PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL
pm
2941-0878
2941-0886
UVK Verlag Tübingen
pm372/pm372.pdf0727
2026
372
GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.Schlüsselindustrie der Zukunft
0727
2026
pm3720059
Berichte aus der GPM | Brücken bauen zwischen Unternehmen und Projekt 59 PROJEKTMANAGEMENT AKTUELL · 37. Jahrgang · 02/ 2026 DOI 10.24053/ PM-37-0029 Künstliche Intelligenz wird vermutlich viele methodische Aufgaben im Projektmanagement übernehmen-… Dies sehe ich auch so. Etwa Aufgaben in der Planung, die Dokumentationssteuerung oder Berichterstattung. Ich vermute, dass 90 Prozent dieser rein methodischen Arbeiten früher oder später durch KI erledigt werden. Für uns im Projektmanagement heißt dies: Viele rein fachlich-methodische Kompetenzen werden in den Hintergrund rücken. Stattdessen wird es mehr um strategische und gestalterische Aufgaben gehen. Was heißt das genau? Künstliche Intelligenz wird Projektmanagern automatisiert viele Daten liefern. Wir müssen nun lernen, mit dieser Masse an Daten umzugehen und daraus Entscheidungen zu generieren. Außerdem werden wir noch kreativer und kollaborativer arbeiten müssen. Wir müssen beispielsweise lernen, Künstliche Intelligenz als Werkzeug in die Teamarbeit einzubinden. Es wird also ganz neue Kompetenzen geben müssen. Was bedeutet dies für die Kompetenzelemente, die wir erörtert haben-- „Strategie“, „Governance, Strukturen und Prozesse“ sowie „Kultur und Werte“? Künstliche Intelligenz wird uns vieles der reinen Umsetzung von Projekten abnehmen. Das schafft Raum für eine noch bessere Anbindung an die Strategie und an die Organisation. Aber: Trotz der KI-Revolution werden weiterhin die Menschen Projekte leiten. Wir werden weiterhin Strategien und Ziele definieren, Organisationen gestalten und Abläufe orchestrieren. Die Kompetenzelemente, die wir besprochen haben, werden also mehr Gewicht bekommen. Dr. Reinhard Wagner Dr. Reinhard Wagner hat in mehr als vier Jahrzehnten viel praktische Erfahrungen im Projektmanagement gesammelt und berät heute Führungskräfte aus Industrieunternehmen bei der Professionalisierung ihres Projektgeschäfts. Er ist Geschäftsführer der Projektivisten und ehemaliger Präsident der GPM sowie der IPMA. Seit vielen Jahren ist er maßgeblich an der Weiterentwicklung der PM-Disziplin beteiligt, national wie international, hat inzwischen mehr als 40 Fachbücher und Hunderte Artikel veröffentlicht. Er lehrt als Professor für Projektmanagement im Doctoral Study Program an der Europäischen Universität Alma Mater Europaea, der Stellenbosch University (Südafrika) sowie der Reykjavik University (Island). E-Mail: rw@projektivisten.com Foto: Thomas Wieland In Kürze: Neue Fachgruppe für Halbleiter Schlüsselindustrie der Zukunft Sie stecken in Smartphones, steuern moderne Fahrzeuge, ermöglichen künstliche Intelligenz und sind Grundlage nahezu aller digitalen Technologien: Halbleiter sind das „unsichtbare Rückgrat“ unserer modernen Welt und verbinden die reale mit der digitalen Welt. Gleichzeitig zählt ihre Entwicklung zu den anspruchsvollsten industriellen Aufgaben überhaupt. Ein neuer Mikrochip entsteht oft über Jahre hinweg, durchläuft zahlreiche Entwicklungsstufen und erfordert die enge Zusammenarbeit internationaler Teams- - bei gleichzeitig enormem Innovationsdruck und hohen Investitionen. Genau in diesem komplexen Umfeld kommt professionellem Projektmanagement eine entscheidende Rolle zu. Denn Halbleiterprojekte bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Forschung, Produktentwicklung und industrieller Skalierung. Technologische Unsicherheiten, globale Wertschöpfungsketten und hochgradig vernetzte Prozesse müssen strukturiert gesteuert werden, damit aus innovativen Ideen marktfähige Produkte entstehen. Vor diesem Hintergrund hat die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. die neue Fachgruppe Halbleiter ins Leben gerufen. Sie schafft eine Plattform für Projekt- und Programmverantwortliche aus dem Hightech-Umfeld, um gemeinsam Lösungen für die spezifischen Anforderungen dieser Branche zu entwickeln. Im Fokus der Fachgruppe stehen zentrale Fragestellungen des Projekt- und Programmmanagements in der Halbleiterentwicklung: Wie lassen sich technologische Risiken besser beherrschen? Wie können komplexe Abhängigkeiten zwischen Entwicklungsschritten gesteuert werden? Und wie gelingt die Abstimmung von Technologie-, Produkt- und System- Roadmaps über verschiedene Organisationen hinweg? Die Fachgruppe bietet Raum, um genau diese Herausforderungen gemeinsam zu bearbeiten. Mitglieder tauschen Erfahrungen aus, entwickeln Best Practices und erarbeiten konkrete Hilfestellungen für den Projektalltag-- von Leitfäden bis hin zu Fallstudien aus realen Projekten. Dabei orientiert sich die Arbeit an etablierten Kompetenzmodellen, die gezielt für die Anforderungen der Halbleiterindustrie weiterentwickelt werden. Ziel ist es, Projektmanagement nicht nur theoretisch zu beschreiben, sondern konkret anwendbar zu machen. Die neue Fachgruppe richtet sich an Projekt- und Programmmanager*innen, Product Owner, Führungskräfte sowie Expertinnen und Experten aus Technologie-, Produkt- und Systementwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie versteht sich als offene Community, die vom aktiven Austausch und Engagement ihrer Mitglieder lebt.
