unsere Grenzen bringen. Bitte verstehen Sie mich richtig: Ich finde es gut, wenn Menschen sich kritisch mit der Wissenschaft auseinandersetzen und auch skeptische Fragen stellen. GEFÄHRLICHE EINWÄNDE Irgendwann sollte auch die Einsicht kommen, wenn man bereit ist, sich mit der Physik wirklich auseinanderzusetzen. Bei den hartnäckigen Leugnern passiert aber genau das nicht. Sie wiederholen vielmehr stets alte und längst widerlegte Scheinargumente. Den Wandel selbst weisen die Skeptiker heute nicht mehr zurück, dies wäre zu auffällig. Doch sie widersprechen der Tatsache, dass der Mensch für ihn verantwortlich ist. Ich habe über viele Jahre mit den Skeptikern und Leugnern diskutiert. 2016 habe ich beschlossen, die Diskussion mit ihnen aufzugeben. Das Diskutieren ist absolut sinnlos. Es geht dabei nicht um Inhalte und wissenschaftliche Erörterung. Es werden Einwände vorgetragen, die für den Laien vielleicht plausibel und überzeugend klingen - wissenschaftlich gesehen aber kompletter Unsinn sind. Die Leugner des Klimawandels behaupten beispielsweise, dass es schon immer Klimaschwankungen gegeben hat. Sie beziehen sich auf zyklische Sonnenaktivitäten, die mal mehr, mal weniger Energie zur Erde bringen. Was entgegnen Sie? Das ist solch ein Scheinargument. Die einstrahlende Sonnenenergie hat sich nämlich nicht verändert. Die Solarkonstante ist gleich geblieben und weist keinerlei langfristigen Trend auf. Richtig ist aber, dass wir bestimmte Zyklen der Sonne kennen, mit denen die sogenannten Sonnenflecken abnehmen und wieder zunehmen. Der „Schwabe-Zyklus“ beschreibt einen solchen Zyklus und sorgt für eine elfjährige Periode. Doch die Schwankung, von der wir hier sprechen, ist sehr gering. Sie beträgt nur 0,3 Watt pro Quadratmeter - einen Bruchteil der 237 Watt pro Quadratmeter, die unsere Atmosphäre und den Erdboden erreichen. Wie also soll diese geringfügige Änderung den so drastischen Klimawandel erklären? Und: Es handelt sich um eine Schwankung über elf Jahre. Demnach würde es bei uns alle elf Jahre etwas kälter und wärmer. Genau dies messen wir ja nicht. 20 REPORTAGE projektManagementaktuell | AUSGABE 4.2019 Ja, insbesondere das Kühlen. Eine Kühlmaschine ist technisch gesehen eine Wärmepumpe. Beim Kühlen entzieht man mit Energieverbrauch einem Raum die Wärme und pustet die Wärme in die Umwelt. Was das Heizen betrifft: Bereits ein Grad weniger Raumtemperatur spart sechs Prozent Energie. Da stellt sich die Frage, ob das Schlafzimmer bei halb geöffnetem Fenster im Winter wirklich jeden Tag 23 Grad warm sein muss. Und denken Sie an die Stand-by-Geräte: Wir verschwenden jährlich 18 Milliarden Kilowattstunden Strom für Geräte, die gar nicht arbeiten, sondern nur auf „stand-by“ geschaltet sind. Bei diesen Dingen kann man gut ansetzen, sie durchdacht, mutig und mit Konsequenz verändern. Nur - ich muss den Menschen auch Lust auf diese Transformation machen. LUST AUF PROJEKTE ZUM KLIMASCHUTZ MACHEN Inwiefern Lust auf diese Transformation machen? Wie kann dies gelingen? Vielleicht kommen wir nicht ganz ohne Verbote und das Drehen an der Preisschraube aus. Das macht natürlich keine Lust ... Eben nicht! Deshalb meine Frage ... Lust machen könnte man durch Projekte, in die sich die Leute einbringen können. Also die Menschen an Projekten beteiligen. Es gibt in Deutschland viele Ideen und technologische Ansätze für diese Transformation. Viele Technologien, die wir heute haben, werden ja weiterentwickelt, beispielsweise Elektroautos. Heute werden sie mit Akkus betrieben, die morgen sicher von neuer Technologie abgelöst werden. Dann werden Argumente gegen Elektroautos, die heute vielleicht noch greifen, nicht mehr gelten. Deswegen ist es sinnvoll, diesen Bereich massiv auszubauen, denn so eine Infrastruktur muss ja erst mal wachsen. Auch wird man nochmals über die Brennstoffzelle nachdenken müssen. In Summe liegen da doch enorme Chancen für uns, vor allem auch wirtschaftlich. Es kommt nun darauf an, solche Ideen und Konzepte zügig in Projekte zu gießen. Sie sagen „zügig“. Wie viel Zeit bleibt uns dafür? Die Weltgemeinschaft hat beschlossen, dass wir die Erwärmung des Klimas auf unter zwei Grad halten. Ein Grad haben wir schon. Rein rechnerisch dürften wir nun weltweit noch insgesamt 720 Milliarden Tonnen CO 2 emittieren. Im Augenblick emittieren wir 36 Milliarden Tonnen jährlich - viel zu viel. Das heißt, wir haben noch 20 Jahre, um klimaneutral zu werden und eine Erwärmung von mehr als zwei Grad zu vermeiden. Dann würden wir ein Ziel von zwei Grad erreichen. Sie sagten, dass wir unter zwei Grad bleiben wollen … Ja. Insofern bin ich mit der Wissenschaft d’accord, dass uns noch 10 bis 15 Jahre bleiben. Allerdings nicht 10 bis 15 Jahre fürs Nichtstun und Weitermachen wie bisher! In dieser Zeit müssen wir uns intensiv um die Projekte kümmern und den Klimaschutz vorantreiben. Wenn wir so vorgehen, werden sich Erfolge einstellen. Da bin ich mir ziemlich sicher!  Abb. 3: Projekte für alternative Energien helfen, das Klima zu schützen. Foto: elxeneize - stock.adobe.com Beilagen in diesem Heft • GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V., PM Forum • GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V., PMO Tag Wir bitten um Beachtung. projektManagementaktuell | AUSGABE 4.2019 REPORTAGE 21