eJournals PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL37/2

PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
pm372/pm372.pdf0727
2026
372 GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

Projektmanagement auf der Überholspur

0727
2026
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Wissen | Autonomie ist nicht gleich Autonomie 40 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0025 adaptiv zu gestalten. Dabei ist zu beachten, dass Autonomie und Kompetenz in einem Entwicklungszyklus stehen: Werden Freiheiten gewährt, ohne dass die notwendigen Kompetenzen vorhanden sind, entsteht oft Angst statt Motivation. Effektive Führung fungiert hier quasi als bedingte Verfügbarkeit- - sie bietet punktgenaue Unterstützung an, ohne sie dem Team und ihren Mitgliedern aufzuzwingen. Fazit und Leadership-Check Die Ergebnisse zeigen deutlich: Autonomie ist ein wirkungsvoller Motivator, wenn die Vielfalt im Erleben anerkannt wird. Fünf unterschiedliche Perspektiven beschreiben, wie Autonomie in agilen Projektteams positiv erlebt werden kann- - von der kollektiven Selbstverwaltung bis zur Kontrolle auf reiner Aufgabenebene. Der abschließende Leadership-Check für agile Führungskräfte lautet daher: • „Gestalte ich Autonomie so, wie ich sie für angemessen halte- - oder so, wie sie für den Einzelnen tatsächlich motivierend ist? “ • „Biete ich die Freiheit ‚etwas zu tun’ (Handlungsfähigkeit) oder nur die Freiheit ‚von etwas‘ (Unabhängigkeit)? “ Nur durch diese kontinuierliche Reflexion kann die motivationale Kraft agiler Projektteams voll entfaltet werden. Denn stellen Sie sich Ihr Projektteam als einen Garten vor. Als Führungskraft sind Sie nicht diejenige, die die Pflanzen „wachsen macht“, sondern diejenige, die das Ökosystem so gestaltet, dass jede Persona gedeihen kann. Ein Gärtner, der alle Pflanzen mit der exakt gleichen Menge Wasser und Licht versorgt-- analog einer standardisierten Autonomie- - wird feststellen, dass einige ertrinken, während andere vertrocknen. Erfolgreiche agile Führung erkennt daher, dass nicht gleiche Bedingungen, sondern passgenaue Pflege den Unterschied zwischen Wachstum und Stillstand in der Teamarbeit ausmachen. Eingangsabbildung: © iStock.com / SeventyFour Judith Armbruster Innovativ und kreativ erforscht Judith Armbruster, wie Autonomie und Agilität Menschen in Teams motivieren. Als KI-Managerin verbindet sie Forschung, Lehre und Praxis, um menschzentrierte Führung und KI verantwortungsvoll zu gestalten. Forschung für gelebte Praxis. Anschrift: hello@juditharmbruster.de Webseite: juditharmbruster.de ORCID: https: / / orcid.org/ 0009-0007-5420-3734 In Kürze: Rückblick auf die Präsenz der GPM auf der re: publica Projektmanagement auf der Überholspur Wie verändert Künstliche Intelligenz die Arbeit von Projektmanagerinnen und Projektmanagern? Welche Methoden helfen ehrenamtlichen Initiativen dabei, aus guten Ideen konkrete Projekte zu machen? Und was hat eine Carrera-Bahn mit Projektmanagement zu tun? Bei der diesjährigen re: publica Berlin, dem Festival für die digitale Gesellschaft und der größten Konferenz ihrer Art in Europa, zeigte die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V., wie praxisnah, greifbar und gleichzeitig zukunftsrelevant modernes Projektmanagement heute ist. Im Mittelpunkt standen zwei Vorträge, ein KI-Experiment zum Mitmachen- - und eine Carrera-Bahn, auf der Besucherinnen und Besucher nicht nur um Bestzeiten fuhren, sondern ganz nebenbei auch zentrale Prinzipien erfolgreicher Projektarbeit erleben konnten. Im Vortrag „Projekte für eine bessere Welt- - Stark starten, um viel zu bewegen“ zeigte Hannes Leiteritz, Politischer Referent in der Hauptstadtrepräsentanz der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V., warum gerade ehrenamtliche und gesellschaftliche Initiativen häufig nicht an mangelnder Motivation scheitern, sondern an fehlender Struktur. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass viele Projekte mit „heißen Herzen, großen Zielen und super Stimmung“ beginnen, gleichzeitig aber unter begrenzten Ressourcen und unklaren Zuständigkeiten leiden. Leiteritz verdeutlichte anschaulich, wie wichtig es ist, bereits zu Beginn realistische und konkrete Ziele zu definieren, um Projekte (nicht nur sinnbildlich auf der Carrera-Bahn) über die Ziellinie zu bringen. Dabei griff er unter anderem die SMART-Methode auf und zeigte anhand einer beispielhaften Baumpflanzaktion, wie aus einer allgemeinen Idee ein klar formuliertes Projektziel mit Terminen, messbaren Ergebnissen und definierten Verantwortlichkeiten wird. Einen völlig anderen Zugang wählten Doris Weßels und Claudia Jahnke mit ihrem interaktiven Meetup „Projektleitungen ade? Wie KI-Systeme das Projektmanagement verändern“. Im Zentrum des Meetups, das bis auf den letzten Platz besetzt war, stand ein Live-Experiment, das menschliche und künstliche Intelligenz direkt miteinander verglich. Die Besucherinnen und Besucher wurden mit einem bewusst zugespitzten Projektszenario konfrontiert: Ein Team entwickelt eine App für nachhaltige Ernährung, plötzlich kündigt der Hauptentwickler, gleichzeitig wird das Budget um 30 Prozent gekürzt und ein Wettbewerber bringt eine ähnliche App auf den Markt. Die Teilnehmenden diskutierten zunächst in Kleingruppen mögliche Reaktionen aus Sicht einer Projektleitung, bevor anschließend die Antworten eines KI-Systems präsentiert und gemeinsam intensiv reflektiert wurden.